Ankerplatz

Auftakt: Eine Sechs-Wort-Geschichte:

Ich bin die Hoffnung. Ich lebe.

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Vor Anker gehen. Kein Hafen in Sicht. Angreifbar sein. Ohne den schützenden Rückhalt einer Kaimauer. Ein Hafen hingegen lässt nur eine Option zur Flucht offen.

Vor Anker gehen. Das bedeutet aber auch: Ungetrübter Blick. Nach allen Richtungen offen sein, bereit für Neues, für Unerwartetes und gleichzeitig doch einen festen Halt zu haben, verbunden mit der Erde.

In den Hafen einlaufen. Zurückkehren. Schutz und Rückzugsort. Heimat. Zur Ruhe kommen. Innehalten. Verbundenheit und Vertrautheit, die das Leben unbeschwert machen. Eine andere Art von Freiheit.

Du, der Du der Anker für mein Herz bist. Du, der Du der Hafen für meine Seele bist.

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Schlusswort: Eine Sechs-Wort-Geschichte:

Liebe mich. Ich bin die Hoffnung.

Untiefen

Die Untiefen der menschlichen Seele. Abgründe in ruhiger See.

Misstrauen, Gier, Hass und Gewalt wabern unter der Oberfläche, an der jeder Wellengang kratzt. Ein ganzes Universum für sich.

Je stärker der Wind, der uns entgegenweht, desto mehr tritt zu Tage, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Was wir dem Gegenüber entgegen zu setzen bereit sind und haben.

Je wütender der Sturm uns entgegenbläst, umso unbarmherziger die Untiefen, an denen wir drohen auf Grund zu laufen. Die eigenen Abgründe, die wie Ertrinkende unermüdlich an die Bordwand geworfen werden.

Verzweifeltes Umherirren und mit zerfetzten Segeln Navigieren, um zu retten, was zu retten ist. Steuerlos. Ruderlos. Ziellos.

Unermesslicher Schmerz, der auf den Schaumkronen tanzt. Peitschende Schläge, die sich in die Haut brennen, eine freiliegende, blanke Seele, die an Land gespült wird, zurücklassend.

Schatzsuche

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Jede Geschichte hat einen Anfang.

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Jeder Schatz braucht jemanden, der nach ihm sucht.

Jede Flut beginnt mit einem Tropfen.

Jedes Feuer beginnt einem Funken.

Jeder Sturm beginnt mit einem Flügelschlag.

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Jeder Schatz braucht nicht nur jemanden, der nach ihm sucht, sondern auch jemanden, der ihn findet.

Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt.

Jedes Leben beginnt mit einem Herzschlag.

Jeder Augenblick beginnt mit einem Atemzug.

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Jeder Schatz braucht nicht nur jemanden, der ihn sucht und findet, sondern auch jemanden, der ihn als solchen erkennt.

Jede Liebe fängt klein an.

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Spurensuche – Vierklang

Geerdet.

Mit beiden Füßen auf festem Grund.

Unsichtbare Wurzeln.

Die Hände als Stütze und Hilfsmittel.

Im Fall werden wir zurück geworfen.

In der Evolution, der eigenen und der der Menschheit.

Die vier als Symbol für alles Irdische.

Die eigenen vier Wände.

Schutzwall. Trutzburg. Zentrum. Heilige Hallen.

Jeder in seiner Box.

Begrenzt. Eingeengt. Verschlossen. Eingeschlossen.

In der Ecke stehen.

Mit dem Kopf durch die Wand.

Trennung von Herz und Verstand.

Die Schnittmenge.

Ecken und Kanten.

Irdisch oder himmlich.

Vierklang.

Spurensuche – Zweiklang

Die ersten Erinnerungen. Kindheit, die nicht auf Celluloid gebannt ist.

Die Freude, durch den Aufprall abrupt und jäh beendet, eine Platzwunde nach sich ziehend, eine verblassende Narbe hinterlassend.

Die Wut, die sich Luft machen will und mit dem Tritt in die im Klee sitzende Biene in Lächerlichkeit auf der Zuschauerseite umschlägt.

Der Übermut, der eine Brandwunde am Oberschenkel verursacht, effekt- und mitleidhaschend mit einem Schal verbunden, der durch sein Kratzen mehr quält als die Ursache.

Der Ehrgeiz, durch einen Sturz gestoppt, der mit einer Spritze entlohnt wird, die aufgeschürften Knie voller Dreck und Rollsplit als Trophäe.

Der Versuch, Blindsein zu erfahren, scheitert und endet mit einem deutlichen Muster auf der Stirn, der Scham im Gedächtnis.

Die Ohnmacht, nach dem Fall, von der alkoholgetränkten Gesellschaft im Nachbarzimmer verspottet und hinweggewischt.

Die Begeisterung, beim Klettern mit sprinklernassen Füßen, die keinen Halt finden und im Absturz in der Gartenharke landen, welche eine sommerlange Entzündung beschert.

Die Träumerei, dabei vom Weg abkommend und über Weidenzweige stolpernd, die blutige Wunden, getränkt in Salzwasser, verursacht.

Erinnerungen, die sich nur in dieser Form wiederfinden. Ein Abdruck, der bleibt. Doch dann gibt es noch die Erinnerungen, die die Seele berühren, ihr zusetzen. Narben, die weitaus nachhallender, nachhaltiger, tiefer sind und sich nicht in Einklang mit der Erinnerung bringen lassen.

Die Neugier, gleichgültig ausgebremst und unterdrückt.

Das Vertrauen, achtlos angenommen und ausgenutzt.

Die Liebe, missbraucht und sorgfältig eingeschlossen.

Zweiklang.

Spurensuche – Einklang

Die Zeit in den Bergen ist eine andere.

Sie hinterlässt Spuren.

Körperliche.

Wenn die Anstrengung die Grenzen der Leistungsfähigkeit einfordert.

Vor allem aber seelische.

Energiegeladen.

Der Folgetag, geprägt von den Nachwirkungen.

Atmen.

Nachklang des eigenen Rhythmus.

Alle Geräusche scheinen ausgeblendet.

Die Welt, ein stiller und friedlicher Kosmos.

Nichts erschüttert den Geist.

Undurchdringlich.

Der Körper. Durchlässig. Getragen von der Luft und den Elementen.

Unantastbar.

Im Inneren Ruhe.

Einklang.