Was von der zehnten Rauhnacht (3. Januar) übrigbleibt – Oktober 2017

Das Motto der zehnten Rauhnacht und somit des Monats Oktober ist Ernte. Es geht darum, zu sehen, was man erreicht, was sich erfüllt hat, auf das bisherige Jahr zurück zu schauen, aber auch zu prüfen, was man für das Kommende beiseitelegen kann.

In Bezug auf den Rückblick kann ich sagen, dass ich selten Jahre wie dieses mit so vielen Wendungen, Hochs und Tiefs, Unvorhergesehenem und nicht zu vergessen glücklichen Momenten erlebt habe. Und ich bin nun schon bald ein halbes Jahrhundert auf zwei Beinen unterwegs.

Diese, also die Beine, wurden leider für meine Begriffe im Oktober auch etwas zu sehr geschont. Ein bisschen mehr Bewegung und das nicht unbedingt nur in luftiger Höhe würden Ihnen und mir guttun, aber wenn man innehält, um Bilanz zu ziehen, fällt es mitunter schwer, gleichzeitig den Weg, der sich vor einem entfaltet, ohne Stolpern zu bewältigen.

Die sich hinziehende, ganz reale, Erkältung hatte insofern auch etwas Gutes: Kein Stolpern. Dafür Zeit, den eigenen Gedanken nachzuhängen. Hier lassen sich also auch die „Samen“ für das Neue finden.

Vom eigenen Körper zum Verweilen so gesehen gezwungen, entwickeln sich aus der scheinbaren Langeweile, Ideen und Pläne: ‚Der Keller muss, bevor er zum Monster wird, endlich entrümpelt werden. Schließlich kann nur dann aus allem etwas werden, wenn das Fundament stimmt. Ein unaufgeräumter, vollgestellter Keller ist da absolut kontraproduktiv.‘ Ich denke, damit werde ich eine Weile beschäftigt sein. Die erste Hürde, sich in die tageslichtfernen Katakomben vor zu wagen, ist genommen. Und wie wir alle wissen, ist der erste Schritt immer der schwerste.

Was ich aus den bisherigen Rauhnächten und den vergangenen Monaten mitgenommen habe, ist, dass sich die Tarotkarte vom 3. Januar mit ihrer Botschaft genau an der richtigen Stelle platziert hat: „Die größte Stärke des Menschen ist seine Hoffnung. Vertraue in Deine Zukunft.“ Wer, und da zähle ich mich auch dazu, nicht jede Karte bis in Detail kennt, es war/ist der Stern. Und das ist doch eigentlich ein ganz wundervoller Gedanke, dass trotz allem, immer ein Licht den Weg beleuchtet, über den wir manchmal stolpern und manchmal schon fast zu fliegen scheinen.

2017_10

Der November ist noch ganz frisch und zeigt sich heute von der stillen Seite. Er bietet auch die Chance, nach der Ernte Ruhe einkehren zu lassen. Ich bin gespannt.

 

 

Eure Kerstin

Was von der ersten Rauhnacht (25. Dezember) übrig bleibt – Januar 2017

In meinem Beitrag „Loslassen und Neuanfang“ hatte ich das Thema Rauhnächte schon mal angeschnitten und dass diese einen Ausblick auf die Monate des kommenden Jahres geben. Was läge also näher, als die Monate tatsächlich Revue passieren zu lassen, um zu sehen, was aus ihnen geworden beziehungsweise übrig geblieben ist.

Also gibt es nun jeden Monat einen Rückblick, hauptsächlich in Bildern, denn wer sich erinnern mag, ist meine persönliche Aufgabe für 2017 ja, mich um meinen Wunsch „Draußen die Natur zu genießen“ zu kümmern und dem will ich ganz besonders viel Aufmerksamkeit schenken. 

Orakel

Orakel

Hier also der Januar in Anlehnung an die erste Rauhnacht, welche unter dem Motto „Stille“ steht, wobei still war der Januar nicht und damit entspricht er nahezu eins zu eins dem 25. Dezember, der ebenfalls recht turbulent war:

Angefangen hat alles mit einem Wäscheberg, der mich eine gute Woche auf Trab gehalten hat. 

