Am Ende ist es gut

Glückskartenspiel: „Nehmen Sie Ihr Glück in die Hand!“

Aus, Schluss, vorbei. Alle Aufgabe der Glückskarten sind erfüllt. Manche mehr, andere weniger. Nach gut zwei Jahren und 30 Karten ist das Projekt „Vom Suchen und Finden des Glücks – ein Experiment in 30 Schritten“ nun zu Ende. Das fühlt sich gut an. Ja, doch. Ich habe jede Menge erlebt und durchgemacht. Nicht immer waren die Aufgaben einfach. Insbesondere dann, wenn mich die gedankliche Reise zu schmerzhaften Erinnerungen geführt hat wie bei „Reise in die Vergangenheit“ und „Der Anruf“. Daneben gab es kurzweilige Momente („Lebensmuster“), lustige Einsichten („Tag der Abrechnung“), nachdenkliche Episoden („Lebensmut“) und philosophische Ansätze („Die Kunst des Atmens“).

Soweit, zu sagen, dass ich etwas dazu gelernt habe, will ich nicht unbedingt gehen. Auch, ob ich nun das Glück gefunden habe, lässt sich schwer beurteilen. Glück ist ja kein Dauerzustand und ein recht flüchtiges Gut. Und DAS Glück gibt es sowieso nicht, denn es ändert ständig seine Form. Vielleicht ist es deswegen nicht immer einfach, es zu finden. Wir übersehen es schlichtweg.

Auf meinem Schreibtisch im Büro befindet sich eine Karte mit folgendem Spruch: „Glück ist, wenn die Katastrophe eine Pause macht.“ Von daher wäre es also im Grunde sinnvoller, die Katastrophen möglichst klein zu halten/zu umgehen/zu vermeiden anstatt nach dem Glück zu suchen.

An dieser Stelle würde ich gern das Duo Simon & Garfunkel zitieren: “In the clearing stands a boxer, And a fighter by his trade, And he carries the reminders, Of every glove that laid him down, And cut him till he cried out, In his anger and his shame, ‘I am leaving, I am leaving’, But the fighter still remains”. Ich bin ein Kämpfer, aber kein Boxer. Und was den Auslöser dieser Reise und des Kartenexperimentes betrifft: Irgendwann muss man einsehen, dass es keinen Sinn macht, auf etwas zu warten, das so gesehen, noch nicht einmal begonnen hat. Am Ende ist es gut. So, wie es ist. Denn Glück lässt sich eben auch nicht herbei schreiben.

Noch klappt es nicht so recht. Vielleicht wird es das niemals. Wer weiß das schon.

In letzter Zeit habe ich eine Menge Geschichten in Romanen und aus dem echten Leben gelesen, die alle sagen: Einfach machen! Das sagt sich einfach. Wahrscheinlich ist es das auch. Wenn man sich erst mal gedanklich frei gemacht hat.

Eure Kerstin

Autobiographie eines gemeinen Lebens

Karte Nr. 30: „’Wir sind, was wir wiederholt tun.’ Aristoteles. Doch was tue ich eigentlich? Was ist mir wichtig? Wo ist mein Ziel? Schreiben Sie ein Konzept für Ihre Autobiographie. Was wäre Ihr Schwerpunkt, wovon handelt der Film Ihres Lebens?“

An der Stelle möchte ich gern John Denver zitieren: „On the road of experience, I’m trying to find my own way, […] And I’m looking for space, And to find out who I am, And I’m looking to know and understand.”

Wer schon einmal in einem amerikanischen Buchladen gestöbert hat, weiß wovon ich rede. Die Regale sind voll von Anleitungen, wie man die Geschichte seines Lebens packend und brillant erzählt. So, dass daraus ein Bestseller wird. Gekrönt wird das Ganze von einem unüberschaubaren Angebot an Schreibkursen zum gleichen Thema. Ich habe mir vor bald zwanzig Jahren auch einen solchen Ratgeber zugelegt. Da war ich dreißig. Doch, was hätte ich zu erzählen gehabt? Mein Leben ist ein ganz normales, von außen betrachtet mag es sogar langweilig erscheinen.

