Heute bleibt die Küche kalt

Der Wiener Wald war früher die Lösung, wenn Muttern nicht am Herd stehen wollte. Wobei, früher war in Punkto gemeinsames Essen vieles anders, wie ich schon mal in dem Beitrag „Duft des Lebens“ festgestellt habe.

Ich jedenfalls gehe auch gern auswärts essen. Es macht einfach Spaß, die Mahlzeit fix und fertig serviert zu bekommen. Irgendwie ist auch manchmal wie ein Überraschungsei, wenn der Teller vor einem steht. Denn ob das Gericht, welches sich auf der Speisekarte so verführerisch anhörte, wirklich solche Qualitäten besitzt, wird man erst feststellen, wenn man es probiert hat.

Die Deutschen sparen bekanntlich ja zuerst am Restaurantbesuch, wenn das Geld knapp ist. Das ist nachvollziehbar. Trotzdem boomt die Szenegastronomie und Sterneküche. In manchen Lokalitäten muss auf Wochen im Voraus reserviert werden. Das ist ebenso nachvollziehbar und liegt am Erlebnisfaktor, denn oft spielt das Essen an sich nur die zweite Geige. Die wesentliche Zutat für die stimmige Note ist der Service und die Gesellschaft.

Vor einigen Jahren war unsere Familie (Großeltern, Kinder, Enkelkinder und Freunde) im schönen Aschau. Zwei Sterne kann die Residenz Winkler vorweisen. Zugegeben, das kann man sich wirklich nicht jede Woche, auch nicht jeden Monat, leisten. Aber der jugendliche Mitbewohner, der damals noch ein Kind war, und ich schwärmen noch heute von dem Abend. Oft, wenn wir etwas besonders Leckeres speisen, sagen wir: „Weißt Du noch, damals bei Winkler’s?“

Noch schöner als kochen lassen, ist Kochen für Freunde. Stimmt’s, liebe Buchgesellschaft? Auch dabei ist der Geselligkeitsfaktor der springende Punkt. Ich sage ja immer, ich bin ein Gesellschaftsesser. Allein essen, wenn der jugendliche Mitbewohner wieder mal auf Abstand zur Eigenkreation geht, ist langweilig und schmeckt irgendwie nicht. Und Essen, nur um satt zu werden, finde ich unbefriedigend. Da bleibt dann erst recht die Küche kalt und es gibt ein Brot mit Tee und einem Apfel oder Joghurt.

Doch am allerschönsten ist Kochen mit Freunden. Stimmt’s, liebe M.? Dabei lassen sich vorzügliche Herddiskussionen führen und gewagte Rezepte testen. Wir haben mal „Plattes Huhn“ nach einem Rezept von Johann Lafer gemacht. Das war ein echtes Erlebnis, bei dem man dem armen Flattermann mit Hilfe eines Backbleches sämtliche Knochen brechen musste, bis er eben platt war. Nichts für Zartbesaitete, aber lecker und vor allem lustig war’s.

Plattes Huhn

Was das alles mit Verzicht zu tun hat? Nichts, wenn man mal von den Zutaten, die natürlich Bio sein können, absieht. Und das ist gut so. Verzicht heißt ja nicht, dass man sich nichts mehr gönnt, sondern dass man das, was das Leben einem bietet, mit allen Sinnen genießt.

Das Pedant zu auswärts essen, ist Essen zum Mitnehmen. Das schauen wir uns morgen an.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

 P.S.: Das Foto ist aus dem Kochbuch „Meine besten Rezepte“. Unsere Kreation sah nicht so perfekt aus, aber darauf kommt es bekanntlich auch nicht an. 

12 Gedanken zu „Heute bleibt die Küche kalt

  1. Ich koche viel und selbst ;-), auch weil ich nicht so gern essen gehe. Ich weiß, dass sich das arrogant anhört, aber meist koche ich besser, als das, was ich mir restauranttechnisch leisten kann und ich mag eben keine Enttäuschungen und genieße gerne. Dabei sind die einfachsten Sachen oft die Besten. Und ich gebe Dir recht, dass es noch viel mehr Spass macht, gemeinsam zu kochen – in einer entsprechend großen Küche ;-))) Deshalb freu ich mich um so mehr auf die warme Jahreszeit und meinen Chill&Grillgarten.
    Liebe Sonntagsgrüße ❤

    • Auf Einfach stehe ich auch und kochen tue ich im Grunde gern, aber mit einem sehr schlechten, kritischen Esser ist das manchmal eher eine Tortur denn ein Vergnügen 😦
      Beim Grillen ist das Teen dann wieder dabei. Klar, es gibt ja auch Fleisch 😉
      Liebe Grüße, Kerstin

  2. Ich gönne mir den Restaurantbesuch auch immer ganz pragmatisch, sprich: Kein Einkaufen, kein Zubereiten, kein Kochen, kein schmutziges Geschirr, kein Tisch abwischen. Und der nette Nebeneffekt: Man kann sich ganz seinem Gast widmen und rennt nicht ständig wie blöde zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her 😉

  3. Hach, ein schöner Artikel. Der Erinnerungen weckt an den ein oder anderen „Luxus-Restaurantbesuch“. Wir gehen nicht oft zum Essen aus, es passt einfach nicht in unseren Tagesablauf. Zumal wir alle gerne vespern, das klappt ganz gut zuhause, da bleibt die Küche quasi ohnehin kalt. 🙂 Meistens gönnen wir uns tolle Restaurantbesuche, wenn wir auf (Kurz-)Reisen sind und dann erfreuen wir uns daran doppelt und dreifach. Mein Mann und ich köcheln und werkeln gerne gemeinsam in der Küche, das finde ich auch toll.
    Sonnige (aber saukalte) Grüße am Montagmorgen ♥ Anni | antetanni

    • Danke. Ja, das mit dem Restaurant im Kurz-/Langurlaub ist immer besonders schön. Das kann ich bestätigen 🙂
      Abendliche Schneegrüße zurück 😉
      Liebe Grüße, Kerstin

    • nie warme Küche? Oder nie auswärts Essen? Aber, es gibt ja für jeden immer die persönliche Wahl. 🙂
      Schöne Woche ebenfalls. Liebe Grüße, Kerstin

  4. Pingback: Lebensmittelpunkte – kurz und knackig | alltagseinsichten

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