Die Bank – die eine Seite der Münze

Vorwort: Vor einiger Zeit habe ich die Kategorie „Mein Leben und andere Katastrophen“ eröffnet. Realistische Geschichten mit einer Prise Wahrheit. Und diese Geschichte passt einfach perfekt.

Voller Sorge machte ich mich auf den Weg. Dabei hatte der Tag so gut angefangen. Nachdem am Abend zuvor mehrere Gewitter über die Hütte hinweg fegten, war morgens der Himmel klar und die Sonne schien, als wir mit unseren Rücksäcken aufbrachen. Noch während des ersten Anstieges war mir bereits so warm, dass ich meine Jacke ausziehen musste. U. indessen ging voraus. Immer meinte sie, sie wäre zu langsam und ich würde sie dann schon einholen. Oben angekommen war aber weit und breit keine Spur von ihr. Sonst wartete sie doch immer. Gut, weiter ging es. Nach knapp 100m zweigte der Weg links von der Fahrstraße ab. Doch keine Spur von U.. Das war schon sehr merkwürdig. Ich hatte doch nur meine Jacke ausgezogen. Sie konnte maximal einen Vorsprung von 3-4 Minuten haben. Ich legte einen Zahn zu. Aber nach kurzer Zeit war mir klar, das kann nicht sein. So weit kann U. nicht voraus gelaufen sein. Kein roter Rucksack, keine rote Haube in Sichtweite. Also schnallte ich meinen Rucksack ab und sprintete den Weg nochmals bis zur Abzweigung zurück und dann die Straße bergan. An der nächsten Biegung war eine Abzweigung. Ein Schotterweg ohne Ausschilderung. Sie wird doch nicht. Andererseits. Doch nachdem ich diesem einige hundert Meter im Laufschritt gefolgt war, blieb ich schnaufend stehen, immer wieder U.’s Namen rufend. Nichts. Leicht ratlos und mit ersten Anzeichen von Sorge lief ich zurück zum Rucksack. Hoffentlich ist nichts passiert. Wo kann sie nur sein? Ein paar Mal lief ich noch hin und her. Wohl mehr aus Hilflosigkeit, als mit einem echten Plan. Warum musste sie auch vorweg laufen? Immer wieder heißt es, am Berg zusammen bleiben!. Und was macht sie? Rennt einfach immer weiter. Na toll. Und jetzt?. Also gut, hier konnte ich nicht bleiben. Und vielleicht war sie ja doch schon so weit vorweg und ich nun durch diese erfolglose Suchaktion nur noch weiter zurück gefallen.

Und so machte ich mich voller Sorge auf den Weg, den ich trotz des traumhaften Wetters und der tollen Landschaft überhaupt nicht genießen konnte. Wie sollte ich sie nur wieder finden? Sie hatte keine Karte, Handy funktionierte auch nicht. Perfekte Aussichten für einen dieser Rettungseinsätze wegen Unvorsichtigkeit. Vor meinem inneren Auge tauchten sämtliche Horrorszenarien auf. Hin und wieder begegneten mir andere Wanderer und jeden fragte ich, ob eine Frau mit roter Kappe und rotem Rucksack gesichtet worden wäre. Alle verneinten.

Nach knapp zwei Stunden war ich nervlich am Ende und meine Kraft ließ auch nach. Ich hatte bestimmt schon hundertmal in die Karte gesehen und überlegt, wo U. sein könnte. Wenn sie tatsächlich dem Schotterweg weiter gefolgt war, dann würde sie kurz unterhalb des Gipfels an eine Hütte kommen. Dort könnte sie dann evtl. fragen, wie sie wieder auf den Weg kommt, wenn sie feststellt, dass wir uns verloren haben. Zu der Hütte gibt es noch einen zweiten Zustieg. Das heißt, sie könnte darüber absteigen und wäre wieder auf dem richtigen Weg. Insofern müsste ich mich lediglich an dieser Stelle positionieren und warten. Aber dazu muss sie natürlich an der Hütte ankommen und fragen. Das klappt doch niemals! Also schön, ich gehe bis zu der Abzweigung und warte einfach dort so lange bis sie kommt, oder bis es anfängt, dunkel zu werden und ich die Rettungskräfte alarmieren kann.

An dem gedanklich erarbeiteten Treffpunkt befand sich ein kleiner Hof. Malerisch gelegen und mit herrlichem Blick ins Tal. Ach ja, wie gern hätte ich auch so eine kleine Alm und könnte ein einfaches, aber glückliches Leben führen. Blumen und Kräuter anpflanzen. Die Tiere füttern und auf die Weide bringen. Sehr schön. Diese Ruhe. Und dieser Blick. Und die ganze Natur. Herrlich! Etwas abseits des Hofes stand eine Bank auf einer Anhöhe. Der perfekte Rastplatz. Dort werde ich warten und erst mal etwas essen. Ah, da sitzt schon jemand. Den frage ich gleich mal, ob der Weg, den man nach oben verlaufen sieht, auch zu der Hütte führt und ob er U. gesehen hat. Vielleicht ist er ja gerade von oben runter gekommen und macht nun Rast hier. „Sagen Sie, der Weg da, führt der zu der Hütte hier?“ Ich deute auf die Karte. „Weiß nicht“, erhalte ich als Antwort. „Ist vielleicht eine Frau mit rotem Rucksack und roter Kappe von dort runter gekommen?“, starte ich noch einen Versuch. „Keine Ahnung.“ Also gut, das war wohl nichts. Ich hole tief Luft und seufze. Was nun?

