Raus und Machen – ein Annäherungsversuch

Wenn ich mich selbst so sehe, dann würde ich mich als begeisterungsfähig bezeichnen und als jemanden, der schnell mal Feuer und Flamme, manchmal sogar etwas leichtsinnig und naiv ist. Vor allem, wenn es um das Erleben draußen vor der Tür geht. Insofern wundert es mich also nicht wirklich, dass ich das Buch „Raus und machen“ von Christo Förster erst in einem Zug durchgelesen habe und dann sofort loslegen wollte.

Es geht um sogenannte Mikroabenteuer. Die Idee zu einem Vorhaben in ein Erlebnis umsetzen. Direkt vor der Haustüre. Vater des Ganzen, wenn man so will, ist Alastair Humphreys. Und mit der Beschreibung „kurz, einfach, lokal, günstig und trotzdem aufregend, lustig, herausfordernd, erfrischend und bereichernd” gibt es sogar eine Definition von ihm, die von Christo Förster noch um die Spielregeln „nur öffentliche Verkehrsmittel inkl. Bahn (kein Auto, kein Flugzeug), draußen übernachten (ohne Zelt), insgesamt maximal 72 Stunden unterwegs sein, und natürlich alles wieder so verlassen, wie man es vorgefunden hat“ ergänzt wurde.

Die Idee des Draußenübernachtens ist jetzt so neu natürlich nicht, aber es einfach mal von jetzt auf gleich im Park/Wald um die Ecke tatsächlich auch zu machen, ohne großes Drumherum, hat mich sogleich in ihren Bann gezogen. So sehr, dass ich es wirklich jetzt und gleich auch machen wollte. Nun ist das als Vollzeiterziehungsberechtigte und –alleinverdienerin nicht etwas, was sich mal eben bewerkstelligen lässt. Aber planen wollte ich auch nicht groß. Das Gesicht des jugendlichen Mitbewohners möchte ich sehen, wenn ich abends um 20 Uhr meine Sachen packe und verkünde, dass ich die Nacht im Wald verbringe. Schließlich hat er mich gerade erst für nicht ganz zurechnungsfähig erklärt, als ich im Waschbecken ein paar Papiere verbrannt habe. „Was stinkt denn hier so?“ Irritierter Blick in die Spüle, in der sich letzte Glutspuren über die Ascheschnipsel ziehen. „Es riecht wie in einer Shisha-Bar“, und bevor ich noch fragen kann, woher er das denn bitte so genau weiß, „Was machst Du da?“ „Ich habe ein paar Papiere verbrannt?“ „Warum?“ „Ich wollte die nicht in den Müll werfen?“ „Ja, aber warum machst Du das?“ „Ich wollte die nicht in den Müll werfen?“ „Wieso?“ …. usw., usw. Die Szene ließe sich wahrscheinlich mehr oder weniger 1:1 auf meine Nacht im Freien übertragen, wobei dann der Teil Was-soll-ich-denn-dann-essen einen größeren Part einnehmen würde. Keine Ahnung, woher die ständige Angst, es könnte nichts zu essen geben, man sogar vielleicht verhungern, herkommt. Muss irgendein Kindheitstrauma sein. Rabenmutter. Genau, und deswegen ist das mit dem Übernachten im Park/Wald etwas, was geplant sein will, ich aber nicht möchte. Nicht spontan genug. Einfach weil einem gerade danach ist. Nun bin ich es, die das Kleinkind raushängen lässt und mit einer ich-will-aber-Haltung sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen will.

Was bleibt? Der Garten, beziehungsweise die Terrasse. Und in Ermangelung einer Hängematte muss kurzerhand die Outdoorcouch herhalten. Gesagt, getan. Schlafsack aus dem Keller geholt und los. Raus und machen. Kurz nach Dämmerung liege ich also verpackt und eingemummelt draußen und blicke in den Himmel. Schön, man kann sogar ein paar Sterne sehen. Trotz Straßenlaterne und allen anderen Lichtquellen. Also gut, Augen zu und schlafen. Nur mit den Ohren funktioniert das nicht. Die lassen sich nämlich nicht ausschalten. Im Gegenteil, sie lauschen angestrengt, ob sich Plagegeister in meine Richtung bewegen oder die Gartenbwohner vielleicht die Chance nutzen und durch die offene Terrassentür, die sich leider von außen nicht zuziehen lässt, in die warme Stube nebst Vorratskammer flüchten. Daneben dringen allerlei menschliche Alltagsgeräusche zu mir durch, so dass ich immer wieder aufschrecke. Im Laufe der frühen Nacht merke ich dann, dass ich es mit dem Verpacken und Einmummeln etwas übertrieben habe. Mir ist brütend heiß. Nach knappen vier Stunden gebe ich auf und krieche in mein Bett. Am nächsten Tag bin ich völlig gerädert.

