abgespeist und angebissen – die Lebensmittelfrage

In meiner Bilanz vom letzten Jahr lagen die Kosten nach der Umstellung auf regionale, saisonale Bioprodukte pro Monat ja bei knappen €500,00 und ich hatte damals auch schon gesagt, dass dies nicht 100% Lebensmittelkosten, sondern vielmehr Lebenshaltungskosten sind. Nach einem Jahr sind diese leicht angestiegen und summieren sich mittlerweile auf €540,00 pro Monat. Das mag an diversen Preissteigerungen und der nicht ganz astreinen Buchhaltung liegen. Haupttreiber sind, und das ist nicht gehässig oder so gemeint, wohl aber eher die beiden männlichen Mitesser. Für beide gilt: Fleisch ist mein Gemüse. Für mich: Ein Kampf gegen Windmühlen.

Der jugendliche Mitbewohner hat zudem so etwas wie Appetit entwickelt und kann mitunter auch schon mal eine ganze Packung Eis und/oder ein halbes Toastbrot wegputzen. Vor allem seit er seinen Körper stählt und auf irgendwas zwischen Zac Efron und Arnold Schwarzenegger hinarbeitet. Was irgendwie mit dem Konsum von Fertigprodukten nicht so ganz konform geht. Hoffe nur, dass für den Geist bei der Diät noch genug Brennstoff abfällt. Jedenfalls ist das Wachstum in beiden Segmenten gerade in vollem Gange und zumindest die Körpergröße übersteigt inzwischen die der Ernährerin. Der erforderliche Futternachschub macht eine Budgeterhöhung unausweichlich, was für mich absolut okay ist, das Kind soll ja kein Zwerg bleiben – weder körperlich noch geistig. Nur an der Einstellung – Hunger, essen, jetzt – müssen wir noch arbeiten, da dabei allzu oft der Griff zu Pizza und Konsorten erfolgt.

Beim Einkauf orientiere ich mich zusehends um: Der wöchentliche Großeinkauf wird schon mal auf mehrere Tage und Märkte verteilt. Zunehmend auch auf Wochenmärkte. Zu sehr stört mich, dass so viele Obst- und Gemüsewaren fernab von Europa nach Deutschland importiert werden. Einfach, weil vielleicht die Produktion von Kartoffeln in Peru und Zwiebeln aus Ägypten billiger ist als im heimischen Grund und Boden. Hinzu kommt, dass die meisten Bioprodukte dann auch noch aufwendig verpackt beziehungsweise gar nicht im offenen Verkauf verfügbar sind. Zum Beispiel Fleisch, Wurst und Käse. Also ist die logische Folge der Gang zum Wochenmarkt oder auf die umliegenden Hofverkaufsstellen.

Eine Überlegung wert wäre es noch, jeden Tag einzukaufen. Und zwar immer nur den Tagesbedarf, also was man an dem Tag isst. So wird man nicht verleitet, Großpackungen einzuladen und mehr als man verbrauchen kann, also dann letzten Endes unter Umständen wegschmeißt. So gesehen in einem Beitrag über Minimalismus, der gerade im Fernsehen lief. In wie weit das praktikabel ist, sei dahingestellt. Mir fehlt da ein bisschen die Spontanität, wenn beispielsweise der jugendliche Mitbewohner plötzlich noch einen Freund mitbringt oder man auf einmal Lust auf Gemüse anstatt Brotzeit hat. Der Zeitbedarf ist natürlich auch nicht ganz ohne. Aber so ganz verwerfen möchte ich den Ansatz nicht. Vielleicht mal im Urlaub ausprobieren.

