Tatort des Monats November

Der Winter ist nun doch nicht mehr zu verleugnen. Zeit für eine Bestandsaufnahme im Kleiderschrank. Wie es ausgegangen ist, kann man unten nachlesen.

Tatort: KleiderschrankSchal

Tatbestand: Schals (Achtung: Mehrzahl)

Tatortsäuberung: Letztes Wochenende waren der jugendliche Mitbewohner und meine Wenigkeit shoppen. Also, eigentlich hat er geshoppt, während ich mit Bezahlen beschäftigt war. Am Ende war das Budget nahezu und die Mama vollends erschöpft, so dass als Belohnung für den Geldgeber nur noch ein Schal rausgesprungen ist. Allerdings dieser auch nur unter dem Zugeständnis an den Partner, der aufgrund einer Fußballübertragung – wenigstens wurde die Kreditkarte geschont – befreit war, dass ich einen dafür abgebe. Fairplay einmal anders. Gesagt, getan. Sogar mehr als das. Ich würde fast so weit gehen und behaupten, die Weihnachtsgeschenke sind damit auch schon abgedeckt.

Wirtschaftlichkeitsberechnungen

Nach einigem Ringen mit mir und meinem Budget habe ich in einen von diesen Bamboo Cups, zu Neu-Deutsch „Kaffee-to-go-Becher“, investiert. Warum es explizit Kaffeebecher heißt, entzieht sich meinem genauen Kenntnisstand und ich bin fast versucht, das als Diskriminierung der Tee- und Kakaotrinker zu werten. Und wer sagt eigentlich, dass nur Heißgetränke in einem to-go-Becher transportiert werden können/dürfen? Aber das ist wohl eher ein Thema der Mehrheitslehre.

Es hat mich wie gesagt etwas Überwindung gekostet, schließlich besitze ich bereits einen wiederverwertbaren Becher (siehe „Draußen nur Kännchen“). Dieser war ein Werbegeschenk, von daher für mich so gesehen gratis. Wie das mit Werbegeschenken so ist, lassen diese sich aufgrund des Werbeaufdruckes nicht wirklich als Geschenk wiederverwerten, sondern höchstens in Form einer Gabe weiterreichen. Nun bin ich eigentlich kein großer Freund von logobehafteten Werbeartikeln, aber besagter Becher kam damals zur richtigen Zeit als ich mich gerade mit dem Thema Plastik auseinandergesetzt habe und er aus Porzellan ist. Das hat den Vorteil, dass es eben kein Plastik und geruchsneutral ist, aber eben auch zerbrechlich. Und er wiegt mehr als ein vergleichbarer Plastikbecher, was grundsätzlich kein Negativmerkmal ist, aber noch eine Rolle bei der Auswertung spielen wird. Und zu guter Letzt ist er auch nicht auslaufsicher, was situationsbedingt ein Problem werden kann.

Womit wir uns dem Einsatzgebiet nähern. So ein to-go-Becher ist ja wie der Name schon sagt, für den Einsatz unterwegs gedacht. Man trägt ihn in der Hand, im Rucksack, in der Tasche, auf dem Fahrrad, in der Bahn, im Bus etc. Aus dem Physikunterricht ist bei mir leider nicht viel bis gar nichts hängen geblieben, sonst könnte ich hier bestimmt mit einer Formel von bewegten Objekten zu Flüssigkeiten, die sich in bewegten Objekten befinden, aufwarten. So kann ich nur aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen und da verhält es sich so, dass Flüssigkeiten ein widerspenstiges und unkalkulierbares Eigenleben entwickeln, wenn sie bewegt werden. Ergo ist das mit dem Auslaufschutz ein wichtiges Kriterium, wenn man beim Gang aus dem Haus abwägt, ob man den umweltfreundlichen und wiederbefüllbaren Becher mitschleppt, oder eben dann doch die Einwegvariante des Coffeeshops seines Vertrauens wählt.

