Alle meine Leidenschaften

Um es gleich vorweg zu sagen: Nein, Fußball gehört nicht zu meinen Leidenschaften. Weder aktiv und noch weniger passiv. Sport als Zuschauer finde ich im Allgemeinen eher unbefriedigend. Das mag zu 50% daran liegen, dass ich weiblichen Geschlechts bin. Über den Rest habe ich mir noch keine allzu tiefschürfenden Gedanken gemacht. Man muss ja auch nicht allen Dingen auf den Grund gehen.

Was ich aber zu meinen Leidenschaften zähle, sind Handarbeiten. Das klingt jetzt erst mal ziemlich bieder und langweilig. Tja, was soll ich sagen? Ist Euer Problem, nicht meins. Ich mag Handarbeiten. Nähen, Stricken, Häkeln – alles meine Leidenschaften. Das mag zu 50% daran liegen, dass ich weiblichen Geschlechts bin. Über den Rest habe und werde ich mir auch keine allzu tiefschürfenden Gedanken machen. Dazu sehe ich gar keinen Grund. Ich kann noch nicht mal eindeutig sagen, wann und wie das angefangen hat. Außer, dass ich es bis in meine Jugend zurück verfolgen kann.

Stoffträume

Damals hatte ich die schlechte Angewohnheit, beim Fernsehschauen Fingernägel zu kauen, weil mir vieles zu spannend und aufregend war. Ich bin eben eher zart besaitet. Wie gesagt, weiblichen Geschlechts. Na, jedenfalls musste meine Mutter mich ständig ermahnen und dann macht Fernseh schauen auch irgendwie keinen richtigen Spaß mehr. Also habe ich angefangen, vor der Flimmerkiste zu stricken und zu häkeln, damit meine Finger beschäftigt sind. Socken, Pullis, Jacken, Taschen, Westen, Handschuhe, Schals, Stulpen, Mützen und noch vieles mehr. So gesehen eine kostengünstige Therapie, die nachhaltig erfolgreich war beziehungsweise ist.

Irgendwann habe ich dann auch das Nähen für mich entdeckt, nachdem dies im schulischen Fach Handwerken auf dem Lehrplan stand. Blusen, Hosen, Kleider, Westen, Rücke, Unterwäsche, Bademantel, Wäschebeutel, Kleidersäcke, Taschen, Skijacke und noch vieles mehr. Fürs Fernsehschauen war da dann fast keine Zeit mehr. Damals gab es in der bayerischen Hauptstadt ein Schlaraffenland für Stoffe aller Art. Das lag im ersten Stock mitten in einem Gebäude in der Fußgängerzone und war nur über eine Rolltreppe zu erreichen. Wie als würde man ins Paradies fahren. Für die passenden Knöpfe mit dem gewissen Extra bin ich gern in das schon damals sehr mondäne Kaufhaus am Rathauseck gegangen. Ich erinnere mich noch an eine Bluse, bei der die dazu gehörigen Knöpfe je 5,00 DM gekostet haben. Fünf Stück benötigte ich für die Fertigstellung. Ein Vermögen für einen Schüler mit bescheidenem Taschengeld.

Als ich später auszog, waren Vorhänge, Kissen und Quilts an der Reihe und dann war eine ganze Weile Sendepause. Bis vor ein oder zwei Jahren. Seitdem wird die Nähmaschine wieder öfters hervor geholt. Blusen, Hosen, Kleider, na Ihr wisst schon. Leider gibt es das Stoffparadies meiner Jugend nicht mehr. Die Rolltreppe nach oben existiert zwar noch, führt aber inzwischen in die dufte Welt der Parfüms und Kosmetik. Der Laden ist also nun auch für Männer ein Paradies, könnte man sagen.

Glücklicherweise scheint es wieder einen Trend zum Selbstgemachten seit einiger Zeit zu geben und unlängst wurde ein paar Ortschaften weiter ein neues Paradies erschaffen: Stoff- und Woll-Lust. https://stoffundwolllust.chayns.net/aboutus  
Dort lässt sich herrlich träumen. Von Roben und Accessoires aller Art. Und die Beratung ist himmlisch. Knöpfe sind auch im Angebot, allerdings an die aus dem mittlerweile zum Luxuskaufhaus avancierten Geschäft, das leider sein Sortiment auf Güter von der Designerstange verlegt hat, kommen sie nicht heran. Wie gut, dass ich anscheinend schon immer auch ein sparsames Nachhaltigkeitsgen trage und Knöpfe von kaputten Kleidern abschneide und aufhebe.

Knöpfe

Na, könnt Ihr die sündigen Blusenknöpfe (dreimal im Bild) entdecken?

Handarbeiten sind eine nicht ganz günstige Leidenschaft, da im Vergleich zum gekauften Produkt je nach Wolle, Stoff und Zubehör erheblich tiefer in das selbst geschneiderte Portemonnaie gegriffen werden muss. Dafür im Ergebnis echte Einzelstücke und Hingucker.