Aber die Idee nagt noch immer an mir. So leicht gebe ich nicht auf. Neuer Versuch, neues Glück. Diesmal ist es deutlich kälter und ich etwas wagemutiger, denn mit sinkenden Temperaturen verschwinden auch die Plagegeister. Nur das mit der Tür wird dafür kritischer, da es nun drinnen um einiges wärmer als draußen ist und auch die Kälte ungehindert Einzug halten kann. Nun ja, dafür muss ich mir für die Zukunft etwas überlegen, wenn ich zum Draußenschläferjunkie mutieren sollte.

Dunkel ist es, die Sterne leuchten und die Geräuschkulisse blende ich einfach aus. Einatmen. Ausatmen. Schön ist es. Und erst um vier Uhr, als das erste Auto in der Nachbarschaft gestartet wird, treibt es mich dann doch ins Bett. Nach all der frischen, kühlen Luft erscheint es drinnen fast unerträglich heiß und ich brauche eine Weile, bevor ich wieder zur Ruhe komme. Dass ich auch diesmal ziemlich derangiert durch den folgenden Tag stolpere, ist eigentlich egal. Und dass es nicht so ganz dem Prinzip „raus und machen“ entsprach auch. Aber ich habe es gemacht. Im Rahmen meiner Möglichkeiten.

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Und dann entdecke ich durch Zufall ein paar Tage später, dass der Autor selbst demnächst (wieder) eine Vortragsreihe bei meinem Lieblingsausrüster veranstaltet. Super, das verbinde ich einfach mit dem Erwerb einer Hängematte.

Was von der siebten Rauhnacht (31. Dezember) übrigbleibt – Juli 2017

Beim Zusammenstellen des Rückblicks ist mir gerade aufgefallen, dass ich vor lauter Gesellschaft und gesellschaftlicher Aktivitäten, kaum Fotos gemacht habe. Das nehme ich mal als positives Zeichen. Und auch dafür, dass sich so viele Ereignisse aneinander gereiht haben, dass es schon fast schwer war, Schritt zu halten. Ein wahres Fest, ganz im Sinne des 31. Dezembers, seines Zeichens Silvester.

Es war wirklich ein bewegender Monat mit zahlreichen Höhepunkten:

Wallberg, Geigelstein, Hinteres Sonnwendjoch auf der Bergseite.. 

das Sommertollwood und die Auerdult auf der Talseite….

 und eine reichhaltige Ernte und vorausschauende Vorratshaltung auf der Gartenseite… 

sowie das Treffen der Buchgesellschaft auf der Hausseite. 

Buchgesellschaft

Hin und wieder war es gar so viel Aktion, dass ich froh um jede stille Minute war. Dann wurde es so ruhig, dass sich mitunter ungewöhnliche Begegnungen eingestellt haben. So konnte ich viele Meter neben einem schwimmenden Biber schlendern, mich einem unerschrockenen Eichhörnchen mitten in der Stadt beim Knacken einer Nuss bis auf wenige Meter nähern und auch das Murmeltier zog es erst auf den letzten Metern vor, seinen Bau aufzusuchen. Leider bin ich in solchen Momenten von dem Erlebnis immer so in Bann gezogen, dass ich erst hinterher an ein Festhalten in Form eines Fotos denke. Selbst die Katze aus der Nachbarschaft, die meinen Sonnenplatz auf der Terrasse genießt, kriege ich nicht bildlich festgehalten. Vielleicht ist es aber auch besser/schöner/intensiver so.

Nun steht der August ins Haus. Mal sehen, wie sehr dieser ausgefüllt ist. Und welche Gelegenheiten sich bieten, diesen zu genießen.

Eure Kerstin

aufgetankt und losgelassen – die Freizeitfrage

Neben Büchern mein Nummer eins Luxusgut. Denn die Zeit, die wir haben, kommt nicht mehr zurück. Es gibt immer nur das Hier und Jetzt. Doppeltes Glück, da ich einen Partner an meiner Seite habe, der dahingehend genauso tickt.

