quergelegt und abgerechnet – die Verzichtsfrage 2.0

„In today’s materialistic culture, many people believe material things can solve emotional problems. But […] retail therapy does not work. Instead, it is more likely to make your problems worse […] In today’s culture, material goods have become substitutes for deep and genuinely meaningful human desires and questions. […] Instead of trying to understand who we really are, […] instead of giving up on material goods, we just keep buying more.” (James Wallman, “Stuffocation”)

Wenn man so wie ich irgendwo in der Mitte des Lebens steht, dann ist es ganz normal, sich mit dem bis dahin geführten Leben auseinander zu setzen. Früher oder später taucht dann die Frage auf: Das kann doch einfach nicht alles gewesen sein, oder? Mid-Life Crisis, Wechseljahre, Burn Out, nennt es wir Ihr wollt, davon wird es jedenfalls nicht besser, kann ich aus Erfahrung sagen. Nun, in Bezug auf die Gesellschaft lässt sich diese Frage eins zu eins übernehmen: Unsere Konsumwirtschaft kann doch einfach noch nicht alles gewesen sein, wozu die Menschen in der Lage sind, oder? Dazu die ganze Evolution? Das soll der Höhepunkt der menschlichen Entwicklung sein?

Es lohnt durchaus, einmal oder auch mehrmals, sich diese Frage zu stellen. Die Antworten werden auch nicht immer die gleichen sein. Und genauso ist es mit dem nachhaltigen Leben. Es gibt kein ultimatives Modell, da sich die Lebensumstände immer wieder ändern und es bringt nichts, wenn man sich einen Weg auferlegt, der einen unglücklich macht. Das musste selbst Thoreau feststellen, der in der Einsamkeit der Natur sein Heil gesucht hat, dann aber innerlich einsam war.

Manchmal muss man auch mehrere Wege ausprobieren. In seinem Buch „Stuffocation“ beschreibt James Wallman verschiedene Modelle. Vom mittelmäßig entschleunigten, zum einfacheren bis hin zum erlebnisreichen Lebensmodell. Oder auch Robert Wringham, der in seinem Ratgeber „Ich bin raus“ sich seiner Fesseln von Arbeit, Konsum und Verzweiflung entledigt und ein freies Leben führt. „Nichts, was man kaufen kann, hilft uns dabei, ein besserer oder ein freierer Mensch zu werden“, schreibt er.

Dafür ist es eben zum einen wichtig, Bilanz zu ziehen und zum anderen dann auch die Freiheit, die man anstrebt zu definieren. Schließlich sollte man ungefähr wissen, wohin die Reise geht, damit man in die richtige Richtung startet.

Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Nur ein Gefangener hat die Möglichkeit, sich zu befreien. Wer also den Ausstieg aus dem Konsum, der Tretmühle oder anderen einengenden Lebenssituationen plant, kann dies nur von innen heraus tun. In dem Zusammenhang empfehle ich die Lektüre „Ich bin raus“ von Robert Wringham und „Stuffocation“ (leider nur auf Englisch) von James Wallman. Beide Bücher haben mich mit ihren Thesen und Ansichten wahrhaft ge- und entfesselt und jede Menge Stoff für das Projekt Verzicht 2.0 und noch viele andere Gedanken geliefert.

Was bleibt, ist die Frage: Weniger Ballast? Und die Antwort: Auf alle Fälle! Vor allem gedanklich bin ich freier. Und wenn man erst mal soweit ist, dann ist man der Konsumfalle – work-hard, play-hard, spend-a-lot – schon mal entkommen und hat die Kraft, auch alles andere voran zu bringen.

Koffer

Hin und wieder werde ich zukünftig auf meinem Blog hier weiter zum Thema Verzicht und Nachhaltigkeit berichten, es gibt ja auch immer noch den Tatort, aber ob ich in 2018 nochmals das Projekt in der Form aufgreife, kann ich derzeit noch nicht sagen.

Jetzt heißt es erst mal, Verzicht auf action!

Eure Kerstin

P.S.: Sogar mein Horoskop passt da perfekt. Na, dann ein schönes Wochenende und einen guten Start in die zweite Jahreshälfte.

