Was von den Rauhnächten übrigbleibt: April

Beim alltäglichen Weg zum Büro komme ich an einem prominenten Konsulat vorbei. Meterhoher, rundumlaufender Zaun, kameraüberwacht bis in den letzten Winkel. Alles ist sauber, akkurat und irgendwie unbelebt bis auf winzige Lebenszeichen in Form von verwaisten Blumentöpfen oder Gerätschaften auf den Balkonen der dem Gelände Beheimateten.

Doch hin und wieder erhasche ich frühmorgens einen Blick auf ein menschliches Wesen, welches das Areal zum Joggingparcours erkoren hat. Ich schaue durch die Gitterstäbe des Zaunes und stelle mir vor, wie es ist, dahinter zu arbeiten, zu leben und selbst die Laufrunde dort zu absolvieren. Unmittelbare Beklommenheit stellt sich ein, das Gefühl des goldenen Käfigs. Wie nur lässt es sich aushalten, ein Dasein, abgeschottet und mit lückenloser Überwachung? In einem fremden Land?

Es ist April: Mein Blick aus dem Fenster fällt auf die so gar nicht frühlingshafte Umgebung. Das Grün versteckt sich hinter zugezogenem Himmel. Sollte es nicht eigentlich nur so sprühen und austreiben? Die Natur ihre Farben zur Schau stellen?

Im Sinnieren darüber denke ich zurück an den Gitterzaun und das Leben dahinter und sehe ich mich auf der anderen, der freien Seite. Doch bin ich wirklich so frei? Ist es am Ende für den vermeintlich hinter Gittern Befindlichen nicht auch ein Schutz? Eine überschaubare Welt mit sichtbaren Grenzen und der Gewissheit, dass der Zaun auch eine Barriere ist, die Sicherheit bietet. Und ist es am Ende nicht das Gleiche mit der Natur? Bedeutet mein hinter der Scheibe sein nicht auch, dass das Draußen schutzbedürftig ist?

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