nachgeschlagen und umgeblättert – die Bücherwurmfrage

Mein Luxusobjekt: Bücher. Ein ganz schwieriges Thema für mich. Vor allem in punkto Verzicht. Ein paar Lichtblicke gibt es allerdings doch zu berichten:

1.      Die Kosten sind leicht gesunken und liegen derzeit bei ca. €60,00 pro Monat, Tendenz weiter fallend. Allerdings tue ich mich seit geraumer Zeit wirklich schwer, eine gute Lektüre zu finden. Ich weiß, ich bin da sehr eigen und für eine echte Leseratte wird der Stoff, der einen fesselt, mitunter mit der Zeit dünner und gleichzeitig greift man im Buchladen, an dem man einfach nicht vorbei kommt, auch öfters mal daneben. Inzwischen landen aber auch vermehrt Sachbücher im Einkaufskorb. Wahrscheinlich ein Nebeneffekt davon, dass ich versuche, mehr im realen Leben unterwegs zu sein und nicht immer nur davon zu träumen. Aber die Qual der Wahl – zumindest bei der Lektüre – ist schwer. Mein neuer Ansatz dahingehend ist, dass ich meine häusliche Bibliothek in Angriff nehme und sortiere: Nach war-ganz-nett-aber-das-es-auch-schon und super-muss-ich-nochmal-lesen und dann letzteres konsequent durchziehe und danach nochmals in die Waagschale werfe. Die Bücher der Kategorie nett würde ich verschenken und/oder lagern, falls der Traum eines eigenen Ladens es doch noch in die Wirklichkeit schaffen sollte. Zieldatum in dem Fall: Zehn Jahre. Das klingt jetzt lang, aber die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen für Bücher und Aufzeichnungen liegen auch bei zehn Jahren. Vergleich hinkt etwas, aber manche Dinge brauchen Zeit – auch in der heutigen Schnelllebigkeit noch.

2.      Zeitschriften sind mittlerweile nahezu ganz gestrichen. In 2017 habe ich erst 5 Stück gekauft. Zwei Wirtschaftszeitungen und drei Outdoormagazine, Tendenz ebenfalls fallend.

3.      Die elektronische Bibliothek, die ein Geschenk zu Weihnachten war, wurde bis vor kurzem mit konsequenter Nichtbeachtung bestraft, bis der Mann an meiner Seite Gefallen an dem handlichen Kumpanen gefunden hat. Und sein Urteil war recht positiv, so dass ich durchaus gewillt bin, dem Kleinen eine Chance zu geben. Ein Buch wurde auch schon „gekauft“ und wartet nun darauf, dass es an der Lesereihe ist.

4.      In Zusammenhang mit drittens (dem Mann, nicht dem Stromfresser) hat sich eine neue, sehr schöne Gewohnheit entwickelt: Das Vorlesen. Macht man gerne mit Kindern und dann wieder am Ende des Lebens, aber so mittendrin eher selten. Nicht jedes Buch eignet sich und das nicht nur, weil die Geschmäcker doch recht verschieden sein können. Aber es bietet mehr Zweisamkeit und Gesprächsstoff als ein gemeinsamer Fernsehabend – zumindest nach meiner Erfahrung. Und es funktioniert auch in der Gruppe, wie die Treffen der Buchgesellschafter regelmäßig zeigen. In dem Zusammenhang ein Dank an die Gesellschafter, dass sie immer meine Kuriositäten aus dem Bücherregal wohlwollend aufnehmen.

5.      Was noch aussteht, ist der Versuch, Bücher gebraucht zu erwerben. Wie gesagt, manche Dinge brauchen etwas (mehr) Zeit.

Neben den Reisen im Kopf, stehen auch Reisen an sich hoch im Kurs. Dazu nächstes Mal mehr. Also dann, action!

Eure Kerstin 

P.S.: Zu den Büchern auf dem Foto sage/schreibe ich später noch ein paar Sätze.

„Die schönsten Reisen finden im Kopf statt“

…so besagt es ein deutsches Sprichwort.

... Männer wahrscheinlich auch

… Männer wahrscheinlich auch

Nun, darüber lässt sich mit Sicherheit vortrefflich streiten. Wenn es um Bücher geht, werde ich sentimental. Ich liebe Buchhandlungen. Online kommt nicht in die Tüte und mit den Empfehlungen des Versandriesen bin ich irgendwie noch nie glücklich gewesen. Das ist der Nachteil der digitalen Welt und ihren Algorithmen. Man bekommt immer das Produkt, das man scheinbar will, braucht und sich leisten kann. Der Mensch wird zum automatisierten Konsumenten. Man wird entscheiden. Analog einzukaufen ist dagegen sozusagen meine persönliche Unabhängigkeitserklärung. Das sehe ich genauso wie Andre Wilkens in „Analog ist das neue Bio“.

