Versuch und Irrtum

Karte Nr. 25: „Werden Sie durch Fehler stark: Sie haben vergessen, eine Mail zu beantworten oder morgens verschlafen? Suchen Sie keine Entschuldigungen und stehen Sie zu Ihrem Malheur. Daraus entsteht wahre Kraft.“

Ich bin schon fast ein halbes Jahrhundert alt. Das macht also schon fast ein halbes Jahrhundert Versuch und Irrtum. Schließlich bin ich ein Mensch. Und auch, wenn ich mich noch so sehr anstrenge in Richtung Perfektionismus, kämpfe ich auch immer mit meiner an mich gestellten Erwartungshaltung. Im Leben geht es eben um Fehler machen und aus diesen zu lernen.

Als Kind fasst man den heißen Herd an, man verbrennt sich die Finger und von an versucht man, sich von heißen Kochplatten fern zu halten. Als Jugendlicher küsst man den niedlichen Jungen, man wird verletzt und von da an versucht man, sich von den Blendern fern zu halten. Als Erwachsener kauft man ein Schnäppchen, man wird enttäuscht und von da an versucht man, sein Geld weise und sinnvoll zu investieren. So zumindest die Theorie.

Nein, ich bedauere die Fehler nicht, die ich gemacht habe. Ich bereue auch keine Entscheidung, die sich im Nachhinein als unklug heraus gestellt hat. Ich bin vielleicht hin und wieder traurig über die verbrannten Finger und das böse Erwachen, aber ich kann erkennen, wo und wann ich einen hitzebeständigeren Ofenhandschuh hätte anziehen sollen.

Eine gewisse Reife und Erfahrung hilft einem, mit dem einen oder anderen Malheur fertig zu werden. Ich versinke nicht im Boden, wenn ich den falschen Verteiler für eine E-Mail benutze oder ein vertrauliches Dokument unverschlüsselt losschicke. Ich kann reinen Gewissen behaupten, dass dies unvermeidbare Nebeneffekte eines Lebens auf der Überholspur oder im Hamsterrad oder wie auch immer man unser Leben heutzutage betiteln mag, sind. Vielleicht ist das ja der Lerneffekt. Man verfällt nicht mehr in Panik, weil man weiß, dass es aller Wahrscheinlichkeit, nicht der letzte Fehler sein wird, den man macht. Was mich im Hinblick auf meine Zukunft beunruhigt, ist eher die Angst, dass die Auswirkungen größer und verheerender sein könnten. Und vielleicht bin ich dann nicht mehr gefestigt genug, damit gelassen umzugehen. Denn des Vergnügen beim Versuch-und-Irrtum des Lebens liegt darin, dass niemand dabei verletzt wird.

Bleiben noch zwei Power Karten. Eine 50:50 Chance. Karte Nr. 26: „Zeigen Sie (mehr) Haltung: Sagen Sie nicht nur, DASS, sondern auch WARUM Sie etwas gut finde. Dazu gehört etwa, bei Facebook nicht nur ‚Gefällt mir’ zu klicken, sondern außerdem einen Kommentar zu formulieren. Das regt das Denken an.“ Hört sich gut an. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

P.S.: Ach ja, und nur der Ordnung halber: Ich würde ja gern mal verschlafen. Besser gesagt, ausschlafen. Aber wenn die Kirchenglocken pünktlich um sieben Uhr läuten, dann erübrigt sich der Versuch. Und das soll keine Entschuldigung sein.

2 Gedanken zu „Versuch und Irrtum

  1. Beinahe hätte ich nur gefällt mir gedrückt, aber dann hätte ich das mit dem Anregen zum Denken verpasst. Mir gefällt der Beitrag, weil ich die Dinge genau so wie beschrieben sehe. Und das mit dem zu spät kommen, bekomme ich auch nicht hin (Nur ganz selten ;-).)

    • Lustig, und ich habe gerade den tollen Leuchtturm verlinkt. Immer schön weiter treten und auf dass der Wind immer von hinten kommt 😉
      Liebe Grüße, Kerstin

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