Und doch empfinde ich mein Leben als das Wichtigste. Warum auch nicht? Es ist ja meines. Will ich tauschen? Manchmal sicherlich. Doch gegen was? Mehr Geld? Mehr Ruhm? Mehr Liebe? Und was dann? Wäre ich dann glücklicher? Wahrscheinlich nicht. Irgendwas ist ja schließlich immer.

Damals hatte ich ein paar Fassungen meiner Autobiographie angefangen. Irgendwann fand ich es dann albern. Nein, falsch, ich wusste einfach nichts Packendes und Brillantes über mein Leben zu sagen. Wie auch, ich war ja gerade mal Anfang dreißig.

Mittlerweile befinde ich mich an einem Punkt, an dem der Zenit definitiv überschritten ist. Der Teil vor mir ist, statistisch gesehen, kürzer, als derjenige, der schon hinter mir liegt. Das ist nichts Schlimmes. Nichts, was mich mit Gram belastet. Ich habe eine Menge Erfahrung gesammelt. Ich weiß im Grunde, was ich will und was mir gut tut.

Eigentlich könnte ich könnte also den Ratgeber, der sich mit Sicherheit noch in meinem Bücherschrank befindet – man weiß ja nie – erneut zu Rate ziehen. Ein paar Stichpunkte notieren, bevor mir mein Gedächtnis einen Strich durch die Rechnung macht.

Doch wollte ich meine Geschichte wirklich in gedruckter Form sehen? Wer würde so was kaufen? Geschweige denn lesen? Die Autobiographie eines gemeinen Lebens. Denn, wie auch mit dreißig schon, zählt mein Leben zu den ganz gewöhnlichen, durchschnittlichen und „normalen“.

Und nur mal, rein hypothetisch angenommen, es würde ein Bestseller werden, was dann? Jeder weitere Versuch einer literarischen Karriere wäre zum Scheitern verurteilt. Mein Leben wäre schließlich erzählt. Ich wäre ein One-Hit-Wonder der Buchindustrie.

Also vergilben die Seiten von damals in einem Ordner. Vielleicht hole sie irgendwann noch einmal hervor und amüsiere mich über mein Leben. Und veranstalte dann einen gemütlichen Kaminabend mit einem wirklich guten Buch.

Tja, damit wäre mein Zu-Ende-Bringen-Projekt wohl wirklich zu Ende und es fehlt nur noch die Zusammenfassung. Also nochmals ein Fortsetzung folgt…

Eure Kerstin

Geschenktes Glück

Karte Nr. 29: „’Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.’ Christian Morgenstern. Verschenktes Glück kriegt man zurück: Überraschen Sie einen Fremden mit einem Lächeln, eine Freundin mit einer Orchidee.“

Ja, das stimmt. Im Grunde bin ich ein positiver Optimist. Ich lache gern. Fremde oder Freunde. Egal. Hilfsbereit bin ich auch. Fremde oder Freunde. Egal. So bin ich eben.

Und von Begegnungen mit Fremden zehre ich lange. Immer wieder sind diese unverhofften Gespräche erfrischend. Gern zitiere ich in solchen Momenten meine „Bergbekanntschaften“. Auf Gipfeln und Hütten trifft man auf Menschen, die einem im „normalen“ Leben unter Umständen nicht unbedingt über den Weg laufen würden. Dort oben stelle ich immer wieder fest, wie unwichtig der soziale Status fern ab des Gewohnten ist. Da zählt nur der Mensch. Im Hier und Jetzt. Und auch, wenn es nur einen Abend lang ist: Es bleibt eine Erinnerung in mir, die mich glücklich macht. Geschenktes Glück. Im schlimmsten Fall wird das Ganze später zu einer Episode, die man immer wieder gern zum Besten gibt. Geschenke, die nichts kosten – wie in der Werbung: Unbezahlbar!

Fortsetzung zu meinen Zu-Ende-Bringen-Projekt folgt…

Eure Kerstin

Verständiges Unverständnis

Karte Nr. 28: „’Nichts ist schwerer, als den gelten zu lassen, der uns nicht gelten lässt’“ Marie von Ebner-Eschenbach. Üben Sie Nachsicht: Versuchen Sie positive Eigenschaften an Menschen zu finden, die Sie nicht leiden können – zum Beispiel an der zickigen Kollegin.“

Vor dem Hintergrund meines Zu-Ende-Bringen-Projektes, eine besonders schöne Aufgabe. Passt sie doch perfekt zu meinem Phantomgegenüber.

Ich bin nun seit zwei Jahren, zwei Monaten und 28 Tagen mit dem Karten-Projekt beschäftigt und habe mir jedes mal gewünscht, damit einen bestimmten Menschen zu einer Reaktion zu bewegen. Nichts Großes. Nur ein bisschen Gedankenaustausch.

Ganz offensichtlich war das zuviel verlangt, der falsche Ansatz, ich weiß nicht was. Ja, so ist das mit den Menschen. Meistens weiß man es einfach nicht. Eine Tatsache, ich offensichtlich nicht einfach hinnehmen kann oder will.

Nichts bringt mich mehr um den so nötigen Schlaf als Grübeleien und die Suche nach Antworten, wenn sich der Gesprächspartner in Schweigen hüllt. Mancher würde sagen: „Verstehst Du denn nicht? Keine Antwort ist auch eine Antwort!“ Vergiss es doch einfach!“ Vergessen können wir aber nicht. Unser Gehirn ist nun mal darauf trainiert, Dinge im Gedächtnis zu speichern. Und gerade Emotionen werden besonders gern nicht vergessen. Das macht uns aus. Unsere Emotionen. Unsere Gefühle.

Und so bleibt nur das Vergeben. Vielleicht wird am Ende ein Vergessen durch Vergeben daraus. Aber auch das weiß ich nicht – noch nicht. Ich bin aber gewillt, Nachsicht walten zu lassen. Doch bis dahin herrscht bei mir vor allem ein verständiges Unverständnis.

Fortsetzung folgt…

Eure Kerstin

Ende gut, (fast) alles gut

Karte Nr. 27: „Bringen Sie etwas zu Ende: Packen Sie eine Aufgabe an, die Sie schon lange vorschoben haben – vielleicht das Sortieren Ihres Beauty-Arsenals. Das Gefühl, etwas endlich erledigt zu haben, tut unendlich gut.“

Ganz ehrlich: So wirklich zu Ende bringen tun wir doch heutzutage nicht wirklich etwas. Alles ist ein immer wiederkehrender Kreislauf. Sind wir doch von ständigen Impulsen und Verlockungen umgeben. Privat und im Berufsleben gleichermaßen türmen sich die Projekte, die scheinbar allesamt mit Priorität 1 eingestuft sind. Umgeben von der sich immer schneller drehenden Zeigern der Zeit, verlieren wir oft den Fokus und scheinen an allen Fronten präsent zu sein – zu kämpfen, um unseren Aufgaben gerecht zu werden.

Und so habe ich mich entschlossen, das Projekt „Vom Suchen und Finden des Glücks“ zu Ende zu bringen. Nicht so sehr, um mich gut zu fühlen, weil es zu Ende ist, eher vor dem Hintergrund, weil sich der ursprüngliche Sinn mir schon länger nicht mehr sinnvoll erscheint. Wer sich erinnert, ich hatte den Blog ja aufgrund einer etwas unbefriedigenden Brieffreundschaft, gestartet, die sich auch nach nunmehr zwei Jahren nicht über diesen Zustand heraus entwickelt hat. Daher also nun der Entschluss, diese Rubrik zu beenden. Manchmal muss man eben aussichtslose Projekte aufgeben, um für neue Ideen offen zu sein. Damit am Ende alles gut ist. Noch ist es ja nicht das Ende, denn wer mitgezählt hat, weiß, dass noch drei Karten – Sinnkarten – offen sind.

Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich diese nicht einfach unter den Tisch kehren soll, nach dem Motto: Aus – Schluß – Vorbei. Doch beim Lesen der einzelnen Aufgaben, kamen mir gleich so viele Gedanken, dass ich beschlossen habe, diese zumindest noch zu Papier zu bringen. Daher sind also die Restposten mein Zu-Ende-Bringen-Projekt, welches ich in den nächsten Tagen abschließe.

Fortsetzung folgt…

 

Eure Kerstin

Rubjerg Knude – Sand in my shoes

Das mit den fünf Dutzend ging ja nun schneller als erwartet. Und dann noch so schöne Bilder. Bin ganz glücklich. Danke an traumradeln.

Traumradeln

A song by Dido is named „Sand in my shoes“. I thougt of these song on the way to our todays special point of interrest. We visited the sandy lighthouse of Rubjerg Knude. With our bicycles it was a hard hike to the lighthouse.

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The lighthouse of Rubjerg Knude was built in 1900. In 1968 the lighthouse had to be switched off because his light was not seen on the sea. What was happened?

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The stormy wind in Rubjerg Knude piled up a dune of 90 (!) meters high that buried the lighthouse and the outbuildings. The nature was so strong. Nothing helps to stop the sand. Today the lighthouse of Rubjerg Knude is one of the best visited tourist attractions with a fantastic view over the area.

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The dunes are always moving by the wind and we are always moving by our bicycles. But we take in our shoes…

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Meinungen – im Dutzend billiger

Karte Nr. 26: „Zeigen Sie (mehr) Haltung: Sagen Sie nicht nur, DASS, sondern auch WARUM Sie etwas gut finde. Dazu gehört etwa, bei Facebook nicht nur ‚Gefällt mir’ zu klicken, sondern außerdem einen Kommentar zu formulieren. Das regt das Denken an.“

Diese Monatsaufgabe habe ich den Blogs, denen ich auf WordPress folge gewidmet. Und das nicht nur, weil ich kein Facebookkonto besitze.

Hier meine Statistik: Meinungsstatistik

21 x gefällt

24 x kommentiert

7 x Antworten, die ich auf Kommentare erhalten habe, erneut kommentiert

3 x Teilnahme an Umfragen

4 x Antworten, die ich auf Kommentare erhalten habe, mit “gefällt mir” kommentiert

 

Falls sich hier jemand wundert, warum ich öfter kommentiert als „Gefällt mir“ geklickt habe: Die anderen Artikel waren nicht minder gut und haben mir auch gefallen, deswegen ja der Kommentar. Aber das Thema war einfach nicht dafür gemacht, um es mit „Gefällt mir“ zu quittieren und ich finde, man drückt einfach nicht „Gefällt mir“, wenn es um Trauma und/oder Tod geht. Egal, wie gut es verfasst ist. Meine Haltung und Meinung dazu.

Und nein, es war nicht schwer. Nicht im geringsten. Probleme, meine Meinung zu begründen, wenn mir etwas gefällt, kenne ich so gesehen nicht. In der Tat habe ich meine Meinung dutzendfach kund getan. Nahezu fünf Dutzend mal. Billiger wurde es nicht, aber ein kleines bisschen leichter wurde es mit jedem Kommentar schon. Vielleicht schließe ich die Lücke später noch. Mal sehen.

Ganz anders sieht es da aus, wenn es um das Gegenteil geht und ich gern widersprechen würde. Da bin ich eindeutig zu oft zu „nett“ und scheine keinerlei Rückgrat zu besitzen. Das wäre insofern eher etwas, das mich weiter bringen würde.

So viel dazu. Karte Nr. 27. Die letzte Poswer-Karte: „Bringen Sie etwas zu Ende: Packen Sie eine Aufgabe an, die Sie schon lange vorschoben haben – vielleicht das Sortieren Ihres Beauty-Arsenals. Das Gefühl, etwas endlich erledigt zu haben, tut unendlich gut.“ Na, dann verhelfen wir mal dem Leben zu mehr Schönheit. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

 

Eure Kerstin

P.S.: Vielen Dank an meine Mit-Blogger für die vielen inspirierenden und „gefälligen“ (das ist mal ein schönes Wort) Beiträge.

Versuch und Irrtum

Karte Nr. 25: „Werden Sie durch Fehler stark: Sie haben vergessen, eine Mail zu beantworten oder morgens verschlafen? Suchen Sie keine Entschuldigungen und stehen Sie zu Ihrem Malheur. Daraus entsteht wahre Kraft.“

Ich bin schon fast ein halbes Jahrhundert alt. Das macht also schon fast ein halbes Jahrhundert Versuch und Irrtum. Schließlich bin ich ein Mensch. Und auch, wenn ich mich noch so sehr anstrenge in Richtung Perfektionismus, kämpfe ich auch immer mit meiner an mich gestellten Erwartungshaltung. Im Leben geht es eben um Fehler machen und aus diesen zu lernen.

