Was von den Rauhnächten übrigbleibt: Juni

Das Leben zupft und zerrt an mir. Wie ein Netz liegt es vor mir. Ich wandle auf Fäden, so dünn, dass sie nur Minischritte ohne ein Danebentreten zulassen. Ich stolpere über Knoten, die sich nicht lösen lassen. Ich drohe abzustürzen, wenn Verbindungen sich in Luft auflösen.

Wie Netz breitet es sich aus und umhüllt mich. Die Enge ist oftmals kaum zu ertragen. Bei jedem Sturm pfeift es durch die Öffnungen, nimmt mir den Atem und zwingt mich zum stummen und starren Festhalten. Es erdrückt mich und gleichzeitig wirft es mich aus der Bahn.

Ein roter Faden, der in diesem Chaos den Weg markiert, lässt sich weder vor- noch rückwärts erkennen. Bei den Leuchtstreifen am Horizont bin ich nie sicher, ob sie Glück oder Unheil bringen. Es gibt kein Ende und keinen Anfang, nur immer den nächsten Schritt, von dem ich nicht sagen kann, ob das Netz mich auch tragen. Der Abgrund vor Augen und doch nicht sichtbar.

Wie gern würde ich bisweilen einfach verharren und Kraft tanken und die bunte Vielfalt sehen. Jeder Strang ein Abenteuer, eine neue Erfahrung, die mich vor den Unbilden des Lebens schützt.