Das Problem der Reste ist mittlerweile so gut wie perfektioniert und es passiert äußerst selten, dass ich tatsächlich etwas wegschmeißen muss. Den schwarzen Peter bekommt, leider, der jugendliche Mitbewohner, der oftmals nach dem Motto „haben-will“ sich Sachen wünscht, die er dann doch nicht mag und ich schon von Haus aus nicht. Oder weil der Rest Steak vom letzten Grillabend nach 24 Stunden im Kinderzimmer wieder Anzeichen von Leben zeigt. Aber das mit der Größe, vor allem der geistigen, hatten wir ja schon.

Zum Abschluss nochmals ein paar Fakten aus dem Buch „Glücklich ohne Geld“ von Raphael Fellner zum Nachdenken:

1.      50% der produzierten Lebensmittel werden weggeschmissen bzw. gar nicht erst geerntet, weil sie nicht der Norm entsprechen. Hochgerechnet würden die produzierten Lebensmittel 14 Milliarden Menschen ernähren.

2.      1/3 aller produzierten Kalorien werden in der Tierindustrie verbraucht. 2011 wurden 98% der Sojaproduktion, 50% der Getreideernte und 40% des Fischfangs zu Tierfutter verarbeitet.

Das macht einen – mich – sehr nachdenklich. Und das ist noch human ausgedrückt. Die Antwort auf Punkt 1 kann nur sein: Regional und direkt vom Erzeuger einkaufen. Alternativ gibt es eine Website „Etepetete“, die sich genau diesem Problem annimmt. Bei Punkt zwei kann die Lösung nur der Verzicht sein. Und das muss definitiv nochmals beim nächsten Grillabend auf den Tisch gebracht werden, Männer!

Lebensmittel

Es gibt also gerade im Bereich Lebensmittel so viele Möglichkeiten. Genau deswegen macht es mir besonders Spaß, immer wieder nach anderen und neuen Wegen Ausschau zu halten und zu experimentieren, so dass sich hier noch so einiges tun wird.

Weiter geht es mit dem lieben Haushalt. Also dann, action!

Eure Kerstin

Gedanken einer Unermüdlichen

Vor Kurzem hatte ich Jubiläum. Zehn Jahre Firmenzugehörigkeit. Für mich ist das schon ziemlich viel. So lang habe ich es bis dato noch nirgends ausgehalten, weder in einer Firma noch an einem Ort. Aber das soll ja gar nicht das Thema sein.

Mein Arbeit- und Brötchengeber legt viel Wert auf Mitarbeiterzufriedenheit, zumindest steht das in den Statuten. Klar, die Politiker sagen auch immer andere Dinge als sie dann tun, das kann und macht selbst der jugendliche Mitbewohner. Und meine Wenigkeit auch so ab und an. Wir sind ja alle nur Menschen.

Also gut, das Jubiläum. Yippie-Yeah. Es gibt Champagner und kleine Häppchen und eine Rede und ein Geschenk. Neidisch? Ich auch. Es gab nämlich nichts von alle dem. Ein hübsch formuliertes Glückwunschschreiben habe ich in meinem Briefkasten gefunden. Mit der Post nach Hause zugestellt.

Nun sitze ich also mit dem Zeugnis, welches mir schwarz auf weiß bescheinigt, wie dankbar man mir für meine Leistungen und meine Treue im Dienste der Organisation ist. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, so ähnlich könnte auch der Nachruf an meine Angehörigen formuliert sein, wenn ich im Dienste dahinscheiden sollte. Wie steht es eigentlich so um die Lebenserwartungen einer menschlichen Arbeitsbiene? Oder rechnet man da buchhalterisch mit Abschreibungswerten?

Nun gut, soweit ist es ja noch nicht, denn meiner Firma liegt vor allem an meinem unermüdlichen tätig sein. Jawohl, unermüdlich. Wobei wir eigentlich wieder bei der Arbeitslebenserwartung wären. Dabei will ich gar nicht unermüdlich schuften. Im Gegenteil, ich bin des unermüdlichen Einsatzes echt müde. Immer noch eine Schippe mehr oben drauf. Immer noch ein bisschen schneller. Für was? Dafür, dass der Wert meiner Tätigkeit nach fünfzehn Jahren auf „unermüdlicher“ und nach zwanzig Jahren auf „am unermüdlichsten“ gestiegen ist? Ganz ehrlich, ich wusste noch nicht mal, dass man unermüdlich tatsächlich steigern kann. Wie absurd die deutsche Sprache doch manchmal ist?