Der Mann sitzt mitten auf der Bank. Zu seiner Rechten wäre Platz, da steht aber ein Auto direkt vor der Bank und versperrt die Aussicht. Auf die Landschaft und noch wichtiger: Auf den Weg. Linker Hand ist Platz. Ein Pilz wuchert dort aus einem Spalt. Mit meinem Stock kratze ich ihn weg. „Den können Sie doch da lassen! Ist doch genug Platz da“, meint er und deutet nach rechts. „Ich möchte mich hier aber gern hinsetzen“, erwidere ich etwas unwirsch. Das wird ja immer besser: Total unhilfsbereit und dann auch noch Vorschriften machen, wo man sich hinsetzen soll. Sieht der denn nicht, dass ich kurz vorm Durchdrehen bin? Was, wenn U. etwas passiert ist? Und ich später erklären muss, dass ich einfach weiter gegangen bin? Was glaubt er eigentlich, wer er ist? Hat wahrscheinlich keine Ahnung, was in den Bergen alles so passieren kann. Den Schuhen nach zu urteilen, jedenfalls nicht. Hat auch nur eine Plastikflasche mit Wasser dabei. Und sonst nichts.

Schweigend setze ich mich hin. Nun bin ich nicht nur verzweifelt, sondern auch noch wütend. So was von unfreundlich ist mir schon lange nicht mehr begegnet. Nur aus reiner Notwendigkeit zwinge ich mich, ein paar Bissen zu vertilgen. Immer wieder schaue ich nervös zum Berg und in die Richtung, aus der ich gekommen bin. Nichts. Nach einer Weile steht der Mann auf. Ohne Gruß und ein weiteres Wort. Ja, solche Leute kann ich gut leiden. Null Mitgefühl und unfreundlich obendrein. Er folgt dem Weg und geht dann ins Haus. Super! Der Besitzer selber! Oh Mann! Wahrscheinlich hat er den Pilz selbst gezüchtet. Seit Jahren! Und dann komme ich und mache ihn kaputt. Er hätte aber auch ein Stück rücken können. Hat ihm bestimmt nicht gepasst, dass ich mich auf die Bank setzen wollte. Seine Bank. Ich gehe jetzt rüber und entschuldige mich und sage, dass ich echt verzweifelt bin und nicht weiß, was ich tun soll. Und dass es keine Absicht war usw. Aber wütend bin ich irgendwie noch immer. Jetzt noch mehr. Sturer Bergschrat. Bekommt ihm anscheinend nicht gut, so viel frische Luft.

Ich ärgere mich so sehr, dass ich fast vergesse, wie verzweifelt ich bin. Doch dann ist es wieder da, das ungute Gefühl und die Hilflosigkeit. Und so sitze ich eine ganze Weile auf der Bank ohne Pilz.

 

…Fortsetzung folgt

Seelenfutter

Karte Nr. 11: “Sie sind ganz und gar auf Genuss eingestellt: Kochen Sie Ihr Lieblingsessen oder bereitet Sie Ihr Traumdessert zu. Diesmal wird nicht an die Figur gedacht – es zählt nur der Spaß am Schlemmen.

Um es vorweg zu sagen: Nein, ich habe nicht zugenommen. Nur damit aus der Welt ist, bevor ich hier weiter mache. Und um die Wahrheit zu sagen, hatte ich sogar einige Schwierigkeiten mit dem Schlemmerpart. Nicht, weil Fastenzeit ist. Ich bin weiß Gott kein religiöser Mensch. So gesehen, habe ich in den letzten zwei, drei Jahren sogar in abgewandelter Form gefastet. Süßigkeiten zum Beispiel. Ich meine, es war letztes Jahr, als ich auf Fleisch und Süßigkeiten verzichtet habe. So zumindestens die Idee. Allerdings habe ich nach einer stressüberlasteten Arbeitswoche das mit den Süßigkeiten auf ein anderes Mal verschoben. Ohne Fleisch bis Ostern war dagegen kein so großes Problem wie ich anfangs meinte. Ein paar Tage vor Ostern war ich zum Essen im Steakhaus. Zuerst habe ich gezögert und dachte mir dann: „Ach, was soll’s. Wer weiß, wann ich wieder zu einem perfekt gegrillten Steak komme.“ Allerdings war ich ein bisschen enttäuscht. Ich hätte erwartet, dass ich so ein Aha-Erlebnis serviert bekomme. Nach dem Motto: „Wow, das schmeckt so teuflisch gut!“ Aber nichts dergleichen. Zyniker werden vielleicht nun sagen: „Tja, hättest Du mal bis Ostern gewartet.“ Aber, wie gesagt, um den religiösen Aspekt ging es mir dabei ja gar nicht. So, dieses Jahr mache ich also gar nichts. Süßigkeiten, Fleisch, egal, ich esse alles. Vielleicht wieder im nächsten Jahr.

