Tatort des Monats März

Man will es ja manchmal nicht wahrhaben, aber auch Socken haben eine begrenzte Lebensdauer, wenn sie denn nicht schon vorher in den unendlichen Weiten der Waschmaschine in eine andere Galaxie teleportiert werden

20180316_083246.jpg

Tatort: Kleiderschrank

Tatbestand: Sportsocken

 

Tatortsäuberung: Ich weiß, stopfen wäre eine Option gewesen, denn die Socken waren qualitativ hochwertige Markensocken aus dem Fachhandel. Allerdings glaube ich, mich erinnern zu können, dass das noch zu DM-Zeiten war. Aber auch das mag Einbildung sein. Wie auch der Glaube daran, dass ich einfach immer zu schnell gejoggt bin und aus diesem Grunde die Socken heiß gelaufen sind und der Reibung des Luftwiederstandes nicht länger standhalten konnten. Nun ja, man wird ja noch wohl träumen dürfen. Oder sind das die endorphinen Spätfolgen meines Hochgeschwindigkeitslaufes? Oder dann doch eher die ersten hypothermalen Anzeichen? Wie dem auch sei, die Socken sind über den Jordan gegangen.

Tatort des Monats Februar

Manchmal fallen Weihnachten und Ostern zusammen, dann ist Fasching…oder so was in der Art. Jedenfalls sind wir um Fasching herum immer bei Skifahren so ergab sich folgendHandschuhe alter Tathergang.

Tatort: Kleiderschrank

Tatbestand: Handschuhe

 

Tatortsäuberung: Beim Ausrüstungscheck musste ich feststellen, dass nach dreißig Jahren auch nur einmal pro Jahr genutzte Handschuhe beginnen sich aufzulösen. Ob das aufgrund meines rasanten Fahrstils der Fall ist, oder Materialermüdungserscheinungen in dem Alter einfach normal sind, ist zweitranging, denn der jugendliche Mitbewohner wusste Weihnachten schon, dass seine Mutter Fasching neue Handschuhe benötigt.

Handschuhe neu 

Und das ist doch wirklich wie Weihnachten und Ostern zusammen.

 

Tatort des Monats Januar

Morgens, wenn man noch nichts so wach ist oder aber schon so voller Energie steckt, kommt es schon mal zu der einen oder anderen Ungeschicklichkeit.

Tatort: BadezimmerDelphin

Tatbestand: Delphin

Tatortsäuberung: Schade, aber ein Teil weniger, das abgestaubt gehört. Und irgendwie ist es auch ganz gut so, denn der Freund hat uns bereits vor etwa fünf Jahren verlassen. Nun wurde es quasi Zeit, dass ihm der Spielkamerad folgt. Und bekanntlich werden Delphine ja auch depressiv, wenn sie allein und in Gefangenschaft gehalten werden. Es könnte also auch ein Akt der Verzweiflung gewesen sein. Ich wünsche gute Reise in den Delphinhimmel.

Tatort des Monats Dezember

Alle Jahre wieder. Ja, es lässt sich nicht leugnen und auch nicht verhindern: Weihnachten steht vor der Tür. Und wie es sich für einen ordentlichen Haushalt gehört, gibt es einen Baum mit Lichtern. Vorzugsweise Kerzen. Bei mir allerdings künstliches Licht, da der Christbaum ziemlich lange in der Wohnung ausharren muss und die Technik dafür sorgt, dass die Lichter automatisch an- und wieder ausgehen. Wenn denn die Technik funktioniert.

