Gemischte Gefühle

Neulich hat eine Freundin per WhatsApp geschrieben, dass um 21 Uhr die Kirchenglocken läuten würden und wir doch alle eine Kerze anmachen sollten. Bis zu dem Zeitpunkt kannte ich nur das Singen für die Menschen im Gesundheitswesen und das Klatschen für diejenigen, die den Laden am Laufen halten bzw. in anderen systemrelevanten Sparten tätig sind. Oder umgekehrt.

Das mit der Kerze war mir neu und ich habe es ehrlich gesagt auch nur deswegen gemacht, weil die Bitte von meiner Freundin kam. Inzwischen weiß ich nun, dass die Kerze für alle Verstorbenen steht und freue mich im Nachhinein, dass ich in dem Fall doch mitgemacht habe. Wenn auch mehr aus persönlichen Gründen denn aus Solidarität.

Kerze

Ansonsten sehe ich diese Akte der Wertschätzung mit gemischten Gefühlen. Ja, ich finde es wichtig und vor allem wirklich schön, dass wahrgenommen wird, was Krankenschwestern, Ärzte, PflegerInnen, KassiererInnen, Paketboten etc. tagtäglich durchmachen. Eine Leistung, die bis vor kurzem noch nicht einmal als solche gewürdigt wurde und schon gar nicht honoriert.

Heute sind wir also einen Schritt weiter, aber geändert hat sich doch eigentlich nichts, wenn noch immer Menschen, die Hilfe leisten, angepöbelt und/oder bedroht werden und im Supermarkt Beschwerden an der Tagesordnung sind.

Ich bin bestimmt kein Gutmensch, um dieses „schöne“ Wort mal zu benutzen, und generell nicht besser als der Großteil der Gesellschaft und genauso alltagsblind in meiner Wahrnehmung, aber ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass Dienstleistung ganz allgemein als selbstverständlich hingenommen und obendrein noch mies bezahlt wird. Meine Mutter hat es einmal, als ich mich für einen elterlichen Zuschuss bedankt und gleichzeitig für meine monetäre Unselbständigkeit entschuldigt habe, so auf den Punkt gebracht: „Wenn ich gewusst hätte, dass Du so schlecht bezahlt werden würdest, hätte ich Dir davon abgeraten.“ Und meine Tante, die eine leidenschaftliche Ärztin war, hat, als ich wie wohl viele Mädchen mit dem Beruf der Krankenschwester liebäugelte, mir ein Praktikum im Krankenhaus ermöglicht und gleichzeitig die Betreuer instruiert, nur die schlimm(st)en Sachen zu zeigen, damit ich den Wunsch erst gar nicht weiter verfolge. Hat funktioniert und ich kann die Bilder von vor 40 Jahren noch immer in Farbe abrufen.

Nun bin ich also gespannt, was aus dem Singen und Klatschen einmal wird, wenn so etwas wie Normalität wieder an der Tagesordnung ist. Denn vom Zuspruch und symbolischen Gesten wird die Arbeit nicht leichter und erst recht nicht besser und angemessen vergütet. Und just lese ich, dass der Handelsverband fordert, die anstehende Lohnerhöhung im Einzelhandel doch bitte aufgrund der Krise bis zum Jahresende aufzuschieben. Wie gesagt, geändert hat sich nichts und ich befürchte, das wird so bleiben.

 

P.S.: Noch ein Hinweis in eigener Sache. Meine Beitragsfrequenz werde ich mit dem Rückgang der Verdopplungsraten dem Trend anpassen und ein bisschen langsamer machen. Denn trotz augenscheinlicher Verlangsamung habe ich so gar nicht das Gefühl, dass es ruhiger wird, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Geldnot

Ich glaube, der Euro ist ein Auslaufmodell. Zumindest der physische Bestand ist vom Aussterben bedroht. Oder kurz davor.

Also, jedenfalls ist es so, dass ich mein gemeines Konto bei einer Bank habe, die schon in die eine oder andere Fusion sowie staatlichen Rettungsschirm ver- und eingewickelt war. Das allein sollte mich ja eigentlich bereits dazu bewegen, nach stabileren Verhältnissen Ausschau zu halten. Allerdings fehlt mir noch immer die letzte Entschlusskraft. Kontowechsel ist ja auch nicht etwas, was man mit ein paar Klicks über die Bühne bringt, auch wenn einem das immer wieder so versprochen wird. Daueraufträge, Einzugsermächtigungen, Kredit- und andere Karten mit Kontoverbindung, herrje, wer hätte gedacht, dass über 50% meines monatlichen Kontoauszuges mit automatischen Zahlungsverkehrsdaten gespickt sind, sozusagen Fixkosten.

So bin ich nun seit Jahren ein treuer, wenn auch nicht allzu geschätzter Kunde. Bei mir ist nicht viel zu holen. Kein Kredit, kein Festgeld, keine Anleihen, keine Depots, keine Aktien. Noch nicht mal Dispozinsen. Kein Wunder, dass Berater nach dem ersten Gespräch nie wieder etwas von sich hören lassen. Und ich habe mit jedem Personalwechsel wahrlich schon einige Visitenkarten gesammelt.

Dafür bietet aber die Bank an meiner Seite einen schönen Verbund an Stellen, die einem Mittels Automat zu Bargeld verhelfen. Gerade für Menschen wie mich, die sich nicht permanent in die Karten schauen lassen wollen und gerne Dinge in bar bezahlen, wir erinnern uns, nur Bares ist Wahres, ist solch ein Netz ganz praktisch und hilfreich.

Allerdings nun scheinen sich die Maschen enger zu ziehen. Erst funktionierte mein „Lieblingsautomat“ nicht mehr, nur um ein paar Wochen später ersatzlos abgebaut zu werden. Auch der Ausweichautomat stellte so ziemlich zeitgleich den Dienst ein. Nun musste ich also zur Bank selbst, welche ortstechnisch gesehen, so gar nicht an meiner Seite ist. Kein Parkplatz und mitten im Zentrum der Großstadt. Kunden zuerst, Fehlanzeige. Ein Mensch ist auch dort nicht mehr in der Lage, eine Ein- und schon gar keine Auszahlung vorzunehmen. Der Automat hat die Kommandantur an sich gerissen und den Schalterbeamten zum Verkaufsberater degradiert. Willkommen im Dienstleistungszeitalter.

Und nun das.img_0538

Die Automaten haben auch hier den Dienst verweigert. Ok, ein Exemplar tut noch brav, was es soll.

Also, eigentlich ich bin ja schon fast der Ansicht, dass ist der erste Schritt zur Übernahme der Herrschaft durch die Maschinen. Sie haben sich scheinbar sogar zusammengerottet und machen gemeinsame Sache. Geldinstitutsübergreifend. Oder sind es „nur“ die Anzeichen einer Geldknappheit und wir müssen uns auf eine zukünftige Geldnot einstellen? Dann könnte bitte jemand Bescheid sagen, damit ich meine Socken und Matratze (wieder) als sichere Anlage aktivieren kann.

P.S.: Der obige Hinweis hängt übrigens nun schon die dritte Woche. Aber wahrscheinlich regelt eine künstliche Intelligenz die Arbeitsaufräge.

P.P.S.: Es stimmt, das Geld wird knapp. Nun gibt es keine zwanzig-Euro-Scheine mehr. Und das um diese Jahreszeit.