Als Kind fasst man den heißen Herd an, man verbrennt sich die Finger und von an versucht man, sich von heißen Kochplatten fern zu halten. Als Jugendlicher küsst man den niedlichen Jungen, man wird verletzt und von da an versucht man, sich von den Blendern fern zu halten. Als Erwachsener kauft man ein Schnäppchen, man wird enttäuscht und von da an versucht man, sein Geld weise und sinnvoll zu investieren. So zumindest die Theorie.

Nein, ich bedauere die Fehler nicht, die ich gemacht habe. Ich bereue auch keine Entscheidung, die sich im Nachhinein als unklug heraus gestellt hat. Ich bin vielleicht hin und wieder traurig über die verbrannten Finger und das böse Erwachen, aber ich kann erkennen, wo und wann ich einen hitzebeständigeren Ofenhandschuh hätte anziehen sollen.

Eine gewisse Reife und Erfahrung hilft einem, mit dem einen oder anderen Malheur fertig zu werden. Ich versinke nicht im Boden, wenn ich den falschen Verteiler für eine E-Mail benutze oder ein vertrauliches Dokument unverschlüsselt losschicke. Ich kann reinen Gewissen behaupten, dass dies unvermeidbare Nebeneffekte eines Lebens auf der Überholspur oder im Hamsterrad oder wie auch immer man unser Leben heutzutage betiteln mag, sind. Vielleicht ist das ja der Lerneffekt. Man verfällt nicht mehr in Panik, weil man weiß, dass es aller Wahrscheinlichkeit, nicht der letzte Fehler sein wird, den man macht. Was mich im Hinblick auf meine Zukunft beunruhigt, ist eher die Angst, dass die Auswirkungen größer und verheerender sein könnten. Und vielleicht bin ich dann nicht mehr gefestigt genug, damit gelassen umzugehen. Denn des Vergnügen beim Versuch-und-Irrtum des Lebens liegt darin, dass niemand dabei verletzt wird.

Bleiben noch zwei Power Karten. Eine 50:50 Chance. Karte Nr. 26: „Zeigen Sie (mehr) Haltung: Sagen Sie nicht nur, DASS, sondern auch WARUM Sie etwas gut finde. Dazu gehört etwa, bei Facebook nicht nur ‚Gefällt mir’ zu klicken, sondern außerdem einen Kommentar zu formulieren. Das regt das Denken an.“ Hört sich gut an. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

P.S.: Ach ja, und nur der Ordnung halber: Ich würde ja gern mal verschlafen. Besser gesagt, ausschlafen. Aber wenn die Kirchenglocken pünktlich um sieben Uhr läuten, dann erübrigt sich der Versuch. Und das soll keine Entschuldigung sein.

Fremde Freunde

Karte Nr. 24: „Lassen Sie neue Menschen in Ihr Leben: Organisieren Sie ein Kennenlern-Essen: Laden Sie Ihre Freunde ein- und jeder darf jemanden mitbringen, den die anderen noch nie getroffen haben.“

Falls sich jemand wundert, warum der neue Beitrag schon jetzt erscheint: Ich kürze das Ganze hier mal ab: Ich will keine neuen Leute kennen lernen! Genauer gesagt, ich habe im letzten Jahr für meine Begriffe genug neue Menschen getroffen.

Ralf: Auf einem Seminar getroffen. Er ist im Grunde jemand, den ich attraktiv finden könnte. War mal erfolgreicher Geschäftsmann. Ständig unterwegs in Asien und der Welt. Bis er sich die Frage stellte, was aus seinem Leben, welches er sich mal erträumt hatte, geworden ist. Also hat er kurzerhand seinen hochdotierten Posten gekündigt. Nun fährt er einen 18-Jahre alten Polo, von dem er nicht weiß, ob er die nächste TÜV-Prüfung schafft und geht jeden Tag mindestens eine Stunde nach draußen. Ein Luxus, wie er sagt, den er nicht mehr missen möchte. Er etabliert sich gerade als Life-Coach und zweifelt aber noch, ob er tatsächlich anderen mit ihrem Leben helfen kann. Seit er nicht mehr in der Tretmühle steckt, fliegen ihm die Ideen nur so zu. Ich hoffe, wir bleiben weiterhin in Kontakt. Die Gespräche sind hochgradig inspirierend.

Herr Schmitt: War auch auf dem Seminar. Hat sich gerade selbständig gemacht. Als Achtsamkeitstrainer und Stressmanager. Auf sich achten ist sein Thema. Bietet in dem Zusammenhang Wanderungen an. Ist ziemlich fit für sein Alter. Früher war er Pazifist. Heute ist er Mormone und Monarchist. Absolut faszinierende Persönlichkeit. Wörter wie „eigentlich“, „gar nicht so schlecht“, „im Grunde“ sollte man aus dem Wortschatz streichen. Ebenso alles, was einen selbst in negativem Licht erscheinen lässt. Auch in diesem Fall würde mich eine Fortsetzung freuen. Es geht doch nichts über eine Pause im Alltag, bei der man unterm Gipfelkreuz philosophische Gedanken austauscht und mitten auf der Bergwiese Qi-Gong praktiziert. Mit jemandem, den man siezt. Manche Dinge sind so surreal, dass sie nur das wahre Leben hervorbringen kann.

Susan: Über interpals.net kennen gelernt. Wir führen also eine Brieffreundschaft übers Internet. Das hat so seine Tücken. Schließlich kann man nie so ganz sicher sein, ob der andere einem nicht einen riesengroßen Bären auftischt. Am Ende entpuppt sich die „Freundin“ als der eigene Nachbar. Auf der Website wird eindringlich vor Betrügern und dergleichen gewarnt. Man muss sich eben überlegen, was man preisgibt. Aber gut: Ich will hier mal Gnade vor Recht walten lassen. Susan wohnt in Kanada. Da denke ich immer an eine Baumfällersiedlung und/oder eine Stadt am Wasser. Jedenfalls rau und viel Natur. Sie sammelt Puppen. Also landestypische Puppen. Denke da immer an Käthe Kruse. Ist Lehrerin und ziemlich resolut. Vertritt ihre Ansichten. Finde ich gut. Und es erstaunt mich, wie einfach es ist, sich mit wildfremden Menschen anderer Kulturen, über persönliche Probleme zu unterhalten. Eine tolle Bereicherung. Würde mich zwar wohl gegen ein persönliches Treffen aussprechen, aber so ist es gut.

Antje: Auch über interpals.net kennen gelernt. Wir schreiben uns allerdings richtige Briefe. Einfach toll. Ich freue mich jedes Mal, wenn in meinem Briefkasten ein echter Brief für mich ist. Meist reiße ich ihn noch im Flur auf und lese ihn im Stehen. Antje wohnt in den Niederlanden. Ja, auch hier habe ich die typischen Bilder vor mir. Und vielleicht würde ich bei einer Reise in unser Nachbarland sogar einen Besuch ins Auge fassen. Aber das entscheide ich, wenn es soweit ist. Oft frage ich mich, wie sie all ihre Aktivitäten unter einen Hut bekommt. Sie lernt Gitarre, macht eine Ausbildung zur Fußpflegerin, aber eher so in Richtung Massage. Daneben ist sie begeisterte Radfahrerin. So richtig mit einem Rennrad. Ach ja, Familie hat sie natürlich auch.

Michi und Schorsch: Zwei auf einen Streich. Echte Waldschrate. Bei einer Rast in den bayrischen Voralpen kennen gelernt. Also, ich habe gerastet und die beiden haben Weidezäune aufgestellt. Als sie zu mir gekommen sind, konnte ich ihnen leider nur Wasser und kein Bier anbieten. Sie haben sich gewundert, dass eine Frau so ganz allein durch die Berge wandert. Tja, mich wundert es immer, dass sich die Leute über so was wundern. Wir sind dann zusammen auf der Hütte eingekehrt. Also, sie sind eingekehrt und ich habe für eine Nacht Quartier bezogen. Wir haben uns über den Wandel der Zeiten unterhalten. Michi meinte, er fände es nicht gut, dass immer mehr Ausländer nach Deutschland kämen und ich dachte schon: Jetzt geht das los. Aber: Er meinte dann, man sollte besser in den Ländern den Menschen helfen, damit sie dort bleiben können. Ziemlich fortschrittlicher Ansatz für einen Waldschrat. Schorsch hat immer wieder meine wie er sagte „zarten“ Hände genommen. Fasziniert, dass es wohl Menschen gibt, die nicht wie er zig Narben und Schwielen vom Arbeiten haben. Schorsch hat eine Alm mit Pferden. Ergo die Weidezäune und bietet nebenbei noch Kutschfahrten an. Er ist so ein richtiger Almöhi. Mit langem, weißem Bart. Michi hat einen Hut, an dem Zweie und Federn stecken. Einen der Zweige steckt er einfach in die Blumenvase, die auf dem Tisch steht. Später, als Schorsch schon zu seinem „Weibi“ weiter ist, sitzt Michi vor seinem dritten Bier, erzählt mir bestimmt zehn mal, dass er jetzt noch zwei Stunden zu seiner Hütte hat, wo er die Hirsche dann beobachten wird. Er hat noch einen Schnaps im Rücksack. Für später. Nein, er sei kein Alkoholiker. Auch wenn das nicht der Fall sein sollte, so fällt es mir doch schwer, nach unzähligen Wiederholungen seiner Geschichten noch Aufmerksamkeit zu zeigen. Komme mir vor wie in „Täglich grüßt das Murmeltier“. Nachdem es schon anfängt zu dämmern, kann ich ihn überzeugen, dass er nun doch langsam wirklich gehen sollte, wenn er denn noch zwei Stunden Weg vor sich hat. Er gibt mir dann seine Karte. Ziemlich lustig, wenn man bedenkt, dass heute schon Bergbauern Visitenkarten haben. Ich könne mich ja mal melden. Abends, weil tagsüber ist er unterwegs. Also Abends. Leider oder zum Glück fällt die Karte aus meinem Buch und als ich wieder zuhause bin, bin ich eigentlich ganz froh, dass mir diese Verantwortung abgenommen wurde.

Thomas: Auf meinem Weg von München nach Venedig kennen gelernt. Seines Zeichens Heiler. Durch Handauflegen hat er wohl den einen oder anderen geplagten Wanderer kuriert. Ein ziemlich lustiger Typ, der ziemlich unglaubliche Geschichten von Tierbegegnungen, Wiedergeburt und anderen spirituellen Weisheiten auf Lager hatte. Erst als er mich, wie ich es empfunden habe, als Opfer auserkoren hatte (vielleicht, weil ich von Anfang an nicht wie gebannt an seinen Lippen hing), war es nicht mehr so lustig. Angeblich bin ich für meine Eltern ein „Unfall“ gewesen und so gar nicht geplant. Ebenso war er der Ansicht, dass ich selbst nur Mutter geworden bin, damit ich nicht mehr arbeiten muss. Am Ende unserer Reise waren wir auf einem Hof gemeinsam mit einer kleinen Gruppe essen. Nachdem er die Tiere dort nicht mit seinen Gedanken beeinflussen konnte, hat den Gänsen auf den Schnabel gehauen und nach der angriffslustigen Katze mit dem Fuß getreten. Beim Abendessen hat er den Wein mit seinem Geist „besprochen“. Keine Ahnung, ob das bei anderen Eindruck macht, aber ich knabbere noch immer an seinen Worten und finde, dass man solche Scharlatane nur schwer wieder aus seinem Kopf kriegt. Ich hoffe, die anderen, denen er ins Gewissen geredet hat, hatten mehr Glück.

Maria: Ist Vermieterin eines winzigen Bed & Breakfast in Belluno in Italien. Eigentlich stellt sie ganz einfach zwei Ihrer Zimmer (Arbeits- und Schlafzimmer) für Gäste zur Verfügung, während sie dann im Wohnzimmer schläft. So habe ich sie auch kennen gelernt. Also, eigentlich hatte mich ihr Gast am Busbahnhof angesprochen, als ich dort etwas verloren mit meinem Rucksack im Regen stand. Erst fand ich die Idee nicht so verlockend, da ich mich nach der langen Wanderung eher auf einen Wellnesstempel mit Bad und weichen Bett und allem drum und dran gefreut hatte. Aber bei €25,00 Übernachtungsrate inklusive Frühstück bin ich von meinem Plan abgewichen. War schließlich auch nur für eine Nacht und so musste ich nicht erst lange suchen. Maria ist Übersetzerin. Wir haben uns beim Frühstück über die Gegend unterhalten und sie hatte irgendwo, irgendwie Kontakt zu einem der Autoren im „Bergsteiger“, der demnächst einen Bericht über die Belluneser Dolomiten heraus bringen sollte. Als ich dann wieder zuhause war, habe ich nach der Ausgabe Ausschau gehalten. Und siehe da: Nur einen Monat später konnte ich ihr diese schicken. Seitdem schreiben wir uns Briefe und Postkarten. Mittlerweile unterrichtet sie in Frankfurt und vermietet ihre Zimmer nur noch im Sommer an Touristen. Auch eine Art, sein Leben zu bereichern.

