Küchenphilosophie

Vorwort: Vor ein paar Tagen, beim Werkeln in der Küche, habe ich die Geschichte von den drei Sieben des Sokrates im Radio gehört, in der Sokrates jemandem, der ihm etwas erzählen möchte, fragt, ob er dies zuvor durch die drei Siebe gesiebt habe. Das erste ist die Wahrheit. Das zweite die Güte. Das dritte die Notwendigkeit. Am Ende spricht Sokrates: „Wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so laß es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit“.

Auch wenn es so aussieht, als ob ich, mal abgesehen von meinen Tatortbeiträgen, derzeit nur faul am Küchentisch sitze und den Himmel betrachte, war ich die letzten Wochen nicht untätig. Trotz Schreiburlaub und Fastenzeit (hierzu später mehr).

Mein Buchbilanz beläuft sich auf stolze acht Exemplare. Daneben ist meine Nähmaschine wieder zum Vorschein gekommen, da ich kürzlich einen ganz tollen (neuen) Stoff- und Wollladen entdeckt habe. Zum Glück wurde meine neue Liebe durch den Budgetverantwortlichen unter meinen Schutzengel nicht zum (Geld)-Börsencrash. Dann habe ich noch Socken gestrickt und einen Pulli, den ich nach der Hälfte wieder aufgeribbelt habe und nun in eine Jacke umwandle. Und zu guter Letzt habe ich mich dann, weil ich ja noch nicht genug zu tun habe/hatte, für einen Französischkurs angemeldet. Hauptsächlich, um dem jugendlichen Mitbewohner zu zeigen, dass man sich Wissen selbst aneignen muss und es einem nicht einfach in den Schoß fällt.

Also, Urlaub ist was anderes, wenn ich das nun so betrachte. Und da komme ich dann wieder auf das Fasten zurück. Heutzutage gibt es ja neben den Klassikern wie Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol usw. ganz andere Dinge. Online-Abstinenz zum Beispiel. Dahingehend waren die letzten Wochen recht ernüchternd für mich. Denn meinen Blog betreibe ich seit Mitte 2013. Das macht in etwa gute 900 Tage mit 145 – 146, wenn ich diesen hier mitrechne – Beiträgen. Also im Schnitt alle sechs Tage einer. Mal mehr mal weniger.

Ich stehe da ja immer auf dem Standpunkt: Weniger ist mehr und Qualität statt Masse, obwohl ich meine Mit-Blogger, die ein weitaus höheres Pensum vorlegen, absolut bewundere. Ich schaffe das gerade mal für dreißig Tage. Danach brauche ich dann aber auch fünf Wochen Blog-Urlaub, wie man unlängst gesehen hat.

Was ich eigentlich sagen will, ist, dass ich mir in letzter Zeit immer wieder die Frage gestellt habe, ob es für mich und die Welt da draußen noch Sinn macht, meinen Blog weiter zu betreiben. Klar, in erster Linie mache ich das für mich und weil es Spaß macht. Doch meine damaligen Beweggründe, diesen Abschnitt meines Lebens zu starten, sind mittlerweile null und nichtig und meist beschleicht mich auch das Gefühl, dass ich wirklich nur für mich schreibe und niemand so recht etwas mit meinen Küchenweisheiten anfangen kann.

Das soll keine Anklage gegen meine Leser und/oder Besucher sein, aber wenn die Kochrezepte, die ich auf dem Blog der Buchgesellschaft poste, mehr Gefällt-mir-Sternchen einheimsen als meine gedanklichen Einsichten, dann stelle ich mir durchaus die Frage, ob meinen Themen lediglich das Sieb der Wahrheit überstehen, darüber hinaus aber nicht einfach nicht gut, unwichtig und unnötig sind. Dann sollte ich unter Umständen in Erwägung ziehen, aktiv zu fasten. Und zwar Worte.

