Sieben auf einen Streich – „Das unerhörte Leben des Alex Woods“ von Gavin Extence

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Was mir beim Gedanken an den Roman von Gavin Extence zuerst in den Sinn kommt, ist diese Versicherungswerbung, bei der ein Satellit vom Himmel fällt, auf ein Auto, fein säuberlich abgestellt auf einem riesigen Parkplatz. Das einzige Auto wohlgemerkt. Dazu die Frage: „Was, wenn es immer Sie treffen würde?“ Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Tja, und trotzdem, die Möglichkeit besteht.

Nun, das hat nur insofern etwas mit dem Buch „Das unerhörte Leben des Alex Woods“, wobei ich den englischen Titel „The universe vs. Alex Woods“ deutlich aussagekräftiger finde, zu tun, als dass ihm, Alex Woods, im Alter von zehn Jahren, ein Meteorit auf den Kopf fällt. Im Badezimmer. Der Aufhänger ist also schon recht bizarr. Damit nicht genug. Alex, der wahrlich etwas sonderlich ist für einen Zehnjährigen+, rettet sich etwas später vor seinen Mitschülern in den Garten von Mr. Peterson, einem exzentrischen Greis mit einer Vorliebe für Marihuana und Bücher von Kurt Vonnegut. Die beiden freunden sich an, lernen voneinander und als Mr. Peterson seinem Leben in der Schweiz ein Ende setzen will, machen sich sie gemeinsam auf den Weg.

Die Geschichte ist wunderschön erzählt. Es geht um ungewöhnliche Freundschaften, das Schicksal und einen selbstbestimmten, freien Lebensweg. Philosophisch und poetisch bis zum Schluss. Bezeichnenderweise mit einer Passage aus dem Roman „Der Kinderkreuzzug” von Kurt Vonnegut, dessen Bücher, hier empfehle ich „Galápagos“, im Übrigen abstruser und schräger nicht sein könnten.

„The most important thing I learned on Tralfamadore was that when a person dies he only appears to die. He is still very much alive in the past, so it is silly for people to cry at his funeral. All moments, past, present and future, always have existed, always still exist. The Tralfamadorians can look at all the different moments […] They can see how permanent all the moments are, and they can look at any moment that interests them. It’s just an illusion we have here on Earth that one moment follows another one, like beads on a string, and that once a moment is gone it’s gone forever”

“Das unerhörte Leben des Alex Woods“ macht Lust auf mehr von Gavin Extence. Zum Glück gibt es inzwischen auch einen zweiten Roman. Falls also jemand noch nach einem Geschenk zu Weihnachten oder so für mich sucht, bitte nicht auf komische Ideen kommen – wir wissen ja, was dabei herauskommt.

Also dann, bis morgen.

 

 

 

 

 

Was von der sechsten Rauhnacht (30. Dezember) übrigbleibt – Juni 2017

Ein absolut von Aktivität lebender Monat Juni geht zu Ende. Genau nach dem Motto der sechsten Rauhnacht. Zwar weniger geprägt von Naturerlebnissen, dafür aber jede Menge anderer Ereignisse. 

Im Garten wurde ein neuer Versuch, Salat in Eigenanbau zu züchten, in Angriff genommen. Diesmal fällt die Ernte hoffentlich vor das Festmahl der Schnecken. Also bitte Daumen drücken. Danke. 

Besonders im Bereich des Schreibens war der Sonnwendmonat für mich sehr intensiv und mit vielen neuen Eindrücken verbunden. Neben meiner Nachbetrachtung zum Verzichtsprojekt, war ich mal wieder bei einer Schreibwerkstatt zum Thema Spannung. Was soll ich sagen, es war spannend. Ich genieße es jedes Mal wieder, in andere Welten einzutauchen – wenn auch nur für ein paar Stunden.

Daneben wurde viel gelesen, was ich in den letzten Monaten immer ein bisschen vernachlässigt habe. Apropos: Liebe Buchgesellschafter, das nächste Treffen steht bevor. Das wird interessant bei der Lektüre. Da bin ich sicher. 

Einhergehend mit dem Verzicht wurde ja auch ausgemistet. Leider ist das Vorhaben, den Ballast aus dem Keller auf dem Flohmarkt an glückliche Neubesitzer und -nutzer weiterzureichen ins Wasser gefallen. Trotzdem sechs Euro eingenommen und des Monster Keller ist dann einfach im Herbst dran. Da bin ich schließlich schon mit Monstern ganz anderen Kalibers fertig geworden. 

Klar, draußen war ich auch. Kurz, mit knackigem Anstieg und einer beeindruckenden Kulisse. 

Leider trotz des traumhaften Wetters etwas zu selten, aber dafür wird der Juli meine Gesellschaft wieder vermehrt unter freiem Himmel genießen dürfen. Darauf freue ich mich. Egal, bei welcher Tageszeit.

 

Eure Kerstin

 P.S.: Ach ja, die Punkte aus dem Vormonat sind soweit alle unter Dach und Fach. Fast

Geschmacksfragen

Alle sechs bis acht Wochen tauchen die Gesellschafter und ich ein in andere Welten. Nämlich immer dann, wenn sich unsere Buchgesellschaft trifft. Dann versuchen wir uns als literarisches Quartett und gleichzeitig schlemmen wir (meist stilecht zur Lektüre) ausgiebig. Wobei der literarische Anteil oftmals zu Gunsten der schnöden Realität und den Gaumengenüssen vernachlässigt wird.

Meist liegt das gar nicht so sehr an uns als vielmehr am Lesestoff, den es zu verdauen galt. Also sind wir, vielmehr ich, da ich eine Vorauswahl treffe, doch irgendwie schuldig, denn schließlich suchen wir uns das seitenstarke Unglück ja selbst aus.

Im Moment liegt die „Erfolgsquote“, also Werke, die wir alle gut fanden, bei noch nicht einmal 22%. Selbst der aktuelle Regierungspartner im Bundestag hatte da bei der letzten Wahl mehr vorzuweisen und man sieht ja, was dabei herauskommt, wenn man mit Minderheiten versucht, ein Land beziehungsweise 80 Millionen Meinungen unter einen Hut zu bringen. Klappt noch nicht mal im kleinen Viererkreis unserer Buchgesellschaft und das, obwohl wir uns alle mögen. Doch damit genug in der kleinen politischen Ecke aufgehalten.

Sicherlich spielt beim Lesen der Geschmack die größte Rolle und der ist nun mal bei jedem sehr individuell. Umso erstaunlicher ist es daher, dass die als Klassiker gehandelten Bücher von uns durchweg als lesenswert und gut bewertet wurden. Ich finde das durchaus bemerkenswert, weil ja gerade diesem Genre ein gewisser Ruf von Schwere und Staub und Langeweile anhaftet. Gleichzeitig aber manifestiert sich damit zu Recht der Begriff Klassiker. Bei den modernen Werken waren wir uns nie einig und die meisten sind auf der Geschmacksskala durchgefallen. Wir waren jedes Mal regelrecht froh, dass es so viele Leckereien und andere Gesprächsthemen gab.

Klassiker

Lange Rede, kurzer Sinn: In Zukunft kommen nur noch Klassiker auf die Leseliste. Und wir fangen gleich damit an. „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams steht auf dem Plan und da freue ich mich schon so richtig drauf. Und natürlich ganz besonders auf die Gaumengenüsse. Ist eben alles eine Geschmacksfrage.

Kerstin und die Buchgesellschafter

Die Kunst des Gebens

Karte Nr. 20: „’ Auf Dauer befriedigender ist es jedoch, nicht nur von Herzen, sondern auch mit Hirn zu spenden’, Stefan Klein. Geben Sie etwas ab: Überlassen Sie Ihr Rad nicht einer Online-Auktion, sondern einem Asylbewerberheim. Oder verschenken Sie Ihre Zeit, etwa, um anderen zu helfen.“

Ja, ich muss zugeben, es ist nobler die Dinge, die wir nicht mehr brauchen, zu spenden. Man hilft anderen, man hilft, Rohstoffe zu sparen, Und ja, ich glaube, die meisten von uns besitzen mehr als sie wirklich brauchen. Seit über einem Jahr nun versuche ich meinen Haushalt zu minimieren und mich von Sachen zu trennen, die ich doppelt/dreifach habe und/oder aus irgendwelchen Gründen horte. Das fühlt sich gut an. Also das Trennen und Loslassen. Jedes mal, wenn ich etwas aussortiere, fühle ich mich ein bisschen besser – etwas leichter. Doch wenn ich so den ganzen Hausstand um mich herum betrachte, bin ich nach wie vor der Ansicht, dass ich locker noch 80% weggeben könnte und es würde trotzdem nicht zu irgendwelchen schwerwiegenden Einschränkungen führen. Vor Jahren passte mein Hab und Gut in zwei Koffer. Ist das zu glauben? Okay, das waren nur Kleider, Bücher und diverser Kleinkram. Aber nichts desto trotz. Heute bräuchte ich locker zwei von diesen Schrankkoffern allein für meine Kleider. Sind es am Ende all die Dinge, die ich mein Eigen nenne, der Grund, warum ich oft nicht so zufrieden und glücklich bin wie ich es sein sollte?

Ich habe mir mal die Freiheit genommen und den Urheber der Aufgabe nachzuschlagen – Stefan Klein. Er ist ein recht bekannter Autor wissenschaftlicher Bücher. Unter anderem: „Der Sinn des Gebens. Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und uns Egoismus nicht weiter bringt“, in dem er darstellt, dass uns Selbstlosigkeit glücklicher und erfolgreicher macht. Sehr schön, dann scheine ich auf dem richtigen Weg zu sein, aber eben immer noch am Anfang.

Also habe ich meinem Keller einen Besuch abgestattet. Ja genau, der Raum, in dem alles gelagert wird, was man eines Tages eventuell brauchen könnte, irgendwo in der fernen Zukunft, die doch niemals zu kommen scheint. Ich beispielsweise hebe Kleider – eigene, die nicht mehr getragen werden und abgelegte Kindersachen, die ich aussortiert habe – auf. Daneben Bücher, welche ich nicht besonders mochte und nicht mehr benötigte Spielsachen. Nicht so sehr aus sentimentalen Gründen, für solche Dinge habe ich ein extra Abteil. Eher deshalb, weil das meiste irgendwann mehr oder weniger viel Geld gekostet hat und zum Wegwerfen zu schade ist. Daher schleppe ich es jedes Mal auf irgendwelche Flohmärkte und komme dann immer noch mit Massen wie es scheint wieder zurück. Wozu also aufheben, wenn ich anderen damit helfen kann? Bin mir nicht sicher, ob ich „glücklicherweise“ sagen sollte, aber seit geraumer Zeit kommen mehr und mehr Flüchtlinge in unserer Gemeinde an. Jeden Tag hört und liest man erschütternde Bericht. Und ich fühle mich richtiggehend hilflos. Wegen des ungerechten Schicksals, wegen der Greueltaten, zu der Menschen fähig sind.

Einen ganzen Tag habe ich dem Keller gewidmet und mich durch sämtliche Kisten gewühlt. Kleider, Schuhe, Sportsachen/-ausrüstung. Schulsachen, Bettwäsche, Handtücher, Bücher. Gut, keine Bücher, da ich immer noch von einen kleinen Buchcafé träume, in dem Leute sitzen, reden und lesen können. Am Ende waren es acht Umzugskisten. Große Umzugskisten. Und damit ich es mir nicht anders überlege, wurden diese direkt in die Garage vor mein Auto gestellt, dabei Gefahr laufend, einen Anruf der Hausverwaltung von wegen Sachen in der Tiefgarage lagern usw. zu erhalten. Aber ich dachte: Ist ja nur für einen Tag oder zwei bis ich weiß, wo ich die Sachen hinbringen kann. So weit der Plan. Noch am Abend schrieb ich ein Mail an die lokale Asylbehörde, nur um eine Antwort zu erhalten, dass man selbst nichts annehme. Dafür waren jede Menge Web-Adressen aufgeführt, an die ich mich wenden könne. Also gehe ich auf die Website der örtlichen Kleiderkammer. Nur um dort zu lesen, dass man derzeit nur Männerkleider für den Winter annehmen würde. Tja, das mag daran liegen, dass Männer von Haus aus nicht so viele Klamotten besitzen oder aber mehr an ihnen hängen. Wie auch immer, es schien, als ob ich kein einziges Teil loswerden würde. Kein Mann, keine Spende. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich schon mal, als ich an die zwanzig Stofftiere in der Wertstoffbörse abgeben wollte, dort aber zurück gewiesen wurde, weil man nur Markenstofftiere – sprich Knopf im Ohr – nehmen würde. Mir war nicht klar, dass Bedürftige so wählerisch sind.

