Das Schiff ohne Kapitän

Wenn die Ratten das sinkende Schiff verlassen, ist der Kapitän für gewöhnlich derjenige, der noch immer wie ein Fels in der Brandung auf der Brücke und am Ruder steht und versucht zu retten, was zu retten ist.

Dass der Kapitän von den Ratten über Bord geworfen wird, kommt wenn, dann eher in Piratenfilmen vor. Und dann geschieht es dem Kapitän meist zurecht. In der modernen Fassung gibt es das manchmal auch in Unternehmen, in denen kurzsichtige Ratten sich an ebensolchen Strategien versuchen.

Als dritte Möglichkeit gibt es da auch noch den Kapitän, der zum Wohle seiner Mannschaft freiwillig auf Amt und Würden verzichtet. Dabei fällt mir immer ein Bericht in der Sonderbeilage der FAZ ein, die ich im Urlaub am Gardasee als Teenager zu lesen bekam. Dabei ging es um die Kapitulation Japans 1945 und die Stimme des Kranichs, also die Rede von Kaiser Hirohito, in der er sein Volk auffordert „das Unerträgliche zu ertragen und das nicht Duldbare zu erdulden“. Nach mehr als zweitausend Jahren musste Japan erstmals eine so allumfassende Niederlage hinnehmen. Der Kaiser, so heißt es in vielen Berichten, hätte die Geschichte seines Landes durchaus anders schreiben können, wenn er denn mehr getan hätte, als stets zu Diensten zu sein.

Doch anders als die Ratten so mancher Firma, ließ man dem Kaiser, wenn auch nicht die Macht, so doch das Amt und vor allem die Würde, was letzten Endes dazu führte, dass Japan innerhalb von vier Jahrzehnten zur wirtschaftlichen Weltmacht wurde.

Nun, das bringt mich wieder zu jenem Punkt, an dem die Ratten den Kapitän über Bord werfen und ihm dabei dann auch noch selbst die Aufgabe übertragen wird, der Mannschaft seinen Rücktritt zu verkünden. Und so mag es der Mannschaft ganz ähnlich ergangen sein wie dem japanischen Volk damals, als es die Stimme des Monarchen zum ersten Mal überhaupt vernahm: In der sich ausbreitenden Stille hätte man den Flügelschlag eines Kranichs hören können. Die Rede mag nicht ganz so kunstvoll gewesen sein, dafür umso unmissverständlicher. Ab sofort ist das Schiff ohne Kapitän. Stets zu Diensten und auch noch stets mehr als nur Dienst getan, können also ebenso zur Niederlage führen. Dem betretenen Schweigen folgt die Schockstarre. Und fortan taumelt das Schiff führerlos, von Ratten befehligt, die Mannschaft vom schlingernden Kurs orientierungslos, durch die Meere der Wirtschaft, von Weltmacht keine Spur.

Konferenz

Im Andenken an einen wunderbaren und stolzen Kapitän möchte ich es mit den Worten des amerikanischen Generals Douglas MacArthur sagen, dem seinerzeit Kaiser Hirohito seinen Rücktritt anbot und gleichzeitig die Konsequenzen vollends auf sich nahm: „Einen Mann, der einmal so hoch stand, nun so erniedrigt zu sehen, schmerzt mich.“ Und so wie MacArthur wusste, dass er „dem ersten Gentleman Japans gegenüber stand“, so weiß ich, dass der letzte Gentleman soeben das Büro verlassen hat.

 

Eure Kerstin

 

Horcher an der Wand

Blogger sind ja selten so ganz anonym im Netz unterwegs. Ähnlich wie Diebe. Denn irgendeiner hat immer irgendwas gesehen oder bemerkt. Zumindest im Fernsehen ist das so. Da wird der Täter nach neunzig Minuten Sendezeit, manchmal auch weniger, überführt.

Zum Glück trifft dies, auch wenn ich es leider aus schmerzlicher Erfahrung heraus bestätigen muss, in der Realität nur selten bis gar nicht zu. Da kommen die Bösen oft genug ungeschoren davon. Und damit wären wir dann wieder bei den Bloggern. Also, nicht, dass diese böse und/oder diebisch wären, aber bei dem Entdeckt-Werden.

An Hand meines Blogs kann ich sagen, dass bis dato noch keiner meiner Verwandten, Freunde, Kollegen von allein darauf gestoßen ist. Und ich bin schließlich schon eine ganze Weile hier. Zeit genug wäre also schon gewesen.

Nun war meine Intention ja auch immer eher dahingehend, möglichst unerkannt und klein zu bleiben. Weil ich vor allem Bedenken auf manch negative Darstellung hatte. Würde nur ungern vom Chef im Hinblick auf eine meiner hier getätigten Aussagen ins Büro zitiert werden.

Und es wäre mir auch gar nicht so recht, wenn der Nachbar weiß, was von meinen Gedanken so den Weg zu Papier – respektive zum Blogpost – findet. Die Nachbarschaft beäugt mich bisweilen eh schon. Könnte allerdings auch Einbildung sein, denn Nachbarn haben ja grundsätzlich die Angewohnheit, einander zu beäugen.

Logischerweise kann ich natürlich nicht beweisen, dass mich nicht doch jemand – so rein zufällig – aufgestöbert hat, weil es ja immerhin sein könnte, derjenige mir gegenüber dies aber nicht erwähnt hat. Oder erwähnen möchte. Vielleicht sogar nun heimlich mitliest. Unwahrscheinlich, aber gut möglich. Wobei, das würde so manches erklären. Vielleicht auch die Blicke der Nachbarn.

Ganz ehrlich: Egal. Denn nach zwei Tagen Blog-Workshop habe ich unter anderem für mich mitgenommen, dass Texte solide, glaubwürdig und korrekt sein müssen. Dem kann ich guten und ruhigen Gewissens beipflichten. Schließlich dreht sich hier alles um mich und meine Ein- und Ansichten.

Blick durchs SchlüssellochUnd für den Rest gilt: Der Horcher an der Wand wird Zeuge seiner eignen Schand!

 

Eure Kerstin

P.S.: Danke, liebe Tante, für den tollen Spruch.

Tatort Küche, Tag 6

Vorwort: Lieber Chef, liebe Kollegen, danke, dass ich bei dem Projekt damals dabei sein durfte. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Auch wenn ich mich nun von dem „Award“ trenne, werde ich die Erinnerung an die intensiven Projekttage immer bei mir tragen.

Tatort: Küche, Regal.06 Tag

Tatbestand: Urtypischer Gegenstand bayerischer Gastfreundschaft. Stammt aus dem Jahre 2008 und wurde als Geschenk an die Teilnehmer einer Projektwoche ausgehändigt. Die Gäste aus dem Ausland konnten sich damals vor Freude kaum auf die Abschlusspräsentation konzentrieren.

Tatortsäuberung: Auf Grund des gravierten Deckels, zum Weiterverkauf bzw. –verschenken nicht zu verwenden. Als Blumenvase eher suboptimal. Und da ich kein Biertrinker bin und einen solchen auch nicht in der Familie habe, wird es wohl auch für dieses schöne Stück zur Entsorgungsstelle der Abfallwirtschaftbetriebe gehen. Ansonsten gilt natürlich wie bereits oben geschrieben: Auch ohne ein solch markantes Trumm (in Ermangelung eines passenden bayerischen Ausdruckes musste ich hier leider auf unser schönes Nachbarland ausweichen) werde ich mich auf ewig und drei Tage daran erinnern. Versprochen.