Wäscheberg

Wäscheberg

Dann kam der Schnee… 

Schneesturm

Schneesturm

…und dann die Kälte…

Kälteeinbruch

Kälteeinbruch

 …und am Ende die Sonne. 

Märchenwald

Märchenwald

Glitzerspiel

Glitzerspiel

Fernsicht

Fernsicht

Blumen fürs Herz und Farbe für die Seele 

Blumenmeer

Blumenmeer

Den Abschluss hat eine Tour durch die Caféhäuser der Umgebung gemacht. 

Tour de Café

Tour de Café

Ich bin gespannt, wie sich der Februar so macht und freue mich schon jetzt auf all die schönen Tage draußen.

Eure Kerstin

Projektabschluss

Herzlich willkommen, neuer Erdenbürger! Schön, dass Du da bist, denn Deine Eltern habe sehr lange auf Dich gewartet.

projekt

Lass‘ Dir ein paar Worte mit auf den Weg geben:
Sage Deinen Eltern immer die Wahrheit! Glaub‘ mir, sie verkraften es.
Frag‘ Ihnen Löcher in den Bauch und hör‘ Dir ihre Geschichten an, denn nichts ist spannender als das Leben.
Lass‘ Dir die Welt von Deinen Eltern erklären und dann zieh‘ los und schau‘ sie Dir mit Deinen eigenen Augen an!
Mach‘ sie glücklich, indem Du Deinen Weg findest und gehst!

Ach ja, und treibe Sie ruhig zur Weißglut. Denn wer von Dir als Projekt „Franz-Josef V.“ spricht, während Du noch auf dem Ultraschallbild zu sehen bist, der unterschätzt Dich und Deine Wirkung!

Den Eltern lege ich den Spruch von Johann Wolfgang von Goethe ans Herz: „Kinder sollen von ihren Eltern zwei Dinge erhalten: Wurzeln und Flügel!“
Herzlichen Glückwunsch zum Projektabschluss. Und wie Ihr wisst, beginnt jetzt die Nachhaltigkeit. Kein Projekt ohne Review!

Eure Kerstin

Hautnahe Einblicke

SchönheitDie Haut ist unser größtes Organ. Und unbeschreiblich sinnlich. Auf einem Quadratzentimeter befinden sich:

  • 150.000 Pigmentzellen
  • 5.000 Sinneszellen
  • 100 Schweißdrüsen
  • 15 Talgdüsen
  • 5 Haare
  • 4 m Nervenbahnen
  • 1m Blutgefäße

Zwischen 15 und 20 Prozent unseres gesamten Körpergewichtes sind Haut. Mit ihr nehmen wir Berührung, Spannung, Druck und Temperaturunterschiede wahr. Und das selbst, wenn wir schlafen. Unser Tastsinn zählt zu den wichtigsten menschlichen Wahrnehmungssytemen, der unser Überleben sichert. Mit ihm „begreifen“ wir bereits als Säuglinge unsere Umwelt und fortan fließen alle Informationen in unserem Denkprozess mit ein.

Die Haut ist ein ganz wundervolles Organ, das sich Zeit unseres Lebens regeneriert. Und das im Grunde ganz ohne zusätzliche Pflege. Wenn wir ihr also helfen wollen, gesund zu bleiben, sollten wir ihr vor allem natürliche Luft zum Atmen bieten. Unsere Haut ist neben dem, was wir dem Körper zuführen, auch allen Einflüssen von außen schutzlos ausgeliefert. Es liegt also in unserem Verantwortungsbereich, unsere Hülle mit der entsprechenden Sorgfalt zu behandeln und zu pflegen.