Dass Erlebnisse auf der Glücksskala ganz weit oben stehen, ist sicherlich jedem klar. Und das absolut Fantastische an ihnen ist, dass es ist im Rückblick auch völlig egal ist, ob diese im Moment des Geschehens positiv oder sogar so richtig mies negativ sind. Irgendwann wird aus dem Campingtrip, bei dem das Zelt erst von Krabbeltieren befallen und dann unter Wasser stand, eine Geschichte, über die man lacht und die man gerne weitererzählt. Mehrmals im Laufe seines Lebens. Mit ein paar Schuhen, die ein absoluter Fehlkauf waren, passiert so etwas nicht.

Jedes Erleben bereichert und prägt, während der Besitz materieller Dinge die Freiheit raubt, uns einengt und sogar zu vermehrtem Stress führen kann. Nachzulesen bei James Wallmann „Stuffocation“. Darin schreibt er so treffend: „Erinnerungen leben länger als Träume.“ Ganz besonders gilt das bei Träumen nach materiellen Dingen. Und Robert Wringham („Ich bin raus“) ergänzt diese Aussage noch: „Der Mensch ist nicht die Summe der Dinge, die er besitzt.“

2017 hat Freizeit im Sinne von draußen sein für mich einen ungleich höheren Stellenwert als die Jahre zuvor, denn in meinem Rauhnächteorakel war und ist genau das meine Aufgabe für dieses Jahr – die Natur draußen genießen. Wer meine Reihe „Was von den Rauhnächten übrigbleibt“ mitverfolgt, der mag den Eindruck haben, dass ich immerzu wie wild von einem Gipfel zum anderen stürme. Es gibt aber auch die wirklichen Naherholungsoasen. Wie ein Spaziergang durch die Stadt. Oder mit einer Decke zur nächsten Wiese ziehen und die Hasen am Waldrand beobachten. Oder eine Matratze in den Garten legen und den Wolken einen Namen geben. Wobei der Garten, gilt für Terrasse und Balkon gleichermaßen, an sich ja schon die Auszeit garantiert.

Es sind also meist die kleinen Dinge, die glücklich machen. Das spontane Kaffeetrinken mit der Freundin genauso wie Spieleabend mit dem Nachwuchs, wenn ich mal wieder eine Glückssträhne habe und der Gegenspieler es nicht glauben kann. Herrlich, natürlich auch, wenn das Blatt sich gegen mich wendet. Wie heißt es doch so schön: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Gerade, wenn die Gedanken an morgen und die Zukunft von Verunsicherung geprägt sind, ist es wichtig, sich auf den Moment zu besinnen. Die Seele baumeln lassen, runterkommen und ankommen. Das klappt gegenüber letztem Jahr schon viel besser und viel öfter. Auch wenn ich mir das auf die Fahne beziehungsweise den Rauhnächtewunschzettel schreiben musste, damit es regelmäßig an die Gedankenoberfläche gespült wird.

Insofern ist für mich jeder ausgegebene Cent bare Münze und es reut mich kein bisschen, dass die Kosten für meine freie Zeit, die mir gehört, seit Januar (inkl. Urlaub) um beinahe fünfzig Prozent gestiegen sind. Sie liegen damit in etwa auf einer Höhe mit den Lebenshaltungskosten an dritter Stelle meiner Ausgaben.

Schon mal von dem Buch/Film „Brewster’s Millions“ gehört? Darin muss der Held (das Buch stammt im Übrigen aus dem Jahre 1902!)) eine Millionen Dollar binnen eines Jahres ausgehen, um das ihm vermachte Vermögen zu erben. Und zwar so, dass er am Ende physisch nichts vorzuweisen hat. Na, klingelst? Yep, genau. Ich habe natürlich keine Millionen und das mit dem Erben habe ich gründlich vermasselt – anderes Thema. Aber, wenn mich das Leben genauso viel kostet wie das Erleben, dann würde ich sagen, alles richtig gemacht und der Jackpot gehört mir.

Was sich in dem einen Jahr noch so getan hat, darum geht es beim nächsten Mal. Also, dann action!

Eure Kerstin

P.S.: Noch ein Wort zu oben erwähnten Buch „Brewster’s Millions“: Interessanterweise wurden in den 1920ern in den USA wesentlich mehr Güter produziert als verkauft. Der Markt war gesättigt. Dies führte zu der Diskussion, weniger produzieren und dafür mehr Freizeit, oder den Verbrauch sprich Verkauf ankurbeln. Das Ergebnis kennen wir alle. Die Hand dafür ins Feuer legen, dass heute die Entscheidung eine andere wäre, würde ich allerdings nicht. 