Arbeit

Ob der Unterzeichner wohl eine Antwort in Form eines Dankeschöns von mir erwartet? Bei ca. 700 Jubilarsglückwünschen (ist eine grobe Schätzung meinerseits, weil ich mich natürlich eine ganze Weile unermüdlich mit meinen Gedanken dazu auseinandergesetzt habe- in meiner Freizeit möchte ich betonen), die er jährlich unterschreiben muss, wohl eher nicht. Vielleicht falle ich sogar unangenehm auf, wenn ich meine Arbeitszeit für so etwas verwende. Ich frage mich, wann er das wohl erledigt? Während irgendeiner der unzähligen Telekonferenzen, Meetings etc.? Oder nachts, wenn er nicht schlafen kann, weil er ja ebenfalls im Kreislauf der Unermüdlichen steckt.

Und weil ich schon mal beim Recherchieren und Nachdenken war, wurde auch gleich nach Synonymen gesucht. Das steht dann zum Beispiel: beharrlich, hartnäckig, unablässig, unaufhörlich, unbeirrbar, ununterbrochen, verbissen, zäh, beharrsam, nimmermüde. Ne, das klingt nicht sehr positiv, eher wie nach jemandem, der mit Scheuklappen durch die Welt rennt und nicht auch nur einen Millimeter vom Pfad des Dienstes für die Firma abweicht.

Dazu fühle ich mich nun wirklich nicht berufen. Richtig, Beruf kommt von Berufung. Und das hört sich doch gleich vielmehr nach einem Auftrag, einer ehren- und sinnvollen Aufgabe an und weniger nach Leistungsgesellschaft.

Mein Chef jedenfalls hat es begriffen. Zumindest auf dem Papier, denn von ihm habe ich auch ein Schreiben erhalten. Handgeschrieben und persönlich überreicht. Immerhin. Und darin ist zu lesen: „Vier Dinge kommen im Leben nicht mehr zurück: Die Tage, die Du erlebst hat. Die Erfahrungen, die Du gemacht hast. Die Worte, die Du benutzt hast. Die Chance, die Du verpasst hast“.“ Ob er wohl weiß, dass er damit bei mir auf fruchtbarem Boden landet? Ob ihm wohl klar ist, dass er damit den Stein ins Rollen bringen könnte? Wobei, ich bin versucht, das nächste Jubiläum abzuwarten, sei auch nur dafür, um zu erfahren, was mich erwartet. Immer diese unermüdlichen Gedanken! Ich sollte wirklich mehr arbeiten.

 

Eure Kerstin

 

 

Gummistiefelweg

Nach langer Zeit mal wieder ein Beitrag in der Rubrik „Leseecke“.
Inspiriert vom örtlichen Schreibwettbewerb und weil heute Weltglückstag ist, habe ich einfach mal meine Geschichte eingesandt.

Direkt hinter dem Haus war das Moor. Und wenn er abends mit der Arbeit auf dem Hof fertig war, saß er auf der Bank neben der Eingangstür und blinzelte in den Sonnenuntergang. An Regentagen blickte er mit zusammengekniffenen Augen in Richtung Moor und sah den Nebeln zu, wie sie über die Landschaft zogen. Im Winter hielt er eine dampfende Tasse in Händen, um sich zu wärmen und bisweilen erschauderte er beim Anblick der bizarren Formen, die Eis und Schnee geformt hatten. Was wohl hinter dem Moor war, fragte er sich, wenn er so dasaß und den Horizont absuchte. Ob es dort ein Meer gab? Einen Fluss vielleicht? Oder Berge? Sein ganzes Leben hatte er immer nur darüber gegrübelt, es aber immer dabei belassen.