Dabei müssen es keine sündhaft teuren Cremes, Salben, Gels, Pasten und so weiter sein. Mehr bedeutet nicht unbedingt besser. Denn vor allem der Säureschutzmantel und die Bakterienflora reagieren empfindlich auf allzu gut gemeinte Anstrengungen. An dieser Stelle muss ich noch betonen, dass das Kapitel Kosmetik und Hygiene natürlich ein sehr intimes Thema ist. Jede Haut ist anders und das, was ich hier schreibe, mag nur auf mich zutreffen. Aber vielleicht führt es zumindest zu einem Denkanstoß.

Der Bereich der Bio-Produkte in der Kosmetik- und Hygienesparte nimmt beständig zu. Ich erinnere mich noch, das muss so vor vier Jahren gewesen sein, da sind wir Mädels zu einem Wellnesswochenende aufgebrochen und residierten ganz stilecht in einer Suite mit mehreren Räumen. Meine Zimmergenossin meinte, als wir unsere Tiegel und Töpfe im Bad arrangierten, ob ich denn noch ein Deo mit Aluminium benutzen würde. Und ob ich nicht wüsste, dass das krebserregend sei. Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht und ich glaube, das war der Moment, an dem ich angefangen habe, um zu denken.

Seitdem ist in den Läden und in meinem häuslichen Schönheitssalon eine Menge passiert. Ich habe viel ausprobiert und manches wieder verworfen (z.B. „Die Sache mit der Handcreme“) und so nach und nach jede Sektion umgestellt auf Produkte mit natürlichen, biologischen Inhaltsstoffen.

Fertig bin ich noch nicht. Aber das ist man ja irgendwie nie so ganz. Wichtig ist, dass man sich bewusst entscheidet, welchen Weg man einschlägt. Jede Entscheidung kann korrigiert und optimiert werden, bis man sich gut fühlt.

Soweit die Einführung in unser Thema Kosmetik und Hygiene. Wer noch ein bisschen was für die Augen und Ohren möchte, kann sich die Sendung „Bitte anfassen! Die Macht des Tastsinns“ der Reihe Quarks&Co. zu Gemüte führen.

Morgen geht es dann los mit Seife&Co.

Also dann, action!
Eure Kerstin

Wie alles anfing

Es gibt ja immer einen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Dieser symbolische Tropfen waren bei mir gleich zwei. Und die trafen auch noch mehr oder minder gleichzeitig im November 2013 auf die Oberfläche auf.

Zum einen war das mein bevorstehender Umzug damals und die Karte Nr. 8 aus dem Kartenspiel, die da lautete: „Schaffen Sie sich Platz: Feng-Shui für die Seele. Trennen Sie sich von Ballast.“

Nun möchte man meinen, dass ein Umzug in eine größere Wohnung einen nicht unbedingt dazu zwingt, sein Hab und Gut zu sichten und sich von Dingen zu trennen. So gesehen war die Karte ein echter Glücksgriff. Vielleicht lag es auch daran, dass ich im Laufe meines Lebens schon so oft umgezogen bin, dass Besitztümer mir keine Fesseln (mehr) anlegen können. Vielleicht war die Zeit aber auch einfach reif. Ist im Nachhinein ist das gar nicht mehr so wichtig.

Wichtig ist, dass ich seitdem infiziert bin. Und wie bei einem Kranken durchlebe ich regelmäßige Schübe, die mich dann wie einen Tiger im Käfig durch meine vier Wände treiben, auf der Suche nach Beute. Zeugnis davon lege ich monatlich in meinem Tatort des Monats ab. Doch mit dem bloßen Ausmisten und Entrümpeln gebe ich mich inzwischen nicht mehr zufrieden.

AnfangNach dem Motto: Her mit dem schönen Leben, nimmt mittlerweile mein alltägliches Handeln, Denken und Konsumieren einen großen Teil meiner Bemühungen um ein einfacheres, freieres Leben ein. Welche Dinge kaufe ich ein? Wie kaufe ich ein? Wo kaufe ich ein? Was brauche ich in meinem Leben zum Leben? Wer will ich sein? Wie kann ich Dinge anders/besser machen?

