Tag 14: Stolpersteine

Tag 14Als Kind/Jugendliche bestand mein Lebensziel darin, Kinder zu haben. Ganz klassisch eben. Etwas später, als ich beruflich mit Kindern zu tun und auch schon die eine oder andere enttäuschte Liebe hinter mit hatte, erschienen mir Kinder eher hinderlich und ein neues Lebensziel war geboren: Die Welt sehen und Karriere machen. Tja, und dann war ich irgendwann plötzlich schwanger und stolperte in ein anderes Leben. Und hin und wieder ertappe ich mich noch heute dabei, dass ich über mein Leben stolpere, wenn der jugendliche Mitbewohner und meine eigenen Lebensziele sich irgendwie mal wieder auf den entgegensetzten Seiten der Weltkugel zu befinden scheinen.

Aber oft sind es eben die Kinder, welche zu Stolpersteinen werden, wenn man als Mutter beruflich weiterkommen oder auch einfach nur akzeptiert werden möchte. Niemand bewundert die Mutter, die es schafft, morgens ein oder mehrere Kinder mit Frühstück und Brotzeit zu versorgen und rechtzeitig zum Kindergarten zu bringen oder zur Schule zu schicken, um dann selbst frisch und voller Tatendrang pünktlich am Schreibtisch zu sitzen. Wenn sie sich aber verspätet, dann hagelt es Blicke: ‚Ist wohl etwas überfordert mit ihren Aufgaben und dem Nachwuchs. Hat es irgendwie nicht im Griff. Schlecht organisiert.’ Wenn aber der Vater mal die morgendliche Routine übernimmt und dann verspätet zum Meeting erscheint, wird ihm anerkennend auf die Schulter geschlagen: ‚Was für ein toller Vater. Kümmert sich um den Nachwuchs, wie vorbildlich. Kann ja mal passieren.’ Wie kann es nur sein, dass sich seit meiner Kindheit nichts geändert hat an der klassischen Sichtweise, frage ich mich?

Unlängst erhielten alle Teilnehmer bei einem Seminar einen kleinen Stein, auf dem „Stolperstein“ geschrieben stand. Jedes Mal, wenn wir mit einem Projekt, einen Vorhaben oder einer Idee nicht weiter kämen, sollten wir den Stein nehmen und uns vor Augen führen, was uns zum Stolpern brachte. Meine Kollegin und Freundin meinte damals, dass sie es sich im Grunde gar nicht zu sagen traue, aber ihr Stolperstein seien die Kinder. Nämlich immer dann, wenn sie in der Arbeit noch etwas zu Ende machen wolle, aber die Kinder bereits auf dem Weg nach Hause wären, oder morgens aufgrund der Querelen zuhause sich selbst nicht rechtzeitig fertig machen können.

Da wusste ich, dass es dazu gehört, zu stolpern: Über Lebensziele, die scheitern oder erfolgreich sind oder immer mal wieder neu definiert werden. Und den Rest kriegen wir auch noch hin.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

 

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