Der Frühling kam und verscheuchte die trübsinnigen Gedanken. Zu viel Arbeit gab es, um sich weiter Träumereien und Hirngespinsten hinzugeben. Am Abend setzte er sich wie immer auf die Bank und blickte in Richtung Moor. Die Sonne stand schon tief, so dass er die Hände vor die Augen halten musste, um die tanzenden Lichter am Horizont zu erspähen. Und dann stand sie auf einmal vor ihm. Ihr Gesicht lag im Dunkeln als er aufblickte. „Ist ja ganz schön weit draußen hier“, sagte sie. Und als er sie nur weiter stumm anblickte: „Kann ich vielleicht heute Nacht hier irgendwo schlafen? Heute schaffe ich es sicher nicht mehr im Hellen über das Moor.“ Er stand auf und ging ins Haus. Und dann kam er wieder heraus. Aber sie war noch da. Stand da mit ihrem Rucksack und verdreckten Kleidern. „Also, was ist? Kann ich bleiben? Du hast mich schon verstanden, oder?“ Sie sah ihn fragend und zugleich unsicher an. Er schluckte ein paar Mal und räusperte sich. „Ja, also, neben der Stube ist noch ein Zimmer….“ „Prima“, fiel Sie ihm ins Wort und ging an ihm vorbei ins Haus.

Später half sie ihm in der Küche und erzählte, dass sie auf dem Weg nach Finnland sei. Voller Staunen folgte er ihren Worten. Finnland, das war unvorstellbar weit weg und klang nach Freiheit und Leben. Er kannte nur den Hof und die Stadt mit ihren Straßen und Geschäften und den Menschen, die dort lebten. Viel Kontakt hatte er nie gehabt. Zu laut und hastig war ihm immer alles erschienen. Und seine Freunde, die ihn besuchten, waren meist voller Ungeduld, wenn er mit ihnen auf der Bank saß und über das Moor und was dahinter wohl sein mochte, sinnierte. „Ist doch egal“, sagten sie oft, „Was soll da schon sein? Ist halt ein Moor und dann ‘ne Stadt. Oder irgendwas halt. Komm‘, lass uns in die Stadt fahren und feiern.“ Und wenn er dann wieder auf seinem Hof war, auf der Bank saß und über das Moor schaute, fragte er sich, ob da vielleicht auch jemand saß und genau wie er darüber nachdachte, was denn wohl auf der anderen Seite wäre. Und ob es eine Stadt wie seine wäre. All das erzählte er ihr. „Tja, keine Ahnung, aber ich werde es herausfinden. Morgen gehe ich durch das Moor und dann immer weiter. Bis nach Finnland.“

Am Morgen lag er in seinem Bett und dachte über den Traum nach, den er gehabt hatte. Da war ein Mädchen gewesen. Mit einem Rucksack. Das wollte nach Finnland. Zu Fuß. Durch das Moor. Einfach so. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Ein schöner Traum war das gewesen. Und dann stand sie auf unvermittelt in seinem Zimmer. „Also, ich muss jetzt los. Danke, dass ich hier schlafen durfte.“ Und dann war sie auch schon wieder weg. Er rappelte sich auf und stolperte, die Bettdecke verfing sich in seinen Füßen. Als er vor die Tür trat, hatte sie schon ihren Rucksack auf den Schultern. Sie drückte ihm links und rechts einen Kuss auf die Wange und dann zog sie los. Direkt in Richtung Moor. Sie drehte sich noch einmal um und winkte. Fast sah es aus, als ob sie tanzend durch das Moor hüpfte. Und irgendwie war ihm ihr Winken nicht wie ein Abschied, sondern wie eine Einladung erschienen. Finnland, das war ja verrückt. Er schüttelte den Kopf und ging zurück ins Haus.