Einen kleinen Erfolg hatte ich mit zwei Brillen, die ich im Brillengeschäft abgeben konnte. Allerdings kann ich nur hoffen, dass diese auch wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Sicherlich auch ein Grund, warum ich die aussortieren Sachen nicht einfach in einen der öffentlichen Container werfen wollte. Was weiß ich, was aus denen wird. Wird es verkauft, irgendwohin versandt und dort damit Profit gemacht, geschreddert, um Lappen daraus zu fertigen? Ich wollte doch vor Ort helfen, nicht noch mehr Abfall produzieren und irgendwelche windigen Firmen mit dubiosen Firmenpraktiken unterstützen. Also musste ein neuer Plan her.

Daher habe ich meine Zeit gespendet. Besser gesagt, werde ich meine Zeit meinen gerade gegründeten Buchclub – Die Buchgesellschaft – widmen. Ein kleiner Schritt in Richtung Buchcafé und wir haben sogar schon einen Blog gestartet: www.diebuchgesellschaft.wordpress.com. Am Rande unseres ersten Treffens kam auch das Thema „übervoller Kleiderschrank und Überfluss im Allgemeinen“ zur Sprache. Dass man eben nicht vier schwarze Hosen braucht und zig verschiedene, bunte Oberteile. Uni und schlicht lassen sich immer kombinieren und mit Accessoires aufpeppen. Mein Vorsatz, in 2015 nur Kleidungsstücke zu kaufen, die ich wirklich brauche, weil kaputt oder so, war geboren. Danke, liebe I., nochmals für das inspirierende Gespräch.

Und da musste ich wieder an die unseligen Kisten in der Garage denken. Also unternahm ich einen letzten Versuch und habe trotz Hinweis, dass nur Männerkleider angenommen werden, einfach gefragt. Und siehe da, die Damen in der Kleiderkammer haben sich so gefreut, dass ich am liebsten mich gleich erkundigt hätte, ob sie noch jemanden zum Helfen brauchen. Gut, das hebe ich mir dann doch noch für später auf. Tja, und nun fühle ich mich noch ein gutes Stück leichter. So einfach ist das, mit der Kunst des Gebens.

Damit wären nun noch zehn Karten übrig. Ich werden den Rest nach Kategorien „abarbeiten“. Komfort, Power und schließlich Sinn. Hier Karte Nr. 21.: „Sie sehen das Postive: Machen Sie einem Menschen ein Kompliment oder loben Sie jemanden, der es verdient hat. Sie werden erkennen, es tut Ihnen beiden gut.“ Puh, eine schwierige Aufgabe in einer Welt, in der Erfolg fast ausschließlich in Zahlen gemessen wird. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Die Buchgesellschaft

Liebe Leser,Die Buchgesellschaft an dieser Stelle einmal ein Beitrag in eigener Mission: Seit heute gibt es noch einen weiteren Blog von mir und weiteren Autoren. Wir haben eine Buchgesellschaft gegründet: „Die Buchgesellschaft. Lesen und Leben“. Wer also gern mitlesen möchte, hier die Web-Adresse: www.diebuchgesellschaft.wordpress.com Wir freuen uns auf Mit-Leser und Kommentatoren.   Kerstin und die Buchgesellschafter