Apropos Postkarten: Wer auf Postkarten aus aller Welt ohne weitere Verpflichtung steht, sollte es mal bei postcrossing.com versuchen. Man lernt die Absender flüchtig kennen und kann sich an den schönen Motiven erfreuen. Das Aussuchen der passenden Karte ist immer ein Vergnügen.

Viel anders wäre ein Abend mit den fremden Freunden meiner Freunde wohl auch nicht verlaufen.

Karte Nr. 25: „Werden Sie durch Fehler stark: Sie haben vergessen, eine Mail zu beantworten oder morgens verschlafen? Suchen Sie keine Entschuldigungen und stehen Sie zu Ihrem Maleur. Daraus entsteht wahre Kraft.“ Tja dann: Augen auf bei Fehlerwahl! In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Noch ein Hinweis: Alle Namen sind selbstverständlich geändert, um die Privatsphäre zu schützen.

 

 

Hilflosigkeit

Karte Nr. 23: „Sie fühlen sich geborgen: Sammeln Sie Berührungen und Zärtlichkeiten. Umarmen Sie Ihre Freunde, halten Sie Händchen, berühren Sie die Kollegen zustimmend an der Schulter. Oder gönnen Sie sich eine Massage.“

Kann ich hier eigentlich auch nach einem Joker fragen? Bin mir nicht sicher, ob das in den Spielregeln für dieses Kartenspiel vorgesehen ist.

Ich habe wirklich mein Bestes gegeben, um die Aufgabe zu erfüllen. Berührungen, Zärtlichkeiten und in den Arm nehmen waren im Grunde kein Problem. Doch Geborgenheit: Fehlanzeige.

Und dabei liegt es mir eigentlich, Geborgenheit zu verbreiten. Bin ich doch jemand, der sich für alles und jeden begeistern kann. Es bedarf wenig, um mein Mitgefühl zu erlangen. Ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum ich mir oftmals als Kummerkasten meiner Umwelt vorkomme. Wahrscheinlich ziehe ich solche Dinge magisch an. Ähnlich der Lampe, um die die Mücken und Käfer kreisen. Gut, das ist jetzt nicht so der beste Vergleich, aber vom Bild her passt es.

Dabei sollte es mich doch glücklich machen, zumindest zufrieden, dass andere meinen Rat suchen und mich um Hilfe bitten. Warum also fühle ich mich nicht geborgen? Hilflosigkeit. Das wäre eher der Zustand, den ich empfinde.

Wobei wir wieder bei dem Joker wären, den ich gern einsetzen würde. Einfach den Zug mit einer blanken Karte, die für alles stehen kann, überspringen. Oder den schwarzen Peter weiterreichen. Doch an wen? Fehlt mir doch der zweite Spieler in diesem Spiel. Und genau das scheint mir oft das Problem zu sein: Auf meine Ratlosigkeit fehlen mir die Antworten.

Und so ich tappe immerzu in einem nebulösen Zustand herum. Es bleibt mir also nur, zu hoffen, dass eines Tages eine sanfte Brise die Schleier hinweg weht. Vielleicht ist aber auch ein Sturm, der alles zum Wanken bringt. Bis dahin werde ich freizügig und selbstlos weiterhin Umarmungen austeilen. In der Hoffnung, dass diese sich nicht irgendwann in eine Zwangsjacke verwandeln.

NebelDie letzte Wohlfühlkarte hat leider eher nicht zum Wohlfühlen beigetragen. Mal sehen, was in der Kategorie Power noch alles auf mich zukommt. Vier Karten verbleiben. Das wird ein aktiver Sommer. Karte Nr. 24: „Lassen Sie neue Menschen in Ihr Leben: Organisieren Sie ein Kennenlern-Essen: Laden Sie Ihre Freunde ein- und jeder darf jemanden mitbringen, den die anderen noch nie getroffen haben.“ Oha. Das wird entweder fantastisch oder eine Katastrophe. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

 

Eure Kerstin