Der Exit vom Exit

Wie schon in „Exit“ gesagt, ist es immer gut, einen Plan zu haben. Noch besser und wichtiger ist es, einen Plan B zu haben.

Nachdem nun ab Montag die Maskenpflicht in Geschäften sowie dem öffentlichen Nahverkehr herrscht, ist meine Strategie jetzt der Exit vom Exit, wenn man so will. Bekannte Vorbilder jeglicher Couleur dieser Verhaltensweise gibt es zuhauf und in allen Sparten, also kein Problem.

Nicht, dass ich kein Verständnis habe für all die Maßnahmen und ich möchte auch keine Ausstiegsdiskussionsorgie starten, aber mit Hurra dabei sein muss ich nun auch nicht gerade. Vielleicht bin ich auch einfach nur stur, behauptet zumindest der Nachwuchs, aber ich habe schlicht und ergreifend einfach keine Lust, mit Maske schwitzend und nuschelnd an der Kasse zu stehen. Und, ich fühle mich wirklich unbehaglich, wenn ich all die Leute so sehe. Irgendwie führt mir dies das ganze Grauen dieser Tage noch mehr vor Augen und vermittelt obendrauf ansatzweise eine gewisse Weltuntergangsstimmung. Die Freundin erinnert es an „Schweigen der Lämmer“. Jeder hat halt so seine eigenen Dämonen.

Nun gut, es ist wie es ist. Der Sinn und Zweck des Ganzen sei einfach mal dahingestellt. Daher kommt Plan B zum Tragen: Kein Geschäft mehr betreten. Und das so lange als möglich. Angestrebtes Ziel: Vier Wochen. Mindestens. Ja, ist mir klar, dass wir wohl auch in einem Monat noch nicht über den Berg sind, uns auf dünnem Eis bewegen, erst am Anfang stehen, aber ein bisschen naiv verträumte Hoffnung darf mal ja wohl noch haben.

Zur Erinnerung, der Exit-Plan war Werkstoffhof, Baumarkt, Sommerreifen, Sommerkleid und Friseur oder eine Art von Wellness, in welcher Form auch immer.

Den Baumarktbesuch habe ich nun also doch schon diese Woche kurz vor Ladenschluss getätigt. Da war der Parkplatz angenehm leer und es gab keine Warteschlangen. Dementsprechend rein und einmal einen großen Rundumschlag getan. Erde, Blumen, Kräuter, Gemüsepflanzen, Samen, Töpfe, Rankhilfe, Fliegengitter, Gas für den Grill. Fast hätte ich einen zweiten Wagen gebraucht und beim Ausladen Hilfe. Baumarkt, Haken dran.

Schwieriger ist die Planumsetzung beim Posten Lebenshaltung: Essen, Trinken, Klopapier etc… Der jugendliche Mitbewohner ist ziemlich skeptisch, dass wir das schaffen, so lange ohne Einkaufen, wobei die Hauptsorge dabei nicht den Grundnahrungsmitteln gilt, wohingegen ich mir das ganz gut vorstellen kann, denn alles, was frisch benötigt wird, wie Gemüse, Obst, Wurst, Käse, Eier kaufe ich auf dem Wochenmarkt. Open Air sozusagen. Der Rest lässt sich lagern beziehungsweise einfrieren. Platz im Keller ist noch vorhanden, trotz zwischengelagertem Müll für den Wertstoffhof, der noch warten muss. Man muss eben Prioritäten setzten. Müll oder Essen in dem Fall.

Folglich wurde ein langer, ein sehr langer Einkaufszettel geschrieben. Ich glaube, die Kassiererin dachte, ich kaufe für den ganzen Häuserblock ein, als ich meine 187 Hamster auf das Kassenband gewuchtet habe. Das Plastikgeld an meiner Seite hat zum Glück gehalten, was die Werbung verspricht.

Nun darf es nur nicht in den Keller regnen oder brennen, aber dann haben wir sicherlich ganz andere Probleme, denn bei Freunden oder im Hotel übernachten steht ja nicht zur Debatte. Ein Einbruch wäre auch ungünstig, aber ich vermute mal, dass in dem Fall keine Lebensmittel geklaut werden. Also, noch nicht. Die Kühl-, Gefrierkombi versagt hoffentlich auch nicht den Dienst. Genug der Schwarzmalerei, Haken dran. Und wenn alle Stricke reißen und wir kurz vor dem Hungertod stehen, könnten wir ja mal den Lieferservice des Supermarktes testen. Oder Essen zum Mitnehmen. Oder Lieferservice. Wir leben im Paradies.

Bleiben also noch die Vorhaben Sommerreifen, Sommerkleid und Friseur. Da ich das Auto für den Weg zur Arbeit und zurück benötige, bedarf dieser Punkt noch einer gewissen Klärung, aber einen Termin war erst Ende Mai frei. Bis dahin kann ja noch so das eine oder andere passieren. Heutzutage ändern sich die Dinge augenscheinlich tagtäglich.

Das Sommerkleid vom letzten Jahr tut es auch noch, gönnen wir dem Konto mal eine Pause, bevor es Schnappatmung bekommt. Und der Sommer fällt dieses Jahr sowieso aus, wenn man den Diskussionen Glauben schenken darf. Nix mit Weltmeisterreisen und so.

Den Friseur hatte ich ja beim letzten Mal schon irgendwie zu Gunsten einer Bergtour gestrichen, die ohnehin zwar nicht verboten, aber auch nicht erwünscht, also auf unbestimmte Zeit verschoben ist, wie alles eben. Wie das mit Maske beim Friseur funktionieren soll, ist mir eh ein Rätsel, aber das wird mir dann sicherlich der Nachwuchs berichten, denn der scharrt schon mit den Füßen, was einen Friseurbesuch angeht, da, wie wäre es anders zu erwarten, jegliches Angebot eines kostenlosen Haarschnitts im heimischen Badezimmer, vehement abgelehnt wurde. Also auch ein Haken dran.

Tja und jetzt? Jetzt brauche ich einen Plan, was ich mit all der gewonnen Zeit, die derzeit an den Rändern ziemlich diffus anmutet und auszufransen droht und auch sonst einem anderen Rhythmus zu folgen scheint, anfangen soll. Bis mir da was wirklich Sinnvolles einfällt, nähe ich erst mal Masken für die Freunde der von Psychothrillern.

Exit

Vorbereitung ist gefragt, wenn man den Absprung nicht verpassen will. Planung, wenn es um den Ausstieg geht. Also plane ich den Rückgang vom Rückzug, den Exit im Kleinen.

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Nachdem letzte Woche die Wertstoffhöfe nach ca. drei Wochen wieder aufgemacht haben, stauen sich die Kolonnen vor der Einfahrt. Wartezeiten von einer halben Stunde sind seitdem an der Tagesordnung. Und das, obwohl eindrücklich darum gebeten wurde, nur in dringenden Fällen die Müllhalden der modernen Weckwerfgesellschaft anzufahren.

Nun, ich habe da absolutes Verständnis für die Bürger, die nun wochenlang sich zuhause ernähren mussten und gleichzeitig Zeit hatten, auch noch die letzte Ecke ihrer Wohnstatt zu entrümpeln. Irgendwann geht einem eben der Platz aus, unabhängig von der Quadratmeterzahl.

Vorteil für mich, ausgerümpelt wurde bei mir schon zu Beginn des Jahres und so ist genug Platz, um den ganzen Alltagsmüll zwischenzulagern.

Morgen machen nun die Bau- und Heimwerkermärkte wieder auf und da steppt dann sicherlich der Bär, weil frische Hamster da sind. Der perfekte Zeitpunkt, um das Zwischenlager in Richtung Endlagerstätte zu transportieren. Bevor der Bau-, Heim- und Gartenrestmüll wieder entsorgt werden muss.

Und nächste Woche arbeite ich dann die Liste für den Heim- und Gartenbedarf ab, wenn die Kfz-Werkstätten und Läden bis 800qm wieder im Geschäft sind und sich dort die Schlangen bilden.

Und dann die Woche, wenn die Friseure aufmachen, bekommt mein Auto endlich seine Sommerräder und ich ein Sommerkleid.

Und dann fängt die Schule für den jugendlichen Mitbewohner an und ich gönne mir eine Auszeit. Vielleicht. Nein, eigentlich wäre mir ein Ausflug in die Berge zur Feier des Exits lieber. Leider muss der wohl noch warten, aber einen Plan könnte ich ja schon mal machen.

Tatort des Monats Dezember

Alle Jahre wieder. Ja, es lässt sich nicht leugnen und auch nicht verhindern: Weihnachten steht vor der Tür. Und wie es sich für einen ordentlichen Haushalt gehört, gibt es einen Baum mit Lichtern. Vorzugsweise Kerzen. Bei mir allerdings künstliches Licht, da der Christbaum ziemlich lange in der Wohnung ausharren muss und die Technik dafür sorgt, dass die Lichter automatisch an- und wieder ausgehen. Wenn denn die Technik funktioniert.

Tatort: WeihnachtsutensilienkisteLichterkette

Tatbestand: Lichterkette

 

Tatortsäuberung: Sehr betrübliche Angelegenheit. Erstens, weil die Lichterketten nach zwei Stunden Friemeln am Baum waren, um dann nicht zu ihren Job zu tun, nämlich zu leuchten. Zweitens, weil es keine Ersatzleuchtmittel mehr für diese Art Kette gibt. Im Grunde gibt es überhaupt keine Ketten mit austauschbaren Lampen mehr, nur noch LED. Sagt die Dame aus dem Baumarkt meines Vertrauens. Die gehen dann einfach kaputt und werden von Haus aus weggeschmissen. So ist das mit unserer Konsum-/Wegwerfgesellschaft. Nun ja, die alte Kette war nun seit ungefähr zwölf Jahren ein zuverlässiger Garant für weihnachtlichen Lichterglanz und evtl. lässt es sich da rechtfertigen, dass nun auch bei mir die LEDs Einzug gehalten haben. 320 Stück am Stück. Und alle funkeln. Das konnte die Dame aus dem Baumarkt meines Vertrauens mit einem Blick erkennen. Ein Wunder. Ich musste das fünfzig Meter lange Kabel erst um den Baum wickeln, um das zu sehen. Weihnachten darf also nun gerne eintreten.

Treibgut – der grüne Daumen

Mein Nachbar arbeitet im Baumarkt – in der Gartenabteilung. Und weil er immer an der frischen Luft ist, hat er auch immer eine gesunde Gesichtsfarbe. Trainiert ist er natürlich auch. Wer beruflich 20l – 80l Säcke umstapeln muss, kann sich den Monatsbeitrag im Fitnessstudio getrost sparen.

Neulich war Hoffest bei uns in der Anlage. Man kennt das ja, da feiert man mit Nachbarn, die man sonst hinter Gardinen beobachtet und denunziert. Das war an einem Freitag und besagter Nachbar meinte zu fortgeschrittener Stunde, dass er morgen – also Samstag – arbeiten müsse. Lange arbeiten. So ein Baumarkt macht ja bekanntlich um 8 Uhr auf und schließt um 20 Uhr. Ich also mitleidiges Gesicht aufgesetzt. „Wie lange denn?“, wollte einer der Anzugträger wissen. „Um 10 Uhr muss ich anfangen.“ Bitte? Um 10 Uhr? Da bin ich schon seit 2 ½ Stunden im Büro. Gut, das zählt vielleicht nicht so, weil ich ja auch nur von Montag bis Freitag schufte und schon gar nicht körperlich. Wobei. Den Küchendienst und das Einräumen des Kühlschrankes machen bei uns die Frauen und auch das Kopierpapier schleppe ich in den zweiten Stock. Mit Stöckelschuhen und engem Rock. Den Mann möchte ich sehen. Gut, gut, das lenkt ja nun vom Thema irgendwie ab.

Also samstags im Baumarkt zählt mit Sicherheit zu den Tätigkeiten mit erhöhtem Risiko und schier unermesslichem Gefahrenpotential. Gefühlt alles, was zwei Arme und Beine hat, ist dort anzutreffen und deckt sich mit allem, was das Heimwerker- und Hobbygärtnerherz höher schlagen lässt, ein. Insofern habe ich dann doch etwas Mitleid. Mit dem Nachbarn. Und mit meinem eigenen Pflanzenreich, denn auch wenn ich alles Grüne liebe, so ist der dazugehörige Daumen nur bedingt ausgebildet.

Irgendwann wollte mal ein Kollege, der mich beim lieblosen Gießen der Büropflanzen betrachtete, wissen, was ich denn für Pflanzen Zuhause hätte. Als ich antwortete: „Ein paar Orchideen nur (das war vor dem Palmengeschenk des verflossenen Liebhabers), die brauchen nicht viel Pflege und ein Grüngewächs im Bad, dem reicht die Raumfeuchtigkeit zum Überleben.“, sagte er: „Oh, also ich hätte jetzt schon mehr von Ihnen erwartet.“ Was das wohl heißen sollte, habe ich bis heute nicht verstanden. Nun, der Kollege ist schon lange nicht mehr in der Firma, weil er dem Stress nicht mehr gewachsen war, meine Orchideen und das Grünzeug sind aber wohl noch so frisch wie damals.  Orchidee

Und im Büro kümmert sich jetzt eine andere Kollegin im Zuge der Arbeitsteilung – ich Kopierpapier, sie Gießdienst – um die Pflanzen. Die hat eine super Methode, um zu prüfen, ob diese Wasser brauchen. Sie hebt die Dinger einfach an: „Merke ich am Gewicht“, sagt sie immer. So was findet man in keinem Ratgeber. Dazu gehört mit Sicherheit jahreslanges Training. Insbesondere des Daumens, dem man schließlich beim Heben ganz besonders benötigt.

Im Garten verfahre ich gern frei nach dem Motto: Wasser gibt’s, wenn’s regnet. Daher kommt wirklich nur in Zeiten absoluter Dürre die Gießkanne zum Einsatz, da ich mein Vorhaben, eine Regentonne aufzustellen, noch immer nicht in die Tat umgesetzt habe, denn das trinkbare Nass aus dem Wasserhahn ist mir einfach zu wertvoll. Da müssen dann alle Bewohner eben sehen, wo sie bleiben und mit den erschwerten Bedingungen klar kommen.

Gut, in diesem Jahr ist das jetzt nicht so das Problem. Mittlerweile ähnelt meine Oase eher einem Dschungel und ich komme mit dem Stutzen und Schneiden kaum hinterher. Ich glaube, letztes Jahr habe ich im ganzen Jahr nicht so viel gemäht, wie ich meinen Spindelmäher bis jetzt schon durch die Wiese geschoben habe. Neulich war ich dann auch so genervt, dass ich beim Schneiden der Rasenkante mit der Schere mir kräftig in den nicht vorhandenen grünen Daumen geschnitten habe. Als ich dann der Hecke ebenfalls mit manuellem Werkzeug zu Leibe gerückt bin, hatte der Nachbar wohl Mitleid, denn er wollte mir seinen Heckenschneider leihen. Dieser wurde natürlich abgelehnt. Solch männliche Mitleidsaktionen brauche ich nicht. Bockig kann ich nämlich auch. Vor allem, weil ich da schon beim letzten Busch war – also im Grunde fertig. Nervlich auch.

Und nachdem dieser Beitrag nicht so sehr in die Rubrik „Nachhaltigkeit“ fällt, sondern eher in die „Katastrophenecke“, hier noch ein Tipp gegen Schnecken: Eierschalen klein machen und im Beet verteilen, denn die scharfen Kanten mögen die schleimigen Gefährten nicht. Angeblich. Bei mir ist leider trotz allem ein Großteil der Aussaat den Fressattacken zum Opfer gefallen. Aber ich besitze ja auch keinen grünen Daumen, spreche nicht mit den Pflanzen und spiele ihnen keine Klassik vor.  Kahlfrass

Mal sehen, wohin es mich treibt. Also dann, action!
Eure Kerstin