Toy Story – Spiel des Lebens

Leseecke„Was war Ihr Lieblingsspielzeug als Kind? Sehen Sie eine Verbindung zu Ihrem jetzigen Leben?“

Hier muss ich wirklich meine grauen Zellen aktivieren. Ist gefühlt schon eine (sehr) lange Zeit her, dass ich aus dem Kinderspielzeugalter raus bin. Wobei, Spielen ist ja im Grunde ein zeitloses Vergnügen und ich ertappe mich gelegentlich dabei, dass ich voller Begeisterung Lego-Schlösser baue – vielleicht sogar mit noch mehr Enthusiasmus als so manches Kind. Mag eventuell auch daran liegen, dass Kinder heutzutage einfach ein Übermaß an Spielzeug zur Auswahl haben und sich so nie lange und ausgiebig mit nur einer Sache beschäftigen müssen. Bei mir war das noch etwas anders.

Meine Legosteine lagerten in einer dieser großen Waschmitteltonnen, die es damals gab und welche von meiner Mutter mit Folie beklebt wurde. Beim Suchen nach den passenden Steinen wurde diese dann hin und her gewälzt. Stundenlang musste meine Umwelt das schabende Geräusch der aneinanderstoßenden Plastikteile ertragen. Neben Legosteinen war ich ein großer Fan von Bauklötzen und in Kombination ließen sich gewaltige, wenn auch nicht architektonisch anspruchsvolle Gebilde erschaffen. Architekt oder etwas in der Richtung stand trotzdem nie auf der Wunschliste, wenngleich ich gern schöne Bauwerke aller Art betrachte und immer die Einrichtung anderer Leute unter die Lupe nehme. Dies könnte aber auch als Neugier durchgehen.

Ganz klar, da ich ein Mädchen bin, gehörten Puppen zur Standardausstattung. Die erste Puppe, die ich geschenkt bekam, war eine Babypuppe mit weichem Körper und Schmollmund. Brummi genannt, wie ich damals. Der Legende nach habe ich als Kleinkind gern ebenso geschmollt und daher meine Eltern dazu veranlasst, dieser Marotte mit einem Spiegelbild Abhilfe zu verschaffen. Hat funktioniert, würde ich sagen. Ich bin ein von Grund auf freundliches Wesen und kann Leute mit schlechter Laune schwer ertragen. Allerdings entdecke ich im Laufe der Jahre immer mehr Falten in meinem Gesicht, die mich stark an das grimmige Aussehen von Brummi erinnern. Hoffentlich eigne ich mir mit zunehmendem  Alter also nicht auch die andere Eigenschaft an und werde zum Griesgram. Des weiteren gehörten zwei dunkelhäutige Puppen zu meinem Hofstaat, was Anfang/Mitte der 70er Jahre mit Sicherheit recht ungewöhnlich war, was sicherlich an dem sozialen Gedankengut meiner Mutter lag. Ist  mir ja schon bei meiner Namensnachforschung aufgefallen. Heute kann ich von mir behaupten, dass ich anpassungsfähig und ein weltoffener Mensch bin. Ich liebe fremde Länder und Kulturen und lasse mich gern auf Menschen aller Couleur ein.

Ach ja, einen Monchichi hatte ich auch. Dass es die noch gibt, kann ich mir schwerlich vorstellen. Jedenfalls was das so eine Art Kreuzung zwischen Menschenbaby und Affe und/oder Bär. Lange Wimpern, blaue Augen und Sommersprossen, glaube ich. Einer der Daumen war zu einem Schnuller mutiert, den der Monchichi in den Mund nehmen konnte. Schlabberiger Körper mit kurzen Beinen und langen Armen, braunes Fell und auf dem Kopf ein kleiner Fellbüschel, der mit einer Schleife zum Zopf gebunden wurde. Das war die Mädchenversion. Jungs kamen ohne Schleife. Oha, wenn ich so darüber nachdenke, klingt das eher nach Dr. Frankenstein als nach kindlich gerechten Spielzeug. Wahrscheinlich daher meine Abneigung gegenüber Horrorfilmen.

Barbies, klar, hatte ich auch. Nach der Puppenphase. Genauer gesagt, eine sonnenstudiogebräunte, blonde Schönheit, eine mit langen, dunklen Haaren, eine Dunkelhäutige, ja auch hier wieder der Einfluss meiner Mutter, der ich kurzerhand die Haare schnitt, weil es einfach besser zu ihr passte, ein Kind und natürlich Ken. Sozusagen, Ken und seine drei Frauen. Wem das Kind gehörte und ob es Ken’s Tochter war, ist nicht so ganz klar gewesen. Ihn habe ich mal über Nacht auf der Heizung vergessen, danach waren seine Füße leicht verformt und von da an musste er ohne Schuhe leben, da diese ihm nicht mehr passten. Erklärt sicher mein etwas gestörtes Verhältnis zum männlichen Teil der Menschheit.

Lesen und Gesellschaftsspiele gehören zwar nicht so sehr in die Kategorie Spielzeug, zählen aber nach wie vor zu meinen liebsten Beschäftigungen und Vergnügungen. Bei Letzterem hatte mein Vater die Angewohnheit, mich grundsätzlich nicht gewinnen zu lassen, nur weil ich ein Kind war. Jeden Sieg, den ich errungen habe, war ein ehrlicher Sieg. Ich habe gekämpft und nicht aufgegeben. Eine wunderbare Lehre, die mir im Laufe meines Lebens viel Kraft und Willen verliehen hat.

Welches nun mein Lieblingsspielzeug war, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Ich erinnere mich allerdings sehr genau daran, dass ich immer gern auch mit Autos gespielt habe und mir  – zumindestens eine Zeit lang – nichts sehnlicher gewünscht habe als ein Go-Cart. Einer meiner Kindergartenfreunde hatte eines, während ich „nur“ ein Fahrrad besaß. Mann, wie war ich eifersüchtig und neidisch. Immer ist er damit wie irre über den Hof gesaust, hat Kurven gedreht und Vollbremsungen hingelegt. Offensichtlich was das selbst meiner feministisch angehauchten Mutter zu viel des Guten, denn dieser Wunsch blieb mir verwehrt. Dafür kann ich mich heutzutage für schicke und vor allem schnelle Autos begeistern. Vorausgesetzt, ich bin der Fahrer.

Wie gesagt, die Begeisterung für Dinge ändert sich mit der Zeit und ich bin vielmehr der Ansicht, dass es zu jeder Phase ein Spielzeug gibt, welches das Spielzeug ist. Was bleibt, ist die Erinnerung, Kind zu sein und sich in selbsterschaffenen, fantastischen Welten zu verlieren, die nur den eigenen Regeln folgen. Die beste Vorbereitung auf das Spiel des Lebens. Und dann liegt es an uns selbst, was wir daraus machen.

Eure Kerstin

2 Gedanken zu „Toy Story – Spiel des Lebens

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