Und plötzlich musste er lachen. Er ging in die Küche, wickelte Brot, Wurst und Käse in ein Tuch und verstaute alles in seinem Leinensack. Vor der Tür holte er tief Luft. Ein herrlicher Tag. Die Luft war klar und er fühlte sein Herz schlagen als er so durch das Moor lief. Unter seinen Gummistiefeln hörte er es glucksen und der Boden gab nach und in seinen Fußabdrücken bildete sich ein kleiner See mit dunklem Wasser. Irgendwann wich das Moor einer Wiese, auf der man noch die Spuren des Winters erkennen konnte. Der lehmige Boden war matschig und er sank immer wieder mit den Gummistiefeln tief ein, blieb stecken und musste den Schuh mühsam aus der Erde ziehen. Er stapfte weiter, seine Schuhe schwer und voller Dreck. Dann erblickte er einen Weg, den in einen Wald führte. Und am Ende konnte er gerade noch sehen, wie sie darin verschwand. Er zog die nutzlosen Gummistiefel aus und fing an zu rennen.

Tatort des Monats Juli

Manchmal schlagen Praxis und Theorie getrennte Wege ein – wie in diesem Fall.

Tatort: Küche.Dose 2

Tatbestand: Zerkleinerer (es gibt aber bestimmt auch eine „professionelle“ Bezeichnung für das Gerät)

Tatortsäuberung: Nachdem ich dem Gerät nun zig Chancen gegeben habe, seinen Job als Zwiebelschneider gerecht zu werden, gebe ich auf. Das klappt nicht. Oder ich kann es nicht. Jedenfalls werden die Zwiebel einfach nicht wirklich klein. Schon gar nicht gleichmäßig.

Liebe I.: Danke für das gut gemeinte Geschenk. Ich habe es wirklich lange und immer wieder versucht, aber nach nun bald zehn Jahren bin ich zu dem Schluss gekommen, dass entweder die Dose oder ich eine Fehlkonstruktion sind. Jedenfalls sind wir nicht kompatibel.

Es geht doch nichts über Handarbeit und das bisschen Heulen verkrafte ich gerade noch. Reinigt die Poren.

 

P.S.: Falls da draußen jemand ist, der noch ein Küchengerät braucht, melden. Ansonsten wandert es in die Flohmarktbox oder Aussteuerkiste für den jugendlichen Mitbewohner.

 

 

 

Klartext – ist Bio besser?

Die schlechte Nachricht vorweg: Bio ist geschmacklich nicht unbedingt besser. Das liegt unter anderem hauptsächlich daran, dass wir inzwischen so dermaßen an den künstlich erzeugten Geschmack der Produkte gewöhnt sind, dass uns natürliche Zutaten als „langweilig“ erscheinen. Meist schneiden Nahrungsmittel ohne Zusätze in Blindverkostungen sogar schlechter ab.

Auch bei frischen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse kann man Bio nicht wirklich von nicht-Bio unterscheiden. Rein vom Geschmack her. Ein Apfel schmeckt eben wie ein Apfel. Hier lässt sich vielleicht noch am Aussehen und der Größe eine Differenzierung vornehmen.

Bio ist auch nicht grundsätzlich gesünder, wie zahlreiche Studien belegen. Und von der romantischen Vorstellung, dass die Hühner, deren Eier wir essen, frei auf dem Hof herumlaufen, mal hier und mal da picken, müssen wir uns leider auch verabschieden. Damit wäre der Bedarf nicht mal ansatzweise zu decken.

Warum dann überhaupt zu Bio greifen? Denn Bio ist teuer. Nicht jeder kann es sich leisten. Und obwohl die Preise für Bio gesunken sind, liegen diese immer noch erheblich über denen der Massenware. Für Geflügel muss man mit 140%, für Fleisch mit 44% mehr rechnen. Und sehr oft entsteht hier der Konflikt zwischen ethisch korrektem Einkaufen und dem Wunsch nach geringen Kosten.