Zurück zum Ort des Geschehens, dem vom Aussterben bedrohten Buchladen vor Ort: Darin lässt sich vortrefflich stöbern und Inspiration(en) sammeln. Und sollte das Wunschobjekt mal nicht vorrätig sein, steht der Service in nichts nach. Und man muss noch nicht mal zur Post, um die Sendung abzuholen, wenn man mal wieder den Boten verpasst hat.

Nichts geht über das Gefühl, ein Buch in Händen zu halten und die Seiten umzublättern und dann in der Geschichte zu versinken. Und wenn ich am Ende den Lesestoff in meine Bibliothek einreihe, dann lässt mich der Anblick immer wieder an das schöne Erlebnis beim Schmökern denken.

Bücherwand

Ein E-Book Reader käme mir nie in die Finger. Ich kann die Vorteile – 100 und mehr Bücher in knapp 200 Gramm – durchaus nachvollziehen, aber ich verzichte lieber auf das eine oder andere Kleidungsstück im Urlaubskoffer als auf ein Buch. Und ich habe je nach Urlaub auch gern mal vier Stück dabei. Bücher, bei Kleidern bin ich mitunter ziemlich reduziert unterwegs – nach dem isländischen Sprichwort: „Lieber barfuß als ohne Buch“. Selbst auf meinen Wanderungen ist eine Lektüre mit im Rucksack. Diese vermache ich dann gern der Hüttenbibliothek. So geschehen vor ein paar Jahren auf der Boè-Hütte, in 2873 m. Falls jemand zufällig einen Abstecher dahin macht, würde mich interessieren, ob „Die kleine Souvenirverkäuferin“ von Francois Lelord noch da ist.

Da ich von Haus aus sehr neugierig bin, schreibe ich auch meine Kontaktdaten rein und hoffe dann, dass mich derjenige, der zu meinem Buch greift, mir irgendwann ein paar Zeilen schreibt. Wie bei einer Flaschenpost. Ok, ist vielleicht doch mehr Romantik denn Neugier. Egal. So was wäre mit einem E-Book Reader nie möglich, mal ganz abgesehen davon, dass der Strom auf Hütten sehr rar ist und dem Ding wohl ziemlich schnell der Saft ausgeht.

Bücher können Welten öffnen. Als ich vor gut zwanzig Jahren „Der englische Patient“ von Michael Ondaatje gelesen habe, musste ich mir im Nachgang unbedingt „Schwimmer in der Wüste“ von Ladislaus E. Almásy, der als Vorbild für den Patienten für Ondaatje diente, zu Gemüte führen. Danach habe ich lange Zeit von einer ausgedehnten Ägyptenreise geträumt und wollte sogar Arabisch lernen. Nun, in Ägypten war ich tatsächlich – sogar mehr als einmal – aber zu einer richtigen Wüstensafari hat es noch nicht gereicht. Nur mit dem Leihwagen bin ich mal im Sand stecken geblieben, als wir einfach immer der Nase nach mitten in die Dünen gefahren sind. Das war Abenteuer genug. Und im Arabisch bin ich über die Zahlen eins bis zehn nie hinaus gekommen.

So was in der Art erlebte ich dann nochmals bei „Das unerhörte Leben des Alex Woods“ von Gavin Extence. Darin gründen die Helden eine Art Buchclub und lesen die Werke von Knut Vonnegut. Und wer die Geschichte von Alex Woods schon ungewöhnlich findet, der sollte erst mal „Galapagos“ lesen. So was Bizarres habe selbst ich selten auf meinem Nachtkästchen liegen. Und ich stehe auf alles, was eine gewisse Portion Unwahrscheinlichkeit hat und/oder vom Titel und Einband her ungewöhnlich ist. „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“ von Annie Barrows und Mary Ann Shaffer ist so ein Beweis. Allerdings wurde der Titel im Deutschen auf „Deine Juliet“ umgetauft. Klingt schon langweilig, fast schnulzig. „Komisch“ und „abgefahren“ sind meist die Worte, mit denen die Buchgesellschafter und Freunde meinen Geschmack betiteln. Wobei sie wahrscheinlich nur aus Höflichkeit und guter Erziehung nicht „verrückt“ sagen, sondern nur denken.