Nun also die erste Wirtschaftlichkeitsberechnung: Ich nehme meinen 453 Gramm schweren, zerbrechlichen Becher mit, lasse ihn befüllen, genieße den Inhalt und schleppe ihn dann den ganzen Tag bzw. bis ich wieder zuhause bin mit herum. Eventuell versaut mir der Rest Flüssigkeit dann auch noch den Inhalt meiner Tasche, wenn ich vergesse, eine Plastiktüte mitzunehmen, die ich dann wohlgemerkt nach Gebrauch ganz umweltbewusst auswaschen darf. Oder aber ich gehe unbeschwert aus dem Haus, kaufe to-go, genieße, entsorge den Müll und fertig. Da erübrigt sich fast die Bilanz. Fertig also. Fertig bis eben auf die winzige Kleinigkeit, dass sich mein Gewissen jedes Mal in einem Konflikt mit meinem Genuss- und ich-brauche-Koffein-Zentrum befindet. Infolgedessen hatte ich hin und wieder meinen Becher zuhause befüllt, beim einhändigen Fahrradfahren auf dem Weg zur Haltestelle getrunken und diesen dann in den Fahrradkorb bis zur Rückkehr deponiert. Oder aber ich bin eher los, um dann hastig unterwegs stationär die Koffeindosis hinunter zu stürzen. Auf Ex so gesehen. Beides hat mit Genuss irgendwie nichts gemein und hinterlässt einen Nachgeschmack.

Konflikte, so sagt mein Professor, sind im Grunde genommen der Normalzustand. Nichts desto trotz versuchen wir Menschen, Konflikte zu lösen, auch wenn dadurch vielleicht neue zu Tage kommen. Das Universum und eben auch wir Menschen brauchen anscheinend immer wieder diesen Impuls zur Veränderung. Okay, das ist ein Thema für die Soziologen. Jedenfalls bin ich bei der Strategie zur Lösung des Konfliktes unweigerlich auch die Bambusvariante der Unterwegs-Becher gestoßen. Dem folgte die zweite Wirtschaftlichkeitsberechnung: Unzerbrechlich, leicht, wiederverwendbar und eben kein Plastik. Ein dickes Plus auf der Habenseite. Dem gegenüber stand die Tatsache, dass ich den Neuerwerb bezahlen muss und dann keine Verwendung mehr für das Porzellanmodell hätte, es zum Ballast mutieren und früher oder später dem Tatort LINK zum Opfer fallen würde.

Vor allem das mit dem Kaufen hat zum anfangs erwähnten innerlichen Ringen geführt. Es ist ja so, dass man bei Anschaffungen auch eine gewisse Vorstellung davon hat, was einem dieser wert ist. Das ist natürlich eine ganz individuelle Sache und hängt mit ziemlich subjektiven Kosten-Nutzen-Rechnungen und ganz realen Budgetrahmenbedingen zusammen. Bei mir lag diese Grenze zwischen „passt“ und „seid-ihr-noch-ganz-bei-Trost“ in etwa bei zehn Euro, eher noch darunter. Also, so €9,95. Das Hirn liebt es einfach, solch psychologische Fallen ohne Umwege als Gewinn zu deklarieren. Egal, ist ein Thema für Marketingfachleute.

Wie es sich für einen mündigen Verbraucher gehört, muss erst einmal der Markt begutachtet werden. Also steuere ich alle Läden an, die dafür in Betracht kommen. Und sogleich stelle ich fest, dass die „passt“-Variante bei näherer Begutachtung nicht auslaufsicher ist. Schade, aber eine Entscheidung nur aufgrund des geringeren Gewichtes, was auf der Prioritätenliste eh den wenigsten Einfluss hat, steht außer Frage. Und, logisch, die Art von Becher, bei der sich Einsatz und Bedarf decken, rangiert in der Kategorie „seid-ihr-noch-ganz-bei-Trost“. Stolze €14,95 stehen im Raum. Puuh, das sind fünfzig Prozent über dem Budget. Am Ende kostet es mich also eine gute Portion Überwindung, doch die Sucht (Koffein) hat sich mit dem Gewissen (kein Einweg) verbündet und so gibt es eigentlich keine zwei Meinungen.