Horoskop

 

zugeknöpft und umgekrempelt – die Kleiderfrage

Die schlechte Nachricht vorweg: Meinen Vorsatz („Von der Pflicht zur Kür“), die Kosten für Kleider noch weiter zu senken, konnte ich leider nicht halten, dafür musste ich „zu viele“ Teile ersetzen/aufstocken. Allerdings möchte ich auch, und das soll keine Entschuldigung sein, betonen, dass der Hauptanteil dabei auf Sportbekleidung (Wanderschuhe, Sporthosen, Wandersocken, Jacke) fällt, was eventuell mildernde Umstände bedeutet.

Nichts desto trotz, etwas enttäuscht bin ich schon, lasse ich mich aber nicht entmutigen, weiterhin an dem Vorsatz festzuhalten, die Kosten in diesem Bereich auf ein Minimum zu reduzieren. Hin und wieder ist durchaus mal ein Ausreißer drin. Das macht dann doppelt Spaß und sorgt für langanhaltende Freude. Siehe den Mantel vom letzten Jahr – ein Lieblingsstück. Und so soll es ja auch sein.

Von daher bin ich zusätzlich einer neuen Strategie gefolgt, um in meinem Kleiderschrank dem Ziel „Weniger ist Mehr“ schneller näher zu kommen. Neben dem üblichen was-ich-ein-Jahr-nicht-getragen-habe-kann-weg, habe ich kurzerhand Kleidungsstücke, die ich nicht wirklich gern anziehe, rausgeschmissen. Ich denke, jeder hat da das eine oder andere in seinem Fundus. Den Pulli, den man im Laden toll fand, zuhause aber dann feststellen musste, dass er zu nichts passt. Das T-Shirt, das nicht (mehr) zu einem passt, weil zu altbacken/jugendlich/bunt/langweilig. Auf diese Weise ist ganz schön was zusammengekommen. Hier die Bilanz der Aktion:

Was? Wie viel?
Badeanzug 1
Bluse 8
Handschuhe 2
Jacke 4
Jogginghose 2
Kleid 2
Mantel 1
Mütze 1
Pulli 4
Schuhe 5
Socken 5
Tasche 3
T-Shirt 4
Unterhemd 4
Unterhose 6
Weste (Anzug) 3
Weste (Outdoor) 1

Mittendrin wurde ich beinahe von meiner eigenen Courage überrannt und wollte schon wirklich kurzen Prozess mit sämtlichen Stücken zweiter Wahl, weil nicht 100% auf der Geschmacksskala, machen, konnte aber gerade noch an mich halten beziehungsweise wurde mir von meinem Gewissen – was das alles mal gekostet hat – und meiner Vernunft (genaugenommen eine etwas zweifelhafte Entscheidung) – so schrecklich ist es nun auch wieder nicht – Einhalt geboten. Also wurde einigen Teilen eine zweite Chance eingeräumt. Manchen davon mit Zeitwertkonto bis zum dessen Ablauf sie sich beweisen müssen.

Was? Wie viel? Warum?
BH 1 weil derzeit der einzige, der unter ein weißes T-Shirt zu tragen geht
High Heels 1 weil der absolute Hingucker, aber wenig Tragemöglichkeit
Jacke (Anzug) 1 weil einzige schwarze Jacke im Schrank
Jacke (Outdoor) 1 weil ideal für den Sommerurlaub in spe an der See (ansonsten, gute Reise)
Jogginghose 1 weil derzeit im zweiten Haushalt als Freizeithose deponiert
Kleid 1 weil ich die dazugehörige Jacke immer gern zu Hosen trage
Mantel 1 weil eigentlich sehr schön, aber irgendwie zu selten getragen
Pulli 1 weil warm, aber nicht gut zu kombinieren, derzeit im zweiten Haushalt
Pulli (Sport) 1 weil ideal als Unterziehpulli
Shirt 1 weil schön, aber Kombinationsmöglichkeit fehlt, derzeit im zweiten Haushalt
Schuhe (Sommer) 1 weil blau (schwer zu finden) und noch keine Alternative gefunden
Stiefel 1 weil total bequem, aber schon sehr mitgenommen
Winterschuhe 1 weil dicke, warme Treter (man weiß ja nie)

Noch ein Hinweis zum oben erwähnten zweiten Haushalt: Die Sache hat natürlich den Nachteil, dass das Problem nur räumlich verschoben ist und mich zusätzlich bei manchen Dingen zwingt, diese doppelt zu haben. Nicht so sehr Kleidung als vielmehr so etwas wie zum Beispiel einen Föhn und Kosmetik. Gut, das ist aber ein anderes Thema, welches die Zeit hoffentlich lösen wird.

Eine Idee, wie man ungeliebte Kleidungsstücke identifizieren kann, ist mir kürzlich untergekommen: Die sogenannte umgedrehte-Bügel-Methode: Dabei arrangiert man alle Teile im Schrank so, dass der Bügel in die andere Richtung hängt. Nutzt man ein Teil, wird der Bügel umgedreht. Nach einem Monat weiß man dann, welche Stücke nicht getragen wurden und unter Umständen auch unnötig sind. Lässt sich auch auf alle anderen Sachen ausweiten. Da kann man dann vielleicht verschiedene Fächer oder Falt- und Zusammenlegetechniken nutzen. Werde ich auf alle Fälle ausprobieren, nachdem ich mit der Liste der schon heute deklarierten Gegenstände auf Bewährung fertig bin.

So im Großen und Ganzen finde ich, dass ich noch immer auf dem richtigen Weg bin. Summa summarum hat sich das bis dato zwar nicht noch weiter bei den Ausgaben bemerkbar gemacht als vor einem Jahr, wohl aber bei der Menge. Das liegt sicherlich auch daran, dass wenn ich mir denn den Luxus eines neuen Teiles gönne, dann eines erstehe, welches mir absolut gefällt und die Frage „brauche ich es wirklich?“ positiv beantwortet wurde, preisunabhängig.

Nächstes Kapitel: Kosmetik. Also dann, action!
Eure Kerstin

Verzicht kostet – ein Jahr danach

Vor einem guten Jahr habe ich hier über mein Projekt „Verzicht kostet“ berichtet und wie jeder von uns weiß, gehört zu jedem Projekt auch ein sogenanntes Tracking, eine Nachverfolgung des Erfolgs oder unter Umstände auch Misserfolgs.

Von daher möchte ich das Thema gern nochmals aufgreifen und die einzelnen Kategorien Kleidung, Lebensmittel, Gegenstände des täglichen Lebens sowie Hobbies und Luxusartikel einer Prüfung unterziehen, was ja eher einer Prüfung meiner eigenen Vorsätze entspricht. Und ich bin gespannt, ob und was sich geändert hat. Sozusagen „Verzicht kostet 2.0“.

Wir erinnern uns, angefangen hatte alles im April 2016 mit „Wie alles anfing“. Am Ende waren die Koffer und das Leben schön bunt und ich konnte für mich doch einen gewissen Erfolg verbuchen (Wunder gibt es immer wieder – hoffentlich).

 Gepäck

Nun also die Frage: Geht das noch besser? Vielleicht mit etwas weniger Gepäck und vor allem Ballast?

 Koffer

 

Also dann, action!

Eure Kerstin

Tatort des Monats Januar

2017_01

Sozusagen auf den letzten Drücker noch ein Tatort für diesen Monat.

Tatort: Schreibtisch.

Tatbestand: Laptop.

 

 

Tatortsäuberung: Wie schon gesagt, auf den letzten Drücker bzw. das letzte Drücken wurde der alte Laptop nun endlich platt gemacht und für die nächste Entsorgungstour vorgemerkt. Nach bald zehn Jahren Betriebszeit war aus der Kiste einfach nicht mehr viel rauszuholen und der Betreiber des Betriebssystems hat bereits vor knapp zwei Jahren den Support eingestellt. Insofern wurde jeder Klick im Internet zur potentiellen Viren-/Trojaner- usw.-Falle. Nun darf der Neue sich als Platzhirsch fühlen und sitzt so richtig und hundert Prozent am Drücker.

Die Armee der Energiesklaven

Für diesen Betrag musste ich etwas länger nachdenken. Einmal, weil die Inventur so manche „Leiche“ zu Tage gebracht hat und dann, um zu entscheiden, welche elektronischen Geräte in einem Haushalt noch zu den alltäglichen Gegenständen gehören und welche wohl schon als Luxusartikel anzusehen sind. Das hängt mitunter sehr von persönlichen Ansprüchen ab. Daher hier einfach die Gesamtliste, wobei ich wirklich alles gezählt habe, auch wenn es schon den Weg in den Keller angetreten hat, weil nicht mehr in Gebrauch. Und klar, die jugendliche Armee wurde auch mit eingerechnet:

1 Fernseher, 1 DVD-Player, 2 Radios, 1 Radiowecker, 1 Stereoanlage, 1 Computer, 2 Laptops, 1 MP3-Player, 2 Handys, 1 Telefon, 1 Spielkonsole, 1 PSP, 1 Gameboy, 2 Digitalkameras, 1 Staubsauger, 1 Waschmaschine, 1 Trockner, 1 Mikrowelle, 1 Kühlschrank, 1 Kaffeemaschine, 1 Kaffeemühle, 1 Toaster, 1 Wasserkocher, 1 Mixer, 1 Küchenmaschine, 1 Rührstab, 1 Saftpresse, 2 Föns, 2 elektronische Zahnbürsten, 1 Lockenstab, 1 Glätteisen, 1 Set beheizbare Lockenwickler, 1 Nähmaschine, 1 Bügeleisen.

Tja, da ist eine ganze Menge dabei, was ich eigentlich schon als Luxusgut einstufen würde. Doch wo ist die Grenze? Daraufhin habe ich mich mal damit befasst, was denn vom Gesetz her zum täglichen Leben gehört, also nicht pfändbar ist. Radio, Fernseher, Handy, Computer, Staubsauger, Waschmaschine, Kühlschrank sind da recht eindeutig vom Kuckuck ausgeschlossen. Mikrowelle und Kühltruhe können aber zum Beispiel nur dann gepfändet werden, wenn kein Herd (Mikrowelle) und kein Kühlschrank (Kühltruhe) vorhanden sind. Das war vor gar nicht allzu langer Zeit noch anders, da wurden Fernseher bevorzugt vom Gerichtsvollzieher eingezogen. Gut, 1960 musste man auch noch 349 Stunden arbeiten, um sich ein entsprechendes Gerät leisten zu können. Heute sind es gerade mal 30 Stunden.

Innerhalb von ein paar Jahrzehnten sind wir also von Bewunderung über die Neuerung und Erleichterung zu nahelos gleichgültiger Normalität übergegangen. Das macht sich umso stärker beim Erwerb von Dingen bemerkbar, die wir online und/oder per Kreditkarte bezahlen. Die Ausgabe erscheint nicht real und der Gegenstand ergo ist nichts wert. Wir kaufen im wahrsten Sinne des Wortes für die Müllhalde, denn meist handelt es sich hierbei auch noch um Güter, die wir nicht nutzen und auch nicht wirklich brauchen. Hier ein etwas längerer Beitrag von arte zum Thema „Kaufen für die Müllhalde – die geplante Obsoleszenz“:

Noch schlimmer wird es, wenn wir ständig nach dem Motto Jetzt-Haben-Später-Zahlen verfahren. Die Verlagerung der Schulden in die Zukunft ist im Grunde ziemlich verantwortungslos, denn irgendjemand muss dafür bezahlen, wenn wir es nicht (mehr) können. Und sei es nur der Arbeiter, der im Herstellungsprozess mit dem Lohn sein Leben bestreiten muss. Ausnahme sind hier die wirklich großen Investitionen, aber Fernseher oder Kühlschrank sollten für meine Begriffe nicht per Kredit oder auf Raten erworben werden, denn dann sind es wirklich keine Dinge des alltäglichen Lebens, sondern Luxus.

Der ganze Kleinkram wird im Pfändungsprozess gar nicht erst erwähnt. Wahrscheinlich, weil es sich meist eben noch nicht mal lohnt und diese Dinge in zweiter Hand kein Geld einbringen. Kein Wunder also, dass wir in einer Weg-Werf-Gesellschaft mit einer ebensolchen Mentalität leben. Ich finde das etwas befremdlich, denn das meiste davon gab es zu Zeiten meiner Großeltern noch gar nicht und vieles musste in teils aufwendiger und mühsamer Handarbeit erledigt werden. Inzwischen sind wir umgeben von Sklaven, die uns das Leben erleichtern sollen und die wir auch als ebensolche behandeln. Und damit noch nicht genug, denn oft sind diese auch noch in doppelter Ausführung vorhanden. Da bilde ich, wenn ich mir meine Armee so anschaue, keine Ausnahme und habe in meinem bisherigen Leben durchaus meinen Teil zu der Konsumgütergesellschaft beigetragen.

