Was von den Rauhnächten übrigbleibt: Februar

„Ich packe keine Geschenke mehr ein“, meinte die Lieblingstante und warf das Buchgeschenk mit Schwung auf das Polstermöbel, von dem es mit einem Hops auf dem Boden landete. „Die Zeit“ (von Rüdiger Safranski), welch bezeichnender Titel für die philosophische Abhandlung zu ebendiesem Thema.

Die eine hat keine Zeit/ Geduld (mehr), Geschenke zu verpacken, während die Beschenkte immerzu versucht, die verschiedenen, an sie herangetragenen Aufgaben, Termine, Verpflichtungen und Aktivitäten in Zeitfenstern zu jonglieren.

Davon völlig unbeeindruckt landet das Buch auf dem harten Boden der Tatsachen und macht auf diese Weise Eindruck. Eine wahrhaft augen- und herzöffnende Lektüre, die Spuren hinterlässt. Es geht um die Zeit des Anfangens, der Langweile, der Sorge, der Lebenszeit, des Spielens, der Ewigkeit und erfüllten Zeit. Fäden im Takt des Alltags. Die schönsten zum Nachlesen bleiben als Erinnerung:

„Die Zeit ist knapp […] nur im Verhältnis zu bestimmten Vorhaben […], weil gleichzeitig andere Tätigkeiten und […] die Dauer nicht richtig eingeschätzt werden. […] Ein Problem, das mit ihrer Bewirtschaftung auftritt.“

„Durch […] Sprache und Schrift öffnet sich ein ganzes Universum von Zeiten, […], die längst vorbei sind, noch ausstehen, es nie gegeben hat, nie geben wird, […] die es nirgendwo gibt als in der Vorstellung. […] In der Musik [findet] sich die faszinierende Einheit von Zeit und Augenblick. […] Die Fotografie fixiert etwas, was es so eigentlich gar nicht gibt, nämlich Zeitpunkte.“

„Die Sorge ist auf die Zukunft gerichtet. […] In der Sorge […] ist man sich selbst immer schon vorweg.“

„In jedem wahrhaften Anfang steckt die Chance zur Verwandlung. […] Wir sind Wesen, die selbst anfangen können und deshalb fragen wir auch nach dem Anfang. […] Tatsächlich benötigt der Mut, etwas anzufangen, ein Grundvertrauen.“

„Tätigkeiten, die einen voll und ganz in Anspruch nehmen, […] lassen die Zeit verschwinden. […] Das sind die dichtesten Augenblicke.“

Wie wir sie auch drehen und wenden, sie scheint ihren eigenen Regeln zu folgen. Und doch ist die Zeit schon da. Sie muss nicht erst geschaffen werden werden.

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