Die zweite Chance

Wir alle haben hin und wieder eine zweite Chance verdient. Warum also nicht auch Kleidungsstücke? Bisweilen ist es uns vielleicht einfach nicht möglich, manche Sachen los zu lassen, obwohl sie uns nicht stehen, nicht passen oder zum Beispiel ein Loch haben. Das kann ganz verschiedene Gründe haben. In den meisten Fällen ist entweder der Geldwert eines Stückes oder es besitzt einen sentimentalen. Was für Möglichkeiten gibt es da?
Für mich kommen hier zwei in Betracht:

  1. Reparieren
  2. Umwandeln

Reparieren ist natürlich zum einen nur bedingt möglich, denn nicht alles lässt sich so ohne weiteres flicken. Ich besaß bis vor gar nicht allzu langer Zeit eine Seidenbluse, die ich sehr mochte. Eines Tages tat es beim Ausziehen einen lauten „ratsch“ (nein, ich habe nicht zugenommen, die Bluse hatte einfach schon ein paar Jahre auf dem Buckel  – nämlich meinem – und viele Wäschen hinter sich) und an der Ärmelnaht prangte ein langer Riss. Nun bin ich handwerklich nicht ganz ungeschickt und dachte: „Das nähst Du einfach wieder zusammen.“ Leider funktionierte es nicht, da der Riss so ungünstig verlief, dass ich dann meinen einen Arm nicht mehr hätte bewegen können, ohne weitere Schäden zu provozieren.

Was mir fehlte, war ein Stück Stoff, dass ich natürlich nicht hatte. „Also gut, dann eben Ärmel ab und als Nachtshirt nutzen“, war meine Idee. Gesagt, getan. Tja, angezogen habe ich es dann nicht wirklich, sondern mich jedes mal beim Blick in die Schublade geärgert, dass die schöne Bluse kaputt ist. Wir erinnern uns: Kleidung zweiter Klasse und Stil? Eben,+. Darum ist Downgrading keine Alternative. Für mich jedenfalls. Und wenn es ganz ungünstig läuft, dann geht es uns so, wie Roe Rainrunner in ihrem Beitrag „Textiles Recycling

Der andere Punkt, der Leser ahnt es schon, ist, dass man ein bisschen was vom Flicken verstehen sollte. Oder man kennt jemanden, der davon Ahnung hat. Das geht natürlich immer. Vielleicht belegt man auch einen Volkshochschulkurs. Ich weiß, jetzt kommt wieder der Einwand mit der Zeit. Aber wir werden später sehen, dass das so nicht stimmt.

Bleibt noch Umwandeln. Ich sage ganz bewusst nicht Recycling, da es sich hier ja eher um ein Downcycling handelt. Klingt aber nicht schön. Deswegen Umwandeln. Das ist vor allem für sentimentale Textilien eine Möglichkeit, diese nach wie vor um sich zu haben. Man kann natürlich aus einem Kleid einen Rock machen, auch aus einer Hose lässt sich ein Rock machen und aus einer Jacke eine Weste usw., aber nach meiner Erfahrung ist das Ergebnis eher wie bei meiner Bluse.

Eine Ausnahme habe ich trotzdem: In meinem Post „Lebensmuster“ habe ich aus einem aufgeribbelten Pulli eine Short gemacht. Die ziehe ich tatsächlich an. Letztes Jahr beim Baden meinte Cousin zu seiner Frau, sie solle sich auch so eine machen, früher hätte es auch schon solche gegeben. Gut, könnte jetzt auch ironisch gemeint sein. Ich weiß das manchmal nicht so genau.

Daher vielleicht doch lieber in etwas Anderes, Neues verwandeln. Hier ein paar Beispiele:
Eines meiner T-Shirt bzw. ein Teil davon ist nun ein Bild. Unschwer zu erkennen, warum ich es nicht weggeben konnte.

Bildershirt

Ein anderer Pulli wurde zur Tasche und begleitet mich jede Woche zum Einkaufen. Das Leder stammt im Übrigen von Resten aus der Automobilbranche.

Pullitasche

Und ein Vorhang wurde in einem Quilt – hauptsächlich auf der Rückseite zu sehen – verarbeitet. Ganz nebenbei: Kaputte Hemden eignen sich für Quilts, die gerade ja sehr in Mode sind, ungemein.

Quilt

Sicherlich fallen Euch noch ganz andere Sachen ein, oder?