Zurück zur Aufgabe: Meine größte Herausforderung ist, dass ich es nicht besonders mag, zu kochen, ohne zu wissen, dass jemand die damit verbundene Arbeit und Hingabe zu schätzen weiß. Allein in der Küche stehen, ist auch eher Pflicht denn Vergnügen. Und ich finde, Leidenschaft und Lust gehören zur Essenszubereitung einfach mit dazu, um aus einem Mahl Futter für die Seele werden zu lassen. Von daher fällt die Essensaufnahme in letzter Zeit eher unter notgedrungenes Übel und ich schenke ihr nicht allzu große Aufmerksamkeit. Weder beim Einkaufen noch beim Essen. Eigentlich schade, denn ich koche im Grunde ganz gern. Vielmehr läuft es eher so ab: Mal sehen, was Kühlschrank, Gefrierfach und Vorratsschrank so zu bieten haben und was sich daraus machen lässt. Und wie es aussieht, war genau das mein Ansatz bei dieser Karte. Hier also meine Dokumentation:

FrühstückFrühstück: Ich gebe zu, es sieht etwas ungewöhnlich, wenn nicht sogar ekelig aus, ist aber richtig lecker und erinnert mich ganz stark an meine Kindheit. Ein Sandkuchensandwich. Man nehme ein Schwarzbrot – Graubrot geht auch – mit Nuß-Nougat-Creme bestreichen und oben drauf ein Stück Sandkuchen. Marmorkuchen geht auch. So fängt der Tag gut an, eignet sich aber auch für fast jede andere Tageszeit.

 

MittagessenMittagessen: Weder gesund noch nahrhaft, keine Frage. Aber das war ja nicht der Sinn der Sache, wenn ich die Aufgabe richtig gedeutet habe. Mikrowellengemüse mit Kräuterbutter und eine Coke.

 

 

 

ZwischenmahlzeitNachmittag: Oh, fast hätte ich vergessen, ein Foto zu machen. Ursprünglich waren es vier Quarkbällchen. Aber die sind sooo klein. Und leicht. Und zart. Passt super zu Kaffee und/oder Tee. Oder als Nachtisch. Nur teilen ist manchmal nicht so einfach.

 

 

AbendessenAbendessen: Gebratene Barbarieentenbrust mit Mango. Ich liebe es. Die Kombination der krossen Ente mit der Süße der Mango. Unvergleichlich! Unwiderstehlich!

 

 

 

MitternachtssnackMitternachtssnack: Nachos mit Guacamole. Selbstgemacht. Die Guacamole, nicht die Nachos. Das Beste daran ist, dass man nie so genau weiß, wie es wird. Diesmal ziemlich scharf. Schätze, ich war etwas zu großzügig mit dem Tabasco.

 

 

Abschließendes Fazit: Wenigstens wurde die Vorgabe von fünf Portionen Obst und Gemüse eingehalten.

Dieser Monat verging fast wie im Fluge. Ich kann beinahe gar nicht glauben, dass eine neue Karte darauf wartet, gezogen zu werden. Diesmal Kategorie Sinn. „’Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen’, Karl Jaspers. Sie sind eine Tochter, Cousine, Nichte bzw. Sohn, Cousin, Neffe. Rufen Sie ein Familienmitglied an, bei dem Sie sich lange nicht gemeldet haben.“ Oh, oh, das wird lustig. Und das meine ich eher im sarkastischen Sinne. Da weiß ich gleich gar nicht, wen ich zuerst anrufen soll. Ich glaube, ich brauche jetzt erst mal neues Seelenfutter. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Mein „Liebster“ Award

blog-award

Dass mir sowas mal passieren würde, damit habe ich so gar nicht gerechnet. Dementsprechend sprachlos war/bin ich auch, was diese Nominierung, die ich Claudia zu verdanken habe, angeht. Vielen Dank nochmals! Hat mich auch gleich dazu gebracht, eine neue Kategorie für meinen Blog zu erstellen, in der ich die „Katastrophen“ des Alltags veröffentlichen kann.

Die Regeln für diesen Award lauten:

  1. Verlinkt die Person, die Euch nominiert hat.
  2. Beantwortet die 11 Fragen, die die Person Euch gestellt hat.
  3. Sucht Euch 11 Blogger, die unter 200 Follower haben und nominiert sie.
  4. Überlegt Euch selbst 11 Fragen für Eure 11 Nominierten.

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Was ist Dein Lebensmotto?

Von Natur aus bin ich wohl so was wie eine Kämpfernatur. Von wegen, nicht aufgeben und so. Mag ein Produkt meiner Erziehung gepaart mit damals noch recht klaren gesellschaftlichen Normen sein. Neuerdings zweifele ich bisweilen an diesem Motto. An meinem Kühlschrank hängt eine Postkarte, auf der steht: „Jeder Tag ist ein neuer Anfang.“ Ich denke, das ist ein durchweg positiver Ansatz. Klingt vielleicht nach „Täglich grüßt das Murmeltier“, ist es auch ein bisschen, aber so hat man auch jeden Tag die Chance auf einen Neuanfang. So zumindestens die Theorie.

Was wünscht Du Dir persönlich für 2014?

Ich glaube, etwas mehr Gelassenheit würde mir gut tun. Zur Ruhe kommen. Ankommen. Mehr das Hier und Jetzt genießen.

Welche lebende Person inspiriert Dich?

Nach einigem Nachdenken muss ich sagen: Ganz klar, mein Sohn, der mich immer wieder fordert, an meine Grenzen bringt und mich zwingt, meine Worte und Handlungen zu überdenken und in Frage zu stellen. Schließlich ist die Welt kein starres Gebilde, sondern bietet immer neue Inspiration für alle, die offen sind.