Der Punkt ist: Bei Bio geht es um eine umweltgerechte und weitestgehend artgerechte Haltung und Fütterung der Tiere. Sehr gut dargestellt ist das bei Alnatura.

Die EU-Ökoverordnung besagt, dass 95% der Zutaten aus ökologischem Anbau kommen müssen, damit sich ein Produkt als „Bio“ oder „Öko“ bezeichnen darf. Synthetische Farbstoffe, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, künstliche Vitamine, all das ist verboten. Auch die Verarbeitung muss möglichst schonend erfolgen. Es gibt sogar ein „Bio plus“ oder „Super Bio“, welches mit den Bio-Siegeln Bioland, Biopark, Biokreis, Naturland, Ecoland und Demeter signalisiert, dass Produkte sich noch strengeren Anforderungen stellen. Keine Antibiotika, keine Gentechnik, keine chemischen Pflanzenschutzmittel zum Beispiel.

Inzwischen kaufen über 50% der Bevölkerung gelegentlich Bio, Tendenz steigend würde ich sagen. Allerdings greifen eher gut verdienende und gut ausgebildete Menschen zu Bio.

Bio

Doch das System der industriellen Landwirtschaft hat Risse bekommen. Was früher normal war, ist heute Bio. Und erst durch die Skandale und Umweltkatastrophen konnte sich Bio aus der Nische der „Bio-Spinner“, wie Andre Wilkens die Vorreiter nennt, befreien. Was zur Folge hatte, dass sich innerhalb der letzten fünfzehn Jahre der Marktanteil verdreifacht hat. Trotzdem beträgt dieser nur knapp 4% des Lebensmittelgesamtumsatzes in Deutschland.

Ist Bio aber auch teurer? Das wollen wir in den nächsten Tagen klären. Los geht es erst mal mit der Vorbereitung, denn die ist bekanntlich alles.

 

Also dann, Action!
Eure Kerstin

„An meine Haut lasse ich nur Wasser…

…und CD“. Mit diesem Spruch aus der Werbung bedachte mich mein Vater während meiner Pubertät. Für ihn waren Seife und Wasser absolut ausreichend, um Pickeln und Schmutz zu Leibe zu rücken. Was ich als allwissender Teenager als Marotte der älteren Generation damals belächelt habe, praktiziere ich heute selbst. Nur die Seife ist eine andere und zudem erlaube ich mir daneben noch ein paar weitere Hilfsmittel. Was soll ich sagen: Der Zahn der Zeit nagt an mir. Eitelkeiten können jedoch auch auf nachhaltige Art und Weise gepflegt werden wie wir im Laufe der nächsten Tage sehen werden.

Vor der Pflege kommt die Reinigung und da bin ich ein Freund von Seife. Erst zwangsweise und inzwischen bekennend. Das verdanke ich, nein, nicht meinem Vater, sondern meinem jugendlichen Mitbewohner. Wenn auch unbewusst, denn bei zahlreichen Besuchen bei Oma und Opa, wurde für Muttern, also mich, immer eine Seife als Mitbringsel ausgesucht. Manchmal auch zwei oder drei, sodass ich nun über einen schier unerschöpflichen Fundus an verschiedenen Duft- und Farbrichtungen verfüge.

Neben den üblichen Benimm-Dich-Ansagen meinerseits, kam daher beim letzten Mal die Bitte „Keine Seife mehr“ hinzu. Ohne Erfolg. Nun ja, das Gehirn des jugendlichen Mitbewohners kann sich eben nicht so viel merken. Nun bin ich also stolze Besitzerin von Seifen alle Art und kann bald die Bäder eines kleinen Hotels damit ausstatten, denn ob ich es noch zu Lebzeiten schaffe, den Vorrat zu verbrauchen, scheint fraglich. Ganz besonders, da demnächst wieder ein Besuch bei Oma und Opa ansteht.