Ob das auf die Märchen aus meiner Kindheit oder auf meine jugendliche Liebe zu allem von Michael Ende zurück zu führen ist, lässt sich inzwischen nicht mehr feststellen. Von meinen Eltern habe ich das jedenfalls nicht. Mein Vater war der Klassikvertreter und hat gern aus diversen Werken der großen, deutschen Geistesgrößen zitiert. Meine Mutter stand mehr auf Krimis. Auch scheint diese Eigenart nicht vererbbar zu sein. Der Nachwuchs liest, wenn man das überhaupt als Lesen bezeichnen kann, Comics und Mangas. Nun, wir wollen mal froh sein, dass es überhaupt Bücher über die Türschwelle des jugendlichen Mitbewohners geschafft haben. Helen Hayes sagt dazu: „Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“

Ein anderes Sprichwort lautet: „Geschriebene Worte eröffnen Räume voller Bilder und Töne“. Dazu fällt mir „Überlebensgroß“ von Mark Watson ein. Darin erzählt der Held, dass er und seine Geschwister als Kinder bei Autofahrten aus den Buchstaben der Autokennzeichen immer möglichst lange Wörter gebildet haben. Das längste Wort gewinnt. Beispiel M – UC:  Mauseloch, Muschelsammler, Mondumrundungsgeschwindigkeitsmessinstrument und so weiter. Inzwischen ertappe ich mich dabei, wie auch ich bei dem Spiel mitmache, wenn ich im Auto sitze. Selbst den Ich-spiel-doch-keine-Kinderspiele-mehr-Mitfahrer kann man manchmal damit heraus fordern.

Oder „Der blinde Masseur“ von Catalin Dorian Florescu, der mich dazu gebracht hat, bewusst Bücher der Gegenwartsliteratur anderer Länder zu lesen. Dazu hatte ich auch schon mal etwas in „Lesestunde“ geschrieben. Da waren manch gruselige Stücke dabei. Also, gruselig im Sinne von schlecht, so dass ich mich wahrhaft quälen musste, diese bis zum Ende zu lesen. Denn aufgeben tue ich äußerst selten. Dann muss man vielleicht einen anderen Zeitpunkt und somit Gedanken- und Gefühlszustand wählen, damit die Geschichte zum Leben passt.

„Die Literatur gibt der Seele Nahrung, sie bessert und tröstet sie“. Das ich nicht von mir, sondern von Voltaire und beinhaltet so gesehen auch die Aussage, dass es für alles eine Zeit gibt. Aus dem Grunde kann ich auch Werke, die mich wirklich gefesselt haben, nicht gehen lassen. Das wäre, als würde ich ein Stück von mir weggeben. Undenkbar. Die Krux ist nur, dass meine Bücherwand immer weiter wächst. Bisweilen lese ich Exemplare ein zweites Mal. Hin und wieder wandert mal eines in meine Zukunftstraum-Kiste im Keller. Aber das gehört nicht hierher.

Manch Leser wird sich vielleicht nun fragen, was das alles mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun hat, wenn man mal vom analogen Aspekt absieht. Eine gute Frage. Wenn es danach ginge, müsste ich wahrscheinlich tatsächlich auf den Energiesklaven umsteigen, denn als ausgesprochene Leseratte wäre das die umweltschonendere Methode des Gedankenreisens. Von daher bedeutet Lesen für mich neben Leben auch Luxus, zumal ich mir in letzter Zeit vermehrt richtige Bücher, also Hardcover Editionen, gönne. Genusslesen sage ich gern dazu. Das Ganze schlägt inzwischen mit gut €70 pro Monat zu Buche. Ein ziemlicher Batzen. Ja, das finde ich auch. Hier muss also irgendwie nachgebessert werden.

Öffentliche Bibliotheken wären eine Alternative, aber die örtliche Bücherei findet bei mir keinen so richtigen Anklang und meist überkommt mich dann das starke Gefühl, dass ich den Leseschatz besitzen muss. Online-Tauschbörsen haben mich noch nicht überzeugt, weil ich eben gern haptisch unterwegs bin. Eine spezielle Art Buchhandel ist bookcrossing.com, bei dem ich gern mal Bücher in die Freiheit entlasse und auf Reisen schicke.

Bookcrossing

Wie schon oben erwähnt, mehr Romantik denn Neugier und eher eine Spielerei. Bleibt noch der Flohmarkt. Das werde ich definitiv auf die Agenda schreiben und dann später darüber berichten.

Im Zuge dieses Beitrages habe ich auch ein bisschen nachgeforscht und bin da auf einen interessanten Artikel gestoßen: „Ökologisch lesen“. Interessanterweise habe ich bis dato noch nie darauf geschaut, ob denn die Buchverlage, deren Bücher ich kaufe, umweltbewusst handeln. Tja, auf den diversen Internetseiten ließ sich da leider nichts finden. Etwas enttäuschend.

Und nun muss ich schleunigst zu meiner gerade erstandenen Errungenschaft und dem neuesten Werk eines meiner Lieblingsautoren. Darin heißt es so passend: „Denk dran, […] du bist ein Leser. […] In Büchern und in der Welt deiner Phantasie gibt es ein eigenständiges Leben; da gibt es mehr als in der realen Welt.“ Ganz genau und daher reist es sich im Kopf am schönsten.

John Irving

Was hier noch fehlt, sind sonstige Druckerzeugnisse. Denen widme ich einen extra Beitrag, sonst nimmt das hier gar kein Ende.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin