quergelegt und abgerechnet – die Verzichtsfrage 2.0

„In today’s materialistic culture, many people believe material things can solve emotional problems. But […] retail therapy does not work. Instead, it is more likely to make your problems worse […] In today’s culture, material goods have become substitutes for deep and genuinely meaningful human desires and questions. […] Instead of trying to understand who we really are, […] instead of giving up on material goods, we just keep buying more.” (James Wallman, “Stuffocation”)

Wenn man so wie ich irgendwo in der Mitte des Lebens steht, dann ist es ganz normal, sich mit dem bis dahin geführten Leben auseinander zu setzen. Früher oder später taucht dann die Frage auf: Das kann doch einfach nicht alles gewesen sein, oder? Mid-Life Crisis, Wechseljahre, Burn Out, nennt es wir Ihr wollt, davon wird es jedenfalls nicht besser, kann ich aus Erfahrung sagen. Nun, in Bezug auf die Gesellschaft lässt sich diese Frage eins zu eins übernehmen: Unsere Konsumwirtschaft kann doch einfach noch nicht alles gewesen sein, wozu die Menschen in der Lage sind, oder? Dazu die ganze Evolution? Das soll der Höhepunkt der menschlichen Entwicklung sein?

Es lohnt durchaus, einmal oder auch mehrmals, sich diese Frage zu stellen. Die Antworten werden auch nicht immer die gleichen sein. Und genauso ist es mit dem nachhaltigen Leben. Es gibt kein ultimatives Modell, da sich die Lebensumstände immer wieder ändern und es bringt nichts, wenn man sich einen Weg auferlegt, der einen unglücklich macht. Das musste selbst Thoreau feststellen, der in der Einsamkeit der Natur sein Heil gesucht hat, dann aber innerlich einsam war.

Manchmal muss man auch mehrere Wege ausprobieren. In seinem Buch „Stuffocation“ beschreibt James Wallman verschiedene Modelle. Vom mittelmäßig entschleunigten, zum einfacheren bis hin zum erlebnisreichen Lebensmodell. Oder auch Robert Wringham, der in seinem Ratgeber „Ich bin raus“ sich seiner Fesseln von Arbeit, Konsum und Verzweiflung entledigt und ein freies Leben führt. „Nichts, was man kaufen kann, hilft uns dabei, ein besserer oder ein freierer Mensch zu werden“, schreibt er.

Dafür ist es eben zum einen wichtig, Bilanz zu ziehen und zum anderen dann auch die Freiheit, die man anstrebt zu definieren. Schließlich sollte man ungefähr wissen, wohin die Reise geht, damit man in die richtige Richtung startet.

Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Nur ein Gefangener hat die Möglichkeit, sich zu befreien. Wer also den Ausstieg aus dem Konsum, der Tretmühle oder anderen einengenden Lebenssituationen plant, kann dies nur von innen heraus tun. In dem Zusammenhang empfehle ich die Lektüre „Ich bin raus“ von Robert Wringham und „Stuffocation“ (leider nur auf Englisch) von James Wallman. Beide Bücher haben mich mit ihren Thesen und Ansichten wahrhaft ge- und entfesselt und jede Menge Stoff für das Projekt Verzicht 2.0 und noch viele andere Gedanken geliefert.

Was bleibt, ist die Frage: Weniger Ballast? Und die Antwort: Auf alle Fälle! Vor allem gedanklich bin ich freier. Und wenn man erst mal soweit ist, dann ist man der Konsumfalle – work-hard, play-hard, spend-a-lot – schon mal entkommen und hat die Kraft, auch alles andere voran zu bringen.

Koffer

Hin und wieder werde ich zukünftig auf meinem Blog hier weiter zum Thema Verzicht und Nachhaltigkeit berichten, es gibt ja auch immer noch den Tatort, aber ob ich in 2018 nochmals das Projekt in der Form aufgreife, kann ich derzeit noch nicht sagen.

Jetzt heißt es erst mal, Verzicht auf action!

Eure Kerstin

P.S.: Sogar mein Horoskop passt da perfekt. Na, dann ein schönes Wochenende und einen guten Start in die zweite Jahreshälfte.

Horoskop

 

eingepackt und rundgegangen – was sonst noch angefallen ist

“Die goldene Regel lautet: Was Sie zu Hause an Besitz haben, sollte entweder nützlich sein oder etwas wirklich Schönes.“ Soweit die Aussage von William Morris. Die Steigerung wäre dann folgendes Statement von Robert Wringham: 
1. Kaufen Sie nichts oder schaffen Sie nichts an, was Sie nicht essen können.
2. Schaffen Sie alles ab, was Sie nicht regelmäßig benutzen oder das keinen besonderen ästhetischen Wert für Sie hat.“

Wo befinde ich mich da? Klar, mittendrin. Ich kaufe immer auch mal wieder Dinge, die ich nicht essen kann. Manche Sachen als Ersatz (z.B. Glühbirne), manche Dinge zum Vergnügen (z.B. Bücher), und hin und wieder auch einfach so (z.B. Kleid). Im Übrigen gehe ich stark davon aus, dass mit erstens auch alle Verbrauchsdinge wie Seife, Zahnpasta, Putzmittel usw. gemeint sind, auch wenn man die nicht essen kann. Auch bei zweitens befinde ich mich noch im Prozess des Evaluierens, Aussortierens und Loslassens. Aber zumindest in Gedanken sind diese Grundsätze bei mir angekommen.

Apropos Evaluieren: Gefühlt gibt ja so viele Ansätze wie Minimalisten und manche sagen dann von sich, sie besitzen hundert oder weniger Dinge. Ich bin bei solchen Äußerungen immer leicht demotiviert bis mittel deprimiert, weil ich ja schon allein mehr als zweihundert Besteckteile horte. Wie soll ich je auch nur annähernd auf so ein Ergebnis kommen? Für jeden Mitbewohner ein Besteckset und dann nach jedem Gebrauch abwaschen? Das mag bei einer Rucksackwanderung Sinn machen, aber im Alltag entspricht das eher nicht meiner Devise: „Life first.“ Vom Zeitfaktor mal ganz abgesehen.

Nun bin ich bei meiner Lektüre zum diesjährigen Nachhaltigkeitsprojekt auf die unterschiedlichen Varianten des Zählens gestoßen. Aha, es gibt also manche, die zählen jedes Teil, und manche, die zählen die Gattung (Gabeln, egal ob Kuchen-, Vorspeisen-, Fleischgabeln) sozusagen. Es gibt auch die Möglichkeit nach den Regeln von Beständigkeit, Abhängigkeit und Eigentum Gegenstände ganz auszuschließen. Also: Alles, was verbraucht wird (z.B. Lebensmittel), was zusammengehört (z.B. PC und Stromkabel) und was von mehreren genutzt wird (z.B. Möbel), wird nicht bzw. im Fall der Abhängigkeit nicht separat gezählt. So komme ich ganz schnell von meinen über zweihundert Besteckteilen auf Null. Von so was darf man sich also nicht verrückt machen lassen.

Und apropos verrückt machen lassen: Ich verzichte inzwischen ganz bewusst auf Dauerbeschallung und Nachrichtenflut. Die Medien bedienen unsere Ängste und Sensationslust und man hat den Eindruck, die Welt besteht nur aus schlimmen Dingen. Irgendwie befindet man sich im permanenten Schockzustand. Dabei ist das ein unrealistisches Schreckensbild. Daher findet der Radio- und Nachrichtenkonsum bei mir regelmäßig nur noch wochentags zwischen 6.00 Uhr und 7.15 Uhr statt und manchmal zur abendlichen Talkshow. Die Stille entwickelt ihre eigenen Geräusche und lässt viel Raum für die Gedanken.

Der Fernseher darf nun hin und wieder mal Fußball ausstrahlen, aber ansonsten hat sich da gegenüber letztem Jahr, dass er ca. ein bis dreimal in zwei Wochen die große, weite Welt ins heimische Wohnzimmer ausstrahlen darf, nicht viel geändert.

Der Mensch ist inzwischen fast ausnahmslos visuell unterwegs und hat verlernt, sich auf seine Sinnesorgane einzulassen. Wenn also Augen und Ohren nicht von außen reizüberflutet werden, dann eröffnen sich ganz neue Welten, wenn man es nur zulässt.

Noch zwei Hinweise:
1.      Für alle, die sich gern Anregungen und Motivation holen, kann ich den Nachhaltigen Warenkorb www.nachhaltiger-warenkorb.de empfehlen. Da gibt es u.a. montags immer eine Challenge mit zahlreichen Hintergrundinfos und Tipps.
2.      Alle, die gern die Welt verbessern möchten und dies auch beruflich, werden vielleicht bei The Changer (https://www.tbd.community/de) fündig.

Zum Abschluss folgt wieder eine Zusammenfassung. Also, dann ein letztes Mal action!

Eure Kerstin 

abgespeist und angebissen – die Lebensmittelfrage

In meiner Bilanz vom letzten Jahr lagen die Kosten nach der Umstellung auf regionale, saisonale Bioprodukte pro Monat ja bei knappen €500,00 und ich hatte damals auch schon gesagt, dass dies nicht 100% Lebensmittelkosten, sondern vielmehr Lebenshaltungskosten sind. Nach einem Jahr sind diese leicht angestiegen und summieren sich mittlerweile auf €540,00 pro Monat. Das mag an diversen Preissteigerungen und der nicht ganz astreinen Buchhaltung liegen. Haupttreiber sind, und das ist nicht gehässig oder so gemeint, wohl aber eher die beiden männlichen Mitesser. Für beide gilt: Fleisch ist mein Gemüse. Für mich: Ein Kampf gegen Windmühlen.

Der jugendliche Mitbewohner hat zudem so etwas wie Appetit entwickelt und kann mitunter auch schon mal eine ganze Packung Eis und/oder ein halbes Toastbrot wegputzen. Vor allem seit er seinen Körper stählt und auf irgendwas zwischen Zac Efron und Arnold Schwarzenegger hinarbeitet. Was irgendwie mit dem Konsum von Fertigprodukten nicht so ganz konform geht. Hoffe nur, dass für den Geist bei der Diät noch genug Brennstoff abfällt. Jedenfalls ist das Wachstum in beiden Segmenten gerade in vollem Gange und zumindest die Körpergröße übersteigt inzwischen die der Ernährerin. Der erforderliche Futternachschub macht eine Budgeterhöhung unausweichlich, was für mich absolut okay ist, das Kind soll ja kein Zwerg bleiben – weder körperlich noch geistig. Nur an der Einstellung – Hunger, essen, jetzt – müssen wir noch arbeiten, da dabei allzu oft der Griff zu Pizza und Konsorten erfolgt.

Beim Einkauf orientiere ich mich zusehends um: Der wöchentliche Großeinkauf wird schon mal auf mehrere Tage und Märkte verteilt. Zunehmend auch auf Wochenmärkte. Zu sehr stört mich, dass so viele Obst- und Gemüsewaren fernab von Europa nach Deutschland importiert werden. Einfach, weil vielleicht die Produktion von Kartoffeln in Peru und Zwiebeln aus Ägypten billiger ist als im heimischen Grund und Boden. Hinzu kommt, dass die meisten Bioprodukte dann auch noch aufwendig verpackt beziehungsweise gar nicht im offenen Verkauf verfügbar sind. Zum Beispiel Fleisch, Wurst und Käse. Also ist die logische Folge der Gang zum Wochenmarkt oder auf die umliegenden Hofverkaufsstellen.

Eine Überlegung wert wäre es noch, jeden Tag einzukaufen. Und zwar immer nur den Tagesbedarf, also was man an dem Tag isst. So wird man nicht verleitet, Großpackungen einzuladen und mehr als man verbrauchen kann, also dann letzten Endes unter Umständen wegschmeißt. So gesehen in einem Beitrag über Minimalismus, der gerade im Fernsehen lief. In wie weit das praktikabel ist, sei dahingestellt. Mir fehlt da ein bisschen die Spontanität, wenn beispielsweise der jugendliche Mitbewohner plötzlich noch einen Freund mitbringt oder man auf einmal Lust auf Gemüse anstatt Brotzeit hat. Der Zeitbedarf ist natürlich auch nicht ganz ohne. Aber so ganz verwerfen möchte ich den Ansatz nicht. Vielleicht mal im Urlaub ausprobieren.

Das Problem der Reste ist mittlerweile so gut wie perfektioniert und es passiert äußerst selten, dass ich tatsächlich etwas wegschmeißen muss. Den schwarzen Peter bekommt, leider, der jugendliche Mitbewohner, der oftmals nach dem Motto „haben-will“ sich Sachen wünscht, die er dann doch nicht mag und ich schon von Haus aus nicht. Oder weil der Rest Steak vom letzten Grillabend nach 24 Stunden im Kinderzimmer wieder Anzeichen von Leben zeigt. Aber das mit der Größe, vor allem der geistigen, hatten wir ja schon.

Zum Abschluss nochmals ein paar Fakten aus dem Buch „Glücklich ohne Geld“ von Raphael Fellner zum Nachdenken:

1.      50% der produzierten Lebensmittel werden weggeschmissen bzw. gar nicht erst geerntet, weil sie nicht der Norm entsprechen. Hochgerechnet würden die produzierten Lebensmittel 14 Milliarden Menschen ernähren.

2.      1/3 aller produzierten Kalorien werden in der Tierindustrie verbraucht. 2011 wurden 98% der Sojaproduktion, 50% der Getreideernte und 40% des Fischfangs zu Tierfutter verarbeitet.

Das macht einen – mich – sehr nachdenklich. Und das ist noch human ausgedrückt. Die Antwort auf Punkt 1 kann nur sein: Regional und direkt vom Erzeuger einkaufen. Alternativ gibt es eine Website „Etepetete“, die sich genau diesem Problem annimmt. Bei Punkt zwei kann die Lösung nur der Verzicht sein. Und das muss definitiv nochmals beim nächsten Grillabend auf den Tisch gebracht werden, Männer!

Lebensmittel

Es gibt also gerade im Bereich Lebensmittel so viele Möglichkeiten. Genau deswegen macht es mir besonders Spaß, immer wieder nach anderen und neuen Wegen Ausschau zu halten und zu experimentieren, so dass sich hier noch so einiges tun wird.

Weiter geht es mit dem lieben Haushalt. Also dann, action!

Eure Kerstin

zugeknöpft und umgekrempelt – die Kleiderfrage

Die schlechte Nachricht vorweg: Meinen Vorsatz („Von der Pflicht zur Kür“), die Kosten für Kleider noch weiter zu senken, konnte ich leider nicht halten, dafür musste ich „zu viele“ Teile ersetzen/aufstocken. Allerdings möchte ich auch, und das soll keine Entschuldigung sein, betonen, dass der Hauptanteil dabei auf Sportbekleidung (Wanderschuhe, Sporthosen, Wandersocken, Jacke) fällt, was eventuell mildernde Umstände bedeutet.

Nichts desto trotz, etwas enttäuscht bin ich schon, lasse ich mich aber nicht entmutigen, weiterhin an dem Vorsatz festzuhalten, die Kosten in diesem Bereich auf ein Minimum zu reduzieren. Hin und wieder ist durchaus mal ein Ausreißer drin. Das macht dann doppelt Spaß und sorgt für langanhaltende Freude. Siehe den Mantel vom letzten Jahr – ein Lieblingsstück. Und so soll es ja auch sein.

Von daher bin ich zusätzlich einer neuen Strategie gefolgt, um in meinem Kleiderschrank dem Ziel „Weniger ist Mehr“ schneller näher zu kommen. Neben dem üblichen was-ich-ein-Jahr-nicht-getragen-habe-kann-weg, habe ich kurzerhand Kleidungsstücke, die ich nicht wirklich gern anziehe, rausgeschmissen. Ich denke, jeder hat da das eine oder andere in seinem Fundus. Den Pulli, den man im Laden toll fand, zuhause aber dann feststellen musste, dass er zu nichts passt. Das T-Shirt, das nicht (mehr) zu einem passt, weil zu altbacken/jugendlich/bunt/langweilig. Auf diese Weise ist ganz schön was zusammengekommen. Hier die Bilanz der Aktion:

Was? Wie viel?
Badeanzug 1
Bluse 8
Handschuhe 2
Jacke 4
Jogginghose 2
Kleid 2
Mantel 1
Mütze 1
Pulli 4
Schuhe 5
Socken 5
Tasche 3
T-Shirt 4
Unterhemd 4
Unterhose 6
Weste (Anzug) 3
Weste (Outdoor) 1

Mittendrin wurde ich beinahe von meiner eigenen Courage überrannt und wollte schon wirklich kurzen Prozess mit sämtlichen Stücken zweiter Wahl, weil nicht 100% auf der Geschmacksskala, machen, konnte aber gerade noch an mich halten beziehungsweise wurde mir von meinem Gewissen – was das alles mal gekostet hat – und meiner Vernunft (genaugenommen eine etwas zweifelhafte Entscheidung) – so schrecklich ist es nun auch wieder nicht – Einhalt geboten. Also wurde einigen Teilen eine zweite Chance eingeräumt. Manchen davon mit Zeitwertkonto bis zum dessen Ablauf sie sich beweisen müssen.

Was? Wie viel? Warum?
BH 1 weil derzeit der einzige, der unter ein weißes T-Shirt zu tragen geht
High Heels 1 weil der absolute Hingucker, aber wenig Tragemöglichkeit
Jacke (Anzug) 1 weil einzige schwarze Jacke im Schrank
Jacke (Outdoor) 1 weil ideal für den Sommerurlaub in spe an der See (ansonsten, gute Reise)
Jogginghose 1 weil derzeit im zweiten Haushalt als Freizeithose deponiert
Kleid 1 weil ich die dazugehörige Jacke immer gern zu Hosen trage
Mantel 1 weil eigentlich sehr schön, aber irgendwie zu selten getragen
Pulli 1 weil warm, aber nicht gut zu kombinieren, derzeit im zweiten Haushalt
Pulli (Sport) 1 weil ideal als Unterziehpulli
Shirt 1 weil schön, aber Kombinationsmöglichkeit fehlt, derzeit im zweiten Haushalt
Schuhe (Sommer) 1 weil blau (schwer zu finden) und noch keine Alternative gefunden
Stiefel 1 weil total bequem, aber schon sehr mitgenommen
Winterschuhe 1 weil dicke, warme Treter (man weiß ja nie)

Noch ein Hinweis zum oben erwähnten zweiten Haushalt: Die Sache hat natürlich den Nachteil, dass das Problem nur räumlich verschoben ist und mich zusätzlich bei manchen Dingen zwingt, diese doppelt zu haben. Nicht so sehr Kleidung als vielmehr so etwas wie zum Beispiel einen Föhn und Kosmetik. Gut, das ist aber ein anderes Thema, welches die Zeit hoffentlich lösen wird.

Eine Idee, wie man ungeliebte Kleidungsstücke identifizieren kann, ist mir kürzlich untergekommen: Die sogenannte umgedrehte-Bügel-Methode: Dabei arrangiert man alle Teile im Schrank so, dass der Bügel in die andere Richtung hängt. Nutzt man ein Teil, wird der Bügel umgedreht. Nach einem Monat weiß man dann, welche Stücke nicht getragen wurden und unter Umständen auch unnötig sind. Lässt sich auch auf alle anderen Sachen ausweiten. Da kann man dann vielleicht verschiedene Fächer oder Falt- und Zusammenlegetechniken nutzen. Werde ich auf alle Fälle ausprobieren, nachdem ich mit der Liste der schon heute deklarierten Gegenstände auf Bewährung fertig bin.

So im Großen und Ganzen finde ich, dass ich noch immer auf dem richtigen Weg bin. Summa summarum hat sich das bis dato zwar nicht noch weiter bei den Ausgaben bemerkbar gemacht als vor einem Jahr, wohl aber bei der Menge. Das liegt sicherlich auch daran, dass wenn ich mir denn den Luxus eines neuen Teiles gönne, dann eines erstehe, welches mir absolut gefällt und die Frage „brauche ich es wirklich?“ positiv beantwortet wurde, preisunabhängig.

Nächstes Kapitel: Kosmetik. Also dann, action!
Eure Kerstin

Wunder gibt es immer wieder – hoffentlich

„Das Bruttosozialprodukt sagt nichts über das Wohlbefinden und die Lebensqualität aus.“, so schreibt Florin Opitz in seinem Buch „Speed – auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Und das stimmt ja auch irgendwie. Wenn ich Ressourcen spare, Dinge repariere und wiederverwerte statt neu zu kaufen, dann konsumiere ich nicht und trage auch nicht zum Wohlstand bei. Rein in der Theorie natürlich. Mein ökologischer Fußabdruck wird kleiner und das Maß aller Dinge, das Bruttosozialprodukt sinkt. Ich bin eine Wachstumsbremse.

Jeden Tag konsumieren wir 55 Kilogramm:

  • Wasser
  • Strom
  • Zahnpasta, Seife und alle Dinge zur persönlichen Pflege
  • Benzin
  • Nahrung
  • Kleidung
  • Dinge, die zur Herstellung von durch uns konsumierte Sachen gehören (Rohstoffe, Produktion, Transport)

Unser ökologischer Fußabdruck hat die Ausmaße eines Monsters. 1,8 Hektar wären wünschenswert, 2,7 Hektar ist das momentan weltweite Ist, jeder Deutsche verbraucht 4,6 Hektar.
Höchste Zeit, die Schuhe auszuziehen und mal nachzurechnen. Ich habe auf der Seite des Umweltbundesamtes meine Daten eingegeben.  

BilanzSo ganz zufrieden bin ich da noch nicht. Aber das Ergebnis ist auch nicht 100% individuell korrekt, weil einige Daten mit Durchschnittswerten hinterlegt sind. Z.B. beim Kaufverhalten gibt es nur die Abstufung „sparsam“, „durchschnittlich“ und „großzügig“. Doch immerhin bekommt man ein Gespür für die eigene Spur, die man auf diesem Planeten hinterlässt. Passt der Schuh, oder ist da noch Luft? Ganz klar, es kostet Kraft, seinen Weg zu gehen und Verzicht kostet:

  • Man muss sich aufraffen und anfangen
  • Nachdenken und das immer wieder
  • Energie, denn Denken strengt an
  • Mut haben und sich behaupten
  • Seine Komfortzone verlassen und agieren
  • Willensstärke beweisen und sich anstrengen
  • Unbequem sein und seine eigene Bequemlichkeit aufgeben

Geld kostet es nicht. Und Zeit gewinnt man am Ende auch. Und wer weiß, Wunder gibt es immer wieder und vielleicht befinden wir uns wirklich schon auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. Wie Nico Paech würde ich mir wünschen, dass auch die Unternehmen diesen Weg einschlagen und umdenken. Schließlich gibt es auch ohne ständiges Ankurbeln der Konsumgesellschaft jede Menge zu tun: Instandhaltung, Reparaturdienstleistungen, Umgestalten, Renovieren, Designer, Dienstleistungen, Vermittler. Alles sinnvolle, zukunftsweisende und krisensichere Jobs.

„Die Freiheit, man selbst zu sein, ist die größte Freiheit überhaupt“, so schreibt es Rachel Ward.

Damit schließe ich erst mal mein Projekt „Verzicht kostest“ ab und verabschiede mich in die Sommerpause. Ganz offline und mit offenem Blick für meine Umwelt.

Also dann, bis zum nächsten Mal.

Eure Kerstin

Die Armee der Energiesklaven

Für diesen Betrag musste ich etwas länger nachdenken. Einmal, weil die Inventur so manche „Leiche“ zu Tage gebracht hat und dann, um zu entscheiden, welche elektronischen Geräte in einem Haushalt noch zu den alltäglichen Gegenständen gehören und welche wohl schon als Luxusartikel anzusehen sind. Das hängt mitunter sehr von persönlichen Ansprüchen ab. Daher hier einfach die Gesamtliste, wobei ich wirklich alles gezählt habe, auch wenn es schon den Weg in den Keller angetreten hat, weil nicht mehr in Gebrauch. Und klar, die jugendliche Armee wurde auch mit eingerechnet:

1 Fernseher, 1 DVD-Player, 2 Radios, 1 Radiowecker, 1 Stereoanlage, 1 Computer, 2 Laptops, 1 MP3-Player, 2 Handys, 1 Telefon, 1 Spielkonsole, 1 PSP, 1 Gameboy, 2 Digitalkameras, 1 Staubsauger, 1 Waschmaschine, 1 Trockner, 1 Mikrowelle, 1 Kühlschrank, 1 Kaffeemaschine, 1 Kaffeemühle, 1 Toaster, 1 Wasserkocher, 1 Mixer, 1 Küchenmaschine, 1 Rührstab, 1 Saftpresse, 2 Föns, 2 elektronische Zahnbürsten, 1 Lockenstab, 1 Glätteisen, 1 Set beheizbare Lockenwickler, 1 Nähmaschine, 1 Bügeleisen.