Schlagkräftige Werbung

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117 Minuten Spaß mit dem jugendlichen Mitbewohner  : priceless

Baywatch 

Einen Dank an den Nachwuchs, dass er seine Mutter mitgenommen und ihr lautes Lachen ertragen hat.

Einen Dank an die Mutter, dass sie doch hin und wieder noch für manche Sachen gut ist und vor allem, wenn auch nicht die passende Kreditkarte, einen Dispokredit hat.         

 

 

 

Was von der ersten Rauhnacht (25. Dezember) übrig bleibt – Januar 2017

In meinem Beitrag „Loslassen und Neuanfang“ hatte ich das Thema Rauhnächte schon mal angeschnitten und dass diese einen Ausblick auf die Monate des kommenden Jahres geben. Was läge also näher, als die Monate tatsächlich Revue passieren zu lassen, um zu sehen, was aus ihnen geworden beziehungsweise übrig geblieben ist.

Also gibt es nun jeden Monat einen Rückblick, hauptsächlich in Bildern, denn wer sich erinnern mag, ist meine persönliche Aufgabe für 2017 ja, mich um meinen Wunsch „Draußen die Natur zu genießen“ zu kümmern und dem will ich ganz besonders viel Aufmerksamkeit schenken. 

Orakel

Orakel

Hier also der Januar in Anlehnung an die erste Rauhnacht, welche unter dem Motto „Stille“ steht, wobei still war der Januar nicht und damit entspricht er nahezu eins zu eins dem 25. Dezember, der ebenfalls recht turbulent war:

Angefangen hat alles mit einem Wäscheberg, der mich eine gute Woche auf Trab gehalten hat. 

Wäscheberg

Wäscheberg

Dann kam der Schnee… 

Schneesturm

Schneesturm

…und dann die Kälte…

Kälteeinbruch

Kälteeinbruch

 …und am Ende die Sonne. 

Märchenwald

Märchenwald

Glitzerspiel

Glitzerspiel

Fernsicht

Fernsicht

Blumen fürs Herz und Farbe für die Seele 

Blumenmeer

Blumenmeer

Den Abschluss hat eine Tour durch die Caféhäuser der Umgebung gemacht. 

Tour de Café

Tour de Café

Ich bin gespannt, wie sich der Februar so macht und freue mich schon jetzt auf all die schönen Tage draußen.

Eure Kerstin

Heute bleibt die Küche kalt

Der Wiener Wald war früher die Lösung, wenn Muttern nicht am Herd stehen wollte. Wobei, früher war in Punkto gemeinsames Essen vieles anders, wie ich schon mal in dem Beitrag „Duft des Lebens“ festgestellt habe.

Ich jedenfalls gehe auch gern auswärts essen. Es macht einfach Spaß, die Mahlzeit fix und fertig serviert zu bekommen. Irgendwie ist auch manchmal wie ein Überraschungsei, wenn der Teller vor einem steht. Denn ob das Gericht, welches sich auf der Speisekarte so verführerisch anhörte, wirklich solche Qualitäten besitzt, wird man erst feststellen, wenn man es probiert hat.

Die Deutschen sparen bekanntlich ja zuerst am Restaurantbesuch, wenn das Geld knapp ist. Das ist nachvollziehbar. Trotzdem boomt die Szenegastronomie und Sterneküche. In manchen Lokalitäten muss auf Wochen im Voraus reserviert werden. Das ist ebenso nachvollziehbar und liegt am Erlebnisfaktor, denn oft spielt das Essen an sich nur die zweite Geige. Die wesentliche Zutat für die stimmige Note ist der Service und die Gesellschaft.

Vor einigen Jahren war unsere Familie (Großeltern, Kinder, Enkelkinder und Freunde) im schönen Aschau. Zwei Sterne kann die Residenz Winkler vorweisen. Zugegeben, das kann man sich wirklich nicht jede Woche, auch nicht jeden Monat, leisten. Aber der jugendliche Mitbewohner, der damals noch ein Kind war, und ich schwärmen noch heute von dem Abend. Oft, wenn wir etwas besonders Leckeres speisen, sagen wir: „Weißt Du noch, damals bei Winkler’s?“

Noch schöner als kochen lassen, ist Kochen für Freunde. Stimmt’s, liebe Buchgesellschaft? Auch dabei ist der Geselligkeitsfaktor der springende Punkt. Ich sage ja immer, ich bin ein Gesellschaftsesser. Allein essen, wenn der jugendliche Mitbewohner wieder mal auf Abstand zur Eigenkreation geht, ist langweilig und schmeckt irgendwie nicht. Und Essen, nur um satt zu werden, finde ich unbefriedigend. Da bleibt dann erst recht die Küche kalt und es gibt ein Brot mit Tee und einem Apfel oder Joghurt.