Nun ist aber Sokrates höchst wahrscheinlich weder als Philosoph geboren worden noch ist die Weisheit auch sicherlich nicht vom Himmel gefallen. Und ich schaue wirklich oft in den Himmel. Dem jugendlichen Mitbewohner habe ich das ja auch schon versucht klar zu machen. Gut, die Zeiten ändern sich, denn selbst Schnee ist da dieser Tage schwer auszumachen, aber das ist führt hier nun doch zu weit.

Also, ich werde jedenfalls nun an einem Workshop zum Bloggen teilnehmen und dann entscheiden, ob meine Küchenweisheiten die anderen Siebe auch passieren und vielleicht doch noch ein Küchenphilosoph aus mir wird.

 

Eure Kerstin

5 Gedanken zu „Küchenphilosophie

  1. Liebe Kerstin,
    Also …ich setz mich jetzt einfach mal hier an Deinen Küchentisch und stipp meinen Teesack noch ein paar mal unter, bevor ich ihn beiseite lege für den zweiten Aufguss. Dieses Gefühl mal ne Pause machen zu müssen oder auch „wozu überhaupt bloggen?“ kennt irgendwie jeder von uns. Manchmal braucht man einfach nur neuen input (während eines Blogurlaubs), manchmal wird einem klar, dass sich was geändert hat in einem selbst und damit auch im Blog und manchmal braucht man die ein oder zwei Personen, die einem den entscheidenden Tritt in den Hintern geben 😉
    Wenn es um Input geht: die Themen fallen Dir zu, jeden Tag. Ob Dein Mitbewohner, Kollegen, Dein Haushalt oder irgendein neues Projekt, es findet sich immer was für ein Gespräch am Küchentisch. Ich hätte mich jetzt z.B. auf zukünftige Berichte von Dir zum Sprach- und Bloggerkurs gefreut.
    Wenn Du ein neues Blogkonzept brauchst…änder doch einfach, probier aus: neues Theme, andere Beiträge…einfach machen und oft kommt der Spass beim Tun.
    Wenn es der Tritt ist 😉 , der fehlt: ich persönlich liebe Küchenphilosophien, deshalb bin ich ja auch bei Dir gelandet. Wenn Du aufhören würdest zu bloggen, würdest Du zwar nicht aufhören zu denken, aber Du hättest den Beweis dafür nicht mehr und die Interaktion auch nicht, richtig ? Und nur der jugendliche Mitbewohner bringts nunmal nicht. Ich nehme mal an, Du bist grad aufgrund fehlender Klickzahlen gefrustet. Deshalb finde ich es super, dass Du den Kurs mitmachen willst. Einiges kannst Du hier bei Dir sicher verbessern, aber auf Erklärbär hab ich grad keine Lust und ungefragte Ratschläge, selbst wenn sie nett gemeint sin und durch die Siebe des Sokrates passen, kommen doof rüber.
    Also trink ich ganz in Ruhe meinen Tee aus, die Sahnewölkchen darin gleichen Deinem Blog und wünsch Dir einen schönen Abend ❤
    Letztendlich liegt es an jedem selbst, was er macht. Ich würds aber schade finden, keine Sahnewölkchen mehr zu sehen.
    Liebe Grüße
    Andrea

  2. Ich lese gern hier. Ich glaube, ursprünglich bin ich wegen dem Aufräum-Tatort hier gelandet, auch diese Karten-‚Aufgaben gefielen mir (da hatte ich aber noch keinen Blog, und konnte nichts liken).
    Du schreibst halt öfter mal nix.
    Ich sehe da noch viele Themen: Den Wanderweg zum Beispiel.
    Deine Gedanken sind eigenwillig, das kommt bei mir so an. Und sowas will ich lesen.

    LG gann

    • Danke für die Idee und Deine Antwort. Ja, mit der Regelmäßgkeit habe ich so mein Probleme. Da ist noch Potential. Mal sehen, wie es weiter geht. Liebe Grüße, Kerstin

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