Tatort: WeihnachtsutensilienkisteLichterkette

Tatbestand: Lichterkette

 

Tatortsäuberung: Sehr betrübliche Angelegenheit. Erstens, weil die Lichterketten nach zwei Stunden Friemeln am Baum waren, um dann nicht zu ihren Job zu tun, nämlich zu leuchten. Zweitens, weil es keine Ersatzleuchtmittel mehr für diese Art Kette gibt. Im Grunde gibt es überhaupt keine Ketten mit austauschbaren Lampen mehr, nur noch LED. Sagt die Dame aus dem Baumarkt meines Vertrauens. Die gehen dann einfach kaputt und werden von Haus aus weggeschmissen. So ist das mit unserer Konsum-/Wegwerfgesellschaft. Nun ja, die alte Kette war nun seit ungefähr zwölf Jahren ein zuverlässiger Garant für weihnachtlichen Lichterglanz und evtl. lässt es sich da rechtfertigen, dass nun auch bei mir die LEDs Einzug gehalten haben. 320 Stück am Stück. Und alle funkeln. Das konnte die Dame aus dem Baumarkt meines Vertrauens mit einem Blick erkennen. Ein Wunder. Ich musste das fünfzig Meter lange Kabel erst um den Baum wickeln, um das zu sehen. Weihnachten darf also nun gerne eintreten.

Tatort des Monats August

Am besten lassen sich doch Tatorte reinigen, bei denen man nicht persönlich befangen, sprich betroffen, ist. Anderer Leute Probleme löst man bekanntlich schließlich auch viel besser und schneller als die eigenen. Also bin ich diesmal fremdgegangen. Wenn auch nur in einem anderen Zimmer…äh Universum, denn der Tatort befindet sich in der Hand des jugendlichen Mitbewohners. Es ist also Vorsicht geboten.

Tatort: Kinderzimmer

Tatbestand: Kleidung aller Art

Tatortsäuberung: Leichter als erwartet. Offenbar entwickelt man/frau den Hang zum Sammeln und Horten erst in einem späteren Lebensstadium. Obwohl es nach diversen Diskussionen, „das passt Dir doch aber noch“, eher eine Geschmacksfrage zu sein scheint und dieser ändert sich beim Nachwuchs öfter mal aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen. Insofern war die Ausbeute vor allem reichhaltiger als erwartet – siehe das einsame, einzelne T-Shirt, welches noch ein Bleiberecht ergattern konnte (es sind natürlich mehr T-Shirts noch im Fundus, allerdings in der Wäsche, denn der Wäschekorb liegt, egal wo er steht, immer näher als der Schrank, was einen wundert, aber nicht so ganz hierher gehört). Es sei der Jugend vergönnt, sich kleidertechnisch auszutoben und einen eigenen Stil zu finden.

Aber gut, beide Akteure sind ohne bleibende Schäden und Blessuren davon gekommen und die bevorstehende Zimmerrenovierung hat beim Bewohner für die nötige Motivation gesorgt. Wobei allerdings eher die Aussicht auf die Einnahmen aus dem Secondhand-Verkauf der Grund für die Großzügigkeit waren. Na, wenn sich da mal nicht jemand bei der Beweisaufnahme verrechnet hat.

Tatort des Monats Juli

Eigentlich ist es ein Tat- und Fundort gleichzeitig, nur an verschiedenen Stellen.

Tatort: Küche

Tatbestand: Kaffeemühle

 Tatortsäuberung: In meinem Beitrag „umgedacht und aufgestellt“ hatte ich die Tat schon angekündigt. Nun wurde der Energiesklave gegen ein handbetriebenes Modell, welches auf dem Flohmarkt erspäht und in der zweiten Verhandlungsrunde erstanden wurde, vorsätzlich ausgetauscht. Und nachdem die Reinigung mit Reis und die Überprüfung der Funktionstauglichkeit einen erfolgreichen Abschluss gefunden hat, darf die elektrische Schwester in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Nun heißt es Bewährungsprobe für die Nachfolgerin und bis zur Entscheidung über das weitere Verfahren darf die Kaffeemühle vorerst im Keller stehen bleiben.

 P.S.: Als stolzer neuer Besitzer einer handbetriebenen Maschine diesmal ein Bild des Fundstücks.

quergelegt und abgerechnet – die Verzichtsfrage 2.0

„In today’s materialistic culture, many people believe material things can solve emotional problems. But […] retail therapy does not work. Instead, it is more likely to make your problems worse […] In today’s culture, material goods have become substitutes for deep and genuinely meaningful human desires and questions. […] Instead of trying to understand who we really are, […] instead of giving up on material goods, we just keep buying more.” (James Wallman, “Stuffocation”)

Wenn man so wie ich irgendwo in der Mitte des Lebens steht, dann ist es ganz normal, sich mit dem bis dahin geführten Leben auseinander zu setzen. Früher oder später taucht dann die Frage auf: Das kann doch einfach nicht alles gewesen sein, oder? Mid-Life Crisis, Wechseljahre, Burn Out, nennt es wir Ihr wollt, davon wird es jedenfalls nicht besser, kann ich aus Erfahrung sagen. Nun, in Bezug auf die Gesellschaft lässt sich diese Frage eins zu eins übernehmen: Unsere Konsumwirtschaft kann doch einfach noch nicht alles gewesen sein, wozu die Menschen in der Lage sind, oder? Dazu die ganze Evolution? Das soll der Höhepunkt der menschlichen Entwicklung sein?

Es lohnt durchaus, einmal oder auch mehrmals, sich diese Frage zu stellen. Die Antworten werden auch nicht immer die gleichen sein. Und genauso ist es mit dem nachhaltigen Leben. Es gibt kein ultimatives Modell, da sich die Lebensumstände immer wieder ändern und es bringt nichts, wenn man sich einen Weg auferlegt, der einen unglücklich macht. Das musste selbst Thoreau feststellen, der in der Einsamkeit der Natur sein Heil gesucht hat, dann aber innerlich einsam war.

Manchmal muss man auch mehrere Wege ausprobieren. In seinem Buch „Stuffocation“ beschreibt James Wallman verschiedene Modelle. Vom mittelmäßig entschleunigten, zum einfacheren bis hin zum erlebnisreichen Lebensmodell. Oder auch Robert Wringham, der in seinem Ratgeber „Ich bin raus“ sich seiner Fesseln von Arbeit, Konsum und Verzweiflung entledigt und ein freies Leben führt. „Nichts, was man kaufen kann, hilft uns dabei, ein besserer oder ein freierer Mensch zu werden“, schreibt er.

Dafür ist es eben zum einen wichtig, Bilanz zu ziehen und zum anderen dann auch die Freiheit, die man anstrebt zu definieren. Schließlich sollte man ungefähr wissen, wohin die Reise geht, damit man in die richtige Richtung startet.

Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Nur ein Gefangener hat die Möglichkeit, sich zu befreien. Wer also den Ausstieg aus dem Konsum, der Tretmühle oder anderen einengenden Lebenssituationen plant, kann dies nur von innen heraus tun. In dem Zusammenhang empfehle ich die Lektüre „Ich bin raus“ von Robert Wringham und „Stuffocation“ (leider nur auf Englisch) von James Wallman. Beide Bücher haben mich mit ihren Thesen und Ansichten wahrhaft ge- und entfesselt und jede Menge Stoff für das Projekt Verzicht 2.0 und noch viele andere Gedanken geliefert.

Was bleibt, ist die Frage: Weniger Ballast? Und die Antwort: Auf alle Fälle! Vor allem gedanklich bin ich freier. Und wenn man erst mal soweit ist, dann ist man der Konsumfalle – work-hard, play-hard, spend-a-lot – schon mal entkommen und hat die Kraft, auch alles andere voran zu bringen.

Koffer

Hin und wieder werde ich zukünftig auf meinem Blog hier weiter zum Thema Verzicht und Nachhaltigkeit berichten, es gibt ja auch immer noch den Tatort, aber ob ich in 2018 nochmals das Projekt in der Form aufgreife, kann ich derzeit noch nicht sagen.

Jetzt heißt es erst mal, Verzicht auf action!

Eure Kerstin

P.S.: Sogar mein Horoskop passt da perfekt. Na, dann ein schönes Wochenende und einen guten Start in die zweite Jahreshälfte.

Horoskop