Der untragbare Kleiderberg

Nachdem wir gestern erst für unseren Mount Kleidung ein Basislager (Anziehsachen) eingerichtet haben, geht es nun an das Abtragen des ganzen Unrates (Weg-damit-Stapel) und die Frage: Wie werde ich den untragbaren Berg los.

Dazu gibt es im Wesentlichen vier klassische Wege:

  1. Wegschmeißen
  2. Verkaufen
  3. Verschenken
  4. Spenden

Wegschmeißen sollte immer die letztmögliche Alternative sein und Dingen vorbehalten, die tatsächlich nicht mehr reparabel oder anderweitig einsetzbar sind. Das gilt für Kleidung ebenso wie für alle anderen Sachen.

Verkaufen ist immer gut und für die meisten wohl die naheliegendste Wahl. So wird man wenigstens für seine Mühe des Ausmistens belohnt und hat das Gefühl, dass man zumindest einen Teil der Anschaffungskosten wieder zurück bekommt. Ebay, Flohmarkt, Second-Hand Laden (solche, die in Zahlung nehmen gibt es leider nicht überall und manche sind auch recht wählerisch) sind alles gute Anlaufstellen. Das hängt ganz von den eigenen Vorlieben ab.

Wer ein schlechtes Gewissen bezüglich der Einnahmen hat, oder wem die Steuer im Nacken sitzt, kann ja alles/einen Teil spenden oder Freunde zum Essen einladen. Bitte nicht gleich wieder in den Erwerb von neuer Kleidung stecken. Wir wollen ja nachhaltig mehr Raum und dem Verzicht auf den Grund gehen. Von daher rate ich auch von Tauschbörsen ab. Das ist etwas für den Alltag, zu dem wir noch kommen.

Verschenken ist so eine Sache. Schals und Tücher sowie Taschen lassen sich gut verschenken. Ansonsten ist das natürlich stark von der Kleidergröße des Beschenkten und der eigenen abhängig. Vom Geschmack ganz zu schweigen. Am ehesten funktioniert das noch mit Kindersachen, die man an Verwandte und Freunde weitergeben kann.

Spenden an sich ist die nobelste Art. Vorausgesetzt, es kommt da an, wo es hin soll und geht wirklich an Bedürftige. Ich habe dazu Anfang 2015 dazu bereits etwas unter dem Titel „Die Kunst des Gebens“ geschrieben. Daneben lege ich allen Interessierten den Beitrag „Kleider Recycling“ von Arte X:enius wärmstens ans Herz. Und von da ist der Weg zum Umdenken vielleicht schon ein Stück kürzer geworden. Wer weiß.

Neben den vier hier beschriebenen Wegen des Loslassens, gibt es natürlich noch die Möglichkeit, den untragbaren Stücken eine andere Verwendung zukommen zu lassen. Was geht? Das wollen wir morgen uns mal anschauen.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Die Kunst des Gebens

Karte Nr. 20: „’ Auf Dauer befriedigender ist es jedoch, nicht nur von Herzen, sondern auch mit Hirn zu spenden’, Stefan Klein. Geben Sie etwas ab: Überlassen Sie Ihr Rad nicht einer Online-Auktion, sondern einem Asylbewerberheim. Oder verschenken Sie Ihre Zeit, etwa, um anderen zu helfen.“

Ja, ich muss zugeben, es ist nobler die Dinge, die wir nicht mehr brauchen, zu spenden. Man hilft anderen, man hilft, Rohstoffe zu sparen, Und ja, ich glaube, die meisten von uns besitzen mehr als sie wirklich brauchen. Seit über einem Jahr nun versuche ich meinen Haushalt zu minimieren und mich von Sachen zu trennen, die ich doppelt/dreifach habe und/oder aus irgendwelchen Gründen horte. Das fühlt sich gut an. Also das Trennen und Loslassen. Jedes mal, wenn ich etwas aussortiere, fühle ich mich ein bisschen besser – etwas leichter. Doch wenn ich so den ganzen Hausstand um mich herum betrachte, bin ich nach wie vor der Ansicht, dass ich locker noch 80% weggeben könnte und es würde trotzdem nicht zu irgendwelchen schwerwiegenden Einschränkungen führen. Vor Jahren passte mein Hab und Gut in zwei Koffer. Ist das zu glauben? Okay, das waren nur Kleider, Bücher und diverser Kleinkram. Aber nichts desto trotz. Heute bräuchte ich locker zwei von diesen Schrankkoffern allein für meine Kleider. Sind es am Ende all die Dinge, die ich mein Eigen nenne, der Grund, warum ich oft nicht so zufrieden und glücklich bin wie ich es sein sollte?

