Nachbarschaftshilfe

Wie alles im Leben haben auch Nachbarn Vor- und Nachteile. Vor allem letzteres endet oft und ausgiebig vor Gericht. Ich wohne in einem Wohnblock mit gut 30 Parteien, wobei fast alle Wohnungen von den Eigentümern selbst bewohnt werden. Auch das hat Vor- und Nachteile. Im Allgemeinen achtet die Gesellschaft mehr auf das Eigentum, alles ist sauber und ordentlich. Wächst die Hecke zu hoch, erhalten alle Gartenwohnungen einen freundlichen Hinweis, dass man doch bitte darauf achten solle, dass der Gehweg nicht zuwächst. Damit bei den Dachgeschosswohnungen keine Langweile aufkommt, gibt es ein Schreiben, dass der Hausflur kein Abstellplatz ist und man doch bitte vom Füttern der Krähen Abstand nehmen möchte.

Tja, und manchmal steht der Punkt Sauberkeit und Ordnung auch auf der Eigentümerversammlungsagenda. Beim letzten Mal ging es doch tatsächlich um das Fensterputzen und die Reinigung der Pergolas über den Terrassen. Kein Wunder, dass solche Abende oftmals nur mit starken Drogen zu ertragen sind und deshalb in Gehweite zu den eigenen vier Wänden abgehalten werden, so dass man auch in jeglicher Verfassung einigermaßen sicher wieder nach Hause findet. Schließlich soll keiner der Nachbarn Schaden nehmen. Nicht auszudenken, wenn ein Neuer in die Gemeinschaft käme. Der sich dann am Ende nicht persönlich bei allen vorstellt, bevor die Wohnung in Besitz genommen wird. Schließlich muss man gleich wissen, wer zeitnah über die Hausordnung und die Ruhezeiten aufgeklärt werden muss. Von dem Verbot des Aufhängens der Wäsche im Innenhof am Sonntag ganz zu schweigen.

Zu den Nachteilen – ja, Ihr habt schon richtig gelesen – zählt, dass jeder seine Ansichten durchsetzen will und man irgendwie ständig auf dem Präsentierteller sitzt. Ich werde beispielsweise jedes Jahr mindestens zweimal darauf angesprochen, wie eisern ich doch tagtäglich mit dem Rad zur Arbeit fahre. Bei Wind und Wetter. Nun, ich wohne inzwischen eine ganze Weile inmitten der Gemeinschaft, aber scheinbar wird das kollektive Gedächtnis alljährlich gelöscht. Anders kann ich mir die Wiederholung der Frage nicht vorstellen. Oder aber die Nachbarn nehmen an, dass ich aufgrund des Fahrtwindes und der Temperaturschwankungen eines Jahres mich nicht mehr erinnere. Vielleicht ist es auch ein versteckter Hinweis, dass mein Flower-Power-Drahtesel nicht wirklich in dieses ehrenwerte Haus passt.

Bei all den Vor- und Nachteilen ist es hin und wieder schwierig, die Schmuckstücke unter den Nachbarn zu identifizieren. Aber ich kann für mich behaupten, dass meine direkten Nachbarn auf alle Fälle dazu gehören. Vor jedem Urlaub verteile ich offene Lebensmittel wie Milch, Obst und Gemüse und werde dafür regelmäßig mit Backwerk und selbstgemachter Marmelade versorgt. Manchmal finden auch Blumen, die im angrenzenden Garten dem grünen Daumen zum Opfer fallen, den Weg zu mir, so dass ich mittlerweile selbst in Platznot gerate. Zum Glück gibt es auf der anderen Seite auch einen Garten, wo ich vielleicht einen Abnehmer finde.

Und dann gibt es da noch die Kellergeister. Die gehören zu meinen absoluten Lieblingen. Im Flur vor dem Keller, der scheint von dem Abstellplatzverbot ausgenommen zu sein, kann man Dinge, die man nicht mehr braucht, hinstellen und jeder darf sich bedienen. So etwas wie früher die regelmäßige Sperrmüllsammlung, bei der man dann immer um die Häuser in der Hoffnung auf einen achtlos entsorgten Schatz losgezogen ist, nur überdacht und ohne Sperrgut. Nachdem ich beim Entsorgen keine Hemmungen habe und mich immer mal wieder durch Schränke, Schubladen und Stauräume wühle (siehe auch meine Tatortreihe), mussten so kurz vor der Vorweihnachtszeit diverser Nippes und unterschiedlichste Dekoration dran glauben. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde alles liebevoll arrangiert. Sperrmüll

Und, was soll ich sagen. Nach nur einem Tag war schon fast alles weg.

Reste

Und als ich vorhin nochmals nachschauen war, wirkte der Boden wie geleckt und als ob nie ein Sammelsurium an ungeliebten Kuriositäten dort gelegen hätte. Ganz ehrlich, ich liebe meine Nachbarn. Das sind die nachhaltigsten Menschen, die ich kenne und die können wirklich alles brauchen. Echte Nachbarschaftshilfe, denn ich muss im Gegenzug nicht zum Wertstoffhof und die Helfer dort weiter mit meinen Funden um den Verstand bringen.

 Eure Kerstin

2 Gedanken zu „Nachbarschaftshilfe

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