Das bisschen Haushalt…

HaushaltIm Grunde können wir das heute wirklich sagen und wer weiß, in ein paar Jahren mag die selbst zu erledigende Arbeit im Haushalt wirklich gen null tendieren. Manch schlauer Artgenosse kann das heute schon von sich sagen, wie in dem besagten Lied eben, aber dazu sage ich lieber mal nichts an dieser Stelle.

Allerdings führen die Neuerungen und Erleichterungen ja nicht unbedingt zu einem Weniger an Inventar, von Verzicht ganz zu schweigen.

Laut diversen Studien verfügt jeder Mensch im Durchschnitt über 10.000 Gegenstände. Das hört sich nach Unmengen an, aber wer zum Beispiel ein 24-teiliges Service inkl. Besteck besitzt, kommt schon auf rund 300 Stücke, wenn man unterschiedliche Vorlegebestecke, Suppen-/Salatschüssel, Servierteller, Kaffeekanne sowie Zucker- und Milchkännchen noch mit einrechnet. Ich glaube, ich werde mir zum Jahresende mal eine wahrhaftige Inventur meines Haushaltes vornehmen, um zu sehen, wo ich da stehe.

Mahatma Gandhi soll lediglich fünf Dinge besessen haben: Uhr, Brille, Sandale, Teller, Schüssel. Gut, soweit ich mich erinnern kann, hat er auch mindestens ein Kleidungsstück besessen, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Der Blogger Dave Bruno ist mit seiner sogenannten The 100 Thing Challenge ein Jahr lang einem einfachen Lebensstil nachgegangen. Auch Jens Förster, der Autor von „Was das Haben mit dem Sein macht“, hat sich verschiedene Dinge auf seine Agenda geschrieben: Nur ein Kleidungsstück pro Monat, kein to go, keine Flugreisen, kein Auto, nur fünf Plastiktüten pro Jahr, nur Bio/Fair Trade und eine 60m² Wohnung, keine Dekoteile.

All das sind Ansätze und Inspiration. DEN Weg gibt es nicht. Doch warum schaffen wir uns überhaupt erst solche Mengen an, die uns dann irgendwann belasten? Der Schlüssel muss irgendwo in der Bedürfnispyramide liegen. Grundbedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse, Selbstverwirklichung. Zum Glücklichsein gehört auch ein ausgewogenes Gleichgewicht der unterschiedlichen Bedürfnisse. Die Frage kann man sich ja einfach mal stellen, wenn man mal wieder vor einer schönen Tasse steht, ein kuscheliges Bettzeug in Händen hält oder das ultimative Haushaltsgerät sichtet.

Dabei ändert sich die Beziehung zu Objekten im Laufe des Lebens immer mal wieder. Ganz am Anfang Begreifen wir die Welt anhand von Gegenständen und wie wir diese kontrollieren können. Erst dann bilden sich unsere sozialen Fähigkeiten. Als Jugendlicher sind wir stark auf Besitz fixiert, über den wir uns und unsere Stellung in der Gruppe definieren. Dies wird durch eine kurze Phase der Selbstfindung unterbrochen, die dann erneut in ein stetig ansteigendes Anschaffen von Besitztümern übergeht, welches seinen Höhepunkt in etwa zwischen einem Alter von 40 und 50 erreicht. Erinnert sich noch jemand an den Werbespot eines Geldinstitutes, in dem es heißt: Mein Auto, mein Haus, mein Boot usw.? Richtig, unser Eigentum repräsentiert Status und soziale Macht. Erst später dann werden Gegenstände zu Erinnerungsstücken und nehmen einen ungleich höheren Stellenwert ein, der auch unsere Persönlichkeit ausmacht.

Interessanterweise werden Konsum und Kaufverhalten auch durch unser Sicherheitsbedürfnis bestimmt. So wurden beispielsweise in den USA nach dem 11. September sechs Prozent mehr Einkäufe verzeichnet. Und auch die Nachkriegsgeneration sowie unter Umständen deren Nachkommen litt und leiden unter Existenzängsten, die von der vorherigen Generation weitergetragen wurde. Deswegen wird das 24-teilige Service auch schön weiter behalten, selbst wenn bei mir im Leben nicht auf einen Schlag so viele Gäste Kaffee trinken werden.

Insgeheim versuchen wir also unsere Angst auf diese Weise zu mildern. Materielle Dinge und Besitz verlängern so gesehen symbolisch unser Leben. Das wussten auch schon die Pharaonen, wie es scheint, als sie die Grabbeigaben für ihre Pyramiden und letztere selbst auswählten.

 Unser heutiges Verständnis von Fortschritt bedeutet vor allem, dass wir uns von allem, was „zeitraubend, anstrengend, schmerzhaft oder unhygienisch sein könnte“ befreien, sagt Nico Paech. Darum und um die ganz alltäglichen Gegenstände des Lebens geht es in den folgenden Beiträgen. Und da ich das Service hier schon vorgestellt habe, geht es in der Küche weiter.

 Also dann, action!
Eure Kerstin

 P.S.: Wie schon in der Küchenbilanz angekündigt, verlängere ich mein Projekt. Allerdings werde ich im Wonnemonat Mai, sofern er denn endlich seinem Namen gerecht wird, nicht jeden Tag dem Verzicht widmen, sondern hoffentlich mehr dem ausufernden Genuss von Sonnenstunden.

5 Gedanken zu „Das bisschen Haushalt…

  1. Ich würde mich als „Wenig-Besitzer“ bezeichnen. Ich mag keine Dinge, die keinen Nutzen erfüllen (Dekokram, Stehrumchen, Staubfänger). Wenn ich etwas ein Jahr nicht verwendet habe und die Chance schlecht steht, dass ich es nochmal verwende, kommt es weg. Dieser Zustand ist wohl aber eher Überlebenswille, da ich in einer Ein-Zimmer-Wohnung ohne Keller-Abteil lebe 😀

    • Ja, der Keller ist ein Monster, was das betrifft. Von daher, kannst Du Dich eigentlich glücklich schätzen. Staubfänger sind auch schon recht reduziert, aber bei ganz vielen Erinnerungsstücken ist eben echt schwer. Vielleicht klappt es, wenn ich mich mal wieder wohntechnisch verkleinern sollte. Liebe Grüße, Kerstin

  2. Bei mir wandert für jedes neu gekaufte Buch ein altes ins Altpapier (die Zeiten als ich einen Roman mehrmals gelesen habe sind längst den Fluss hinunter geschwommen …) 😊

    • Wow, Altpapier. Ganz ehrlich, das bringe ich nicht übers Herz. Aber Bücher, die ich nur so na ja oder noch schlechter fand, werden zwischen gelagert oder auch mal verschenkt. Zwischenlagern deswegen, weil ich noch davon träume, ein Buchcafé zu machen. Aber das ist natürlich ein ganz anderes Thema. Liebe Grüße, Kerstin

  3. Pingback: Tischlein deck Dich | alltagseinsichten

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