Doch am allerschönsten ist Kochen mit Freunden. Stimmt’s, liebe M.? Dabei lassen sich vorzügliche Herddiskussionen führen und gewagte Rezepte testen. Wir haben mal „Plattes Huhn“ nach einem Rezept von Johann Lafer gemacht. Das war ein echtes Erlebnis, bei dem man dem armen Flattermann mit Hilfe eines Backbleches sämtliche Knochen brechen musste, bis er eben platt war. Nichts für Zartbesaitete, aber lecker und vor allem lustig war’s.

Plattes Huhn

Was das alles mit Verzicht zu tun hat? Nichts, wenn man mal von den Zutaten, die natürlich Bio sein können, absieht. Und das ist gut so. Verzicht heißt ja nicht, dass man sich nichts mehr gönnt, sondern dass man das, was das Leben einem bietet, mit allen Sinnen genießt.

Das Pedant zu auswärts essen, ist Essen zum Mitnehmen. Das schauen wir uns morgen an.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

 P.S.: Das Foto ist aus dem Kochbuch „Meine besten Rezepte“. Unsere Kreation sah nicht so perfekt aus, aber darauf kommt es bekanntlich auch nicht an. 

Tag 26: Brainstorming

Tag 26In meiner Vorstellung sehe ich mich auf dem Trail alleine. Natürlich trifft man andere Vagabunden dort, das ist mir klar, aber vom Grundgedanken her möchte ich nicht mit einer Gruppe oder einem Partner wandern. Gegen Gesellschaft beim Frühstück oder abends beim Zelten bzw. in der Hütte habe ich nichts. Im Gegenteil, da wünsche ich mir durchaus Gesprächspartner. Unter Tags allerdings komme ich ganz gut mit mir alleine klar. Ich muss mich niemandem anpassen und umgekehrt.

Bei meiner Alpenüberquerung war ich über meine selbstgewählte Einsamkeit auch ganz froh. Und immer, wenn es sich so ergab, dass ich mit anderen gemeinsam aufgebrochen bin und wir dann vielleicht einen ganzen oder halben Tag als Gruppe unterwegs waren, konnte ich nicht so richtig ich sein. Jene Tage sind auch in meiner Erinnerung etwas blass. Das mag nun an meinem Status als Einzelkind liegen oder sonst einer Macke. Von denen habe ich ja schließlich auch mehr als genug.

Gegen einen Packesel hätte allerdings nichts einzuwenden. Ob in menschlicher oder tierischer Form ist mir dabei fast egal. Wobei, ich nehme dann vielleicht doch lieber den Vierbeiner. Der begnügt sich mit Schweigen. Inzwischen gibt es ja auch bereits genug Touren, die man mit Leihesel und/oder –pferd begehen kann. Vielleicht probiere ich das noch mal irgendwann aus. Für die Berge, also oberhalb der Baumgrenze, ist das natürlich nicht wirklich praktikabel. Und ich hätte ja dann auch noch ein zusätzliches Maul zu stopfen, was mich wieder zu den finanziellen Mitteln bringt.

Sponsoren aufgepasst, kann ich da nur sagen. Ich könnte ja meinen Rucksack mit Labels, Logos, Werbesprüchen versehen wie die Formel-1 Piloten und die Profisportler. Tja, ist nur so, dass ich in der Wildnis höchstwahrscheinlich nicht genug Impuls- und Kontaktpunkte generiere. Und selbst wenn, bis derjenige, der die Werbung sieht, wieder in der Zivilisation ist, um das Produkt zu erwerben, hat er die Botschaft bestimmt schon vergessen. Und selbst wenn das nicht der Fall ist, dann wird niemand etwas kaufen, das er dann schleppen muss und auf dem Trail nicht von Nutzen ist. Gut, das ist nichts.