Dabei könnte ich ohne weiteres auf über die Hälfte meiner Gerätschaften verzichten und würde bestimmt nicht sehr viel schlechter leben. Stattdessen horte ich sie in der Hoffnung, das eine oder andere nochmals zu nutzen. Könnte ich ja nochmal brauchen. Irgendwann. Als ob es dann wohl so schlimm wäre, wenn ich bei der nächsten Feier weder Locken noch strohglatte Haare präsentieren kann, sondern einfach als Ich Spaß habe. Vor allem die schon so halb ausrangierten Teile im Keller erfüllen keinerlei Zweck mehr als mich hin und wieder an ihre Gegenwart zu erinnern. Das ist eigentlich eher belastend. Also wird hier demnächst wohl eine Schlacht stattfinden, denn die Helfer beanspruchen Platz. Real und in meinen Gedanken. Dabei will ich ja mehr Sein und weniger Haben.

Nicht zu verachten ist nicht zuletzt der Stromverbrauch, von dem die Sklaven am Leben gehalten werden müssen. Damit geht es beim nächsten Mal weiter.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Das bisschen Haushalt…

HaushaltIm Grunde können wir das heute wirklich sagen und wer weiß, in ein paar Jahren mag die selbst zu erledigende Arbeit im Haushalt wirklich gen null tendieren. Manch schlauer Artgenosse kann das heute schon von sich sagen, wie in dem besagten Lied eben, aber dazu sage ich lieber mal nichts an dieser Stelle.

Allerdings führen die Neuerungen und Erleichterungen ja nicht unbedingt zu einem Weniger an Inventar, von Verzicht ganz zu schweigen.

Laut diversen Studien verfügt jeder Mensch im Durchschnitt über 10.000 Gegenstände. Das hört sich nach Unmengen an, aber wer zum Beispiel ein 24-teiliges Service inkl. Besteck besitzt, kommt schon auf rund 300 Stücke, wenn man unterschiedliche Vorlegebestecke, Suppen-/Salatschüssel, Servierteller, Kaffeekanne sowie Zucker- und Milchkännchen noch mit einrechnet. Ich glaube, ich werde mir zum Jahresende mal eine wahrhaftige Inventur meines Haushaltes vornehmen, um zu sehen, wo ich da stehe.

Mahatma Gandhi soll lediglich fünf Dinge besessen haben: Uhr, Brille, Sandale, Teller, Schüssel. Gut, soweit ich mich erinnern kann, hat er auch mindestens ein Kleidungsstück besessen, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Der Blogger Dave Bruno ist mit seiner sogenannten The 100 Thing Challenge ein Jahr lang einem einfachen Lebensstil nachgegangen. Auch Jens Förster, der Autor von „Was das Haben mit dem Sein macht“, hat sich verschiedene Dinge auf seine Agenda geschrieben: Nur ein Kleidungsstück pro Monat, kein to go, keine Flugreisen, kein Auto, nur fünf Plastiktüten pro Jahr, nur Bio/Fair Trade und eine 60m² Wohnung, keine Dekoteile.

All das sind Ansätze und Inspiration. DEN Weg gibt es nicht. Doch warum schaffen wir uns überhaupt erst solche Mengen an, die uns dann irgendwann belasten? Der Schlüssel muss irgendwo in der Bedürfnispyramide liegen. Grundbedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse, Selbstverwirklichung. Zum Glücklichsein gehört auch ein ausgewogenes Gleichgewicht der unterschiedlichen Bedürfnisse. Die Frage kann man sich ja einfach mal stellen, wenn man mal wieder vor einer schönen Tasse steht, ein kuscheliges Bettzeug in Händen hält oder das ultimative Haushaltsgerät sichtet.

Dabei ändert sich die Beziehung zu Objekten im Laufe des Lebens immer mal wieder. Ganz am Anfang Begreifen wir die Welt anhand von Gegenständen und wie wir diese kontrollieren können. Erst dann bilden sich unsere sozialen Fähigkeiten. Als Jugendlicher sind wir stark auf Besitz fixiert, über den wir uns und unsere Stellung in der Gruppe definieren. Dies wird durch eine kurze Phase der Selbstfindung unterbrochen, die dann erneut in ein stetig ansteigendes Anschaffen von Besitztümern übergeht, welches seinen Höhepunkt in etwa zwischen einem Alter von 40 und 50 erreicht. Erinnert sich noch jemand an den Werbespot eines Geldinstitutes, in dem es heißt: Mein Auto, mein Haus, mein Boot usw.? Richtig, unser Eigentum repräsentiert Status und soziale Macht. Erst später dann werden Gegenstände zu Erinnerungsstücken und nehmen einen ungleich höheren Stellenwert ein, der auch unsere Persönlichkeit ausmacht.