Apropos hinschauen: Der Nachbar ist eher der leidenschaftliche Fußballer, wenn auch eher passiv. Aktiv ist da nur der Konsum einer ganzen Bandbreite von Genussmitteln. Als Kroate feiert er bereits seit Stunden lautstark mit seinen Kumpels seine Mannschaft. Und weil wir hier in Deutschland sind, zeigt er sich solidarisch und feiert er nun einfach weiter. Das mag zu 50% daran liegen, dass er männlichen Geschlechts ist. Über den Rest habe ich mir noch keine allzu tiefschürfenden Gedanken gemacht. Man muss ja auch nicht allen Dingen auf den Grund gehen.

Und nun fange ich besser schnell an, mir irgendwas für die Ohren anzufertigen, damit ich nicht wieder vor lauter Anspannung mit dem Fingernägelkauen anfange. Bestimmt sind irgendwo noch Woll- und/oder Stoffreste. Echte Luxusprobleme, die ich da habe. Was sich sonst noch mit Resten anfangen lässt, darüber schreibe ich beim nächsten Mal.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

P.S.: Was zum Feiern gibt es für mich trotzdem: Drei Jahre „alltagseinsichten“. Na, wenn das mal kein gutes Omen ist!

10 Gedanken zu „Alle meine Leidenschaften

  1. Glückwunsch 🍾🎉🎁🎈 😃
    …ich rate mal: die weißen mit den schwarzen Schrägstreifen 😉. Meine Maschine ist zwar generalüberholt und steht bereit (ganz früher hab ich viel genäht), aber irgendwie hat’s mich noch nicht gepackt. Ich finds aber total super, wie Du Dich dafür begeistern kannst 😍
    Eine schöne Woche wünsch ich Dir ❤️

    • Danke 🙂
      Und: Richtig geraten. Da hat ja jemand Supermanaugen, oder so 😉
      Ach, ist ja mehr so ein Hobby und Zeitvertreib mittlerweile. Liebe Grüße, Kerstin

  2. Ein witziger Beitrag und ein schöner Einblick in deine Handarbeitsleidenschaft. Als Kind/Schülerin konnte ich gerade so häkeln und stricken, das Nähen bringe ich mir seit knapp drei Jahren mehr oder weniger selbst bei und lerne jedes Mal, wenn ich an der Maschine sitze oder mit dem Stoff aussuchen, Zuschneiden, Stecken usw. beschäftigt bin, neue Dinge dazu (auch dank meiner wunderbaren Nählehrerin Ellen ♥). Ich kann mich auch stundenlang im Wolle- oder Stoffgeschäft aufhalten, ich finde IMMER etwas. Und habe tatsächlich am Samstag mein mir selbst auferlegtes Stoffkaufverbot kurz aufgehoben, da ich an zwei luftigen Sommerstöffchen einfach nicht vorbei kam. Jaja, die Leidenschaften… Jetzt sind zwei neue Projekte auf meiner Nähliste, auf die ich mich freue.
    Knöpfe? Die (goldenen) Knoten?
    Komm gut in die neue Woche, viele Grüße ♥ Anni

    • Liebe Anni, ja Deine Projekte finde ich auch immer ganz spannend. Manchmal muss man ein bisschen fummeln und dann freut man sich immer, wenn es fertig ist.
      Bei den Knöpfen liegst Du knapp daneben. Es sind die weißen mit den schwarzen Streifen 🙂
      Liebe Grüße, Kerstin

  3. ich habe auch sehr viele Leidenschaften 😉 aber das Nähen zählt nicht dazu. Ich würde es gerne, denn Ideen habe ich genug im Kopf. Und zumal meine Mutter eine Näherin ist und mir schon ab Kleinkindalter die tollsten Sachen genäht hat.

    Ich fotografiere dafür sehr gerne. Schaue gern Fußball. Werkele in meinem Garten. Koche und backe gern. Lese alles was ich in die Hände bekomme. Fahre leidenschaftlich gern Auto. Habe eine große Liebe zur Musik. Bereise sehr gerne Griechenland und ja, ich bügele gern und putze auch gern meine Wohnung. Nicht ganz so leidenschaftlich wie Fußballgucken, aber ich machs trotzdem gern.

    Das sind ein paar meiner „alle meine Leidenschaften“, lächel 🙂

    • Danke für den schönen Kommentar. Da bist Du ja schon beschäftigt 😉
      Lesen, Musik hören mache ich auch gern, Reisen sowieso. Nähen ist übrigens gar nicht so schwer und ich habe da auch keinen Kurs oder so gemacht. Finde immer: Hauptsache, es macht Spaß. Liebe Grüße, Kerstin

  4. Herzlichen Glückwunsch zum Dreijährigen! Und zu Deinen Hobbys auch – Nähen, Quilten und andere Handarbeiten sind zwar etwas oldschool, aber wesentlich höher angesiedelt, als 50% der DIY Anleitungen.

    Nun aber Computer aus und Ohrschutz stricken 🙂
    Alternativ hier eine Anregung für soetwas aus Papier 😉
    Liebe Grüße
    Patrick!

  5. Pingback: Geschenke für die Ewigkeit | alltagseinsichten

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