Wenn ich ehrlich bin, es sieht auch um einiges dekorativer aus als die flüssige Alternative, die hoffentlich bald mal alle ist. Oder was meint Ihr? Seife

Wie dem auch sei, ich musste mir etwas einfallen lassen. Ich kann mich zumindest in dem Punkt glücklich schätzen, dass ich eine recht pflegeleichte Haut habe und bis auf die jugendlichen Pickel keine großen Probleme zu verbuchen hatte, trotz eines mitunter sorglosen Umgangs, zu dem ich heute auch die tägliche Dusche zählen würde. Es liegt sicherlich auch an der harten Schule meiner Eltern, aber Hygiene und Sauberkeit ist nicht zwingend nur durch Duschen zu bewerkstelligen.

Bevor nun die Nasen gerümpft werden: Es gibt Lebensmuster, die verlangen einfach das tägliche Duschen, das bestreite ich nicht im Geringsten. Von daher kann ich also hier nur von mir reden und ich komme in der Regel mit zweimal Duschen pro Woche aus. Alle anderen Tage wird sich gründlich gewaschen. Man kann alles kaputt waschen, auch die eigene Haut. Der gute alte Waschlappen, ein Stück Seife und Wasser reichen meist jedoch völlig aus. Und so ganz nebenbei spart man auch noch Wasser.

Den Anhängern von Peelings sei gesagt: Diese enthalten bis zu 90% Mikroplastik, welches ungefiltert wieder in den Wasser- und letztendlich Nahrungskreislauf gelangt. Inzwischen ist in 90% aller Menschen Plastik im Blut nachweisbar. Doch wer sich gern seiner alten Haut entledigt, kann ein solches auch mit Zucker und Öl selbst herstellen. Sogar Kaffeesatz soll sich eignen, habe ich aber noch nicht ausprobiert. Luffaschwamm oder eine entsprechende Bürste gehen natürlich auch. Lästiger Hornhaut rücke ich zusätzlich mit einem Bimsstein zu Leibe. Gibt es in der Apotheke in der „Kuriositätenkiste“, wie eine Angestellte es nannte, als ich danach gefragt habe.

Für was ich bis dato noch keine wirklich zufriedenstellende Lösung gefunden habe, ist ein Ersatz für Wattepads, um sich abzuschminken. Bio-Watte ist klar, aber Verschwendung ist es schon irgendwie. Alle getesteten wiederverwendbaren Pads haben sich bislang als ungenügend erwiesen. Wenn da jemand einen tollen Tipp hat, würde ich mich freuen. Abschminken mache ich natürlich nicht mit Seife, da diese viel zu aggressiv (austrocknend) ist, sondern mit den Produkten der entsprechenden Hersteller von Bio-Kosmetik. Dann lauwarmes Wasser und ein guter Waschlappen. Fertig.

Ansonsten ist Seife wirklich ein Alleskönner. Sie lässt sich bis auf den allerletzten Rest aufbrauchen und man kann sie sogar für den Urlaub portionieren und ebenso problemlos im Handgepäck mit sich führen. Morgen dann: Zahnpflege.

Also dann, action!
Eure Kerstin 

Die zweite Chance

Wir alle haben hin und wieder eine zweite Chance verdient. Warum also nicht auch Kleidungsstücke? Bisweilen ist es uns vielleicht einfach nicht möglich, manche Sachen los zu lassen, obwohl sie uns nicht stehen, nicht passen oder zum Beispiel ein Loch haben. Das kann ganz verschiedene Gründe haben. In den meisten Fällen ist entweder der Geldwert eines Stückes oder es besitzt einen sentimentalen. Was für Möglichkeiten gibt es da?
Für mich kommen hier zwei in Betracht:

  1. Reparieren
  2. Umwandeln

Reparieren ist natürlich zum einen nur bedingt möglich, denn nicht alles lässt sich so ohne weiteres flicken. Ich besaß bis vor gar nicht allzu langer Zeit eine Seidenbluse, die ich sehr mochte. Eines Tages tat es beim Ausziehen einen lauten „ratsch“ (nein, ich habe nicht zugenommen, die Bluse hatte einfach schon ein paar Jahre auf dem Buckel  – nämlich meinem – und viele Wäschen hinter sich) und an der Ärmelnaht prangte ein langer Riss. Nun bin ich handwerklich nicht ganz ungeschickt und dachte: „Das nähst Du einfach wieder zusammen.“ Leider funktionierte es nicht, da der Riss so ungünstig verlief, dass ich dann meinen einen Arm nicht mehr hätte bewegen können, ohne weitere Schäden zu provozieren.

Was mir fehlte, war ein Stück Stoff, dass ich natürlich nicht hatte. „Also gut, dann eben Ärmel ab und als Nachtshirt nutzen“, war meine Idee. Gesagt, getan. Tja, angezogen habe ich es dann nicht wirklich, sondern mich jedes mal beim Blick in die Schublade geärgert, dass die schöne Bluse kaputt ist. Wir erinnern uns: Kleidung zweiter Klasse und Stil? Eben,+. Darum ist Downgrading keine Alternative. Für mich jedenfalls. Und wenn es ganz ungünstig läuft, dann geht es uns so, wie Roe Rainrunner in ihrem Beitrag „Textiles Recycling

Der andere Punkt, der Leser ahnt es schon, ist, dass man ein bisschen was vom Flicken verstehen sollte. Oder man kennt jemanden, der davon Ahnung hat. Das geht natürlich immer. Vielleicht belegt man auch einen Volkshochschulkurs. Ich weiß, jetzt kommt wieder der Einwand mit der Zeit. Aber wir werden später sehen, dass das so nicht stimmt.

Bleibt noch Umwandeln. Ich sage ganz bewusst nicht Recycling, da es sich hier ja eher um ein Downcycling handelt. Klingt aber nicht schön. Deswegen Umwandeln. Das ist vor allem für sentimentale Textilien eine Möglichkeit, diese nach wie vor um sich zu haben. Man kann natürlich aus einem Kleid einen Rock machen, auch aus einer Hose lässt sich ein Rock machen und aus einer Jacke eine Weste usw., aber nach meiner Erfahrung ist das Ergebnis eher wie bei meiner Bluse.

Eine Ausnahme habe ich trotzdem: In meinem Post „Lebensmuster“ habe ich aus einem aufgeribbelten Pulli eine Short gemacht. Die ziehe ich tatsächlich an. Letztes Jahr beim Baden meinte Cousin zu seiner Frau, sie solle sich auch so eine machen, früher hätte es auch schon solche gegeben. Gut, könnte jetzt auch ironisch gemeint sein. Ich weiß das manchmal nicht so genau.

Daher vielleicht doch lieber in etwas Anderes, Neues verwandeln. Hier ein paar Beispiele:
Eines meiner T-Shirt bzw. ein Teil davon ist nun ein Bild. Unschwer zu erkennen, warum ich es nicht weggeben konnte.

Bildershirt

Ein anderer Pulli wurde zur Tasche und begleitet mich jede Woche zum Einkaufen. Das Leder stammt im Übrigen von Resten aus der Automobilbranche.

Pullitasche

Und ein Vorhang wurde in einem Quilt – hauptsächlich auf der Rückseite zu sehen – verarbeitet. Ganz nebenbei: Kaputte Hemden eignen sich für Quilts, die gerade ja sehr in Mode sind, ungemein.

Quilt

Sicherlich fallen Euch noch ganz andere Sachen ein, oder?

Morgen, manch einer wartet schon darauf: Schuhe.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin