„These boots are made for walking“ – von Märchen und Prinzen

Leseecke“Welches sind Ihre Lieblingsschuhe und wohin sind Sie mit diesen gegangen?“

Um hier gleich ein typisches Vorurteil zu bestätigen: Diese Frage lässt sich nicht einfach so beantworten. Frauen haben nicht nur ein Paar Lieblingsschuhe. Viel mehr ist eher so, dass alle Schuhe Lieblingsstücke sind. Und nie hat frau die passenden Treter zum Outfit. Das ist fast so wie mit Vasen. Egal, wie viele man hat, es ist nie die Richtige dabei. Hinzu zu fügen ist auch, dass die wenigsten Frauenschuhe zum (längeren) Gehen geeignet sind.

Ich erinnere mich da einen Theaterbesuch vor ein paar Jahren, bei dem ich Schuhe anhatte, die sich nur im stehenden und sitzenden Zustand tragen ließen, so dermaßen hoch waren die. Damit ich ohne gebrochene Gliedmaßen den Weg von und nach Hause überstehen würde, hatte mir extra ein zweites Paar Ballerinas eingepackt. Meine Füße schmerzten trotzdem höllisch am Ende des Abends. Da fragt Mann sich zu Recht, warum Frau sich so etwas antut. Zumal ich mir ziemlich sicher bin, dass es nicht wirklich elegant aussah, wie ich mit zusammen gebissenen Zähnen und wie auf Eiern gehend, ein Glas in der Hand balancierend, durch das Foyer tapste. Da hilft es auch nichts, wenn es sich dabei um sündhaft teure, spitzenbespannte Seiden-Peeptoes handelt. Was ich damit sagen will: Frauen – ich – lieben Schuhe auch deswegen, weil es zu jedem Paar eine Geschichte gibt und bei jedem Schuhkauf hat man ein bestimmtes Outfit im Kopf, zu welchem der Fund perfekt passt. Manchmal ist auch der Schuh, der einfach die Stimmung perfekt wiedergibt.

Bei einem gemeinsamen Einkaufsbummel mit meinem späteren Ex zu einer Zeit, als schon nichts mehr zu retten war, standen wir in einem Schuhladen und ich habe dieses etwas schrille Paar Riemchenpumps gesehen. Meine Begleitung schien sichtlich überrascht, dass ich etwas derart Ausgefallenes in Erwägung zog. „So was hätte ich Dir früher gern gekauft.“ Da wusste ich, dass ich nicht ohne aus dem Geschäft gehen konnte. Von daher sind Schuhe auch so etwas wie Lebensabschnittsgefährten, die wir oftmals viel länger pflegen als deren menschliche Namenspaten. Selbst Nancy Sinatra nutzte ihre Stiefel, um den Besungenen für seine Untreue und Lügen zu strafen, und mit eben diesen irgendwann über ihn hinweg zu laufen.

Zum Beispiel geht nichts über echte Lederschuhe mit gleicher Sohle. In meinem Besitz befindet sich ein Paar schwarze Loafers, die ich schon diverse Male habe besohlen lassen und unzählige Male neue Absätze verpasst habe. Aber sie sehen immer noch tadellos aus und tragen sich wunderbar. Wahre Galoschen des Glücks. Wobei diese ihren Trägern bekanntlich kein Glück gebracht haben. Was mich zu der Überlegung bringt, ob mir Schuhe schon jemals Glück gebracht haben. So wie bei Aschenputtel, die der Prinz an Hand des verlorenen Schuhs findet. Ok, ich habe noch nie nur einen Schuh verloren. Ist also fraglich, ob es dann mit dem Prinzen klappt. Und ich frage mich auch immer, wenn ich denn mal ein verlassenes Exemplar an zum Teil recht ungewöhnlichen Orten entdecke, wie man nur einen Schuh verlieren kann. Hat vielleicht mit dem gleichen Phänomen wie die Sache von dem einen Socken, der in den Tiefen der Waschmaschine verschwindet, zu tun. Gut, manche Dinge muss man einfach nehmen, wie sie sind.

Bei Schuhen ist das anders. Diese müssen dem Fuß schmeicheln und die Persönlichkeit des Trägers wiederspiegeln. Ich mag Schuhe, die bis zu einem gewissen Grad auffallen. Gern trage ich zu einem schlichten grauen Anzug rote Lackschuhe. Oder silberne Sandalen zum luftigen Sommerkleid. Oder pink-orange Pantoletten zur Jeans. Zum ausgeprägten Schuhtick fehlen mir allerdings das nötige Kleingeld und die richtige Schuhgröße. Bei einer 35 beschränkt sich das Angebot in einem normalen deutschen Schuhladen auf die Kinderabteilung. Bleibt also noch die Designerecke oder der Shoppingtrip in südlichere Länder, in denen Frauen mit dieser Größe offensichtlich zum Durchschnitt gehören. Noch spannender ist es, Schuhe im Internet zu kaufen.

Obwohl. Zu Beginn des Winters 2006 habe ich einmal Stiefel in meiner Größe dort erworben. Bis dato habe ich mich immer damit begnügt, eine 36 zu kaufen und Sohlen einzulegen. Ist im Winter und wenn man so wie ich immer schnell friert, nicht das Schlechteste. Sieht man ja auch nicht, anders als in Sandalen zum Beispiel. Die müssen eben passen. Die besagten Stiefel waren perfekt und sind es noch immer – sechs Winter später. Und demnächst werde ich sie aus ihrem Sommerlager hervor holen und mich daran erinnern, wie ich damals mit nigel-nagel-neuen Stiefeln nach New York zum Christmas Shopping geflogen bin und keine einzige Blase das Vergnügen geschmählert hat.

In die gleiche Kategorie fallen auch meine Wanderschuhe. Wahrhafte Namensvertreter, die ihren Zweck, nämlich Gehen, vollends erfüllen. Echte Siebenmeilenstiefel, gemacht, um die Welt zu erforschen. Vielleicht nicht so schicksalhaft, dafür annähernd so mühelos. Bergauf, bergab. Nur barfuss Laufen ist schöner. Überhaupt geht nichts über das Laufen mit bloßen Füßen. Sommers wie Winters fröne ich diesem, wenn ich zuhause bin. Hier und da gibt es auch Barfusspfade, bei denen die verschiedenen Untergründe ergangen werden können. In Schuhen selbst bin ich auch gerne barfuss. Daher zählen meine Uggs ebenso zum Kreis der Lieblingsschuhe wie Flip Flops. Beides keine Schuhe, die den Füßen wirklich schmeicheln, wenn wir mal ehrlich sind. Es ist also gar nicht so einfach, die perfekten Lieblingsschuhe zu finden. Genauso wie den perfekten Prinzen. Frau muss lange Suche. Von daher komme ich hierfür auf den namensgebenden Song zurück: “Are you ready boots? Start walkin’!”

Eure Kerstin

8 Gedanken zu „„These boots are made for walking“ – von Märchen und Prinzen

    • Vielen Dank und liebe Grüße, Kerstin. Habe den Artikel gerade nochmal gelesen, da er ja doch schon etwas älter ist. Die beschriebenen Schuhe habe ich tatsächlich alle noch, bis auf die schrecklichen Spitzen-Peeptoes. Die waren wirklich untragbar 🙂

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