Interessanterweise werden Konsum und Kaufverhalten auch durch unser Sicherheitsbedürfnis bestimmt. So wurden beispielsweise in den USA nach dem 11. September sechs Prozent mehr Einkäufe verzeichnet. Und auch die Nachkriegsgeneration sowie unter Umständen deren Nachkommen litt und leiden unter Existenzängsten, die von der vorherigen Generation weitergetragen wurde. Deswegen wird das 24-teilige Service auch schön weiter behalten, selbst wenn bei mir im Leben nicht auf einen Schlag so viele Gäste Kaffee trinken werden.

Insgeheim versuchen wir also unsere Angst auf diese Weise zu mildern. Materielle Dinge und Besitz verlängern so gesehen symbolisch unser Leben. Das wussten auch schon die Pharaonen, wie es scheint, als sie die Grabbeigaben für ihre Pyramiden und letztere selbst auswählten.

 Unser heutiges Verständnis von Fortschritt bedeutet vor allem, dass wir uns von allem, was „zeitraubend, anstrengend, schmerzhaft oder unhygienisch sein könnte“ befreien, sagt Nico Paech. Darum und um die ganz alltäglichen Gegenstände des Lebens geht es in den folgenden Beiträgen. Und da ich das Service hier schon vorgestellt habe, geht es in der Küche weiter.

 Also dann, action!
Eure Kerstin

 P.S.: Wie schon in der Küchenbilanz angekündigt, verlängere ich mein Projekt. Allerdings werde ich im Wonnemonat Mai, sofern er denn endlich seinem Namen gerecht wird, nicht jeden Tag dem Verzicht widmen, sondern hoffentlich mehr dem ausufernden Genuss von Sonnenstunden.

Tatort des Monats Dezember

Ziemlich voraussehbar, der aktuelle Tatort. Wie sollte es auch anders sein. Das 2015_12 vorherProjekt 30-Tage-Schreiben ist erledigt. Abgehakt. Weg mit dem Ballast.

Tatort: Schreibtisch.

Tatbestand: 30-Tage-Schreiben Heft.

 

Tatortsäuberung:

Die Vermutung liegt nahe, dass ich so etwas in gewohnter Manier verbrenne. Einfach im Altpapier entsorgen erschien mir aus Sicherheitsgründen etwas zweifelhaft. Nun, besondere Dinge erhalten eine besondere Behandlung. In Gedanken hatte ich mir eine Schreddermaschine vorgestellt. Leider besitze ich solch ein ansonsten völlig unnützes Teil nicht – wäre bestimmt schon lange meiner Aufräumwut zum Opfer gefallen – und so bleibt nur die gute alte von-Hand-zerreißen-Methode. Fein säuberlich zu einem ansehnlichen Berg aufgetürmt.

2015_12 nachherUnd jetzt wird erst mal Feuer gemacht.

Tatort des Monats Januar

Schade, aber leider funktioniert das gute Stück nicht mehr. Ob er schon zu oft zu harte Nüsse zu knacken hatte oder einfach altersschwach ist, kann ich nicht sagen bzw. ist mir nicht mehr präsent.2015_01

Tatort: Küche.

Tatbestand: Nussknacker.

Tatortsäuberung: 60er-Jahre, Retro, Vintage, antik – egal, wenn der Nussknacker nur gut aussieht und keine Nüsse knackt, muss er leider gehen. Merke: Früher waren anscheinend auch die Nüsse größer.

Notwendigkeiten

Karte Nr. 16: “’Wie viele Dinge es doch gibt, die ich nicht brauche!’ – Sokrates. Um zu erfahren, dass weniger mehr sein kann, üben Sie sich in Askese: Kaufen Sie einen Tag lang überhaupt nichts ein“

Für diejenigen, die es noch nicht bemerkt haben: Ich bin zurück. Leider! Ich wünschte, ich wäre noch in den Bergen. Aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht aber auch nicht. Denn 3 Wochen sind einfach nicht genug. Nicht genug, um sich wirklich in Askese zu üben. Nicht genug, um sich für eine neue, andere Art von Leben zu entscheiden. Aber lang genug, um zumindest ansatzweise die eigene Denkweise anzustoßen, die hoffentlich früher oder später zu einer neuen, anderen Art von Leben führt. Und, es reicht, um zu sehen, wie viele Dinge man wirklich zum Leben braucht.