Ich könnte aber so in Richtung Erlebnis für Daheimgebliebene etwas anbieten. Zum Beispiel mich verwanzen und dann kann man meinen Weg im Internet verfolgen. So mit blinkendem Punkt. Vielleicht auch mit Video-Live-Stream, oder so. Ok, dann haben wir wieder das Problem mit der Wildnis und dass da eventuell die Funkverbindung nicht die beste ist. Ergo wäre ein satellitengestütztes System nötig. So in etwa wie die ersten Handys. Ne, das ist nix. Total unnützes Gewicht. Dann schon eher Postkarten aus jeden Stützpunkt schreiben.

Da fällt mir noch diese Idee mit den Kuscheltierreisen ein. Hat vielleicht schon mal jemand gehört: Man schickt sein Kuscheltier irgendwohin und bucht dann eine Städtereise mit verschiedenen Ausflügen. Die Agentur fährt mit dem „Gast“ zum Brandenburger Tor beispielsweise oder macht ein Picknick. Und dann werden überall Fotos mit dem Kuscheltier und der Attraktion gemacht. Am Ende kommt das Kuscheltier erholt und mit einem Fotoalbum wieder zum Besitzer zurück. Ja, das wäre noch was: Wandern für Kuscheltiere. Gebe zu, das ist auch eher ein Hirngespinst und von der Kosten-Nutzung-Aufstellung her bestimmt unrentabel, denn mehr als zwei fingergroße Stofftiere sind aus Gewichtsgründen nicht drin. Aber beim Brainstorming soll man ja auch immer einfach alle Gedanken einfach aufschreiben und erst am Ende filtern.

Bis ich also einen besseren Einfall habe, weiß ich, dass ich mich auf meine Freunde verlassen kann, die mir in schwierigen Situation immer beistehen und für mich da sind. Und wenn ich es mir nun so recht überlege, dann ist das eigentlich alles, was zählt.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

Relax-Rezept

Karte Nr. 19: „Sie geben sich der Muße hin: Gestatten Sie sich, mal so richtig faul zu sein. Reservieren Sie einen Tag im Kalender, den Sie von morgens bis abends im Bett verbringen werden – mit Schlafen, Lesen oder Sex.“

Höchst wahrscheinlich habe ich den ungünstigsten Monat für solch ein Unterfangen erwischt. Jahresendspurt, Weihnachten und alles, was dazu gehört, steht nicht gerade in Einklang mit Entspannung, Ruhe und Erholung. Von daher: Nein, ich habe keinen ganzen Tag im Bett verbracht – mit Schlafen, Lesen oder Sex. Ich bin ein schlechter im Bett-Liegenbleiber. Klar gab es in meiner Jugend eine Zeit, in der auch ich mich bis mittags oder länger im Bett aufhalten konnte. Mein Vater hat damals immer gern Wanderlieder in voller Lautstärke durch den Äther gejagt, wenn er der Meinung war, ich hätte nun lange genug gefaulenzt. Ist das zu glauben? Wanderlieder. So richtig: „Das Wandern ist des Müllers Lust“ und „Im Frühtau zu Berge“. Das grenzt an seelische Grausamkeit. Da frage ich mich doch glatt, welche Verbindung zwischen meiner Liebe zu den Bergen und dieser Folter besteht.

Was ich also von dieser Karte tatsächlich geschafft habe, ist der Lesepart. Das ist ein leichtes für mich. Lesen – keine wirkliche Herausforderung. Hier meine Leseliste des letzten Monats: „Let’s explore diabetes with owls”, “Er ist wieder da”, “The secret Paris cinema club”, “After Annie”, “We are all completely beside ourselves”. Lesen – pure Entspannung und faul sein zugleich.

Ich habe mal das Wort Muße im Wörterbuch nachgeschlagen und es bezeichnet die Zeit, die man nach eigenen Wünschen gestalten kann. Ja, das ist sicherlich etwas, was die Wenigsten heutzutage sich tatsächlich leisten können. Da wundert es mich nicht, dass der Begriff immer auch mit der Antike in Verbindung gebracht wird. Vor allem in Bezug auf Musik, Kunst und Literatur. Nicht zu vergessen die Musen – Schutzgöttinnen der Künste. Aber es gibt eine noch ältere Bedeutung von Muße, die da lautet: Gelegenheit, Möglichkeit. Und hier komme ich ins Spiel.