Kaffeebecher

Nun spare ich also kräftig. Zumindest im übertragenen Sinn. Jeden Tag einen Einwegbecher, was natürlich rechnerisch nicht so ganz richtig ist, da ich ja vorher den Becher aus Porzellan mit dabeihatte und eben nur hin und wieder zur Einwegvariante gegriffen habe. Aber der Einfachheit halber und weil ich neben Physik auch kein wirkliches Mathegenie bin, belassen wir es mal bei der Aufstellung. Macht fünf in der Woche, ca. zwanzig im Monat usw. Während also nun auf der Umweltseite alles im grünen Bereich ist, klafft auf der Geldseite eine Lücke von €14,95. Womit ich schließlich zur dritten Wirtschaftlichkeitsberechnung komme: Es gibt nämlich unter anderem einen Coffee Shop, der den Kunden einen Nachlass von fünfundzwanzig Cent gewährt, wenn man seinen eigenen Becher dabeihat. Das Einwegpfand im weitesten Sinne. Das nenne ich mal Kundenbindung und unternehmerisches Vorausdenken. Um also den monetären Einsatz wieder zu amortisieren, muss ich ungefähr sechzig Kaffee trinken.  Der berühmte Break-even-point ist somit nach zwölf Wochen erreicht, wenn man von fünf Portionen in der Woche ausgeht. Wenn ich dann noch mitberücksichtige, dass es ein Bonusprogramm gibt, also jeder elfte Kaffee gratis ist, dann ist schon bei einunddreißig Heißgetränken bereits ein Gewinn zu verzeichnen.

Für die Füchse unter meinen Lesern: Von Wirtschaft kann hier finanzbuchhalterisch keine wirkliche Rede sein, höchstens von Stammtischphilosophie gepaart mit einer laienhaften Milchmädchenrechnung, denn jeder Besuch im Coffee Shop kostet schließlich unweigerlich Geld, das man ja nicht ausgeben würde, wenn man sich entweder morgens schon genug Koffein zuführen oder aber noch besser, von der Sucht befreien würde, was letztlich sicherlich das Beste für die Umwelt und meine Gesundheit wäre. Aber bei all dem würde ich eine Sache ganz schön vermissen und das ist der Spaß am Konflikt und seinen Mitstreitern.

 

Eure Kerstin

Kindergeburtstag

Geburtstage sind was ganz Besonderes. Das kann jeder einmal im Jahr an sich selbst testen. Eltern sogar zwei- oder mehrmals, denn der Geburtstag des Nachwuchses ist fast noch aufregender als der eigene. Das fängt schon mit dem Dekorieren des Geburtstagstisches, dem Backen des Geburtstagskuchens und dem Aufstellen der Kerzen an. So ab dreißig Lichtern wird es mit dem Tablett und Anzünden schwierig und unter Umständen auch langsam nicht mehr erwünscht sein, aber dann sollte der Nachwuchs ja auch schon längst ausgezogen sein. Morgens schleicht man sich dann ins Kinderzimmer und singt das Geburtstagsständchen, denn das Glückskind liegt meist schon vor lauter Aufregung seit Stunden wach im Bett. Es folgen Liebkosungen und leuchtende Augen beim Geschenkeauspacken und zum Frühstück gibt es Kuchen.