Welche Themen inspirieren Dich?

Ach, da bin ich gar nicht so wählerisch. Bei einem Einstellungstest mussten die Bewerber zur Auflockerung einen Aufsatz/Text mit dem Stichwort „Auto“ schreiben. Ich habe einfach drauf los geschrieben, was mir so in den Sinn kam, denn von Autos verstehe ich nicht wirklich etwas. Zwei Seiten in fünf Minuten. Der Prüfer hat sich köstlich amüsiert, habe ich gehört. Also, was ich sagen will: Solange mich irgendwas an etwas Erlebtes oder so erinnert, ist die Inspiration nicht weit.

Was machst Du, wenn Dir nichts einfallen will? Oder gibt es das gar nicht?

Na ja, eventuell bin ich noch nicht lange genug dabei, aber bis dato habe ich immer etwas gefunden, das mich animiert hat. Ich lese gern „fremd“ – also bei anderen Bloggern. Gut finde ich auch immer die Prompts/Challenges im „Daily Post“. Da werden oft Schreibübungen vorgeschlagen, die ich dann gern etwas abwandele und eine Geschichte daraus mache.

Warum bloggt Du?

Also angefangen hat es ja mit einer Fern-Freundschaft, wenn es so was gibt, die so ein bisschen ins Stocken geraten ist. Und dann habe ich diese „Glückskarten“ in einer Zeitschrift gefunden und dachte, das wäre ein lustiges Experiment, um der Freundschaft wieder mehr Energie zu verleihen. Tja, und bei einer der Karten war die Aufgabe: Lerne etwas Neues. Und was soll ich sagen: Hier bin ich. Wer es noch genauer wissen will, kann hier die ganze Geschichte nachlesen.

Was liebst Du am meisten daran?

Inzwischen ist der Blog so was wie eine Auszeit für mich. Und es macht tierischen Spaß zu sehen, wie sich die Geschichten während des Schreibens entwickeln. Meist habe ich eine grobe Vorstellung und nach und nach wird der Text dann zu einer Geschichte. Ich muss zugeben, das hätte ich am Anfang nicht vermutet. Leider fehlt mir im Moment etwas die Muße, um meiner neuen Liebe mehr Zeit zu widmen, aber vielleicht packe ich das noch in die persönlichen Wünsche für 2014 mit rein.

Was findest Du eher herausfordernd?

Wie man auch an diesem Beitrag ganz gut sehen kann: Mich kurz fassen. Sobald ich mal mein Gehirn auf „Senden“ gestellt habe, komme ich gern vom Hundersten zum Tausendsten. Immer wieder fallen mir neue Anekdoten und Wendungen ein. Für ambitioniere Schriftsteller von Wälzern mag das ein Vorteil sein, für einen Blog empfinde ich es bisweilen grenzwertig, da man dann dazu neigt abzuschweifen. Geht vielleicht aber auch nur mir so, da ich bekennender Papierleser bin und beim Bildschirmlesen schnell anfange, den Text zu überfliegen.

Ist das Dein erster Blog oder hast Du schon Erfahrung?

Alltagseinsichten ist mein erster Blog. Wird wohl auf lange Sicht auch mein einziger bleiben. Meiner oben beschriebenen Freundschaft zuliebe habe ich noch einen auf Englisch, in dem ich das Kartenexperiment nahezu analog aufarbeite. Danach werde ich diesen aber wohl nicht weiter führen. Mal sehen. Wen es interessiert, ist herzlich eingeladen, sich auf TheOtherSoulmate umzusehen.

Was ist das Lustigste, was Du beim Bloggen erlebt hast?

Diese Nominierung ist sicherlich das unerwartet Lustigstes, wobei lustig natürlich nicht so ganz passt. Ich bin auch nach einer guten Woche noch immer total geplättet. Besonders lustig finden würde ich es, wenn ich durch Zufall auf den Blog von jemandem stoßen würde, den ich kenne.

Beschreibe Dich in drei Worten?

Tolerant, nett, introvertiert. (kurz und knapp)

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Ich für meinen Teil nominiere für den Blog-Award (Mir ist klar, es sind nur 10, aber viele der Blogs, bei denen ich so lese, wurden erst vor kurzem nominiert bzw. haben über 200 Leser oder sind englische Blogs und fallen damit aus der Wertung):

Frau Koriander

Sandra schreibt

Follow the white blaze

Marblemoon

Let’s create our life

Frauenlieben

Die schlimme Helena

Gedankensplitter

Lena von Lessing

Auf der Suche nach sich selbst

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Die Teilnahme ist natürlich freiwillig. Und hier meine Fragen:

  1. Worum geht es in Deinem Blog?
  2. Was war Dein Highlight in 2013?
  3. Gibt es (noch) einen Traum, den Du Dir unbedingt erfüllen möchtest? Welchen?
  4. Gibt es etwas, das Du beim Bloggen gelernt hast? Was?
  5. Läßt Du jemanden Deine Texte vor Veröffentlichung lesen? Wen? Warum?
  6. Hast Du Freunde/Familie, die auch bloggen?
  7. Wie bist Du zum Bloggen gekommen?
  8. Bist Du aufgeregt, wenn Du einen Artikel veröffentlichst?
  9. Was wünscht Du Dir für Deinen Blog?
  10. Was magst Du an anderen Blogs?
  11. Gibt es etwas, das Dir an Deinem Blog nicht so gefällt? Was?