Immer wieder habe ich das Problem, dass ich nicht weiß, was ich kochen soll und für einen Kochplan fehlt mir oft die Zeit und letztlich auch die Nerven. Also habe ich einen Bring-Service ausprobiert. Man bekommt eine Lieferung mit allen Zutaten und Rezepten. Also bin ich jeden Abend nach Hause gekommen und habe Essen gemacht. Alles, was ich benötigte, war vorrätig und die Kochanleitung gab vor, was serviert wurde. Ich habe geschnibbelt, gebraten, gekocht usw. Und soll ich was sagen? Das war wirklich entspannend. Etwas mit den eigenen Händen tun. Ganz besonders, wenn man wie ich den ganzen Tag vor dem Computer sitzt und sich oftmals fragt, was genau mache ich da eigentlich. In der Küche sind die Ergebnisse ziemlich eindeutig: Vorbereiten, zubereiten. Fertig!

Nach einer Woche vorkonfektioniertem Essensplan ergab sich eine weitere Möglichkeit in Form von Plätzchenbacken. Ja, die Vorweihnachtszeit bot sich einfach dazu an. Was mir jedoch fehlte, war das Familienrezept, welches auf unerklärliche Weise mit dem Tod meiner Mutter verschwand. Seit über zehn Jahren versuche ich nun schon dieses Rezept zu finden. Bis dato leider immer ohne Erfolg. Und was soll ich sagen? Dieses Jahr hatte ich Glück. Vielen Dank, Internet! Ich habe einen ganzen Tag in der Weihnachtsbäckerei zugebracht und dabei meine Weihnachts-CD rauf und runter gehört. Klar singe ich auch mit, aber das ich wahrscheinlich eher kein Vergnügen für andere.

Tja, und dann habe ich noch eine dritte Gelegenheit zur Muße entdeckt: Jeder weiß ja sicherlich wie frisches Brot schmeckt. Also, so richtig frisch. Nahezu ofenfrisch. Genau. Und bereits am nächsten Tag ist es nur noch halb so lecker. Nun, ich esse unter der Woche zum Frühstück gern ein Brot. Aber wenn ich mein Lieblingsbrot am Samstag kaufe, schmeckt es eben Montagmorgen schon alt. Das war meine Chance: Eigenes Brot backen. Und genau das habe ich getan. Mmh, so lecker duftendes Brot: Viel, viel besser als einen Tag im Bett verbringen – mit Schlafen, Lesen oder Sex. Okay, Letzteres vielleicht mal ausgenommen.

BrotUnd das Beste: Hefeteig sollte man mindestens eine halbe Stunde lang mit den Händen kneten. Das beste Relax-Rezept überhaupt.

Wünsche allen frohe Festtage und ein gutes, neues Jahr. Ich für mich werde nochmals eine Komfortkarte ziehen – in der Hoffnung, dass es eine ruhige und geruhsame ist. Nr. 20.: „’ Auf Dauer befriedigender ist es jedoch, nicht nur von Herze, sondern auch mit Hirn zu spenden’, Stefan Klein. Geben Si etwas ab: Überlassen Sie Ihr Rad nicht einer Online-Auktion, sondern einem Asylbewerberheim. Oder verschenken Sie Ihre Zeit, etwa, um anderen zu helfen.“ Gut, irgendwie war es abzusehen, dass ich gutmütiger Tropf wieder mit so etwas ende. Wer ist hier eigentlich für die Wahl der Karten zuständig? Ich dachte, das sollten Glückskarten sein? In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Die Bank – die andere Seite der Münze

Fortsetzung zu: „Die Bank – die eine Seite der Münze“.

Mann, was für ein herrlicher Tag. Zum Glück hat es gestern Abend geregnet. Endlich. Nachdem wochenlang kein Tropfen gefallen ist. Dann regnet es und im Tal schlägt der Blitz ein. Schon verrückt manchmal. Beim Nachbarn hat es den Stromverteiler erwischt. Der Arme hat aber auch wirklich immer Pech. Erst letzte Woche ist einer dieser Wanderer bei ihm während des Abendessens zusammen gebrochen. Musste mit dem Heli abgeholt werden.

