Tag 22: Gleiche und selbe Fragen

Tag 22Habe ich schon mal erwähnt, dass mein jugendlicher Mitbewohner die Angewohnheit hat, mir gern fünf bis zehnmal oder noch öfter ein und dieselbe Frage stellt in der Hoffnung, meine Antwort würde sich irgendwann ändern?

Nun, hin und wieder antworte ich mit der Gegenfrage, ob hier vielleicht unter der Annahme gehandelt wird, dass ich bereits so verkalkt sei und unter Umständen mein ursprüngliches „Nein“ schlichtweg vergessen könnte, wenn man mich noch hundert weitere Male fragt, warum ich gegen den Erwerb eines total wichtigen und endcoolen Computerspiels bin. Weil – wohlgemerkt – alle haben das. „Klar, mein Augapfel, in dem Spiel herrscht zwar nur Mord und Totschlag und da steht eine dicke 18, aber wenn alle das haben, dann ist das natürlich kein Problem.“ So in etwa wäre wohl die Wunschantwort. Gut, vielleicht bis auf den „Augapfel“. Solche Bezeichnungen verbittet sich der jugendliche Mitbewohner von heute ausdrücklich.

Worauf ich eigentlich hinaus will? Ach ja, diese Frage habe ich doch schon beantwortet. Mehrmals, wenn ich mich nicht recht täusche. Nicht dieselbe, aber die gleiche. Der Autor der Fragen scheint also entweder auch anzunehmen, dass ich Probleme mit der Erinnerung habe, oder er ist selbst nicht mehr ganz bei sich.

Ich komme leider weder mit solchen, die mir nicht zuhören, noch mit solchen, die vergessen, was ich gesagt habe, wirklich gut klar. Von daher bin ich im Grunde als Mutter eine völlige Fehlbesetzung und der Wunsch, meinen aktuellen Lebensbereich gegen einen anderen zu tauschen, ist in solchen Momenten schon recht groß. Aber vielleicht mache ich das auch schon zu lange. Das Projekt hier natürlich. Oder dachte hier jemand an etwas anderes?

Dreißig Tage sind wirklich lang. Und heute ich erst Tag 22. Und wenn ich so die nächsten Fragen anschaue (konnte es mir leider nicht verkneifen, zu spicken, als ich so über die heutige Aufgabe sinniert habe und dachte, wie lange man denn wohl noch auf dem Thema herum reiten will) dann wiederholt sich dieselbe Frage noch ein paar Mal. Nur anders verpackt. Gleich eben. Schon bei dem Gedanken bin ich leicht genervt und versucht, ein „ach, mach’ doch, was Du willst“ auszusprechen und mir meine Energie für einen anderen Schauplatz aufzusparen.

Diesen Fragenkatalog könnte also auch mein jugendlicher Mitbewohner verfasst haben mit der Absicht, meine Aufmerksamkeit und Erziehungsmaßnahmen in andere Bahnen zu lenken. Oder als Strategie, wie koche ich meine Aufsichtsperson weich. Es ist wirklich erstaunlich, was in einem so manchem unreifem und überreifem Hirn alles für Ideen keimen.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

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