So, war gar nicht so einfach. Hat Spaß gemacht. Wünsche allen Lesern und Nominierten ebensolchen.

Eure Kerstin

Tatort Schreibtisch, Tag 25

Nun wird es langsam etwas beängstigend.

Tatort: Schreibtisch, Schublade.25 Tag

Tatbestand: Bierdeckel aus Berlin, als Berlin noch in West- und Ostberlin geteilt war. Genauer gesagt aus dem Jahre 1980. Woher ich das weiß? Tja, Visum in meinem Kinderausweis von Tag 21 kann als Beweismittel nachgereicht werden. Ist also hin und wieder doch von Nutzen, wenn man nicht alles entsorgt, was einem in die Finger fällt. Stammt von nächtlichen Besuch eines unterirdischen Labyrinths aus verschiedenen Kneipen und Bars – genannt ku’dorf. Weiß gar nicht, ob es das noch gibt. Ist auch nur noch eine sehr vage Erinnerung. Und das nicht wegen evtl. flüssiger Rauschmittel, sondern weil es eben schon sehr, sehr lange her ist.

Tatortsäuberung: Könnte ich beim nächsten Kneipenbesuch unter die dort vorhandenen Bierdeckel mischen. Da ich aber sehr selten in Bars und Kneipen gehe, wird es wohl doch der Altpapiercontainer.

Hinweis für die Führungsakte: Ich war damals in Begleitung eines Erziehungsberechtigten und habe nur KiBa (Kirsch-Bananensaft – war damals total in) getrunken. Ehrenwort.

Tatort Schreibtisch, Tag 22

Hin und wieder frage ich mich bei meinen Ermittlungen, ob manche meiner Entdeckungen nicht schon einen gewissen Altertumswert und/oder Seltenheitswert erreicht haben.

Tatort: Schreibtisch, Schublade.22 Tag

Tatbestand: Autoschlüssel. Gehörten zu meinem allerersten Auto – ein Seat Marbella. Wahnsinn: Drei Schlüssel für eine Seifenkiste (Tür, Zündschlüssel und Tank).

Tatortsäuberung: Tja, das Auto endete schon vor Urzeiten in der Schrottpresse. Die Schlüssel folgen nun per Metallschrott in die Wiederverwertung. Allerdings möchte ich noch hinzufügen, dass mir die kleine Rennsemmel bei vielen Fahrten treue Dienste geleistet hat und sogar zwei Umzüge darin Platz gefunden haben.

Tatort Schreibtisch, Tag 21

Obwohl mein Schreibtisch, der eigentlich eher ein Sekretär ist, recht übersichtlich ist, birgt die Schublade allerhand fast vergessene Erinnerungsstücke. Mag auch daran liegen, dass ich von Berufs wegen so viel Zeit an meinem Arbeitsschreibtisch verbringe, dass ich privat mich lieber bequem in einen Sessel fläze als mich an meinen Schreibtisch zu begeben.

Tatort: Schreibtisch, Schublade.21 Tag

Tatbestand: Alte, ältere und uralte Ausweise aus dem letzten Jahrtausend. Warum ich die noch habe? Sind so schöne bunte Einreise- und Visastempel drin.

Tatortsäuberung: Ausweise sind abgelaufen und somit auch das Aufenthaltsrecht im Schreibtisch. Eigentlich ein vortrefflicher Grund, mal wieder zu verreisen und sich neue Stempel zu besorgen.

 

P.S.: Muss leider gestehen, dass ich es am Ende doch nicht übers Herz gebracht habe und den Kinderausweis – meinen ersten – behalten habe.

Gedankensprünge ins Ungewisse – zur Nachahmung nicht zu empfehlen

Leseecke„Schreiben Sie einen Beitrag über irgendein Thema. Einzige Bedingung: Fügen Sie gegen Ende den Satz: ‚Er versuchte mich mit dem Gabelstapler zu treffen!‘ ein.’

…… okay …… das ist jetzt nicht gerade nett. Weder die Aufgabe, noch das Thema. Setzt es doch recht kriminelle plus sadistische Energien voraus, jemanden mit einem Gabelstapler zu ermorden. So jedenfalls denke ich mir das. Warum sollte mich sonst jemand mit einem solchen Monstergerät „treffen“ wollen. Überhaupt kenne ich gar keine Leute, die so drauf sind. Gut, ich kenne genug Leute, die einen Gabelstapler fahren und sich damit gern wahre Rennen liefern. Wusste jemand, dass es tatsächlich Meisterschaften im Gabelstaplerfahren gibt? Gut, ist wahrscheinlich nicht so der Publikumsmagnet, aber es gibt sie.

Also, wenn ich die Kollegen mit ihren überdimensionalen Legomobilen so sehe, dann sieht es nach einem großen Spaß aus. Könnte mir auch gefallen (fahre gern schnell). In Bezug auf die Kollegen kann ich auch nicht behaupten, dass einer von ihnen mordlüsterne Gedanken hegt. Ja, ich gebe zu, dass es immer der nette Nachbar bzw. der Gärtner ist, der den Mörder spielt. Von einem Gabelstaplerangriff habe ich bis dato allerdings noch nichts gehört. Nicht mal im TV-Krimi. Nun zählen Krimis nicht unbedingt zu meinen Lieblingssendungen. Gruselt es mich doch meist zu sehr und ich muss wegschalten. Die andere Alternative wäre, dass der Krimi so verworren ist, dass ich es mich langweilt und ich, richtig, wegschalte. Eventuell einer dieser skandinavischen Formate. Die sind ja immer recht düster. Da passt ein Gabelstapler als Mordwaffe gut rein. Eignet sich aber nur bedingt als Fluchtfahrzeug, müsste demnach recht zügig entsorgt werden. Je länger ich darüber nachdenke, desto unwahrscheinlicher finde ich es doch.

Noch weniger amüsant ist der Gedanke an die bestimmt nicht unerheblichen Schmerzen. Nehme ja mal an, dass ich aufgespießt werden soll. Überfahren macht gar keinen Sinn und ließe sich mit einem Auto, oder meinetwegen auch Traktor viel besser erledigen. Hat jemand mal die Räder von so einem Gabelstapler gesehen? Winzig sind die. Meine Fahrradreifen sind größer. Und der Lärm verrät den Übeltäter doch schon 500 Meter gegen den Wind. Das ist doch alles ziemlich konstruiert. Ich müsste mich ja dann auf dem Hof einer Fabrik befinden. Oder hat schon mal jemand einen Gabelstapler auf der Straße fahren sehen? Ok, darüber ließe sich reden, schließlich bin ich hin und wieder während der Arbeit auf dem Hof einer solchen Fabrik unterwegs. Aber im Idealfall dürfte es ja keine Zeugen geben. Würde ich annehmen, denn sonst wäre es ja noch langweiliger als die langweiligen Krimis im Fernsehen. Und langweilig sterben geht gar nicht. Gebe allerdings zu, der Effekt ist der gleiche: Mit dem Gabelstapler getroffen, Opfer tot. In der Realität sind die Mordfälle wahrscheinlich eh meist nicht so verworren wie im Film. Kann ich natürlich nicht aus erster Hand bestätigen. A bin ich kein Mörder, auch kein Aspirant, um das hier mal zu betonen, und b (noch) am Leben und könnte natürlich in diesem Fall auch gar nichts mehr zu dem Thema beitragen, weil ich dann bereits das Zeitliche gesegnet hätte, mal angenommen, Überleben wäre ausgeschlossen. Eine Bestätigung der These kann ich noch nicht mal aus zweiter Hand liefern, denn Kriminalbeamte gehören nicht zu meinem Bekanntenkreis. Und nur der Ordnung halber: Mörder bzw. Anwärter auf diesen Titel erst recht nicht. Aktueller Stand: Heute.

Aber zurück zur Tat. Ich gehe also über den Hof und werde von einem Gabelstapler angegriffen. Wie schnell fahren die Dinger eigentlich? Kann ich da nicht einfach wegrennen, wenn so einer auf mich zukommt? Der Zinkenangriff könnte natürlich auch aus dem Hinterhalt erfolgen. Ziemlich heimtückisch, um nicht zu sagen hundsgemein. Muss aber nicht sein. Im Fall der Fälle ahne ich ja nichts davon. Insofern reicht ein ganz gewöhnliches Lenkmanöver und, schwups, stecke ich am Spieß. So einfach geht das. Wow, ab sofort verstecke ich mich jedes Mal, wenn ich auch nur die Silhouette eines dieser Ungetüme erkennen kann. Nicht auszudenken, wenn das mein Ende sein sollte. Schön, wir wollen uns mal nicht verrückt machen lassen. Sonst gruselt es mich gleich und das Schlimme ist, ich kann nicht wegschalten. Wo war ich? Ach ja, ich auf dem Hof, nichts ahnend, von einem gemeingefährlichen Gabelstapler attackiert. Was fehlt? Ach ja, der Täter.

Nun, ich bin kein Psychologe. Daher bin ich Bezug auf das Täterprofil etwas blank. Kann mir einfach nicht vorstellen, dass mich jemand umbringen will. Mit einem Gabelstapler! Jemand, der sich von außen einschleicht, ist eigentlich recht unwahrscheinlich. Müsste am Sicherheitsdienst vorbei, sich einen Gabelstapler, der zufällig nicht in Betrieb ist schnappen, vorher den Schlüssel besorgen und dann das Ding auch noch fahren können. Und zu guter Letzt müsste ich ja auch noch genau zu der Zeit vorbei kommen, damit er mich skrupellos und hinterrücks platt machen könnte. Bisschen viel Aufwand vielleicht, um mich aus dem Weg zu schaffen. Fast so verworren wie manch Krimi. Einfacher wäre es natürlich für einen Kollegen. Zur Arbeit kommen, einsteigen, und wenn ich des Weges komme, zack, aus, vorbei. Am besten noch als Auftragsmord geplant. Irgendeinen Deal schließen. Könnte schließlich als Unfall getarnt sein. Super, also über den Hof gehe ich in nächster Zeit bestimmt nicht mehr.

Zum Schluss also nun die Zusammenfassung dieser zur Nachahmung nicht zu empfehlenden Überlegungen: „Am Mittwoch vergangener Woche wurde Kerstin D. Opfer eines äußerst skurrilen Zwischenfalles, der sich auf dem Gelände einer örtlichen Firma abspielte. Wie wir erfahren haben, erhielt Frau D. kurz vor der Tat einen Anruf, worauf hin sie sich auf den Hof begab und in Richtung Lager ging. Trotz des vorschriftsmäßigen Tragens der Warnweste, fuhr einer der Gabelstapler mit voller Geschwindigkeit und nicht abgesenkter Gabel direkt auf Frau D. zu, um dann unmittelbar vor ihr einzuschlagen. Nachdem er zum Stillstand gekommen war, stieg der Fahrer seelenruhig aus, beugte sich zu Frau D. hinab und küsste sie innig. Hinterher berichtete Frau D.: ‚Ich schätze, er wollte mich einfach mal mit dem Gabelstapler treffen’. Wie der Täter in den Besitz des Gabelstaplers kam, ist noch ungeklärt.“

Was mal wieder beweist, dass die Ungewissheit im Leben und was im nächsten Moment auf einen zukommt und zu welchen Gedankensprüngen unser Gehirn fähig ist viel spannender ist als jeder Krimi. Trotzdem beobachte ich in nächster Zeit die Gabelstapler sehr genau, wenn ich über den Hof gehe. Wer weiß schon, was der Fahrer für Phantasien gerade ausbrütet.

Eure Kerstin

Naturschönheiten

„Liebe zur Natur ist die einzige Liebe, die menschliche Hoffnungen nicht enttäuscht“ Honoré de Balzac. Erleben Sie die Schönheit der Natur.

Es scheint so simpel und doch… Wir sagen ja immer: „Schnönheit liegt im Auge des Betrachters“. Und tatsächlich empfindet jeder Schönheit als etwas Anderes, etwas Persönliches. Von daher habe ich für Karte Nr. 5 eine kleine Fotocollage gemacht, da die Schönheit der Natur sich am besten in Bildern darstellen lässt. Und selbst die zeigen nur die halbe Wahrheit

Frühling

Bergsee

Bergsee

Das erste Grün

Das erste Grün

Wolkenspiegel

Wolkenspiegel

Sonnenkraft

Sonnenkraft

Sommer

Klare Sicht

Klare Sicht

Kühles Nass

Kühles Nass

Wiesengast

Wiesengast

Ruhige See

Ruhige See

Herbst

Warmes Licht

Warmes Licht

Farbenspiel

Farbenspiel

Morgentau

Morgentau

Erstes Weiß

Erstes Weiß

Winter

Winterglück

Winterglück

Puderzucker

Puderzucker

Stille

Stille

Gipfelleuchten

Gipfelleuchten

Diesen Naturschönheiten ist nichts hinzu zu fügen. Außer die neue Aufgabe in Form von Karte Nr. 6 aus der Kategorie Power: “Spielen Sie mit Ihrer Phantasie: Kurbeln Sie Ihre Kreativität an und schreiben Sie ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte, worin folgende Worte vorkommen: Herz, Waffel, Sonne, zärtlich.“ In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Das Leben leben

„’Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden’ (Demokrit). Erinnern Sie sich bewusst an ein negatives Ereignis in Ihrer beruflichen Laufbahn. Vielleicht können Sie mittlerweile einen Sinn oder sogar etwas Gutes darin erkennen.“

Das war sie also: Die erste Karte. Eine Sinn(es)karte. „Also los! Ist doch logisch. Hinterher ist man immer schlauer“, dachte ich. Mehr oder weniger beeinflussen ja alle Geschehnisse auch unser zukünftiges Verhalten. Voller Tatendrang durchforstete ich mein Hirn nach Ereignissen, die für diese Aufgabe in Frage kämen. Nur, es wollte sich nichts finden lassen. Entlassung(en), Mobbing, bei der Stellenbesetzung übergangen – damit konnte ich nicht aufwarten. Klar, es musste etwas geben. Wer kann schon behaupten: „Während meiner gesamten Berufszeit habe ich nichts Negatives erlebt?“ Mir fiel im Grunde noch nicht mal ein Beruf ein, auf den dies auch nur annähernd zutreffen könnte. Und doch: Hier war ich und mir fiel trotz über 25 Jahren Berufserfahrung partout nichts ein. Gut, natürlich kam mir das eine oder andere in den Sinn. Aber nichts erschien mir brauchbar, nichts hatte großen Einfluss auf meinen Werdegang oder meine Persönlichkeit genommen. Ganz zu schweigen davon, dass es einen Sinn gehabt hätte oder ich etwas Gutes darin sehen konnte. Im Grunde betrachtete ich alles als eine Art Nebenwirkung, die eben einfach das Leben und Berufsleben mit sich bringen.

Ironischerweise gehören die Dinge, welche noch immer einen gewissen negativen Beigeschmack für mich haben, in die Zeit, in der ich in den USA lebte. Wo man doch meinen möchte, dass ein Leben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum Traum vieler gehört. Von daher neigt man wohl allzu gern dazu, negative Aspekte erst man auszublenden. Das kann man auch ganz gut an den vielen Doku-Soaps im Fernsehen beobachten: Da brechen Leute alle Zelte ab und verlassen mit Kind und Kegel ihre Heimat ohne Kenntnisse von Land und Leuten, geschweige denn der Sprache. Und das mit gefühlten € 3,50 in der Tasche. Na ja, jeder hat andere Vorstellungen und eigentlich bin ich der Ansicht, dass es auch jedem zusteht, seine eigenen Wege zu gehen.

Aber zurück zu meiner Karte, meiner ersten Aufgabe: Einmal kam ein Kollege einer anderen Abteilung zu mir, um Geld zu wechseln. Er stellte sich vor mich hin und sagte: „Kann ich bitte Kleingeld bekommen?“ Dann hielt er inne und plötzlich: „Ne, lass’ gut sein, ich habe ein Problem mit Deutschen und vertraue euch nicht.“ Sprachlos sah ich zu, wie er sich von einem meiner anderen Kollegen bedienen ließ. Der eine oder andere ahnt es vielleicht schon: Der Kollege war/ist Jude. Ich kannte noch nicht einmal seinen Namen und ich bin mir sicher, er meinen auch nicht. Er war deutlich jünger als ich, d.h., die einzige Möglichkeit, eine solch vorurteilsbehaftete Sichtweise zu entwickeln und danach zu leben, ist durch den Einfluss und die Erziehung von Eltern und Großeltern. Dieses Erlebnis erzähle ich immer wieder gern. Weil ich immer noch sprachlos bin und weil ich finde, es zeigt, wie Rassismus entsteht. Und ich kann erkennen, wie Hass von einer Generation an die Nächste ohne wenn und aber weiter gegeben werden. Kann ich in dieser Erfahrung etwas Positives sehen? Nein. Definitiv nicht. Die einzige Wahrheit ist die, dass wir Menschen es niemals schaffen werden, Krieg und Mord und Totschlag zu stoppen.

Als ich damals in den Sonnenstaat Kalifornien übersiedelte, bewarb ich mich für eine Stelle im Hotel. Zu dem Zeitpunkt stand ich bereits seit über 10 Jahren im Berufsleben und hatte, wie man so schön sagt, Karriere gemacht. Meine Arbeit war für mich immer auch Berufung und nie empfand ich es als Last oder Hürde, den nächsten Schritt zu gehen. Beim Vorstellungsgespräch dann die Ernüchterung, als mein späterer Boss, ein Holländer südafrikanischer Herkunft und nur geringfügig älter als ich, mir sagte, dass alles, was ich bis dato gemacht und erreicht hätte, in den Staaten nichts gelten würde und ich so gesehen nochmals von vorne, also unten, anfangen müsste. Ok, ich hatte ja nicht erwartet, dass man mir gleich den Direktoren- oder einen Executive Posten anbieten würde, aber am Ende der „Nahrungskette“? Das kam mir doch irgendwie ein bisschen wie Ausbeutung vor. Was war mit der Tatsache, dass Deutsche weltweit begehrte Arbeitskräfte sind? Nahezu alle meine Vorgesetzten waren jünger als ich und hatten nur halb so viel Erfahrung. Und doch konnten sie mir sagen, was ich zu tun hatte und wie ich es zu tun hatte. Vielleicht hätte ich das als ungerecht und/oder frustrierend empfinden sollen, aber irgendwie habe ich es nie so gesehen. Ich war einfach glücklich, einen Job und Sponsor für mein Arbeitsvisum gefunden zu haben. Und nach sechs Monaten wurde ich Schichtleiterin, nach weiteren sechs Monaten Abteilungsleiterin. Ab da galt es, 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu managen. Die größte Abteilung im gesamten Hotel überhaupt. Ein weiterer Grund, warum es mir nicht schwer fiel, neu anzufangen: Ich war frisch verheiratet, noch im siebten Himmel und hatte schon eine Absage von einem anderen Hotel erhalten, weil ich beim Bewerbungsgespräch mein Jackett im Wagen vergessen hatte. Es waren ca. 35C° an dem Tag und man war der Ansicht, dass ich nicht entsprechend gekleidet war, um das Haus würdig repräsentieren zu können. Aus all dem habe ich gelernt, dass die Amerikaner fixiert sind auf Titel und Uniformen und nicht das aufgeschlossene und vorurteilsfreie Land sind als das sie sich selbst sehen und anpreisen. Und der „Jacken“-Unfall war so gesehen im Grunde nur positiv, da ich nur deshalb die andere Stelle bekommen habe. In einer Hotelgruppe, die zu den Besten der Welt gehört, was ich aber erst wahr genommen haben, nachdem ich dort angefangen hatte. Und da war mir dann natürlich auch klar, warum ich von ganz unten wieder anfangen musste.

Zum Schluss möchte ich noch eine Erfahrung hinzu fügen, wobei so gesehen, dies noch nicht als Erfahrung zählt, da ich irgendwie mittendrin stecke. Noch kann ich also nicht sagen, ob meine konstanten Zweifel – ist es das, was ich will? / macht mein Job mich glücklich? / soll ich noch mal etwas Neues anfangen? – irgendwann einen Sinn ergeben und was es bringt, einen Job zu machen, von dem ich denke, er kann nur ein vorübergehendes Gastspiel sein. Das wird wohl nur die Zeit zeigen. Alles passiert aus einem Grund und sei es, uns zu lehren, Geduld zu haben und schwere Zeiten zu meistern, um uns zu bewusst zu machen, was wir wirklich wollen und unseren Träumen zu folgen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Bis dahin heißt es: Das Leben leben. Und das geht nur im Vorwärtsgang.

Eure Kerstin