Sechs Wörter für die Zukunft

Leseecke

Schreibe eine sechs-Wort-Geschichte, von der Du denkst, dass Sie Deine Zukunft beschreibt.

Der Sache mit der Zukunft hatte ich mich ja schon mal in meinem Beitrag „Lebenslinien“ genähert. Und nun also der nächste Versuch, es von einer anderen Warte zu betrachten.

Das Leben, respektive die Zukunft in sechs Wörtern einfangen – keine leichte Aufgabe. Schließlich wollen wir alle ein reichhaltiges, abwechslungsreiches, spannendes und einzigartiges Leben. Und da sollen sechs Wörter diesen Kosmos an Möglichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten abdecken?

Nun, es ist eigentlich gar nicht so schwer und manchmal lassen sich sogar ganze Geschichten damit erzählen.

Anschluss verpasst. Weltenwanderer sucht Seelenanker. Ausgang ungewiss.

Probiert es ruhig selbst einmal. Selbst Hemingway schrieb einmal eine solche: „For sale: baby shoes. Never worn.“ Diese Übung wird im Übrigen immer wieder gern als Schreibaufgabe eingesetzt. Wobei es hauptsächlich eine Hirnaufgabe ist. Hirngespinste eben. Und es erstaunt mich ebenso immer wieder, wieviel man mit nur sechs Wörtern aussagen und ausdrücken kann.

Eure Kerstin

P.S.: Die Leseecke verdankt ihren Ursprung den Schreibaufgaben/Übungen im „The Daily Post“. Info für alle, denen „The Daily Post“ kein Begriff ist: Hierbei handelt es sich um eine Website von wordpress.com (wo auch mein Blog registriert ist), auf der täglich Themen, Fragen und Aufgaben an alle Nutzer verteilt werden, die man dann über den eigenen Blog verarbeiten kann.

Tatort des Monats Juni

Nachdem bereits der Tatort des Monats Mai etwas Ungewöhnliches zu Tage gebracht hat, ist mir für diesen Monat ebenfalls eine Sonderausgabe in die Hände gefallen bzw. aus dem Ausschnitt, wenn man so will.

Tatort: Kleiderschrank06_2018

Tatbestand: Wäscheaccessoire, wenn man frau aus einem X ein U machen möchte.

Tatortsäuberung: Auf den ersten Blick mag so mancher – wohl eher männlicher Leser – rätseln, was denn das für eine Blume ist, oder ob es sich dabei um Handwerksutensilien handeln könnte. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es nur auf die Präsentation ankommt.

Nun, wie so vieles im Leben, wird unsere Gutgläubigkeit immer wieder gern ausgenutzt und es gibt es an jeder Ecke eine Mogelpackung. Doch wenn man sich ständig über weniger Inhalt zum gleichen Preis ärgert und erst recht darüber, dass die Firmen glauben, der Verbraucher merke dies nicht, dann muss man auch selbst den Tatsachen ins Auge sehen und dazu stehen, dass aus einer Körbchengröße X auch mit Einlagen und Polstern nur oberflächlich ein U wird. Und wer will schon Oberflächlichkeit? Also, weg damit. Ersatzlos.

Eine Frage der Definition

Seit ein paar Jahren versuche ich ja für mich einen Weg zu finden, umweltverträglicher zu leben. Die Betonung liegt auf versuchen, denn wenn man jahre-, ach was, jahrzehntelang in der Konsumwarenwelt der Industrieländer verbracht hat, dann ist eine Umerziehung – selbst, wenn diese eigenständig und vernünftig ist – gar nicht so einfach, wo doch das Angebot an allem bei weitem größer ist als die Nachfrage jemals sein könnte. Insofern bin ich mal mehr, mal weniger inkonsequent konsequent und das entweder aus, ich muss es leider zugeben, Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit.

Wer schon länger auf meinem Blog dabei ist, erinnert sich vielleicht an diverse Beiträge zu dem Thema, die hier auch nachzulesen sind. Als Resümee der letzten zwölf Monate kann ich sagen, dass sich eindeutig zu viele Neukäufe in meinem Kleiderschrank befinden. Die Strategie von Robert Wringham „Kaufen Sie nichts, was man nicht essen kann“ (Buch: Ich bin raus) bete ich mir zwar mantramäßig immer wieder vor, aber eben nur mit mäßigem Erfolg und mit dem Beten tue ich mich als bekennender Atheist ja ohnehin sehr schwer. Zum Ausgleich des schlechten Gewissens wurden und werden immer zwei Teile aus dem Bestand genommen, um dann verkauft und/oder verschenkt zu werden. So reduziert sich wenigstens auch gleich der Gesamtbestand der Besitztümer.

Als Schuldigen, wenn man so will, wurde mein Frustlevel identifiziert. Wir kennen das ja irgendwie alle auf die eine oder andere Weise: Man ist unglücklich, mit den Nerven am Ende, eben frustriert und gönnt sich dann etwas, meist irgendetwas ohne große Vor- und Nachgedanken als Entschädigung. Sozusagen die berühmte „Chicken Soup for the Soul“, denn bei körperlichen Krankheiten wird ja gern Hühnersuppe als Allheilmittel eingesetzt und warum sollte es solch ein Pendant nicht auch für das Gemüt geben. So war die Hühnersuppe für die Seele nach dem gleichnamigen englischen Buch also in meinem Fall wider besseres Wissen ein erhöhtes Kaufverhalten im Textilhandel. In Zeiten der persönlichen Krise und des Umbruchs neige ich gern mal dazu, meinen Kummer damit zu zudecken. Nun gilt es Schadensbegrenzung zu betreiben und einen Kurswechsel zu vollziehen.

Die guten Nachrichten bzw. Fortschritte: Die sogenannten Wisch- und Wegtücher sind zu 99% aus meinem Haushalt sozusagen weggewischt worden. Lediglich der Nachwuchs darf eines für seinen proteinhaltigen Pausensnack mitnehmen und bei Überschwemmungsgefahr im Kinderzimmer zum Einmalhandtuch greifen. Ansonsten sind inzwischen alte Küchentücher zum Zelltuchersatz umfunktioniert worden. Ebenso ausgemustert wurde die Nuss-Nougat-Creme (Stichwort Palmöl). Manche Gewohnheiten aus Kindheitstagen sollten durchaus hin und wieder überdacht werden und ich stelle mir die Frage, ob auch schon in den 70er und 80er Jahren das Rezept derart umweltunverträglich war.

Neulich meinte mein Professor, man könne ja eh nichts ändern, wohingegen ich dem ganz klar widersprechen muss: Klar, ich allein kann das Verhalten der Menschen im Umgang mit der Natur und den Ressourcen natürlich nicht ändern, aber ich kann mein Verhalten ändern und auch wenn es nur der Tropfen auf den heißen Stein ist, so ist es vielleicht am Ende derjenige, der das Fass nicht zum Überlaufen bringt. Und hin und wieder muss man mit gutem Beispiel voran gehen. Selbst der jugendliche Mitbewohner hat begriffen, dass Wasser trinkfertig aus dem Wasserhahn kommt und man es nicht abgefüllt (plus Anlieferung) aus dem Regal nach Hause und wieder zum Laden zurück karren muss. Gut, das mag, wenn es mit der Wasserverschmutzung so weitergeht, bald ein Gesundheitsrisiko sein, aber dann ist eben wieder ein Kurswechsel angesagt.

Beim Thema Ernährung dachte ich ja immer, ich wäre schon ziemlich gut, doch wenn ich mir ernsthaft die Frage stelle, ob ich ein Tier, das ich esse, auch töten würde, dann kommen mir sehr, sehr starke Bedenken und ich zweifele an meiner bisherigen Einstellung, dass biologisch und regional genug ist. Im Grunde müsste ich also nicht nur Vegetarier, sondern sogar Veganer werden, wenn ich es so betrachte.

Es ist sicher keine Entschuldigung, aber als Familienmitglied einer fleischlastigen Wohngemeinschaft ist das schier unmöglich und unter Umständen auch ökologisch und ökonomisch gar nicht so sinnvoll – von wegen, doppelt kochen, Resteverwertung usw. Ohnehin stellt sich ja immer auch die Frage, bis zu welchem Punkt man sich selbst optimieren möchte. Schließlich definiert mich auch mein, wenn man so will, Fehlverhalten als Mensch und ist Teil meiner natürlichen Intelligenz. Aber zumindest einen Schritt weiter geht es immer und so steht für mich ab sofort Fleisch in Reinform nur noch einmal in der Woche auf dem Speiseplan. Das mag keine Wahnsinnsverbesserung meines ökologischen Fußabdruckes sein, aber es geht ja wie gesagt auch um den steten Tropfen und da gehen wir Menschen wie alles auf Erden den Weg des geringsten Widerstandes.

Darüber hinaus meinte der Kollege meines Professors, er würde den Begriff der Nachhaltigkeit durch Verantwortung ersetzen. Zu schwammig und diffus sei dieser und man würde allzu gern dazu tendieren, eine romantische Vorstellung der schönen, geordneten Welt damit zu verbinden. Während hingegen Verantwortung immer eine Entscheidung eines Einzelnen ist, die er/sie nicht abgeben kann und von daher selbst tragen muss. Ja, da bin ich absolut d’accord. Neben der Ansicht ist eben vieles eine Frage der Definition.

Schlussendlich danken möchte ich meinem Professor doch auch: Für die aktuellen und interessanten Vorlesungen zur Umweltethik und die Empfehlung zahlreicher Bücher zum Thema Umwelt, Ethik und Nachhaltigkeit, die ich gern an meine Leserschaft weiterreiche.

Buchliste

Einen neuen Beitrag wird es dann spätestens in 2019 geben. Eure Kerstin

Von Fluchten und Abgründen

In Zeiten innerer Unruhe und großen Zweifelns neige ich zur Selbstverstümmelung. So habe ich es für mich formuliert bzw. einen späteren Freund gegenüber einmal definiert als wir über unsere persönlichen Abgründe gesprochen haben. Und, um es gleich vorweg zu sagen, es hat rein gar nichts mit dem Verhalten, welches normalerweise diesem Begriff zugeschrieben wird, zu tun. Wenn ich von Selbstverstümmelung rede, dann ist das in meinem Fall eine übertriebene Art von etwas recht Banalem zu reden. Also, keine Angst, ich bin absolut nicht gefährdet.

Feuer

Er war im übrigen spielsüchtig, der Freund, was ja so gesehen keine körperlichen Konsequenzen nach sich zieht. Außer vielleicht Hunger, weil man kein Geld für Essen hat. Oder auch Müdigkeit, was dann doch wieder irgendwie körperlicher Natur wäre, aufgrund von Schlafentzug und folglich Konzentrationsschwächen. Nun ja, den Freund gibt es schon seit sehr langer Zeit nicht mehr und ich wünsche ihm nur bedingt alles Gute, da er mich seinerzeit so mir nichts dir nichts gegen eine andere Herzensdame ausgetauscht hat. Trotz der gegenseitigen Vertrautheit, was unsere seelischen Qualen anging. Und vielleicht bin ich deswegen auch noch nicht geheilt, was das betrifft.

Als ich besagte Unterredung mit dem Unglück kassieren und Weiterreichen desselben Spieler hatte, war ich gerade in der Phase, in der ich meiner Melancholie in Form von poetischen Wandmalereien Ausdruck verlieh. Also keine Graffitis oder so. Nein, ich habe damals ganz simpel selbst verfasste Gedichte im Stile von I-Ah aus „Pu, der Bär“ (sehr deprimierend) an meine Wände geschrieben, die ich dann im Falle eines Besuches hinter Bildern verschwinden ließ. Das war gar nicht so einfach. Schließlich mussten Wandtattoo und Tarngemälde größenmäßig harmonieren. Wo da die Selbstverstümmelung bei ist? Nun ja, jeden Tag mit den eigenen depressiven und deprimierenden Wortansammlungen konfrontiert zu werden, ist schon irgendwie eine Strafe. Einen Spiegel braucht es da fast schon nicht mehr, um zu sehen, wie mies es einem geht. Das Ganze entwickelte mit der Zeit einen gewissen Höhlencharakter. Und als dann der Auszug anstand, musste ich selbstverständlich dafür sorgen, dass mein geistiges Eigentum vom Eigentum des Vermieters getrennt wurde. Das grenzte dann tatsächlich an körperliche Folter, da dabei die Tapeten und Anstriche der letzten hundert Jahre von der Wand abfielen, die irgendwie auch mal in einen Kugelhagel verwickelt gewesen sein muss, was nach näherer Inspektion Löcher vom Bohren und Hämmern der besagten Jahrhunderte waren – hoffe ich zumindest.

Später dann hatte ich eine etwas körperlichere Phase und habe mir, huhu, Ohrringe stechen lassen. Ich bin eben doch ziemlich konservativ bis bieder und eine Memme. Das tat dann schon weh, aber offensichtlich nicht genug, denn kurz darauf folgte ein Tattoo. Diesmal ein echtes in Form einer, wie exotisch, Rose. Wie gesagt, konservativ und etwas bieder, Memme nicht mehr ganz so sehr. Da gibt es aber wenigstens keine Probleme von wegen Eigentumsverhältnissen und Besitzansprüchen. Und ebenso wenig ein Abdeckproblem, weil ziemlich intim. Das nun wieder tat so richtig weh und auch länger als 24 Stunden. Um es genau zu nehmen tut es auch heute, nach über einem Vierteljahrhundert noch immer weh und zwar immer dann, wenn ich auf der Suche nach einer passenden Vase bin. Wer jetzt an Rose und Vase und vielleicht irgendetwas Schlüpfriges denkt, weit gefehlt. Meine Mutter, irgendwoher muss meine konservative Einstellung ja herkommen, meinte seinerzeit, ich hätte mir für das Geld lieber eine schöne Vase kaufen sollen. Wie recht sie doch hatte, denn jedes Mal, wenn ich Blumen bekomme, muss ich feststellen, dass mir die passende Vase fehlt und so werde ich stets an die Schmerzen, welche mir der Tätowierer und der Tod meiner Mutter beigefügt haben, erinnert.

Heutzutage gehe ich bergsteigen. Am liebsten im frühen Morgengrauen, wenn die äußere Welt noch in Ordnung scheint und die Ruhe sich in mein gequältes Leben einschleicht. Ich bin nicht leichtsinnig, nein, ich weiß ziemlich genau, was Unachtsamkeit und ein falscher Schritt für Folgen haben können. Aber ich fordere viel, vor allem von meinem Körper. Dabei geht es nicht immer um den größtmöglichen Schwierigkeitsgrad und ich plane auch nicht, einen neuen Geschwindigkeitsrekord zu brechen. Aber in Zeiten der inneren Unruhe und des Selbstzweifels scheinen die körperliche Grenzerfahrung sowie der nachfolgende Muskelkater die einzigen Möglichkeiten zu sein, dem eigenen Gefühlschaos eine Richtung zu geben, die nicht im Untergang liegt und von den seelischen Schmerzen ablenkt. Der Wanderpartner an meiner Seite weiß schon immer ganz genau, wenn mich etwas bedrückt und gibt mir ein Zeichen, dass ich einfach loslaufen soll. Er weiß, nach ein paar Hundert Höhenmetern wird mein Geist schon Ruhe geben und ich auf ihn warten. Meine Freunde schlagen mittlerweile lediglich einen Spaziergang vor, um mir zu signalisieren, dass sie auf gar keinen Fall auch nur ansatzweise den Versuch unternehmen werden, mit mir wandern zu gehen. Wobei die größte Gefahr immer nur dann lauert, wenn ich und der Berg allein aufeinandertreffen. Das mit der Gefährdung ist also so gesehen relativ, denn ein gewisses Suchtpotential ist natürlich vorhanden.

Jeder hat sein persönliches, selbstauferlegtes Joch zu tragen und bisweilen fühlen wir uns ja auch sehr wohl damit. Und auch wenn meine Art der Selbstverstümmelung keine Krankheit ist, so ist es doch auch eine Art von Sucht und ließe sich durchaus auch mit etwas so Gravierendem wie Alkoholismus vergleichen. Denn auch das ist eine Flucht aus der Realität. Der Unterschied besteht darin, dass man beim Alkoholrausch seine Sinne betäubt, um keine Schmerzen zu empfinden, während ich den Schmerz im Adrenalinrausch suche, um einen Sinn zu finden und die Kraft weiter zu machen.

Man mag sich fragen, warum ich vom Hobby des poetischen Philosophen zu des Müllers Lust abgestiegen bin. Nun, bei der Begegnung mit meinen Dämonen fehlen mir mittlerweile wohl einfach die Worte.

 

Eure Kerstin

Das wahre Leben

Die Frage nach dem Warum beschäftigt uns ein Leben lang.
Wer kennt sie nicht, die Fragen der Kinder, die gerade die Sprache und die Macht, die von ihr ausgeht, entdecken? Alles wird mit einem Warum hinterfragt. Und auf jede Erklärung erfolgt ein weiteres Warum. So lange, bis den Gefragten die Macht der Gelassenheit verlässt und in Ohnmacht umschlägt: „Weil ich es sage“ oder „Darum“, sind dann meist die zugegebenermaßen etwas kläglichen Antworten und damit wird jeglicher weiteren Kommunikation der Boden entzogen.

So fängt es also an, mit der Frage nach dem Warum, basierend auf dem menschlichen Bedürfnis, die Welt, die Mitmenschen und letzten Endes auch sich selbst zu verstehen. Meist obliegt die Antwort bis zum Pubertätsalter den Eltern bzw. Erwachsenen und dann tritt erst einmal das Leben an deren Stelle. Doch irgendwann und scheinbar unmerklich richtet man die Frage an sich selbst. Das sind ganz banale Selbstgespräche wie: Warum habe ich (wieder) die ganze Tafel Schokolade gegessen, wo ich doch nur einen Riegel nehmen wollte? Warum bin ich nicht eher aufgestanden, dann hätte ich den Zug noch erwischt?
Und geht über in Fragen nach dem eigenen Selbst: Warum habe ich nicht daran gedacht? Warum mache ich mir ständig Sorgen? Warum kann ich nicht nein sagen?
Bis hin zu quälenden Selbstzweifeln: Warum kann ich nicht sagen, was in mir vorgeht, damit der/die andere mich versteht? Warum kann in meiner Familie niemand über seine Gefühle reden? Warum kann ich nicht glücklich sein?

Die Frage nach sich selbst wird ja zumeist nach Schicksalsschlägen und/oder herben Einschnitten in den Raum geworfen, wenn denn auch eher in den geistigen denn den realen. Tja, und nun ist da keiner, der diese Fragen beantwortet und unser erwachsenes Ich findet keine Antwort. Wir zermartern uns das Hirn und die Gedankenmühle droht heiß zu laufen. Schließlich nehmen wir in dieser Diskussion die Rolle des begierig Fragenden und des scheiternden Antwortenden ein. Wir sitzen auf zwei Stühlen und irgendwo dazwischen. Wobei wir stets aufs Neue hoffen, dass der Geist die Seele nicht um den Verstand bringt.

In seinem Buch „Stop acting, start living” schreibt Bernhard Hiller, um die die wahre Wahrheit („real truth“) zu erfahren, müsse man fünfmal (nach-)fragen, denn nur die fünfte Antwort wäre die, welche am meisten wahr ist. „‘Why do I like making love?‘ […] Most people will say they like to make live because it feels good. Then I ask, why does it feel good? ‘It feels good because it makes me feel free.’ ‘Ok, why do you like to feel free?’ ‘Because I feel open and connected to another person.’ ‘Why do you like to feel open and connected to someone?’ ‘Because it makes me feel loved.’ Now we come to the fifth answer […]. ‘Because it makes me feel alive.’ This is the ultimate truth.”

Licht

Und vielleicht ist das das Geheimnis des wahren Lebens und hinter der lebenslangen Frage nach dem Warum: Wir wollen uns schlicht und einfach lebendig fühlen.

Eure Kerstin

Manche Menschen wissen nicht…

Manche Menschen wissen nicht, wie viel sie anderen bedeuten. Zu diesen gehört meine Tante, die gern mal sentimentalen Gefühlsduseleien recht nüchtern Einhalt gebietet. So geschehen, als ich ihr einmal sagte, dass ich sehr traurig wäre, wenn sie denn dereinst nicht mehr wäre. „Brauchst Du nicht, ich hatte ein schönes Leben“, waren ihre Worte. Gut, eventuell war ihre Antwort auch eine Reaktion auf meinen recht unsentimentalen Gefühlsausbruch, mit dem ich doch im Grunde nur sagen wollte, wie viel sie mir bedeutet.

Manche Menschen wissen nicht, dass sie einen Unterschied machen. Wie meine Tante, die trotz ihrer über achtzig Jahren sich um Bedürftige in Altenheimen, in der Dorfgemeinde und um Asylsuchende kümmert. Vor kurzem erst hatte sie einer Mutter mit Kind, der der Kindsvater mit Kindesentführung drohte und nachstellte, Unterschlupf gewährt und kurz darauf einem Asylbewerber, der unbedingt eine Wohnung brauchte. Wer von uns könnte diese Nächstenliebe, gepaart mit dem nötigen Vertrauen in den Anderen, den Fremden, für sich in Anspruch nehmen?

Manche Menschen wissen nicht, wie sehr sie Vorbild sind. Wie meine Tante, die ihr Leben so gestaltet, wie es sie glücklich macht. Mit Zielstrebigkeit und Neugierde arbeitet sie an der Verwirklichung Ihrer Wünsche. Egal ob auf der Karriereleiter oder als Hausherrin. Und erst recht bei ihren Reisen, die sie in die ganze Welt geführt haben. Sogar der jugendliche Mitbewohner konnte sich der Hochachtung nicht entziehen, als ich auf seine Frage, warum sie sich in Usbekistan Mosaike anschaue, entgegnete: „Tja, wenn man schon alles gesehen hat, dass schaut man sich eben so etwas an.“

Und manche Menschen wissen nicht, wie sie die unmittelbare Sorge um andere ertragen sollen, wenn ihnen deren Leid bewusst wird. Zu denen, die sich sofort und allumfassend um alles und jeden sorgen und dann gedanklich in einer Tretmühle stecken, gehöre ich. Doch was ich eigentlich sagen will, ist: „Liebe Tante, komm schnell wieder auf die Beine und werde gesund. Ich liebe Dich. Deine Nichte.“

Tante

Tatort des Monats Mai

Nein, ich betreibe keinen nicht genehmigten Flughafen für kleine, grüne Männchen oder andere Hobbybastlerutopien, auch wenn der fotografisch festgehaltene Gegenstand dies vermuten lassen könnte.

Tatort: AbstellkammerFusselrasierer

Tatbestand: Extraterrestriales Flugobjekt…äh Fusselrasierer

Tatortsäuberung: Dass heutzutage jedes (technischen) Produkt einer geplanten Obsoleszenz unterliegt ist mir klar, dass diese aber auch bei Nicht-Nutzung greift, war mir neu. Es ist zum Verzweifeln, kaum liegt der durchaus praktische Fusselrasierer zwei Jahre in seiner Originalverpackung, schon funktioniert er nicht mehr. Denke, reparieren ist kontraproduktiv. Stattdessen greife ich ab sofort wieder zu Schere und Rasierklinge, um mich unerwünschter Fussel zu entledigen. Falls aber da draußen jemand sich findet, der eine zündende Idee hat, immer her damit.