Ich habe mir mal die Freiheit genommen und den Urheber der Aufgabe nachzuschlagen – Stefan Klein. Er ist ein recht bekannter Autor wissenschaftlicher Bücher. Unter anderem: „Der Sinn des Gebens. Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und uns Egoismus nicht weiter bringt“, in dem er darstellt, dass uns Selbstlosigkeit glücklicher und erfolgreicher macht. Sehr schön, dann scheine ich auf dem richtigen Weg zu sein, aber eben immer noch am Anfang.

Also habe ich meinem Keller einen Besuch abgestattet. Ja genau, der Raum, in dem alles gelagert wird, was man eines Tages eventuell brauchen könnte, irgendwo in der fernen Zukunft, die doch niemals zu kommen scheint. Ich beispielsweise hebe Kleider – eigene, die nicht mehr getragen werden und abgelegte Kindersachen, die ich aussortiert habe – auf. Daneben Bücher, welche ich nicht besonders mochte und nicht mehr benötigte Spielsachen. Nicht so sehr aus sentimentalen Gründen, für solche Dinge habe ich ein extra Abteil. Eher deshalb, weil das meiste irgendwann mehr oder weniger viel Geld gekostet hat und zum Wegwerfen zu schade ist. Daher schleppe ich es jedes Mal auf irgendwelche Flohmärkte und komme dann immer noch mit Massen wie es scheint wieder zurück. Wozu also aufheben, wenn ich anderen damit helfen kann? Bin mir nicht sicher, ob ich „glücklicherweise“ sagen sollte, aber seit geraumer Zeit kommen mehr und mehr Flüchtlinge in unserer Gemeinde an. Jeden Tag hört und liest man erschütternde Bericht. Und ich fühle mich richtiggehend hilflos. Wegen des ungerechten Schicksals, wegen der Greueltaten, zu der Menschen fähig sind.

Einen ganzen Tag habe ich dem Keller gewidmet und mich durch sämtliche Kisten gewühlt. Kleider, Schuhe, Sportsachen/-ausrüstung. Schulsachen, Bettwäsche, Handtücher, Bücher. Gut, keine Bücher, da ich immer noch von einen kleinen Buchcafé träume, in dem Leute sitzen, reden und lesen können. Am Ende waren es acht Umzugskisten. Große Umzugskisten. Und damit ich es mir nicht anders überlege, wurden diese direkt in die Garage vor mein Auto gestellt, dabei Gefahr laufend, einen Anruf der Hausverwaltung von wegen Sachen in der Tiefgarage lagern usw. zu erhalten. Aber ich dachte: Ist ja nur für einen Tag oder zwei bis ich weiß, wo ich die Sachen hinbringen kann. So weit der Plan. Noch am Abend schrieb ich ein Mail an die lokale Asylbehörde, nur um eine Antwort zu erhalten, dass man selbst nichts annehme. Dafür waren jede Menge Web-Adressen aufgeführt, an die ich mich wenden könne. Also gehe ich auf die Website der örtlichen Kleiderkammer. Nur um dort zu lesen, dass man derzeit nur Männerkleider für den Winter annehmen würde. Tja, das mag daran liegen, dass Männer von Haus aus nicht so viele Klamotten besitzen oder aber mehr an ihnen hängen. Wie auch immer, es schien, als ob ich kein einziges Teil loswerden würde. Kein Mann, keine Spende. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich schon mal, als ich an die zwanzig Stofftiere in der Wertstoffbörse abgeben wollte, dort aber zurück gewiesen wurde, weil man nur Markenstofftiere – sprich Knopf im Ohr – nehmen würde. Mir war nicht klar, dass Bedürftige so wählerisch sind.

Einen kleinen Erfolg hatte ich mit zwei Brillen, die ich im Brillengeschäft abgeben konnte. Allerdings kann ich nur hoffen, dass diese auch wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Sicherlich auch ein Grund, warum ich die aussortieren Sachen nicht einfach in einen der öffentlichen Container werfen wollte. Was weiß ich, was aus denen wird. Wird es verkauft, irgendwohin versandt und dort damit Profit gemacht, geschreddert, um Lappen daraus zu fertigen? Ich wollte doch vor Ort helfen, nicht noch mehr Abfall produzieren und irgendwelche windigen Firmen mit dubiosen Firmenpraktiken unterstützen. Also musste ein neuer Plan her.

Daher habe ich meine Zeit gespendet. Besser gesagt, werde ich meine Zeit meinen gerade gegründeten Buchclub – Die Buchgesellschaft – widmen. Ein kleiner Schritt in Richtung Buchcafé und wir haben sogar schon einen Blog gestartet: www.diebuchgesellschaft.wordpress.com. Am Rande unseres ersten Treffens kam auch das Thema „übervoller Kleiderschrank und Überfluss im Allgemeinen“ zur Sprache. Dass man eben nicht vier schwarze Hosen braucht und zig verschiedene, bunte Oberteile. Uni und schlicht lassen sich immer kombinieren und mit Accessoires aufpeppen. Mein Vorsatz, in 2015 nur Kleidungsstücke zu kaufen, die ich wirklich brauche, weil kaputt oder so, war geboren. Danke, liebe I., nochmals für das inspirierende Gespräch.

Und da musste ich wieder an die unseligen Kisten in der Garage denken. Also unternahm ich einen letzten Versuch und habe trotz Hinweis, dass nur Männerkleider angenommen werden, einfach gefragt. Und siehe da, die Damen in der Kleiderkammer haben sich so gefreut, dass ich am liebsten mich gleich erkundigt hätte, ob sie noch jemanden zum Helfen brauchen. Gut, das hebe ich mir dann doch noch für später auf. Tja, und nun fühle ich mich noch ein gutes Stück leichter. So einfach ist das, mit der Kunst des Gebens.

Damit wären nun noch zehn Karten übrig. Ich werden den Rest nach Kategorien „abarbeiten“. Komfort, Power und schließlich Sinn. Hier Karte Nr. 21.: „Sie sehen das Postive: Machen Sie einem Menschen ein Kompliment oder loben Sie jemanden, der es verdient hat. Sie werden erkennen, es tut Ihnen beiden gut.“ Puh, eine schwierige Aufgabe in einer Welt, in der Erfolg fast ausschließlich in Zahlen gemessen wird. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Tatort Kleiderschrank, Tag 17

Da so ein Kleiderschrank oft einer kleineren Boutique ähnelt, habe ich mich entschlossen, alles in einem Aufwasch aus zu sortieren. So eine Reduzierung fühlt sich gut an. Hat Claudia Dahinden in ihrem Beitrag „Reduce to the max – warum es cool ist, ein Minimalist zu sein“ schon erkannt. Deswegen stellvertretend für alles, was ich bei meiner Aktion mal-sehen-wann-der-Kleidercontainer-seinen-Geist-aufgibt-weil-voll“ zur Weiterverwertung gebracht habe.17 Tag

Tatort: Schlafzimmer, Kleiderschrank.

Tatbestand: Matrosenschal. Wie sollte es anders sein: So gut wie neu, da nahezu nie getragen.

Tatortsäuberung: Auch wenn es heißt, Streifen gehen immer, bin ich bei der Kombination mit gestreiftem Schal schlichtweg überfordert. Zusammen mit allen anderen Stücken große Fuhre zur Altkleidersammlung unternommen.