Das Leben geht weiter

Das schwarze Kleid hängt anklagend auf dem Kleiderbügel. Ein Kauf, der nicht dem Leben, sondern dem Tod geschuldet ist. Der Mann an meiner Seite rät mir zu hellen Strümpfen, schließlich sei ich nicht die Witwe. Wenn ich die Witwe wäre, dann würde ich schwarze Netzstrümpfe und einen Hut mit passendem Schleier tragen, ist meine Antwort. Nein, ich bin nicht die Witwe, meine Rolle ist die der Respektzollenden. Vor 35 gemeinsamen Jahren und 62 Lebensjahren. Von allem reichlich, aber bei weitem nicht genug.

Die Kirche ist voll, nicht alle finden Platz. Angehörige, Freunde, Kollegen, Nachbarn, Bekannte und all jene Schaulustige, welche die trauernde Witwe sehen wollen, das Unglück der anderen als eigenen Triumph auskosten und denen der Schmerz auf eine niederträchtige Weise Freude bereitet. Ich ziehe meinen Begleiter in die letzte Reihe und versuche, die Fluchtgedanken zu unterdrücken. Alles fühlt sich irgendwie falsch an.

Made with Repix (http://repix.it)

Ich für mich möchte bitte, wenn es denn irgendwann so weit sein sollte, einfach im Wald verscharrt werden. Dieses ganze Spektakel will ich nicht und eigentlich kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es hilft. Niemandem. Abschied nehmen hat für mich eine andere Form. Das ist ein Moment, der nur zwischen zwei Menschen stattfindet und nicht dieser Bühne bedarf.

Die Trauerrednerin spricht davon, dass der Verstorbene der Mittelpunkt der Familie war, der Fixstern, derjenige, der alle zusammengehalten hat. Nein, meine liebe Freundin, dieser Part ist eindeutig Deiner. Ohne Dich wäre diese Familie nicht das, was sie ist. Du bist der Stern, der leuchtet. Dein Mann mag der Fixpunkt gewesen sein, aber Du hast das Universum erhellt.

Umso herzzerreißender ist es nun, mit ansehen zu müssen, in welcher Dunkelheit Du lebst, wobei dieses Leben nicht viel mehr ein Sein ist. Jeder Tag eine Qual, jede Minute eine weitere, in der Du so ganz allmählich und vollumfänglich die Tragweite erahnst und was Verlust wirklich bedeutet.

Derjenige, der geht, muss einfach nur sterben. Alle, die zurückbleiben, müssen damit leben.

Das Leben geht weiter. Ohne Rücksicht.

 

Das Leben ist jetzt

Gerade bin ich mit der Lektüre von „The subtle art of not giving a f*ck“ fertig geworden. Und da heißt es unter anderem so schön: „Do something! It doesn’t matter what, just do it.“ Also habe ich mir das durch den Kopf gehen lassen und hier bin ich. Nach wirklich langer Zeit finde ich so wieder die Energie, den Alltagseinsichten ein paar alltägliche Einsichten hinzuzufügen. Um der Seele etwas Ruhe zu gönnen und den Gedanken eine Verschnaufpause zu verschaffen, reichen manchmal tatsächlich ein paar Tage und der richtige „Schubser“ schon aus.

Auch sonst habe ich tatsächlich was getan: Dem Kleider-/Schuhschrank bin ich ansatzweise dem Marie Kondo Prinzip (macht mich dieses Teil/Paar glücklich?) folgend zu Leibe gerückt. Die Ausbeute hält sich in Grenzen. Für die radikale Methode fehlt mir (noch) das letzte Quäntchen Mut. Es ist ein Prozess, der mich nun schon seit ein paar Jahren begleitet, unter anderem auch hier nachzulesen und wie der Name schon sagt, ist es ein Prozess und kein Projekt im klassichen Sinne. Es werden also immer wieder neue Impulse einfließen. Hier und da.

Die Bügelwäsche, welche sich seit Wochen stapelt, ist erledigt, ebenso die Flick- und Ausbesserungsarbeiten an diversen Kleidungsstücken. Nicht, dass damit derartige Arbeiten wirklich erledigt sind, aber zumindest für den Moment.

Auch in der Küche sind zwei Pfannen aufgrund des Versagens der Antihaftbeschichtung ausgemustert worden. Dazu einige Kleinutensilien. Wer braucht schon vierzig und mehr Aufbewahrungs- und Frischhalteboxen?

Die Gartenhecke wurde, trotz 34°C Außentemperatur und gefühlten 90% Luftfeuchtigkeit, unter erschwerten Bedingungen durch die derzeitige Mückeninvasion, gestutzt. Für die Terrasse sind nun endlich die richtigen Möbel gefunden. Nach bald sechs Jahren im neuen Zuhause, lässt sich das kleine Gartenparadies so noch besser genießen. Der Hexengarten, wie ich ihn gerne nenne, wächst und bestimmt sein eigenes Tempo.

Ich war beim Friseur (zählt natürlich nur, weil ich, ganz untypisch weiblich, ein echter Muffel bin, was das betrifft) und beim Zahnarzt (lange überfällig, nicht weil ich ein Muffel bin, sondern da mir die Arbeit diverse Male einen Strich durch den Termin gemacht hatte). Da die Yogastunden ebenfalls dem Job zum Opfer gefallen sind, versuche ich es nun mit einer Meditationsapp. Nein, es ist nicht das Gleiche, aber die Regelmäßigkeit zeigt zumindest ansatzweise eine ähnliche Wirkung. Inzwischen besitze ich auch einen kleinen Altar und hoffe, dass sich dieser zusätzlich positiv auswirkt. Ähnlich meiner „Gebetskette“, die ich gern an „schlechten“ Tagen trage, um Halt und Haltung zu bewahren.

Nach fast einem halben Jahr habe ich meinem Tagebuch wieder etwas zu sagen. Bei „one line a day“ möchte man ja meinen, dass dies wirklich kein Akt ist. Wenn einen dann aber erst einmal zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate leere Seiten entgegen starren, dann erscheinen diese schier unüberwindbar. Nun also lasse ich es einfach so. Weiße Flecken in meinem Leben. Eine Erinnerung, dass sich ein Vakuum eben mit nichts füllen lässt.

Um einem anderen ebensolchen Vakuum die Stirn zu bieten, habe ich zu Papier und Stift gegriffen und meinem Vater wahrhaftig einmal schriftlich gesagt, wie verletzend ich sein Verhalten finde. Es war eine Überwindung, aber auch eine Befreiung, einmal nicht auf lieb Kind zu machen. Und nein, eine Antwort, gleich welcher Art, erwarte ich eigentlich nicht.

Selbst eine Bergtour ins Bayerische Alpenvorland habe ich unternommen, wobei das bei den Temperaturen fast mehr eine Tortour war. Was aber andererseits eher an den Unzulänglichkeiten der öffentlichen Verkehrsmittelbetriebe lag, denn auf dem Berg war es einmalig: Keine Mücken, keine Menschen. Für beide Spezies offenbar zu hoch und/oder zu warm.

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So plätschert das Leben dahin, wenn man sich denn aufrafft und einfach mal etwas macht und sich und der eigenen Lethargie zeigt, dass man sich einen Dreck schert. Es geht nicht darum, ständig dem Glück hinterher zu hecheln und dem Leben ein Erfolgsergebnis nach dem anderen abzuverlangen. Schließlich ist das Leben jetzt und für meines trage nur ich die Verantwortung. Für meine Handlungen und meine Gedanken. Und auch wenn ich auf viele Ereignisse keinen Einfluss habe, so bin ich doch dafür verantwortlich, wie ich damit umgehe und welche Richtung diese meinem Leben geben. Ganz allein. Das fühlt sich eigentlich gar nicht so schlecht an.

 

Eure Kerstin

Der Preis der Freiheit

Veränderungen gehören zum Leben dazu. Manche initiieren wir selbst, manchen werden wir ohne unser Zutun ausgesetzt. In der modernen Arbeitswelt gehören beide zum Alltag. Change Management, Umstrukturierung, Wandel der Firmenkultur, und wie die Kurswechsel nicht alle heißen. Manchmal ist man morgens schon froh, wenn man seinen Schreibtisch noch am alten Platz findet, wobei es ja auch Firmen mit freier Sitzplatzwahl gibt. Besitzansprüche an Möbel entstehen so gar nicht erst und so mancher Kollegenwechsel geht dann spurlos an einem vorüber.

Nun, Veränderungen gehören nicht nur zum Leben, sondern eben auch zum Arbeitsleben. So gesehen eine etwas schizophrene Vorstellung, die Idee, dass man zwei Leben hat, die parallel nebeneinander existieren und sich immer wieder und immer mehr miteinander vermischen. Gleichzeitig sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass man einen Großteil seines Lebens mit Arbeit verbringt. Da sollte es also auch ein Unternehmen sein, das zur eigenen Persönlichkeit passt. Wie ein Lebenspartner.

Von daher ist die Entscheidung, mich zu trennen, nicht allzu schwer gefallen. Wenn man für ein Unternehmen tätig ist, in dem Vision und Realität ganz nah beieinander und doch Welten dazwischen liegen, dann stellt sich irgendwann die Frage, inwieweit ich mich für Geld prostituiere und dabei meine Prinzipien und Vorstellungen über Bord werfe. Nach dem Motto Geld stinkt nicht, auch wenn es einen schalen Geschmack im Mund hinterlässt. Dann wird der Lohn zum Schmerzensgeld und selbst das ist nicht genug.

Der Abschied hat sich gezogen, wurde hinaus und immer wieder verschoben. Was nützt es, wenn die Arbeitsbedingungen der reine Luxus sind, einen die Arbeitsinhalte aber krank machen? Am Ende half mir das berühmte Maßband, den Ausstieg nicht aus den Augen zu verlieren.

Maßband

Die Entscheidung für eine Auszeit, um Freiraum zu schaffen und mal wieder Luft zu(m) Atmen zu kommen, war also eher eine Notwendigkeit. Wo will ich hin? Was will ich mit dem Rest meines Lebens anfangen? Die Freiheit, ohne Zwang den eigenen Wünschen, wenn auch für einen begrenzten Zeitraum, zu folgen, ist unbeschreiblich. Der Preis der Freiheit kostet weniger als dass sie wert ist.

An den Neuanfang sind nun also ziemlich hohe Erwartungen geknüpft. Es geht darum, die eigenen Vorstellungen vom Lebenspartner Arbeit mit der Realität zu vergleichen und zu sehen, was übrigbleibt. Die Wahlfreiheit ist auf dem Papier gegeben. Die Zugeständnisse muss man mit sich selbst vereinbaren. Mal gewinnt man, mal verliert man. Und das zumeist ohne scheinbar logische und nachvollziehbare Regeln.

Eure Kerstin

Briefe

Vor kurzem erhielt ich über die Eltern-Mailingliste eine Warnung zum Thema Kettenbrief. Das war ganz offiziell vom einem der unzähligen Ministerien an die Schulen, dann an die Elternsprecher und nach zig Weiterleitungen an die Eltern der einzelnen Klassen verteilt worden. Also, auch irgendwie ein Kettenbrief. Man kennt das auch aus dem Büro, wo man dann in der Mail zuerst seitenweise nach unten scrollen muss, um den eigentlichen Inhalt zu lesen, so oft wurde diese kommentarlos an alle möglichen Kollegen, die sich dann nicht mehr durch etwaiges Nichtwissen herausreden können, adressiert. So passiert es auch manchmal, dass man dieselbe Mail zweimal/mehrmals bekommt, über verschiedene Mailingrouten. Informationsflut ist ein schöner Begriff und im Grunde noch viel zu harmlos für diese Art von Ressourcenverschwendung bei Mensch und Maschine.

Früher, nein, früher war nicht alles besser, aber das hätte es so nicht gegeben. Da gab es noch Verteilerlisten, wobei die Rangordnung darüber entschied, für wen die Nachrichten News waren und für wen Schnee von gestern und man musste mit seiner Unterschrift den Erhalt bzw. das Lesen bestätigen, bevor man es an den nächsten weiterreichte. Noch viel früher, also als die Produktivität noch mit den Anschlägen auf der Schreibmaschine gemessen wurde, hat man vielleicht eine Karbonkopie (kennt überhaupt noch jemand diese blauen Kohlepapiere, bei denen man auch nicht einen einzigen Fehler machen durfte? Ha, von wegen Autokorrektur und Tintenkiller) bekommen. Dann gehörte man aber auch schon zum ziemlich erlauchten Kreis der Eingeweihten.

So in etwa zu der Zeit gab es auch noch so richtige Kettenbriefe. Von Hand geschrieben und mit einer Briefmarke, die man mit Spucke aufkleben musste. Herrje, eine graphologische Schriftprobe plus DNA, das ist ja fast noch besser, als die Haustür einfach auf zu lassen und dann zwei Wochen in Urlaub fahren.

Am Ende des Briefes stand eine Liste mit Namen und Adressen (das Wort Datenschutz musste da erst noch erfunden werden) und man musste der Nummer eins einen Brief schreiben. Dann musste man den ganzen Brief zehnmal abschreiben, aus Nummer zwei wurde Nummer eins und man selbst war die letzte Nummer auf der Liste und an zehn Freunde schicken. Und irgendwann sollte man dann ganz viele Briefe bekommen. Der Inhalt war eigentlich immer Nebensache, aber man wurde doch eindringlich gebeten, dass man die Kette nicht abreißen lassen sollte und man würde ja auch eine Flut an Briefen als Dank erhalten.

Also, ich habe da immer mitgemacht und nicht einen einzigen Brief bekommen. Eine echte Katastrophe, immerhin hatte ich viel Zeit und mein Taschengeld investiert. Ja, auch damals schon waren postalische Sendungen ein teures Hobby. Wenn ich so darüber nachdenke, könnte ich mir das auch als eine Aktion zur Bilanzverbesserung der ehemals staatlichen Behörde vorstellen. Im Grunde war auch die Enttäuschung, keine Post zu bekommen ungleich höher als die Erleichterung, dass einen kein Unglück ereilt hat, weil man die Kette aufrecht erhalten hat.

Heute schreibt eigentlich niemand mehr so richtige Briefe. Selbst Postkarten sind eine Seltenheit. Eigentlich schade. Irgendwie fehlt mir das manchmal, die Freude, wenn man den Briefkasten aufmacht und da liegt ein handgeschriebener Gruß. Es gibt einem auch so ein bisschen das Gefühl, dass man dem anderen wichtig ist. Vielleicht sollte ich mal einen Kettenbrief in Umlauf bringen. Dann wäre ich immerhin die Nummer eins auf der Liste und das sollte es doch mit der Flut an Dankesbriefen eigentlich klappen. Zuerst versuche ich aber mal, dem Nachwuchs die Angst zu nehmen.

Ich stapfe also pflichtschuldigst ins Kinderzimmer, um meinem Erziehungsauftrag nachzukommen:
„Ich habe eine Mail bekommen.“
„…“ (hypnotisierter Blick auf den Bildschirm)
„Darin heißt es, es geht derzeit ein Kettenbrief per WhatsApp rum.“
„…“ (s.o.)
„Den sollt Ihr nicht weiterleiten, der greift persönliche Daten von den Geräten ab.“
„…“ (s.o. oder habe ich da ein Augenrollen gesehen?)
„Also, egal, was für Kettenbriefe Du bekommst, die leitest Du einfach nicht weiter, auch wenn das was von Unglück und Sterben und sonstigem Unheil steht.“
„…“ (also das war jetzt definitiv ein Augenrollen)
„Ich mein ja nur.“
„Mach ich eh nicht“, begleitet von einem ironischen Geräusch, das man auch als Schnauben, Grunzen, genervtem Ausatmen bezeichnen könnte. Aber eigentlich war es eher diese Kombination aus ihr-ward-vielleicht-damals-so-doof und Briefe-egal-in-welcher-Form-sind-so-was-von-gestern.

Briefe

Voller Erfolg würde ich sagen. Nur für wen müssen wir nochmal klären. Vielleicht schicke ich dem jugendlichen Mitbewohner einfach mal eine Mail oder eine WhatsApp. Ein Brief würde ihn sicherlich total überfordern, denn ich könnte fast schwören, dass er noch nicht mal weiß, wo unser Briefkastenschlüssel geschweige denn dieser hängt.

Eure Kerstin

Am Ende des Regenbogens…

Am Ende des Regenbogens befindet sich ein Schatz. Das Leben ist dieser Schatz, den man teilen kann. Man sollte ihn wertschätzen in dieser hektischen Zeit und innehalten.

Und wenn jemand dieses Leben verlässt, dann ist plötzlich die Zeit dahin und wir alle müssen uns dann vor uns stellen und fragen, ob wir diesen Schatz zur Genüge wertgeschätzt haben.

Der Redner zitiert Augustinus, der einmal sagte: „Nur weil man jemanden nicht sehen kann, heißt es nicht, dass er nicht da ist. Man kann ihm immer noch einen Brief schreiben.“

Du warst ein guter Mensch. Was kann man mehr sagen über jemanden, der einen schmerzlichen Verlust im Leben von so vielen hinterlässt. Wenn die Erinnerung einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubert, wurde man geliebt.

Dabei ist meine Rolle nur die einer Anwesenden, die man pflichtbewusst duldet. Als Mutter des Enkelkindes, als Exschwiegertochter. Und doch waren wir verbunden, da wir am gleichen Tag Geburtstag feierten. Eine Bürde, die ich nun zu tragen habe, denn an jedem meiner Geburtstage wird auch Deine Abwesenheit deutlich. Haben wir uns früher gegenseitig das Ständchen gesungen, so wird es nun in Deinem Namen vorgetragen, begleitet von Melancholie und Wehmut.

Dein Abschied war kein plötzlicher. Wir alle wussten, dass es nur einen Aufschub geben kann. Allein dessen Dauer und Anzahl waren unbekannte Faktoren. Ist es vermessen, zu denken, dass Dein Festhalten am Leben daher umso verstörender war? Es war nicht der friedvolle Abgang, den wir uns alle für Dich und uns und letzten Endes sich jeder wünscht. Ist es vermessen, zu denken, dass Dich die Bilder meiner letzten Wanderung haben noch träumen lassen? Ist es vermessen zu denken, dass die Hand Deines Enkels in Deiner Dir einen weiteren Aufschub gewährt hat? Es war ein Ende ohne Ende.

Und das mag dann auch die, mal abgesehen vom ehemals gemeinsam gefeierten Geburtstag, Verbindung sein, auf der unsere gegenseitige Verbundenheit basierte: Dieses Wissen um den Schatz des Lebens, den man immerzu annimmt, aber nahezu nie innehält. Immer in dem Glauben, das Ende es Regenbogens wäre nie erreichbar, wo doch nur ein einziger Wimpernschlag genügt und er nicht mehr am Firmament zu sehen ist. So wandeln wir leicht und freigiebig durchs Leben, bereit alles zu geben für jeden, der ein Ohr, eine Hand und ein Herz braucht und vertrösten unsere Träume auf morgen.

Ich wünsche Dir, dass dort, wo auch immer Du nun sein mögest, nicht nur ein , sondern Dein Regenbogen auf Dich wartet.

Danke, dass ich eine Zeit lang an Deinem Leben teilhaben durfte.

Allen anderen möchte ich die Worte von Robert Frost mit auf den Weg geben: „Alles, was ich über das Leben gelernt habe, kann ich in drei Worte fassen: Es geht weiter.“

Opa

 

Wie gewonnen so zerronnen

Wenn am Wochenende mal wieder die Zeit umgestellt wird, dann ist sozusagen alles wieder beim Alten. Die Frage, ob man die Zeiger vor oder zurück stellen muss beschäftigen die Gesellschaft (muss das wirklich sein?) und deren Mitglieder (wie war das noch mal?). Bei Alten auch deshalb, weil ja die Winterzeit eigentlich diejenige ist, welche die „richtige“ Zeit ist. Doch was ist schon richtig? Und was ist schon richtig, wenn es um die Zeit geht? Wer kann denn bitteschön tatsächlich sagen, was die Zeit überhaupt ist, außer einem Instrument, mit dem wir die Vergänglichkeit messen? Im weitesten Sinn also Geschichte schreiben, indem wir diese in einen Zeitrahmen pressen.

Dabei sind unsere heutigen Diskussionen gar nicht neu, bis vielleicht auf die Tatsache, dass jeder seine Sichtweise kundtut und alle mitreden. Denn bis in das 19 Jahrhundert war es noch so, dass mehr oder weniger jedes Dorf seine eigene Zeit hatte. Mal lebte nach dem Stand der Sonne. Richtig, zwölf Uhr ist, wenn die Sonne am höchsten steht. Es gab eine Zeit in Berlin und eine „Münchner Zeit“, die sicherlich eng mit dem Weißwurstessge- und verbot zusammenhängt. Richtig, 12 Uhr ist, wenn es keine Weißwürste mehr gibt.

Erst 1893 wurde die sogenannte Mitteleuropäische Zeit(zone) eingeführt und schon 1916 wurde an dieser herumgedoktert und mit der Sommerzeit experimentiert. Und das immer wieder. Von 1947-1949 gab es sogar eine zusätzliche Hochsommerzeit von Mitte Mai bis Ende Juni. Doch dann kam das Wirtschaftswunder und man hatte wohl keine Zeit mehr, sich mit der Zeit zu befassen.

1980, eher auf Druck der europäischen Nachbarn denn aus Eigeninitiative, kam die Sommerzeit. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Das war Ostersonntag und meine Eltern waren mit mir irgendwohin im Auto unterwegs. Ich dachte immerzu, das ist doch komisch, dass es jetzt schon 10 Uhr statt 9 Uhr ist, denn die Welt hatte sich irgendwie so gar nicht verändert, aber alles fühlte sich anders an, fast schon befremdlich. Damals allerdings war uns der Sommer und seine Zeit nur bis Ende September zugeteilt. Seit 1996 haben wir einen Monat dazu gewonnen und stellen nun die Uhren erst Ende Oktober wieder zurück.

Dieses Hin- und Hergespringe scheint dem heutigen Zeitgeist doch sehr entgegen zu kommen, möchte man meinen. Ständig auf dem Sprung. Mal gewinnt man, mal verliert man und die Routine gleicht für einen kurzen Augenblick dem Chaos. Und auch der Gedanke, dass der Sommer nie enden möge, ist nur allzu nachvollziehbar.

Zeit

Doch die Zeit ist immer gleich. Man kann sie nicht verändern. Sie lässt sich nicht einsparen, nicht gewinnen und sie verschwindet auch nicht. Stehlen oder gar fressen lässt sie sich schon gleich überhaupt nicht. Kurzum, die Zeit ist so gesehen die einzige Konstante. Sie war schon immer da und musste auch nicht geschaffen werden. Nicht mal von Gott. Vielleicht ist auch deshalb so faszinierend und unerklärlich. Wie heißt es doch so schön bei „Momo“ von Michael Ende:

„Es gibt ein großes und doch alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigstens denken darüber nach. Die meisten Menschen nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. Es gibt Kalender und Uhren, um sie zu messen, aber das will wenig besagen, denn jeder weiß, dass einem eine einzige Stunde wie eine Ewigkeit vorkommen kann, mitunter kann sie aber auch wie ein Augenblick vergehen – je nachdem, was man in dieser Stunde erlebt. Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“

Eure Kerstin

Tatort des Monats Oktober

In diversen Tatorten (Mai 2017 / März 2018) sind schon so einige Utensilien beim Sport in Mitleidenschaft gezogen worden. Nun also der nächste Fall in dieser Serie. Kein wirklicher Tatort im klassischen Sinne, dass ein Teil meinen Haushalt verlässt, da ich in dem Fall Ersatz angeschafft habe. Nichts desto trotz ist etwas mehr Platz…

Tatort: Schreibtisch.10_2018

Tatbestand: mp3-Player.

Tatortsäuberung: Nachdem ich die erste Trauer über den Verlust und die Enttäuschung über die Kurzlebigkeit heutiger Produkte überwunden hatte, dachte ich lange Zeit über den gänzlichen Verzicht eines solchen Gerätes nach. Schließlich sind Handys heutzutage multitaskingfähig und ich könnte auch damit Musik hören, aber meines ist, wen wunderts, nicht kompatibel mit der Mediathek und eigentlich auch viel zu unhandlich für den Sport. Auf der Suche nach einem Ersatz konnte ich ein gutes gebrauchtes Stück ergattern, was aber letztlich auch der Tatsache geschuldet war, dass mp3-Player mittlerweile gar nicht mehr so angeboten werden. Es ist um einiges kleiner, ergo auch praktischer, so dass dies auch dem Raumgewinn zu Gute kommt. Ein halber Tatort also, wenn man so will.