Tatort des Monats Mai

Nein, ich betreibe keinen nicht genehmigten Flughafen für kleine, grüne Männchen oder andere Hobbybastlerutopien, auch wenn der fotografisch festgehaltene Gegenstand dies vermuten lassen könnte.

Tatort: AbstellkammerFusselrasierer

Tatbestand: Extraterrestriales Flugobjekt…äh Fusselrasierer

Tatortsäuberung: Dass heutzutage jedes (technischen) Produkt einer geplanten Obsoleszenz unterliegt ist mir klar, dass diese aber auch bei Nicht-Nutzung greift, war mir neu. Es ist zum Verzweifeln, kaum liegt der durchaus praktische Fusselrasierer zwei Jahre in seiner Originalverpackung, schon funktioniert er nicht mehr. Denke, reparieren ist kontraproduktiv. Stattdessen greife ich ab sofort wieder zu Schere und Rasierklinge, um mich unerwünschter Fussel zu entledigen. Falls aber da draußen jemand sich findet, der eine zündende Idee hat, immer her damit.

Tatort des Monats April

Im Universum gibt es ja bekanntlich keinen Pol ohne Gegenpol. Ergo ist es also irgendwie nur natürlich, dass auf Socken (siehe Tatort März) Schuhe folgen. Wobei zum einen der Tatbestand Schuhe diskutierbar wäre und zum anderen, ob diese Art Schuhe überhaupt Socken benötigt, was im Hinblick sowohl auf Funktion als auch Ästhetik zu betrachten wäre. Wie gesagt, das Universum verlangt immer nach einem Ausgleich der Kräfte.

Tatort: Schuhschrank20180423_155536.jpg

Tatbestand: Allroundschlappen

Tatortsäuberung: Tja, da lässt sich nichts mehr retten. Nach zwölf Jahren bleiben nur die schönen Erinnerungen unzähliger Hüttenwanderungen zurück, bei denen Sie als Hüttenschuhe und an Ruhetagen zum Einsatz kamen. Doch letztendlich war es die Gartenarbeit, die den Tretern den Gar ausgemacht hat. Schade, dabei hatte ich sie schon für meine nächste Wanderung eingeplant. Nun muss Ersatz her. Nicht zuletzt, um auch einen Ausgleich bei der anstehenden Schuhinventur zu schaffen. Bleibt nur die Frage: In welchen Wertstoffkreislauf muss ich die Schuhe entsorgen, um im Universum keine Kettenreaktion aufgrund einer Unausgeglichenheit zu sorgen?

Tatort des Monats März

Man will es ja manchmal nicht wahrhaben, aber auch Socken haben eine begrenzte Lebensdauer, wenn sie denn nicht schon vorher in den unendlichen Weiten der Waschmaschine in eine andere Galaxie teleportiert werden

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Tatort: Kleiderschrank

Tatbestand: Sportsocken

 

Tatortsäuberung: Ich weiß, stopfen wäre eine Option gewesen, denn die Socken waren qualitativ hochwertige Markensocken aus dem Fachhandel. Allerdings glaube ich, mich erinnern zu können, dass das noch zu DM-Zeiten war. Aber auch das mag Einbildung sein. Wie auch der Glaube daran, dass ich einfach immer zu schnell gejoggt bin und aus diesem Grunde die Socken heiß gelaufen sind und der Reibung des Luftwiederstandes nicht länger standhalten konnten. Nun ja, man wird ja noch wohl träumen dürfen. Oder sind das die endorphinen Spätfolgen meines Hochgeschwindigkeitslaufes? Oder dann doch eher die ersten hypothermalen Anzeichen? Wie dem auch sei, die Socken sind über den Jordan gegangen.

Tatort des Monats Februar

Manchmal fallen Weihnachten und Ostern zusammen, dann ist Fasching…oder so was in der Art. Jedenfalls sind wir um Fasching herum immer bei Skifahren so ergab sich folgendHandschuhe alter Tathergang.

Tatort: Kleiderschrank

Tatbestand: Handschuhe

 

Tatortsäuberung: Beim Ausrüstungscheck musste ich feststellen, dass nach dreißig Jahren auch nur einmal pro Jahr genutzte Handschuhe beginnen sich aufzulösen. Ob das aufgrund meines rasanten Fahrstils der Fall ist, oder Materialermüdungserscheinungen in dem Alter einfach normal sind, ist zweitranging, denn der jugendliche Mitbewohner wusste Weihnachten schon, dass seine Mutter Fasching neue Handschuhe benötigt.

Handschuhe neu 

Und das ist doch wirklich wie Weihnachten und Ostern zusammen.

 

Tatort des Monats Januar

Morgens, wenn man noch nichts so wach ist oder aber schon so voller Energie steckt, kommt es schon mal zu der einen oder anderen Ungeschicklichkeit.

Tatort: BadezimmerDelphin

Tatbestand: Delphin

Tatortsäuberung: Schade, aber ein Teil weniger, das abgestaubt gehört. Und irgendwie ist es auch ganz gut so, denn der Freund hat uns bereits vor etwa fünf Jahren verlassen. Nun wurde es quasi Zeit, dass ihm der Spielkamerad folgt. Und bekanntlich werden Delphine ja auch depressiv, wenn sie allein und in Gefangenschaft gehalten werden. Es könnte also auch ein Akt der Verzweiflung gewesen sein. Ich wünsche gute Reise in den Delphinhimmel.

Der zufällige und alltägliche Zauber

Es gibt ja Zufälle, die gehören sozusagen zum alltäglichen Handwerk. Zum Beispiel wurde ich vor ein paar Tagen von dem jugendlichen Mitbewohner in eine endlos ausufernde Gesprächsrunde, das Wort „Diskussion“ hat er sich verbeten, über Aktien und Wertpapiere, Broker und die Börse im Allgemeinen verwickelt. Klar, ist ja total normal, dass jugendliche Mitbewohner sich für solch hochkomplexe Mechanismen interessieren. Quasi aus dem Nichts heraus.

Nach gut zwei Stunden war ich so weit, dass ich den Joker „Ich bin eine Mutter, holt mich hier raus“ gezogen habe. Leider bin ich nur bis zum Schlafzimmer gekommen. Was den Nachwuchs nicht von seinem Redeschwall abgelenkt hat. Gut, irgendwann boten meine Gesprächsrundenbeiträge („Keine Ahnung.“ „Ich weiß es nicht.“ „Kann ich Dir nicht sagen.“) nicht mehr die nötige Grundlage für weiteren Redebedarf und der jugendliche Mitbewohner hat von mir abgelassen.

So weit, so gut. Und nun zu dem Punkt, an dem der Zufall ins Spiel kommt. Ich greife zu meiner Lektüre, die ich just an dem Abend aus dem Stapel ungelesener Bücher gezogen habe und fange an zu lesen: „Die ganze Welt ist aus dem Lot, auch wenn es die meisten Leute noch nicht bemerkt haben. Bis jetzt wirkt alles normal, aber Serge spürt ihn beim Atmen, den schwachen Hauch des Irrsinns in der Luft. Es ist acht Uhr morgens am Montag, dem 1. September 2008, die Londoner Börse hat gerade geöffnet, und um ihn herum rotieren die Trader längst.“ Genau, das meine ich mit Zufällen, die irgendwie zum alltäglichen Handwerk gehören. Kennen wir alle.

Was ist aber mit den Zufällen, bei denen dann doch höhere Zauberei mit im Spiel zu sein scheint? Wie hoch ist zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass ich aus zweimal dreizehn Zetteln die zwei herausziehe, die vom Grundgedanken her identisch sind? Von was ich rede? Kurz und knapp: Von den Rauhnächten. Dazu ein kurzer Einschub, was es mit den Wünschen auf sich hat.

Also, zu Beginn der Rauhnächte schreibt man dreizehn Wünsche auf kleine Zettel, faltet diese zusammen, zieht in jeder Rauhnacht einen und verbrennt diesen bzw. übergibt ihn damit an die guten Geister zur weiteren Bearbeitung – sprich Wunscherfüllung. Nach zwölf Rauhnächten bleibt ein Zettel übrig und das ist der Wunsch, um den man sich das kommende Jahr über selbst kümmern muss.

Der eine oder andere erinnert sich. 2017 ist der Wunsch „Draußen die Natur genießen“ übriggeblieben (siehe Loslassen und Neuanfang). Für 2018 hatte ich wieder dreizehn Wünsche in die Waagschale geworfen und wollte schon fast den gleichen wieder aufschreiben, weil er und seine Verwirklichung so schön waren. Doch dann habe ich ein bisschen variiert. Es wurde wieder geräuchert und gezündelt und mit jedem Tag stieg die Spannung, welche Aufgabe die Geister für mich übriglassen würden. Tja und was soll ich sagen?

Wunschzettel

Eben, ganz genau, ich weiß, dass kann doch jetzt wirklich kein Zufall mehr sein. Also, keiner der zum alltäglichen Handwerk gehört. Ich habe mir lange Zeit den Kopf darüber zerbrochen, wie das wohl sein kann und bin zu folgendem Schluss gekommen: Die Geister wissen, welchen Wunsch sie guten Gewissens in der Schale lassen und einem auferlegen können. Andersrum könnte man auch sagen: Nach zwölf Rauhnächten und ständigem Geistertreiben, haben die Geister einfach keine große Lust mehr auf draußen und aktiv sein.

Wie heißt es bei Theodor Fontane so treffend: „Der Zauber steckt immer in Detail.“ Womit wir wieder beim alltäglichen Handwerk der Zufälle wären, denn dieser Spruch steckte am Boden meiner Wunschkerze, die ich während der Rauhnächte entzündet habe. Wer hätte das gedacht.

Nein, keine Angst, ich werde die nächsten zwölf Monate nicht wieder eine Zusammenfassung im Rückblick auf die Rauhnächte machen. Ich muss aber zugeben, dass die vergangenen zwölf Monate durch die Rauhnächte reichhaltiger waren und ich vieles bewusster registriert habe, mich öfter mal aus dem Alltag herausgenommen und nach innen geblickt habe. Insofern werde ich mich an dem Ritual der Rauhnächte noch hoffentlich viele Jahre erfreuen. Und wer weiß, über was für zauberhafte Zufälle ich dabei noch so schmunzeln werde, während mir der schwache Hauch des Irrsinns entgegenweht, wenn wieder einmal eine dieser total normalen Gesprächsrunden eröffnet wird.

 

Eure Kerstin

Was von der zwölften Rauhnacht (5. Januar) übrigbleibt – Dezember 2017

Das Ende und gleichzeitig der Anfang. Der Kreislauf der Zeiten beginnt von vorn und ebenso erneut die Rauhnächte. Der Dezember bildet den Abschluss und gleichermaßen den Beginn. Eigentlich eine schöne Vorstellung, dass alles immer im Fluss und in Bewegung ist.

Doch ebenso fühlt man sich, gerade im Dezember, irgendwie auch immer ein bisschen wie Bill Murray in „Täglich grüßt das Murmeltier“. Jedes Jahr aufs Neue die immergleichen Fragen und Ängste sowie hektisches Treiben. Die vielgepriesene friedliche Stille und Ruhe zeigt sich, wenn überhaupt, erst dann, wenn man zu nächtlicher Stunde das stille Örtchen aufsucht und den eigenen Geräuschen lauscht.

Das hektische Treiben wurde von mir zwar inzwischen aufgrund eines ausgeklügelten Schlachtplans zur wohlgeordneten Betriebsamkeit. Bei allem anderen aber bilde ich keine allzu große Ausnahme und so wächst dieses Gebilde „Weihnachten“ alljährlich regelmäßig seit September zu einem bedrohlichen Kartenhaus, das meist nur wenig Spielraum für Neues zulässt. Paradoxerweise freue ich mich gleichzeitig aber auch immer wieder auf diese Zeit. Und trotz des Rummels und so manch wehmütiger Gedanken könnte ich nicht sagen, wie ich es mir das Fest der Festes „besser“ vorstellen könnte. Es wird gelacht, gefeiert, gegessen, also eigentlich alles, was man sich so vom Leben wünscht.

Dass die zwölfte Rauhnacht da unter dem Motto „Weisheit“ steht, ist immerhin ein Lichtblick, mehr aber (noch) nicht. Und auch die Tarotkarte – Der Magier – des fünften Januars lässt vermuten, dass zumindest die Richtung stimmt. Irgendwo in mir drin muss es also alles schlummern: Die Fähigkeit, mit Alltagsproblemen spielend fertig zu werden und Altes mit dem Wissen, dass Alles schon da ist, zu verabschieden.

Der Dezember zeichnet sich letzten Endes auch dadurch aus, dass ich mit Spannung den Neuanfang erwarte. Ein kurzer Blick zurück und dann voll Zuversicht ins Abenteuer 2018.  

Zukunft

Es wird gelacht, gefeiert, gegessen, also eigentlich alles, was man sich so vom Leben wünscht.

 

Eure Kerstin