Unlängst habe ich einen Bericht über eine Familie gesehen (ich hoffe, ich kriege das hier noch so einigermaßen korrekt zusammen), die jegliche Art von Müll vermeidet. Alles, was diese Familie an Müll produziert, passt in ein mittelgroßes Vorratsglas. Wohlgemerkt der Müll eines ganzen Jahres. Ich stelle mir vor, dass es eines ganz erheblichen Aufwandes an Zeit und Organisation bedarf, um so konsequent zu handeln. Die Frau meinte, sie hätte nur 2 Shirts, 2 Hosen, 1 Rock, 1 BH und 7 Unterhosen. Ich bin mir sicher, auch ich könnte meine Garderobe um die Hälfte oder mehr reduzieren, aber so ein Bestand erscheint mir als sehr drastisch und ich frage mich, wie oft dann die Waschmaschine läuft. Geschenke werden auch nicht gekauft. Statt dessen gibt es Erlebnisse und dergleichen. Letzte Weihnachten zum Beispiel: Die Familie machte Urlaub in Costa Rica und die Kinder haben als Geschenk einen Schwimmkurs mit Delphinen bekommen. Die Frage, die sich mir hier stellt ist: Wie lässt sich das mit der Lebensweise, keine Art von Müll zu produzieren, vereinbaren? Denn wenn ich mit dem Flugzeug reise, produziere ich dann nicht jede Menge CO²? Und wie sieht dann meine Energiebilanz aus? Da kann ich genauso in einen zweiten BH investieren.

Ich weiß, wovon ich rede. Schließlich bin ich ungefähr 500km über die Alpen gelaufen und ich war mehr als glücklich, dass ich mir den Luxus von 3 Paar Socken geleistet habe. Jeder Wanderführer und jeden, den man fragt, wird einem sagen: 2 sind genug. Das stimmt schon. Aber, wenn man morgens vor einem 10-Stunden-Tag und 3000 Höhenmetern keine feuchte Socken anziehen muss, dann fühlt man sich wenigstens für die ersten Kilometer gut. Klar, nach einer solchen Tour sind die Socken so oder so durchgeschwitzt. Egal, ob man mit klammen oder trockenen gestartet ist. Und man kann sich sicher sein, dass man nicht der Einzige wäre, der keine frischen Socken angezogen hat. Aber jeder muss für sich entscheiden und seinen eigenen Komfortlevel festlegen. Und für mich waren das 3 Paar Socken. Ein zusätzliches Gewicht von 61 Gramm.

Folglich hängen die Dinge, die man braucht, ganz erheblich von der eigenen Kraft ab. Wie viel kann ich tragen, bevor es zur Last wird? Wie viel kann ich auf meine Schultern laden, bevor ich zusammen breche? Wie langsam kann ich meinem Weg folgen und trotzdem sicher und rechtzeitig mein Ziel erreichen? Wie viel ist genug, um sich für alles gerüstet zu fühlen und gleichzeitig noch in der Lage zu sein, die Reise zu genießen? All dies trifft für Bergtouren und das Leben gleichermaßen zu. Dazu fällt mir mal wieder die Szene aus „Up in the Air“ mit George Clooney ein, bei der er für sein Publikum bildlich alles, was das Leben ausmacht, in einen Rucksack packt und die Zuhörer dann das Gewicht, welches sie tagtäglich mit sich herum schleppen, spüren sollen. Genau das ist es nämlich, was jeder für sich bestimmen muss (wer den Film nicht kennt, hier die Szenen: https://www.youtube.com/watch?v=UsRP9EUrXjo).