Was sich in den letzten zwei Jahren alles verändert hat, wie es mir dabei geht und wie ich mir so die Zukunft vorstelle, darüber will ich hier in den nächsten Tagen und Wochen schreiben. Dabei werde ich die einzelnen Bereiche wie folgt einteilen:

  • Kleidung
  • Lebensmittel
  • Gegenstände des täglichen Lebens
  • Hobbies und Luxusartikel

Für jede Rubrik stelle ich mir immer einen Wissensteil mit einigen Informationen zum Thema vor. Dann die einzelnen Unterpunkte, meine Erfahrungen und Erlebnisse und vielleicht auch den einen oder anderen Tipp. Und natürlich, was das alles mit Verzicht zu tun hat.

Der Ordnung halber sei erwähnt, dass ich neben der Internetrecherche – Blogverwandte und Websites werde ich jeweils im jeweiligen Post verlinken – folgende Bücher in meine Berichte einfließen lasse:

  • Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“ von Nico Paech
  • Was das Haben mit dem Sein macht – Die neue Psychologie von Konsum und Verzicht“ von Jens Förster
  • Besser leben ohne Plastik“ von Anneliese Bunk und Nadine Schubert
  • Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Florian Optiz
  • Analog ist das neue Bio – Ein Plädoyer für eine menschliche digitale Welt“ von Andre Wilkens

Los geht es also morgen mit dem Thema Kleidung und allem, was dazu gehört. Ein wahrhafter Kleiderberg, der sich so in unseren Schränken, Schubladen und Fächern verbirgt, türmt sich da auf.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Tag 11: Jeder Tag ist ein neuer Anfang

Tag 11Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer hat alles bei dieser Frage zuerst an eine negative Erfahrung gedacht?

Ist doch komisch, oder? Oder ist das typisch Deutsch? Immer erst mal alles Schlechte nach oben kehren. „German Angst“, wie die Welt das nennt. Dabei bin ich grundsätzlich ein Optimist und kann auch in der miesesten Lage noch Licht sehen. Selbst wenn es nur das Fünkchen Hoffnung ist und der Glaube, dass es zu irgendetwas schon gut sein wird.

Ich muss noch kurz einfügen, dass ich mir die Fragen morgens immer durchlese, um schon mal meinen Denkapparat auf die bevorstehende Aufgabe vorzubereiten. Deswegen habe ich mir also heute morgen anstatt Frühstück Gedanken gemacht: ‚Welche positiven Erinnerungen kannst Du mit dieser Frage in Verbindung bringen?’

Zuerst habe ich mir der Idee gespielt, etwas über die erste große Liebe zu schreiben und welch romantische Flausen mir damals durch den Kopf und das Herz gingen und wie unschuldig ich noch in jedweder Hinsicht war. Wie unbeschrieben das Blatt im Buch des Lebens. Wie groß die Hoffnungen. Wie flatternd der Herzschlag und wie prickelnd die Küsse.

Aber sehne ich mich wirklich danach zurück, nochmals sechzehn zu sein? Nochmals gefangen in der Pubertät? In einem Körper, der mit dem eines Models nur das Geschlecht gemein hat? Nochmals in ständigem Wettstreit mit sich und der Welt? Überlebensgroß zwischen den Spielsachen im Kinderzimmer und unbedeutend klein im Reich der Erwachsenen. Weder Fisch noch Fleisch, wie eine Freundin immer sagt. Herrje, nie im Leben sehne ich mich danach. Die Unbeschwertheit und Sorglosigkeit ja, aber alles andere? Nee, danke.

Also habe ich weiter nachgedacht, was mich wirklich glücklich macht und wo ich mich nach nichts sehne als dem Jetzt. Na, erraten? Richtig: Der Berg ruft. Dabei ist mir natürlich meine Alpenüberquerung eingefallen. Aber ich konnte beim besten Willen nicht einen bestimmten Punkt nennen, der besonders heraus sticht. Jeder Moment war auf seine Weise richtig. Auch all die anderen Wanderungen stehen dem Traumpfad in nichts nach. Ich sehne mich nach allen zurück.

