Sehnsucht nach Heimat

Der 15. August ist Mariä Himmelfahrt. Das Kloster Beuerberg veranstaltet dazu im Rahmen seiner diesjährigen Feierlichkeiten zum Thema „Heimat. Gesucht. Geliebt, Verloren.“ einen Tag der Sehnsucht. Es geht um Heimweh, Reisen und die Fremde. Aber eben auch um das Heimkommen. Da wäre ich gern hingegangen. Nein, nicht aufgrund einer religiösen Gesinnung, sondern mehr wegen der Sehnsucht. Der Sehnsucht nach dem, was ist und dem, was sein könnte.

img_0833Stattdessen urlaube ich in einem Land, das zwar kulturell und landschaftlich mehr als genug zu bieten hat, dafür aber den Menschen sämtliche Rechte aberkennt und den Freiheitsgeist eher mit Verboten und Drohungen erstickt. Insofern fühle ich mich weder so richtig willkommen, noch akzeptiert. Da ist es schwer, der Sehnsucht Einhalt zu gebieten, wo man doch eigentlich so gern das Fremde erkunden, sich durch Stadt und Land treiben lassen und die Menschen kennen lernen möchte. Die Heimat der anderen als eine Möglichkeit zu leben. Auch das ein Ziel, wenn es einen in die ferne Fremde zieht.

Das Ganze ist eine Kompromisslösung für alle Beteiligten und irgendwie fühlt es sich auch so an. Die überschwängliche Freude am Reisen mag sich nicht einstellen. Gefeiert wird trotzdem. Nicht feierlich, sondern im Übermaß. Das Urlaubsdomizil lebt davon, dass alles im Überfluss und darüber hinaus vorhanden ist, so dass man gar nicht erst den Blick und die Gedanken schweifen lassen kann, auch um sich selbst in Frage zu stellen. Das Ego ist das Maß aller Dinge und rafft maß- und gewissenlos alles an sich und in sich hinein. All die Nationen vereint, so scheint es, nur das stete, unablässige Vergnügen und die Sucht danach. Brot und Spiele der Neuzeit. Fast erscheint es wie eine Flucht aus dem eigenen Leben. Fern der Heimat, während man der Heimat des Gastlandes so wenig Respekt zollt.

Wenn ich mir jetzt den Feiertag so anschaue, dann wird ja auch immer gern von der Heimfahrt, dem nach Hause kommen gesprochen. Das Leben auf der Erde also nur eine Wartehalle? Ein Zwischenstopp, den man einlegt, auf der Suche nach dem Ort, der einem das Gefühl des Angekommenseins gibt? Durchaus stellt sich aber auch die Frage, ob diese Himmelsreisen und am Ende vielleicht sogar jede Reise der Sehnsucht nach Heimat geschuldet sind. Oder eher dem Fernweh. Vielleicht ist es ja aber auch so, dass einem die Heimat (hin und wieder) nicht das erfüllt, was der Begriff impliziert, weil sie einen einengt, einschränkt, nicht liebt. Dann käme es eher eine Flucht gleich.

So reist die Sehnsucht immerzu mit, egal ob man nur einen Fuß vor die Tür setzt oder sich ganze Kontingente und Zeitzonen von dieser entfernt. Was also ist Heimat?

5 Gedanken zu „Sehnsucht nach Heimat

  1. Heimat, ich versuche eine Definition, die für mich gerade stimmt. Sie ist unsere ureigene Essenz. Das Leben in und mit Bedacht auf unsere Bedürfnisse(n), Neigungen, Stärken und das Auseinandersetzen mit dem anderen, den Verletzungen, Schwächen und…, ja auch mit der Sehnsucht. Letztere lässt uns suchen, damit wir nicht stehen bleiben, sondern weiter gehen und uns weiter entwickeln können.

    Die Sicht auf den Urlaub in einem Land mit solcher Denke ist eine sehr genaue, sie gefällt mir.
    Ich sagte kürzlich zu einer Freundin, die als nächstes nach Dubai reist, dass es das letzte Ziel wäre, wo es mich hin ziehen würde. Als sie fragte warum, sagte ich, weil es für mich der Inbegriff des Patriarchats ist, da würde ich einfach nicht hin wollen. Darauf sprach sie von den höchsten Wolkenkratzern und dem Interesse an dieser Art Architektur. Nun, jeder muss das für sich entscheiden.

    • Danke, liebe Marion, für den schönen Kommentar. Nicht stehen bleiben…gefällt mir, obwohl das Gefühl des Angekommenseins und eben nicht mehr Suchenmüssens einem ja auch Hält und Ruhe vermittelt. Vielleicht so: Heimat ist auch ein Rückzugsort, der einem die Freiheit zur Weiterentwicklung lässt.
      In Bezug auf den Urlaub lässt sich vielleicht noch sagen, dass gerade Orte/Länder, die dem eigenen Denken, den eigenen Ansichten widersprechen, unter Umständen einem auch bewusst machen, wie man selbst nicht leben möchte und ja, es gibt sicherlich für fast jedes Land einen „guten“ Grund, dieses zu besuchen. Für mich wäre es nur auch gleichzeitig wichtig, nicht die Augen von der Kehrseite abzuwenden. Liebe Grüße, Kerstin

      • Ja, ganz bestimmt gibt das Gefühl des Angekommenseins auch Halt und Ruhe, ermöglicht innere Stille.
        Für mich erlebe ich es in Wellen. Also Aufbrechen, Erinnern, sich Auseinandersetzen mit alten Schmerzen usw., dann eine Versöhnung, ein Beruhigen, eine erweiterte persönliche Freiheit, Ankommen und sich gut Fühlen.
        Bis das nächste „drückt“. Ohne die Ruhephasen würde es gar nicht gehen.
        Wie du es ausdrückst gefällt mir auch, dass Heimat auch ein Rückzugsort ist, der einem die Freiheit zur Weiterentwicklung lässt. Ohne Nest, wo ich einfach sein kann, könnte ich es mir auch nicht vorstellen, ich brauche das.

        Du meinst mit „nicht die Augen von der Kehrseite abwenden“, dass man nicht in der eigenen Komfortzone verharrt, sondern wach und offen bleibt für das, was sonst noch auf diesem Planeten geschieht?

        Liebe Grüße
        Marion

      • Ja, wach und offen…immer. Im Falle Deiner Freundin würde ich sagen, ja, wegen der Architektur ist ein Grund, aber dann sich auch gleichzeitig mit den „normalen“ Verhältnissen der Einwohner auseinander setzen. Das ist ja so gesehen, im eigenen Land nicht anders, da gibt es auch viele Dinge und Gegebenheiten, mit den man nicht konform ist. Die muss man sich vor Augen halten, als wieder wach und offen bleiben. LG, Kerstin

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