Morgen, manch einer wartet schon darauf: Schuhe.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

19 Gedanken zu „Die zweite Chance

  1. Yeahhh, Schuhe 😉 …hätte Deine Bluse denn nicht armellos auch gut ausgesehen? Kam mir grad so in den Sinn. Und dann mit Blazer drüber (weil ich mein Windfleisch im Job nicht so gern zur Schau stelle 😉 ). Meine Näh-Erna ist auch gerade wieder instand gesetzt und Deine Nähkünste find ich super. So gut bin ich längst nicht, dass ich mich ans quilten wagen würde. Aber Putzlappen oder Küchentücher kann ich: aus alten Baumwollhemden oder Bettwäsche oder Frotteetüchern.

    • Na, bin gespannt, was Du zu dem Schuhpost zu sagen hast 😉
      Ja, die Idee mit der Bluse hatte ich auch, aber das sah irgendwie nicht aus. Der Quilt ist schon 17 Jahre alt und immer noch mein Liebling (habe zwei). So schwer ist es gar nicht, wenn man nur mit Vierecken arbeitet. Aber gegen Putzlappen und Tücher ist auch nichts zu sagen. Immer noch besser als wegwerfen. Liebe Grüße, Kerstin

  2. Hey Kerstin, bei mir ist auch gerade großes Kleider-Ausmisten angesagt. Ein Kleidungsteil (der männliche) geht, bis auf ein paar Erinnerungsstücke komplett an die Malteser..(auch über Schuhe und Brillen freuen sie sich wie Bolle..). Der weibliche Teil wurde zuerst in drei Teile unterteilt: 1. Unmodern, passt nicht und „Oh du meine Güte, das habe ich angezogen“ …2. Tragbar, passt aber noch nicht und 3. passt, muss gewaschen werden. Teil 1 ist an die Malteser gegangen, zum Verkaufen, ins Netz stellen, oder für die 2 Chance fehlt mir gerade der Sinn und die Muse. Teil 3 ist fertig gewaschen und im Schrank. LG Claudi P.S.: bei Teil 2 bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob da nicht doch noch mal durchgeguckt wird….. 😉

    • Liebe Claudi, da hast Du ja schon ganz schön was geschafft. Zu Teil 2 wäre der Rat im Grunde: Weg damit. Meist ist der Frust einfach immer zu groß, wenn man die Teile vor Augen hat und nicht tragen kann. Lieber etwas mit dem Gewinn etwas Schönes kaufen, dass jetzt passt. Denn wir leben im hier und jetzt und nur das zählt. Liebe Grüße, Kerstin

      • Liebe Kerstin, jau….eigentlich isset ein Fall für „Weg damit“…aber ich gönne mir noch mal ein oder zwei Tage /Wochen zum Ausmisten. 😉 Liebe Grüße Claudi

      • Ja, viele Entscheidungen brauchen Zeit und Trennen ist auf allen Ebenen schwer. Aber irgendwann ist der Punkt da, das weiß man und merkt es dann auch. Bin gespannt, was Du in ein paar Wochen, vielleicht auch Monaten, sagst. Liebe Grüße, Kerstin

    • Danke, das mit den Jeans ist auch gut. Ich hin und wider aus den Resten Flicken für andere Jeans gemacht. Aber ein Rucksack ist noch besser. Muss ich mir merken. Liebe Grüße, Kerstin

  3. Pingback: Von der Pflicht zur Kür | alltagseinsichten

  4. Wow, das ist ja ein super Post, um mich mal zu motivieren, aus meiner Bettwäsche, die ich nicht mehr nehmen will, einen Schutzbezug für meine Couch und meine haarige Katze herzustellen 🙂 Ich wundere mich schon die ganze Zeit, weshalb deine Beiträge nicht in meinem Reader erscheinen und habe gerade festgestellt, dass ich dir gar nicht folge. Ich bin manchmal echt so ein Peilo 🙂 Das wurde soeben abgeändert. Liebe Grüße, Christina.

    • Liebe Christina, vielen Dank für den Kommentar und fürs Folgen. Bettwäsche kann man für ganz viele Dinge brauchen. Eine Freundin hat mal die alten Bezüge usw. in dünne Streifen gerissen und dann Badvorleger daraus gehäkelt. Vielleicht auch gestrickt, das weiß ich nicht mehr so genau. Man kann auf aus drei Streifen, wieder lange „Würste“ flechten und die dann im Kreis legen und zusammennähen. Dann sind die Vorleger rund, dafür ist vielleicht das Muster schöner. Einfach ausprobieren. Liebe Grüße, Kerstin

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