Es ist ziemlich einfach, einen ganzen Tag lang nichts zu kaufen. Auch eine Woche ist kein Problem. Aber wie viel bin ich bereit aufzugeben, um das Leben zu leben, welches ich mir erträume? Brauche ich ein Haus und ein Auto, um glücklich zu sein? Ich glaube, es ist einfach die schier unendliche Auswahl an Möglichkeiten, mit der wir konfrontiert sind, die uns das Leben schwer macht. Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Leben für die Menschen auf Grund ihres gesellschaftlichen Status vorher bestimmt. Ich sage nicht, dass früher alles besser war. Überhaupt nicht. Aber, früher wusste die Magd, dass sie immer eine Magd sein würde und hoffte auf ein besseres Leben nach dem Tod. Heutzutage scheint für alle alles möglich zu sein und uns wird suggeriert, dass wir reich und mächtig und berühmt sein können. Ich glaube, genau das macht es umso schwerer, mit dem, was man hat, glücklich und zufrieden zu sein. Es gibt immer etwas Neues und immer etwas Besseres. Zu verharren erscheint wie ein Schritt rückwärts.

In meinem Fall trifft eher das Gegenteil zu. Ich bin von München bis (fast) Venedig gelaufen. Eine Strecke, die man ohne weiteres innerhalb von 6 Stunden mit dem Auto zurück legen kann. Noch schneller geht es mit dem Flugzeug. Ich war 3 Wochen unterwegs. Und es war die schönste Zeit meines Lebens. Ich kann meine Augen schließen und den gesamten Weg immer und immer wieder vor meinem inneren Auge sehen. Und ich fühle mich dabei ziemlich lebendig und voller Farben und Emotionen. Ich habe wunderschöne Sonnenuntergänge gesehen. Die Sonnenaufgänge in den Bergen aber sind einfach unglaublich. Das Versprechen eines neuen Tages. Früh morgens von der Hütte los zu laufen ist sicherlich das Highlight des Tages. Mal abgesehen, von dem Moment, wenn man abends endlich die Hütte erreicht und seine Schuhe ausziehen kann. Das fühlt sich fast noch besser an. Nasse Socken oder nicht. Aber so gesehen, ist jeder Moment der Beste. Und es braucht sehr wenig, um sich gut zu fühlen. Für mich waren das alles in allem 12,42kg. Noch weniger, um zu überleben. Das wären wahrscheinlich so zwischen 10kg und 11kg gewesen. Plus eine Sache, die man in keiner Einheit messen kann: Freundschaft. Und damit kann man über die Alpen und durch das Leben gehen, ohne auch nur eine Kleinigkeit zu kaufen. Denn das ist die einzige Notwendigkeit, die man zum Leben braucht.

Nr. 17. Eine Komfortkarte: “’Sie fühlen sich unschlagbar: Tragen Sie Ihr schönstes Kleid und genießen Sie die Blicke. Ein normaler Tag wird so zu etwas Besonderem – und jeder kann es sehen.“ Ich schätze, meine Garderobe benötige ich nach wie vor. Und nur fürs Protokoll: Ein zweiter oder dritter BH können weit mehr als einfach nur Müll zu vermeiden. Aber auch das muss jeder für sich entscheiden. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Tatort des Monats Februar

Nach dem Umzug erinnert der Keller eher an eine Rumpelkammer. Es wird mir immer verborgen bleiben, warum Keller grundsätzlich voll sind, obwohl man die Dinge, die dort lagern, fast nie braucht (Küchenmaschine) bzw. auch nicht vermisst (künstliche Kerzen mit Farbwechsel und Fernbedienung). Wenn ich also ohne diese Stücke am Leben bleibe, dann wäre der Umkehrschluss somit, dass ich sie tatsächlich nicht brauche. Werde also demnächst dort Tabula Rasa machen. Hier schon mal der erste Fund, denn Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Und den will ich ja loswerden.

Tatort: Keller, Werkzeugkiste.2014_02

Tatbestand: Allerlei Möbelaufbauhilfen, die sich im Laufe der Jahre beim Shoppen im blau-gelben Einrichtungshaus angesammelt haben.

Tatortsäuberung: Wurden schön säuberlich gesammelt: Könnte man ja noch mal benötigen. Wozu allerdings der berühmte Imbusschlüssel in der Einheitsgröße in zigfacher Ausfertigung gut sein soll, bleibt mir bis dato verschlossen. Noch habe ich nur zwei Hände. Vielleicht wäre eine Art Auf-/Abbauparty mit Freunden denkbar. Hm, schade, bin ja gerade erst umgezogen. Also, weg damit in den Metallschrottcontainer. Schließlich weiß ich ja, wo es Nachschub gibt, sollte besagte Party doch noch irgendwann stattfinden.