Wird aus dem Kind ein Teenager, dann läuft das in etwa so ab: Beim Versuch, die inzwischen stattliche Anzahl an Kerzen auf dem Tablett zu platzieren und anzuzünden, ruft das Geburtskind: „Kann ich aufstehen? Ich muss mal.“ Gut, das war jetzt irgendwie anders geplant, aber morgendlichen Blasendruck kennt man ja aus eigener Erfahrung. Nicht schön. Nun gut, dann muss es also schnell gehen. Kerzen an, Tablett jonglieren und singen. Ein leichtes Grinsen huscht über das Gesicht des übernächtigten Geburtstagskindes – man muss schließlich um Mitternacht die gechatteten Glückwünsche der Freunde checken – bevor es ins Bad entschlüpft. Ewigkeiten vergehen.

Den Kuchen zum Frühstück gibt es natürlich trotzdem. Dekoriert mit Glückskeksen statt buntem Naschwerk. Doch davon später. Das Geschenkeauspacken ist dann auch eher nüchtern, da es diesmal nichts zum Auspacken gab. Nicht, weil wunschlos glücklich (ha, selten so gelacht), sondern weil das mit dem Alter ein immer schwierigerer Entscheidungsprozess zu werden scheint, der sich zunehmend in die Länge zieht. Auf ein zartes Nachfragen ca. vier Wochen vor dem Freudentag, was denn so auf der Wunschliste stehe, kommt erst mal gar nichts und dann folgen alle zwei Tage andere Wünsche, die mal größer, mal teurer, mal bei-Dir-piepst-wohl sind.

Der diesjährige Wunsch ließ schon im Vorfeld extrem lange auf sich warten, so dass ich dann doch etwas nervös wurde. So ganz ohne Geschenk will man ja als Eltern auch nicht da stehen. Und mit einem Kuchen und vielen Kerzen kann man bei der Jugend keinen Staat machen. Das kommt auf den Posts in den sozialen Netzwerken gar nicht gut und ist völlig uncool. Zum Glück konnte der jugendliche Mitbewohner seine Gedanken und Wünsche doch noch bündeln und dann einen fast vollständigen Satz formulieren: „Shoppen.“ „Ja, und hast Du Dir schon mal so überlegt, was Du alles einkaufen möchtest?“ „Schuhe. Klamotten halt.“ „Und welche Geschäfte hast Du Dir da so vorgestellt?“ „Weiß nicht.“ Wie gesagt, man darf den Bogen nicht überspannen. Die gedankliche Arbeit im Vorfeld ist mit Sicherheit sehr anstrengend und Details sind auch nicht so wichtig, wie man als Erwachsener manchmal denkt.

Statt Party diesmal also der Trip in die Stadt, der dann schon fast an eine Schnitzeljagd erinnert: Neun Geschäfte in guten zweiten Stunden. Aber was tut man nicht alles für das eine Paar Schuhe. Und die Unterhosen, deren großflächige Werbung zu meiner Zeit noch für Aufsehen sorgte. Und Klamotten, mit denen man auch ungewaschen und unausgeschlafen hip rüber kommt. „Shopping Queen“ ist nichts dagegen. Und, es war trotz knappem Zeitplan noch ein Kaffee für die gestresste Begleitung drin. Aber auch nur deswegen, weil die nämlich unter akuter Blasenschwäche litt und dringend mal wohin musste.

Gut, so ein Geburtstag ist ja schließlich kein Kindergeburtstag. Das verlangt allen Beteiligten einiges ab – einschließlich der Kreditkarte. Ich glaube, da steht ein Besuch bei dem Bankberater meines Vertrauens bevor. Andererseits hatten wir so viel Spaß, dass es jeden Cent wert war, das Budget so maßlos zu überziehen.

Und zu den Glückskeksen wäre noch ergänzend zu sagen: Drei wurden am Morgen nebst Kuchen verspeist. „Es erwartet Sie eine Reise.“ – Check. „ Freuen Sie sich auf schöne Stunden.“ – Check. „Absolute Höchstform. Sie können Berge versetzen.“ – Check. Alles richtig gemacht. Happy Birthday, Lieblingskind! Und bleib wie Du bist.

 

Eure Kerstin (Mami)