auf halber Strecke – Episode 6

PendelzugNeulich auf halber Strecke, also im Grunde weit davor, denn bevor es überhaupt erst so richtig losgeht, ist es im Leben eines Pendlers erst einmal von großer Bedeutung zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

„Meine“ Heimathaltestelle wird umgebaut. Barrierefreier Bahnhof. Das fing mit Demontagearbeiten an. Erst die Anzeigentafel. Stimmt ja auch meist eh nicht, wenn denn überhaupt etwas angezeigt wird. Dann die Uhr. Braucht es auch irgendwie nicht, die Bahn fährt, wenn sie da ist. Dann das Dach. Richtig, es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Nun teilt ein Baugerüst den Bahnsteig, so dass man sich für eine Seite entscheiden muss, von der man annimmt, dass die Bahn dort hält. Na ja, wir alle kennen ja Murphy’s Gesetz.

„Bavaria’s next Top Bahnhof“ steht auf dem Informationsplakat. Die Bahn fährt trotzdem. Manchmal sogar pünktlich. Und manchmal eben nicht. Heute eher nicht. Menschenmassen quetschen sich auf die Seite des Bahnsteiges, von der irgendwann jemand beschlossen hat, dass es die ist, auf der die Bahn heute anhält und dies nun durch die Mehrheit eine entsprechende Gewichtung erfährt. Die Gefahr, ins Gleisbett zu fallen, steigt proportional mit der Anzahl der Wartenden plus Zeit.

Irgendwann erfolgt eine Durchsage. Nur eben nicht auf dem Bahnsteig, auf dem sich alle tummeln, sondern an dem Gleis, welches schon seit Wochen gar nicht mehr in Betrieb ist. Hören tut man nichts. Der Baulärm unterbindet jeden Versuch, die ohnehin qualitätiv schlechten Durchsagen auch nur ansatzweise zu verstehen.

Das verlassene Gleis, das mit dem funktionieren Lautsprecher, durfte komischerweise auch seine Uhr behalten. Allerdings ohne Funktion, die Zeiger stehen still, was ja dann auch irgendwie sinnlos ist. Die Anzeigentafel hängt auch noch. Sogar mit Anzeige: 524 Minuten bis zur nächsten Abfahrt steht da. Ich hoffe mal ganz stark, dass das so eine Art Feierabendanzeige für die Bauarbeiter ist und keinerlei Relevanz zum Fahrplan hat.

Da fällt es einem schwer, nicht in den Tenor, ich habe heute leider kein Foto für Dich, einzustimmen. Nun ja, laut Plakat hat der Bahnhof auch noch bis Mitte 2020 Zeit, sich in ein Topmodell zu verwandeln.

Wenn der Tag schon so anfängt, dann sind wir alle wieder mittendrin und voll dabei.

Tatort des Monats September

Ich glaube, das ist eine Premiere: Ein ungeplanter, unfreiwilliger Tatort.2016_09

 Tatort: Irgendwo auf dem Weg zwischen Büro und Bahnhof.

 Tatbestand: Schal (leider nur ein Tatortfoto verfügbar)

Tatortsäuberung: Erübrigt sich sozusagen. Leider. Da ich den Zug erreichen musste und mal wieder auf den letzten Drücker (das mache ich noch schnell fertig) aus dem Büro gestürmt bin, wurde bei gefühltem Tempo 50km/h mit dem Fahrrad die Verspätung wett gemacht. Ohne Rücksicht auf Verluste, wie ich am Bahnhof feststellen musste. Natürlich blieb keine Zeit mehr, um zurück zu fahren. Und wie erwartet blieb auch die spätere Inspektion nach der Rückkehr erfolglos. Sehr schade und traurig. Der Schal war wirklich schön und kuschelig. Warum es immer die Lieblingsdinge sind, die man verliert, ist mir ein Rätsel. Nun wird der Staffelstab eben an einen anderen Schal weitergegeben. Sind ja noch genug da, wie ich beim Blick in die Schublade feststellen konnte.