Zeitreisen in die Zukunft: Gefühlte Welt

Am Horizont geht die Sonne unter. Sehen tue ich das natürlich nicht. Nur die Tatsache, dass die Beleuchtung von Tag auf Nachtmodus umschaltet ist das untrügliche Anzeichen, dass das Leben aktiv ist.Sehen tue ich jedoch nur den Bildschirm vor mir. Zahlenreihen und Ziffernkolonnen, die bearbeitet werden wollen. Schwarze Zeichen auf weißem Grund am Tage und weiße Zeichen auf schwarzem Grund in der Nacht. Tagein. Tagaus. Die Frage nach dem Warum und Wofür ist mir schon lange abhandengekommen. Vielleicht habe ich es auch vergessen. Vielleicht hat das alles mal einen Sinn ergeben. Doch zum Überdenken bleibt keine Zeit. Vielleicht will ich das auch gar nicht mehr. Irgendetwas schaltet sich dazwischen und stoppt die aufkeimende Gedankenenergie. Schließlich gibt es da ja noch das Leben.

Und dann schaltet sich der Bildschirm aus. Ich zucke zusammen. Immer noch. Immer wieder. Wie lange eigentlich schon? Doch bevor ich meinen Gedanken noch mehr Raum geben kann, werde ich in die Höhe gehoben und die Hände, die mich tragen, sind warm und weich und erinnern mich an all die Stunden in Deinen Armen. Behütet und eingehüllt werde ich getragen. Alles um mich herum verschwimmt in seiner Bewegung, so dass ich, egal wie angestrengt ich etwas auszumachen versuche, nichts erkennen kann.

„Du Dummerchen“, vernehme ich ein Flüstern, „Du kannst doch gar nichts sehen. Du hast doch gar keine Augen mehr. Warte, ich schalte sie ein.“ Und während ich noch der Stimme nachhänge, so sanft wie einst die Deine, tauchen vor mir die Bilder des Lebens auf.

Die Sonne, wie sie aufgeht. Die ersten Strahlen, welche über die Erde streifen. Ein Prickeln auf meiner Haut. Das Licht, das seinen Weg findet und mich blinzeln lässt. Die Welt, wie sie erwacht. Freude macht sich breit, so als würdest Du gleich vor mir stehen.

Fragend schaue ich mich um. „Oh“, schaltet sich die Stimme ein,“ Moment, die Ohren sind noch auf Stand-by.“ Und dann höre ich es wirklich. Das Knistern, die Geräusche, die Töne, das Rauschen, Wind, Wellen, Wetter, Stimmen, Gesang.

Ich wandele umher in dieser Welt aus Bildern, in einem Leben, das mich hält und gerade so viel Gefühle in mir produziert, um die nächste Einheit abliefern zu können. Doch das Leben, das übernehmen die anderen. Sie sammeln die Bilder, die Sinneseindrücke, um sie dann mir zurück zu geben. Einem Menschen, ohne Sprache, ohne Sinnesorgane. Dafür ewig existent.

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