Das neue Reisen, 4. Etappe: Meine surreale Wohnung

img_0365Das Telefon stottert, als es den Kühlschrank um eine milde Gabe bittet. Für den Herd, der magersüchtig und ständig auf Diät ist, aber nun beim Kamin zum Picknick mit anschließender Feuertaufe eingeladen ist.

Gespannt lauscht die Topfpflanze, ob die Bücher, die noch ihre Buchstaben abstauben und ihre Blätter sortieren, mit zur Reisegesellschaft gehören. Denn dann würde der grünblättrige Spitzel die Tasse anstupsen, welcher der Badewanne mit einem lauten Klirren Bescheid gäbe, um dem nicht genehmigten Treiben Einhalt zu gebieten.

Doch die Badewanne hat sich hinter den Fliesen verschanzt, sie ist noch immer beleidigt, weil der Couchtisch den Schreibtisch neulich wegen seiner Patina wieder einmal hänselte. Dieser hatte sich daraufhin sofort in ihrer Gegenwart in seine Einzelteile zerlegt und damit den Abfluss zum Überlaufen gebracht.

Nun schlängelt sich das Bett durch sämtliche Ritzen, um die Splitter dem Stuhl zu reichen. Zusammen mit der Stehlampe drapieren sie alles zu Ehren des Sessels in der Besteckschublade, die sofort mit dem Festmahl beginnt.

Die Spülmaschine erschrickt sich und bekommt Schluckauf. Schnell stellt sich die Tür davor, um das zarte Gemüt nicht weiter zu beunruhigen.

Währenddessen reibt sich der Teppich noch den Schlaf aus den Maschen, damit er mit der zurückgelassenen Bettdecke eine Runde Strippoker spielen kann. „Ich auch“, ruft die Stereoanlage und dreht dann für sich eine Pirouette, bevor es dunkel ist und alle gespannt der kleinen Nachtmusik des Wasserkochers horchen.

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