Des Widerspenstigen Zähmung

Was essen Kinder/Jugendliche am liebsten? Richtig. Pizza und Pommes und Chips. Das ist natürlich sehr pauschal und mitunter stark von der Erziehung und der Persönlichkeit des Nachwuchses abhängig. Bei ersten habe ich, so wie es aussieht, kläglich versagt. Für das zweite sind, wie immer in solchen Fällen, die Gene des anderen Elternteils verantwortlich.

Klar, die Altersgenossen üben auch einen gewissen Einfluss auf die Essgewohnheiten aus und es ist eben nicht so besonders cool, wenn alle sich eine Pizza in den Ofen schieben während es bei uns irgendwas total Gesundes gibt. Um akzeptiert zu werden, seinen sozialen Status in der Gruppe zu behaupten, reicht es eben nicht, Markenklamotten, ein großes Zimmer und trendige Gerätschaften (Longboard, Roller, Bike) vorweisen zu können. Der Döner mit Coke zum Mittagessen nach der Schule ist zum Statussymbol mutiert.

Rigoroses Verbieten ist da eher kontraproduktiv. Wie gesagt, die Erziehung. Die Folge sind regelmäßige Tischflucht und liebloses Rumgestochere im Essen, begleitet von Nörgelei und schlechter Laune. Da hilft auch kein Aussitzen. Wie gesagt, die Gene. Was also tun mit dem widerspenstigen Geist?

  • Verhandeln. Immer wieder.
    Vor dem großen Wocheneinkauf werden Wünsche abgefragt. Soll es Fisch oder Fleisch geben? Fertigessen zuhause oder Imbissbude zum Mittagessen nach der Schule?
  • Kompromisse finden.
    Bei Chips gibt es Bio-Chips (die selbstgemachten waren nicht so der Hit), Nachos, Mais-Waffeln, Mozzarella, Käsescheiben ebenfalls in Bio-Qualität. Bio-Pizza habe ich ein paar Mal in der „Blindverkostung“ (ohne Karton) versucht. Leider ohne Erfolg. Auch ein entsprechender Testbericht, dass Bio-Pizza zumindest als Primus inter Pares abschneidet, hat nichts geholfen. Der Käse ist „eklig“ und die Salami „widerlich“. Dann eben Standard-Pizza, die dafür gegessen wird. Und dann lieber öfter mal eine in der Pizzeria holen. Bio-Pommes sind auch nicht wirklich angekommen. Liegt aber, wenn ich das mal subjektiv beurteilen soll, daran, dass das jugendliche Auge an der Packung erkennt, dass es Bio, also uncool, ist.
  • Das eigene Verhalten so gut es geht konsequent beibehalten.
    Bei Süßigkeiten werde ich auch schwach und Goldbären sind nun mal lecker. Hingegen wird Milch in verschiedenen Ausführungen gekauft. Tetra für den visuell geprägten Typ und Glas für mich. Letzteres wird verweigert, weil „ääh, wie sieht das denn aus?“. Na ja, ganz unrecht hat das Teen damit nicht. Die Flaschenfarbe ist wirklich etwas unglücklich gewählt.

Milch

  • Zeigen, dass Ausnahmen kein Rückschritt sind.
    Beim Getränkesirup wird zum Beispiel immer abwechselnd Plastik- und Glasflasche gekauft. Das ist doch schon mal ein 50%iger Erfolg. Der Vorschlag kam tatsächlich vom Nachwuchs.
  • Zusammenhänge erklären.
    Die fünf Minuten Aufmerksamkeit, die so ein jugendliches Gehirn aufbringen kann, nutzen, um Fluch und Segen der Wohlstandsgesellschaft möglichst plakativ zu schildern. Oder eine Reportage anschauen, am besten auf Youtube, denn da sind alle „endcool, Alter“.
  • Nicht die Hoffnung aufgeben.
    Keiner hat gesagt, dass es einfach ist. Aber es ist der einzige Weg.

Was ich noch wichtig finde, ist die Einstellung zum Essen. Auch, wenn es meist um die schnelle Nahrungsaufnahme geht, bieten sich hin und wieder doch Gelegenheiten, dem Essen eine gewisse Wertschätzung zukommen zu lassen. Eine selbstgemachte Suppe kann dann auch schon mal zwei Tage hintereinander serviert werden, weil das Suppenhuhnfleisch „voll lecker“ ist und der Braten im Ofen führt auch mal dazu, dass der jugendliche Mitbewohner ungeduldig zwischen Zimmer und Küche hin- und hertigert, weil es so „krass lecker“ duftet.

Morgen geht es um den Genussfaktor Essen, wenn man mal der Routine entfliehen möchte.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

11 Gedanken zu „Des Widerspenstigen Zähmung

  1. Und meine sind das genaue Gegenteil davon: wenn ich mal keine Lust habe zu kochen und den Döner vorschlage, wird abgelehnt „Och Mum, irgendwas schnelles kriegst Du doch gezaubert….bitte“ …ehrlich, abartig für das Alter. Auf vorwiegend vegan sind wir jetzt auch gewechselt – nicht meine Initiative x-) , der Sportler wars. Aber egal, die sind eben so, wie sie sind. Ich freu mich jetzt schon auf die Rezept-Telefonate, wenn sie ausgezogen sind :-DDDD …besonders, da ich Pi mal Auge koche.
    Liebe Grüße – ich arbeite mich durch 😉

    • Ha, vegan war hier vor kurzem auch mal der Vorschlag. So gefühlt 2 Sekunden, bis ich meinte, dass dann keine Gummibärchen mehr drin wären wegen der Gelatine. Thema erledigt 😉
      Aber wer weiß, bei mir fing der Spaß mit den komischen Essenseinstellungen auch erst in der späteren Jungend an. Kann also noch kommen. Liebe Grüße, Kerstin
      P.S: Vergiss nicht die Rezepte, egal ob Pi mal Auge, aufzuschreiben. Ich würde sonst was drum geben, zu wissen, wie meine Mutter den Karotten-Kartoffeltopf gemacht hat.

      • 😀 wegen der Gummibärchen ?! …geil, na bei uns hats sich entwickelt. Er ist ja auch so ein Sportfreak. Hat da mal nen Selbstversuch (mit Video für die Schule) zum Thema vegan und Leistungsfähigkeit gemacht. Und war begeistert. Er hatte vorher immer Schiß wegen evtl Eiweißmangel, aber nichts war. Fühlte sich definitiv fitter und wacher und hat nach dem Feiern *hüstel* (klar, was gemeint ist, oder?) schneller regeneriert. Ich wollte dann erst mit ner Umstellung von „immer mal 1 Woche vegan“ anfangen, aber es funktioniert bis auf einige Ausnahmen prima. Wir zwingen uns nicht, aber der Geschmack verändert sich spürbar in Richtung „lieber kein Fleisch“

      • Finde ich gut, die Kids sollen ruhig ihren Weg finden. Ich kann auch ganz gut ohne Fleisch, aber so ab und an finde ich lecker. Wurst hingegen gibt es fast gar nicht. Liebe Grüße, Kerstin

  2. Mh, Den Kiddies erlauben, Pizza zu essen. Aber nur, wenn sie sie selbst machen. Weniger Verpackung, keine Konservierungsstoffe und du kannst ihnen als Belag frisches Gemüse hinstellen (und die Salami verstecken).
    Wenn ihnen das zuviel Arbeit ist, kocht Mutti eben was (das sie dann bestimmt, muhahaha) 😀

    • Ja, ich bin da im Grunde voll bei Dir. Nur das Teen leider nicht. Die selbstgemachte Pizza wird standhaft verwehrt – Salami hin oder her. Und Gemüse geht gar nicht. Nicht mal irgendwo drin. Tja, hoffentlich zieht das Teen in nicht allzu ferner Zukunft aus. Meist ändert sich ja dann so einiges 😉
      Liebe Grüße, Kerstin

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