Tja, da ist eine ganze Menge dabei, was ich eigentlich schon als Luxusgut einstufen würde. Doch wo ist die Grenze? Daraufhin habe ich mich mal damit befasst, was denn vom Gesetz her zum täglichen Leben gehört, also nicht pfändbar ist. Radio, Fernseher, Handy, Computer, Staubsauger, Waschmaschine, Kühlschrank sind da recht eindeutig vom Kuckuck ausgeschlossen. Mikrowelle und Kühltruhe können aber zum Beispiel nur dann gepfändet werden, wenn kein Herd (Mikrowelle) und kein Kühlschrank (Kühltruhe) vorhanden sind. Das war vor gar nicht allzu langer Zeit noch anders, da wurden Fernseher bevorzugt vom Gerichtsvollzieher eingezogen. Gut, 1960 musste man auch noch 349 Stunden arbeiten, um sich ein entsprechendes Gerät leisten zu können. Heute sind es gerade mal 30 Stunden.

Innerhalb von ein paar Jahrzehnten sind wir also von Bewunderung über die Neuerung und Erleichterung zu nahelos gleichgültiger Normalität übergegangen. Das macht sich umso stärker beim Erwerb von Dingen bemerkbar, die wir online und/oder per Kreditkarte bezahlen. Die Ausgabe erscheint nicht real und der Gegenstand ergo ist nichts wert. Wir kaufen im wahrsten Sinne des Wortes für die Müllhalde, denn meist handelt es sich hierbei auch noch um Güter, die wir nicht nutzen und auch nicht wirklich brauchen. Hier ein etwas längerer Beitrag von arte zum Thema „Kaufen für die Müllhalde – die geplante Obsoleszenz“:

Noch schlimmer wird es, wenn wir ständig nach dem Motto Jetzt-Haben-Später-Zahlen verfahren. Die Verlagerung der Schulden in die Zukunft ist im Grunde ziemlich verantwortungslos, denn irgendjemand muss dafür bezahlen, wenn wir es nicht (mehr) können. Und sei es nur der Arbeiter, der im Herstellungsprozess mit dem Lohn sein Leben bestreiten muss. Ausnahme sind hier die wirklich großen Investitionen, aber Fernseher oder Kühlschrank sollten für meine Begriffe nicht per Kredit oder auf Raten erworben werden, denn dann sind es wirklich keine Dinge des alltäglichen Lebens, sondern Luxus.

Der ganze Kleinkram wird im Pfändungsprozess gar nicht erst erwähnt. Wahrscheinlich, weil es sich meist eben noch nicht mal lohnt und diese Dinge in zweiter Hand kein Geld einbringen. Kein Wunder also, dass wir in einer Weg-Werf-Gesellschaft mit einer ebensolchen Mentalität leben. Ich finde das etwas befremdlich, denn das meiste davon gab es zu Zeiten meiner Großeltern noch gar nicht und vieles musste in teils aufwendiger und mühsamer Handarbeit erledigt werden. Inzwischen sind wir umgeben von Sklaven, die uns das Leben erleichtern sollen und die wir auch als ebensolche behandeln. Und damit noch nicht genug, denn oft sind diese auch noch in doppelter Ausführung vorhanden. Da bilde ich, wenn ich mir meine Armee so anschaue, keine Ausnahme und habe in meinem bisherigen Leben durchaus meinen Teil zu der Konsumgütergesellschaft beigetragen.

Dabei könnte ich ohne weiteres auf über die Hälfte meiner Gerätschaften verzichten und würde bestimmt nicht sehr viel schlechter leben. Stattdessen horte ich sie in der Hoffnung, das eine oder andere nochmals zu nutzen. Könnte ich ja nochmal brauchen. Irgendwann. Als ob es dann wohl so schlimm wäre, wenn ich bei der nächsten Feier weder Locken noch strohglatte Haare präsentieren kann, sondern einfach als Ich Spaß habe. Vor allem die schon so halb ausrangierten Teile im Keller erfüllen keinerlei Zweck mehr als mich hin und wieder an ihre Gegenwart zu erinnern. Das ist eigentlich eher belastend. Also wird hier demnächst wohl eine Schlacht stattfinden, denn die Helfer beanspruchen Platz. Real und in meinen Gedanken. Dabei will ich ja mehr Sein und weniger Haben.

Nicht zu verachten ist nicht zuletzt der Stromverbrauch, von dem die Sklaven am Leben gehalten werden müssen. Damit geht es beim nächsten Mal weiter.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Lebensmittelpunkte – kurz und knackig

Lebensmittel scheinen ein schier unerschöpfliches Thema zu sein und ich könnte noch jede Menge dazu schreiben und vielleicht werde ich ja irgendwann zum Wiederholungstäter. Letztendlich finde ich aber wichtig, dass man trotz Verzicht, sich ein gesundes Verhältnis zur Ernährung bewahrt und auch der Genuss nicht zu kurz kommt. Beim Verzicht und dem Weg zum einfachen Leben geht es ja nicht nur um ethische und ökologische Ziele, sondern auch darum, glücklicher zu sein, sein Leben zu entrümpeln und mehr Zeit für Freunde und Familie zu haben.

Glück

Und gerade bei den Nahrungsmitteln zählt für mich ebenso, dass sich Umweltbewusstsein und Praktikabilität vereinbaren lassen. Wie gesagt, es bringt nichts, wenn ich sämtliche Märkte und Bio-Läden im Umkreis von 100km abklappere und regelmäßig dafür Stunden im Auto verbringe. Das hat dann auch nichts mehr mit Nachhaltigkeit zu tun. Ich für mich habe da derzeit einen ganz guten Kompromiss gefunden, was das Einkaufen (Bio-Ware im Supermarkt) und die Lebenssituation (rebellischer, jugendlicher Mitbewohner mit ausgeprägtem Hang zu Fleisch und Fast Food) betrifft.

Kurz und knackig hier die Kapitelbilanz, die ein bisschen was von einer Milchmädchenrechnung hat. Und zwar zum einen, da ich nicht mehr so ganz genau nachvollziehen kann, seit wann ich mein Einkaufsverhalten im Bereich Nahrung angepasst habe und dies ja auch irgendwie ein leicht fließender Übergang war und ist. Und zum anderen, da ich in meinem Haushaltsbuch den Posten Lebensmittel nicht explizit ausweise. Dieser ist unter Lebenshaltung zusammen gefasst und es fließen auch die Kosten für Kosmetika, Putzmittel, Kerzen, Briefmarken und Reinigung mit ein. Insofern mag es nicht 100% transparent und korrekt sein.

Aber gut, so sieht die Punkteverteilung aus:

Jahre Kosten pro Monat
2009 – 2014 €507,00
2015 – April 2016 €491,00

Also, das hat mich selbst wirklich überrascht. Man denkt ja immer, Bio ist so teuer und man kann es sich nicht leisten. Hinzu kommt, dass der jugendliche Mitbewohner ja noch wächst und im Laufe der letzten Jahre zunehmend mehr Futterbedarf hatte – ich also mehr einkaufe. Und wenn man auch noch bedenkt, dass die Preise ja im Allgemeinen steigen, dann finde ich die Bilanz absolut erstaunlich. Insgesamt macht das zwar „nur“ eine Ersparnis von €192,00 im Jahr, aber immerhin. Ich bin platt, fast so wie das Huhn aus dem Beitrag „Heute bleibt die Küche kalt„.

Apropos: Liebe M., hiermit die Einladung zum gemeinsamen Kochen auch meine Kosten. Das Fleisch von den Weideschweinen aus dem TV-Beitrag „Vom Leben der Schweine“ habe ich schon bestellt.

Beim Blick auf den Kalender musste ich feststellen, dass der April schon sehr weit fortgeschritten ist und ich noch gar nicht alle Punkte aus meinem Projekt „Verzicht kostet“ in meinem Nachhaltigkeitsmonat erledigt habe. Daher werde ich wohl in die Verlängerung gehen. Zuerst muss ich aber meine Reserven auffüllen und nehme ein paar Tage blogfrei. Und weil am Sonntag auch noch Tag der Arbeit ist, geht es erst nächste Woche weiter mit den Gegenständen des täglichen Lebens.

 

Also dann, vor der action erst mal Pause!
Eure Kerstin