Doch dann hatte ich es. Der erste Schritt. Das ist der Punkt, an den ich mich zurück sehne. Nochmals Weg und Karte überprüfen, den Blick nach vorne/oben richten, das Gepäck festschnallen, tief durchatmen und los. Noch alles vor einem, aber schon voller Freude. Am Anfang stehen. Und das gilt dann für (fast) alles: Vom ersten Schritt ins Leben bis hin zum ersten Schritt jeden Morgen jeden Tag.

Na, dann bis morgen, Kerstin

Fremde Freunde

Karte Nr. 24: „Lassen Sie neue Menschen in Ihr Leben: Organisieren Sie ein Kennenlern-Essen: Laden Sie Ihre Freunde ein- und jeder darf jemanden mitbringen, den die anderen noch nie getroffen haben.“

Falls sich jemand wundert, warum der neue Beitrag schon jetzt erscheint: Ich kürze das Ganze hier mal ab: Ich will keine neuen Leute kennen lernen! Genauer gesagt, ich habe im letzten Jahr für meine Begriffe genug neue Menschen getroffen.

Ralf: Auf einem Seminar getroffen. Er ist im Grunde jemand, den ich attraktiv finden könnte. War mal erfolgreicher Geschäftsmann. Ständig unterwegs in Asien und der Welt. Bis er sich die Frage stellte, was aus seinem Leben, welches er sich mal erträumt hatte, geworden ist. Also hat er kurzerhand seinen hochdotierten Posten gekündigt. Nun fährt er einen 18-Jahre alten Polo, von dem er nicht weiß, ob er die nächste TÜV-Prüfung schafft und geht jeden Tag mindestens eine Stunde nach draußen. Ein Luxus, wie er sagt, den er nicht mehr missen möchte. Er etabliert sich gerade als Life-Coach und zweifelt aber noch, ob er tatsächlich anderen mit ihrem Leben helfen kann. Seit er nicht mehr in der Tretmühle steckt, fliegen ihm die Ideen nur so zu. Ich hoffe, wir bleiben weiterhin in Kontakt. Die Gespräche sind hochgradig inspirierend.

Herr Schmitt: War auch auf dem Seminar. Hat sich gerade selbständig gemacht. Als Achtsamkeitstrainer und Stressmanager. Auf sich achten ist sein Thema. Bietet in dem Zusammenhang Wanderungen an. Ist ziemlich fit für sein Alter. Früher war er Pazifist. Heute ist er Mormone und Monarchist. Absolut faszinierende Persönlichkeit. Wörter wie „eigentlich“, „gar nicht so schlecht“, „im Grunde“ sollte man aus dem Wortschatz streichen. Ebenso alles, was einen selbst in negativem Licht erscheinen lässt. Auch in diesem Fall würde mich eine Fortsetzung freuen. Es geht doch nichts über eine Pause im Alltag, bei der man unterm Gipfelkreuz philosophische Gedanken austauscht und mitten auf der Bergwiese Qi-Gong praktiziert. Mit jemandem, den man siezt. Manche Dinge sind so surreal, dass sie nur das wahre Leben hervorbringen kann.

Susan: Über interpals.net kennen gelernt. Wir führen also eine Brieffreundschaft übers Internet. Das hat so seine Tücken. Schließlich kann man nie so ganz sicher sein, ob der andere einem nicht einen riesengroßen Bären auftischt. Am Ende entpuppt sich die „Freundin“ als der eigene Nachbar. Auf der Website wird eindringlich vor Betrügern und dergleichen gewarnt. Man muss sich eben überlegen, was man preisgibt. Aber gut: Ich will hier mal Gnade vor Recht walten lassen. Susan wohnt in Kanada. Da denke ich immer an eine Baumfällersiedlung und/oder eine Stadt am Wasser. Jedenfalls rau und viel Natur. Sie sammelt Puppen. Also landestypische Puppen. Denke da immer an Käthe Kruse. Ist Lehrerin und ziemlich resolut. Vertritt ihre Ansichten. Finde ich gut. Und es erstaunt mich, wie einfach es ist, sich mit wildfremden Menschen anderer Kulturen, über persönliche Probleme zu unterhalten. Eine tolle Bereicherung. Würde mich zwar wohl gegen ein persönliches Treffen aussprechen, aber so ist es gut.