Jetzt im Sommer kommen die hier jeden Tag vorbei. Irre. Ganze Horden. Manche schleppen wahre Monster von Rucksäcken. Selbst die Kinder und die Alten müssen mit. Zum Glück habe ich nur einen einfachen Hof. Keine Betten und keine Wirtschaft. Und trotzdem fragt jeden Tag mindestens einer, ob er einkehren kann. Die glauben alle, wir führen hier ein Leben wie im Paradies. Ein bisschen Gartenarbeit und dann die Tiere streicheln. Von wegen. Ich frage mich manchmal, was mich geritten hat, als ich diesen Hof übernommen habe. Seit über einem Jahr ackere ich wie verrückt, um mit der Renovierung weiter zu kommen. Alles im Alleingang. Heute muss ich unbedingt noch die letzten Arbeiten am Dach fertig kriegen. Jetzt, wo es langsam wieder Herbst wird in den Bergen. Hoffentlich kommt der Nachbar nachher rüber wie versprochen und hilft mit. Muss ich gleich mal anrufen und fragen, ob es dabei bleibt oder er noch an dem Stromverteiler dran ist. Jetzt mache ich aber erst mal eine Pause. Seit Sonnenaufgang habe ich am Dach gewerkelt. Die Tiere muss ich auch noch füttern. Ich fühl mich total ausgetrocknet. Habe seit dem Kaffee heute morgen noch gar nichts getrunken. Na, also zehn Minuten gönne ich mir jetzt und setze mich auf meine Bank. Ach, Vater. Deine Bank. So ein tolles Geschenk zum Einzug. Selbst gezimmert und alles. So glücklich war er, als er damit ankam. Nun steht sie hier und er hatte Recht. Ein einmaliger Blick ins Tal. Ach, sieh mal einer an. Der Pilz da ist mir noch gar nicht so richtig aufgefallen. Sieht ja toll aus. Wie der so aus dem Holz wächst.

Oh Mann, das Auto steht auch noch da. Habe ich gestern ganz vergessen, dass ich es in die Scheune fahre. Scheint das Gewitter aber ganz gut überstanden zu haben.

Ach, so ein herrlicher Tag und ich hatte noch gar keine Gelegenheit, ihn zu genießen. Lecker, so frisches Bergwasser. Gibt doch nichts Besseres. Da am Berg, da spazieren sie schon wieder rum, die Wanderer. Herrje, wer ist das denn? Die sieht ja fertig aus. Hat sich wohl übernommen, die Frau. Ich sage es ja immer. Mit Kind und Kegel in die Berge. Ohne Rücksicht auf Verluste. Was stürmt die denn so auf mich zu? Handy hat sie auch in der Hand. Was will die denn damit? Hier ist eh bestimmt kein Empfang. „Sagen Sie, der Weg da, führt der zu der Hütte hier?“ Also, wo sind wir denn hier. Wedelt mir mit der Karte vor meinem Gesicht rum und denkt, ich bin hier die Auskunft, oder was? „Weiß nicht.“ Bei uns heißt das erst mal ‚Grüß Gott’, bevor man gleich mit der Tür ins Haus fällt. Wie gesagt, glauben alle, wir sind die Bauern vom Berg und latschen über unsere Wiesen und haben nichts im Kopf. „Ist vielleicht eine Frau mit rotem Rucksack und roter Kappe von dort runter gekommen?“ Woher soll ich das denn wissen? Ich ackere seit Sonnenaufgang hier und habe keine Zeit, in die Gegend zu schauen. „Keine Ahnung.“ Interessiert mich auch nicht, wenn ich ehrlich bin. Wenn die zu blöd sind, sich in den Bergen zurecht zu finden, sollen sie daheim bleiben. Außerdem, der Ton macht die Musik, gute Frau.

Was macht sie denn jetzt? Ich glaub, ich kriege die Tür nicht zu. Jetzt macht die den Pilz weg. Die Bank ist doch ewig groß. Sag mal, hat die keine Augen im Kopf? „Den können Sie doch da lassen! Ist doch genug Platz da“. „Ich möchte mich hier aber gern hinsetzen.“ Auf solch blöde Kommentare kann ich echt verzichten. Wie ein Elefant im Porzellanladen. Macht sich breit, keine Manieren und nun wird auch noch der Rucksackinhalt über die Bank verteilt. Prost, Mahlzeit. Also, ich habe genug, ist eh schon spät.

Liebe Leser, vielleicht hat der eine oder andere die hier beschriebene Situation in ähnlicher Weise erlebt und hinterher darüber gegrübelt, was da falsch gelaufen ist. Und genau so erging es auch mir, wenn auch die Geschichte sich nur in Teilen so zugetragen hat und der Rest hinzu gedichtet ist. Sollte aber zufällig jemand den besagten Hofbesitzer kennen oder sich in der Beschreibung wieder erkennen: „Es tut mir leid! Aufrichtig leid, dass ich den Pilz weggemacht habe. Ehrlich!“