Tag 12: Parallelwelt

Tag 12Schade, wenn ich gestern gewusst hätte, was heute die Frage ist, dann hätte ich vielleicht für Tag 11 einen anderen Artikel geschrieben. Das mit der Pubertät hätte so gut gepasst. Wirklich schade. Nun gut, es liegt in der Natur des Menschen und ich hoffe, aller anderen Lebewesen und überhaupt auch, dass wir Entscheidungen nicht rückgängig machen können, in dem wir die Uhr einfach zurück drehen. Wir können uns in einer ähnlichen Situation nur anders entscheiden. Von daher könnte ich nun wirklich die restlichen achtzehn Fragen genau durchlesen, um nicht wieder da zu sitzen und zu sagen: ‚Warum hast Du das schon bei Tag 12 geschrieben? Das hätte doch nun viel besser gepasst.’

Nun gut. So ist das nun mal. Also, welche Erlebnisse gehören wohl noch zu jenen, bei denen ich aus voller Überzeugung behaupten kann: ‚Schluss. Aus. Vorbei. Und komm bitte nicht wieder.’? Das ist wirklich schwer.

Manchmal bin ich schon abends froh, dass der Tag vorbei ist, wenn mein jugendlicher Mitbewohner mal wieder jeden Wortwechsel in eine endlose Diskussion verwandelt und meinen Argumenten vollkommen resistent gegenüber ist. Einfach so. Von Anfang bis Ende. Und wenn dann endlich Ruhe ist und ich auch zur Ruhe komme, denke ich: ‚Morgen machst Du das besser.’ Nur, um am nächsten Morgen bei der kleinsten Kleinigkeit gleich wieder in die Luft zu gehen.

Manchmal war ich auch schon froh, wenn die Bergwanderung vorbei war, weil ich stundenlang im Regen/Schnee/Nebel umher gelaufen bin. Nur um am Abend dann gleich zu schauen, welchen Gipfel ich beim nächsten Mal erklimme.

Manchmal weiß ich sogar schon im Voraus, dass ich froh sein werde, wenn etwas vorbei ist. Zum Beispiel, wenn ich zur Zahnreinigung muss. Schrecklich. Das geht durch Mark und Bein. Trotzdem mache ich dann brav wieder einen neuen Termin aus.

Und manchmal ertappe auch ich mich an Silvester dabei, dass ich froh bin, das alte Jahr hinter mir zu lassen und hoffe, im neuen würden sich die Dinge positiver entwickeln. Nur dass dies nichts mit Jahreszahlen zu tun hat, wird mir meist dann auch gleich an Neujahr klar. Aber probieren kann man es ja mal.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nein, eigentlich bin ich bei gar nichts froh, dass es vorbei ist. Also richtig froh. Klar habe ich unzählige Entscheidungen getroffen, die zu unglücklichen Erlebnissen geführt haben, die ich nicht unbedingt nochmals erleben möchte. Aber ich bereue es auch nicht. „Nicht das Gute, das man mir getan hat, Nicht das Schlechte, Das Alles ist mir relativ egal“, sang schon Édith Piaf in ihrem großartigen Chanson. Gehört ja auch irgendwie zu mir. Und wenn ich auch nur eine Entscheidung rückgängig machen könnte, dann wäre ich heute nicht hier, sondern in einem Paralleluniversum. Wie bei „Zurück in die Zukunft“ oder „Der Anschlag“. Man ändert nur ein Ereignis und schon gerät die Welt aus den Fugen. Also das könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Dann lieber so. Echt und live und in Farbe.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

P.S.: Interessanterweise wurde „Non, je ne regrette rien“ auch in dem Film „Inception“ verwendet, bei dem es ja unter anderem um vergangene Entscheidungen und Parallelwelten im weitesten Sinne geht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s