Antje: Auch über interpals.net kennen gelernt. Wir schreiben uns allerdings richtige Briefe. Einfach toll. Ich freue mich jedes Mal, wenn in meinem Briefkasten ein echter Brief für mich ist. Meist reiße ich ihn noch im Flur auf und lese ihn im Stehen. Antje wohnt in den Niederlanden. Ja, auch hier habe ich die typischen Bilder vor mir. Und vielleicht würde ich bei einer Reise in unser Nachbarland sogar einen Besuch ins Auge fassen. Aber das entscheide ich, wenn es soweit ist. Oft frage ich mich, wie sie all ihre Aktivitäten unter einen Hut bekommt. Sie lernt Gitarre, macht eine Ausbildung zur Fußpflegerin, aber eher so in Richtung Massage. Daneben ist sie begeisterte Radfahrerin. So richtig mit einem Rennrad. Ach ja, Familie hat sie natürlich auch.

Michi und Schorsch: Zwei auf einen Streich. Echte Waldschrate. Bei einer Rast in den bayrischen Voralpen kennen gelernt. Also, ich habe gerastet und die beiden haben Weidezäune aufgestellt. Als sie zu mir gekommen sind, konnte ich ihnen leider nur Wasser und kein Bier anbieten. Sie haben sich gewundert, dass eine Frau so ganz allein durch die Berge wandert. Tja, mich wundert es immer, dass sich die Leute über so was wundern. Wir sind dann zusammen auf der Hütte eingekehrt. Also, sie sind eingekehrt und ich habe für eine Nacht Quartier bezogen. Wir haben uns über den Wandel der Zeiten unterhalten. Michi meinte, er fände es nicht gut, dass immer mehr Ausländer nach Deutschland kämen und ich dachte schon: Jetzt geht das los. Aber: Er meinte dann, man sollte besser in den Ländern den Menschen helfen, damit sie dort bleiben können. Ziemlich fortschrittlicher Ansatz für einen Waldschrat. Schorsch hat immer wieder meine wie er sagte „zarten“ Hände genommen. Fasziniert, dass es wohl Menschen gibt, die nicht wie er zig Narben und Schwielen vom Arbeiten haben. Schorsch hat eine Alm mit Pferden. Ergo die Weidezäune und bietet nebenbei noch Kutschfahrten an. Er ist so ein richtiger Almöhi. Mit langem, weißem Bart. Michi hat einen Hut, an dem Zweie und Federn stecken. Einen der Zweige steckt er einfach in die Blumenvase, die auf dem Tisch steht. Später, als Schorsch schon zu seinem „Weibi“ weiter ist, sitzt Michi vor seinem dritten Bier, erzählt mir bestimmt zehn mal, dass er jetzt noch zwei Stunden zu seiner Hütte hat, wo er die Hirsche dann beobachten wird. Er hat noch einen Schnaps im Rücksack. Für später. Nein, er sei kein Alkoholiker. Auch wenn das nicht der Fall sein sollte, so fällt es mir doch schwer, nach unzähligen Wiederholungen seiner Geschichten noch Aufmerksamkeit zu zeigen. Komme mir vor wie in „Täglich grüßt das Murmeltier“. Nachdem es schon anfängt zu dämmern, kann ich ihn überzeugen, dass er nun doch langsam wirklich gehen sollte, wenn er denn noch zwei Stunden Weg vor sich hat. Er gibt mir dann seine Karte. Ziemlich lustig, wenn man bedenkt, dass heute schon Bergbauern Visitenkarten haben. Ich könne mich ja mal melden. Abends, weil tagsüber ist er unterwegs. Also Abends. Leider oder zum Glück fällt die Karte aus meinem Buch und als ich wieder zuhause bin, bin ich eigentlich ganz froh, dass mir diese Verantwortung abgenommen wurde.

Thomas: Auf meinem Weg von München nach Venedig kennen gelernt. Seines Zeichens Heiler. Durch Handauflegen hat er wohl den einen oder anderen geplagten Wanderer kuriert. Ein ziemlich lustiger Typ, der ziemlich unglaubliche Geschichten von Tierbegegnungen, Wiedergeburt und anderen spirituellen Weisheiten auf Lager hatte. Erst als er mich, wie ich es empfunden habe, als Opfer auserkoren hatte (vielleicht, weil ich von Anfang an nicht wie gebannt an seinen Lippen hing), war es nicht mehr so lustig. Angeblich bin ich für meine Eltern ein „Unfall“ gewesen und so gar nicht geplant. Ebenso war er der Ansicht, dass ich selbst nur Mutter geworden bin, damit ich nicht mehr arbeiten muss. Am Ende unserer Reise waren wir auf einem Hof gemeinsam mit einer kleinen Gruppe essen. Nachdem er die Tiere dort nicht mit seinen Gedanken beeinflussen konnte, hat den Gänsen auf den Schnabel gehauen und nach der angriffslustigen Katze mit dem Fuß getreten. Beim Abendessen hat er den Wein mit seinem Geist „besprochen“. Keine Ahnung, ob das bei anderen Eindruck macht, aber ich knabbere noch immer an seinen Worten und finde, dass man solche Scharlatane nur schwer wieder aus seinem Kopf kriegt. Ich hoffe, die anderen, denen er ins Gewissen geredet hat, hatten mehr Glück.

Maria: Ist Vermieterin eines winzigen Bed & Breakfast in Belluno in Italien. Eigentlich stellt sie ganz einfach zwei Ihrer Zimmer (Arbeits- und Schlafzimmer) für Gäste zur Verfügung, während sie dann im Wohnzimmer schläft. So habe ich sie auch kennen gelernt. Also, eigentlich hatte mich ihr Gast am Busbahnhof angesprochen, als ich dort etwas verloren mit meinem Rucksack im Regen stand. Erst fand ich die Idee nicht so verlockend, da ich mich nach der langen Wanderung eher auf einen Wellnesstempel mit Bad und weichen Bett und allem drum und dran gefreut hatte. Aber bei €25,00 Übernachtungsrate inklusive Frühstück bin ich von meinem Plan abgewichen. War schließlich auch nur für eine Nacht und so musste ich nicht erst lange suchen. Maria ist Übersetzerin. Wir haben uns beim Frühstück über die Gegend unterhalten und sie hatte irgendwo, irgendwie Kontakt zu einem der Autoren im „Bergsteiger“, der demnächst einen Bericht über die Belluneser Dolomiten heraus bringen sollte. Als ich dann wieder zuhause war, habe ich nach der Ausgabe Ausschau gehalten. Und siehe da: Nur einen Monat später konnte ich ihr diese schicken. Seitdem schreiben wir uns Briefe und Postkarten. Mittlerweile unterrichtet sie in Frankfurt und vermietet ihre Zimmer nur noch im Sommer an Touristen. Auch eine Art, sein Leben zu bereichern.

Apropos Postkarten: Wer auf Postkarten aus aller Welt ohne weitere Verpflichtung steht, sollte es mal bei postcrossing.com versuchen. Man lernt die Absender flüchtig kennen und kann sich an den schönen Motiven erfreuen. Das Aussuchen der passenden Karte ist immer ein Vergnügen.

Viel anders wäre ein Abend mit den fremden Freunden meiner Freunde wohl auch nicht verlaufen.

Karte Nr. 25: „Werden Sie durch Fehler stark: Sie haben vergessen, eine Mail zu beantworten oder morgens verschlafen? Suchen Sie keine Entschuldigungen und stehen Sie zu Ihrem Maleur. Daraus entsteht wahre Kraft.“ Tja dann: Augen auf bei Fehlerwahl! In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Noch ein Hinweis: Alle Namen sind selbstverständlich geändert, um die Privatsphäre zu schützen.