Lebenslinien, oder wovon man besser die Finger lassen sollte

Leseecke„Sie sind auf einem langen Flug und neben Ihnen sitzt eine Wahrsagerin, die darauf besteht, Ihnen aus der Hand zu lesen. Was wird Sie Ihnen erzählen?“

Vorweg muss ich allerdings sagen, dass ich mit Dingen, wie Horoskop, Sternzeichen usw. recht wenig bis gar nichts am Hut habe. Daher habe ich mal in dem schlauen Buch des world wide web nachgeschlagen, was die Furchen noch so zu sagen haben, außer, dass ich eine bessere Handcreme benutzen sollte.

Tja, und wenn ich mir meine Hände so betrachte, dann wird das ein Höllenritt. Fangen wir also einfach an: Wie es in einschlägigen Filmen und Romanen so ist, setzt die Wahrsagerin einen durchdringenden Blick auf, als sie meine rechte Hand betrachtet. Ich dachte ja immer, dass man aus der Linken liest. Aber, es ist eher so, dass man die „Stärkere“ – sprich, Schreibhand – dazu nimmt. Da ich zwar rechts schreibe, aber durchaus viele Dinge mit links mache, hege ich so meine Zweifel, ob der stärkeren Hand.

Nach einiger Zeit räuspert sie sich und seufzt: „Sowohl im Leben als auch in der Liebe wirst Du leider mit vielen Schicksalsschlägen und Enttäuschungen konfrontiert.“ Sie tätschelt aufmunternd meine Schulter: „Deine Kopflinie weist auf Intelligenz und Talent hin.“ Puh, dann ist ja nicht alles verloren. „Die Herzlinie und Sonnenlinie deuten auf Glück in der Liebe und im Leben. Du hast zwei intensive, leidenschaftliche und lange Beziehungen in Deinem Leben, aber ein schwieriges Liebesleben und mehrere Ehen.“ Na, wie soll ich das denn verstehen? Dass ich so was wie jede Menge Ein-Tages-Ehen habe? Und wenn ich es mal so grob überschlage, dann sind die beiden, längeren Beziehungen auch schon abgehakt. Sie streicht über mein Handgelenk und fährt die Lebenslinie entlang: „Du wirst ein langes Leben haben. Allerdings werden Deine Gesundheit und Lebenskraft Dich nicht bis an Dein Lebensende begleiten. Könnte sein, dass Dein Erinnerungsvermögen nachlässt.“ Na toll, ich werde uralt und dement. Kein Wunder, dass ich dann mehrere Ehen habe und mein Liebesleben kompliziert ist: Ich kann mich einfach nie daran erinnern, wer und wo mein Mann ist. Eine Spur von Trauer liegt in ihrer Stimme, als sie verkündet: „Eine Verbindung zu Helfern aus der spirituellen Welt kann ich nicht sehen.“ Zum Glück, bei den ganzen Ehemännern kann ich beim besten Willen nicht auch noch Stimmen aus dem Jenseits oder sonst woher brauchen, die mir sagen, was ich tun soll.

Und hier wird sie eine Pause machen, meine zweite Hand nehmen, die Stirn runzeln und flüstern: „Leider muss ich Dir auch sagen, dass Du einen unstabilen Charakter hast und aus den Möglichkeiten, die Dir das Leben bietet, nicht viel machen wirst und recht oberflächlich bist.“ Ok, wo ist die Stewardess? Ich brauche einen Drink. Am besten gleich die ganze Flasche. Auch wenn ich bekennende Anti-Alkoholikerin bin. Egal. Obwohl das den Prozess des Realitätsverlustes sicherlich beschleunigt. Egal, die beste Zeit ist eh schon vorbei. Dann wird sie mich mitleidig und sorgenvoll anschauen und den Platz wechseln. Neben normalen Sterblichen, die sich demnächst an nichts mehr erinnern und One-Night-Ehen führen und noch dazu charakterschwach sind, will nun wirklich niemand während eines langen Fluges sitzen. Solch schlechtes Karma ist am Ende noch ansteckend.

So viel zu meinem Erlebnis in 10.000 Metern Höhe. Ursprünglich wollte ich zum besseren Verständnis ein Foto meiner Hand hier einfügen, verzichte aber lieber, da ich dem Leser es nicht zumuten möchte, die gleichen oder ähnliche Hiobsbotschaften in den eigenen Handflächen zu entdecken. Im Grunde kann ich daher nur jedem abraten, sich auf ein solches Experiment einzulassen oder im Flugzeug grundsätzlich zu schlafen bzw. dies vorzutäuschen. Denn bekanntlich ist die Freiheit über den Wolken grenzenlos. Und das trifft auch auf das trifft offenbar auch auf Hirngespinste zu.

Zum Glück bin ich, wie anfangs gesagt, in der Hinsicht Realist, obwohl ich immer mal wieder gern daran glauben würde. Und vielleicht habe ich das nach dem Internet Crashkurs im Handlesen auch alles völlig falsch verstanden, aber ich hätte besser die Finger davon lassen sollen, denn nun würde ich ja schon gern wissen, was meine Hände so über mich und mein Leben sagen. Auch wenn ich es nicht wirklich glaube. Ja, so ist das eben mit den bipolaren Persönlichkeiten, die sich am Ende nicht mehr daran erinnern können, was sie am Anfang gesagt haben.

Eure Kerstin

5 Gedanken zu „Lebenslinien, oder wovon man besser die Finger lassen sollte

  1. Auch wenn ich zu dem Thema nicht Deiner Meinung bin (Tarot und Gestirne gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen) superlustig geschrieben. Ich mag Deine Schlußfolgerungen, so lebensnah…brauchst Du nicht noch n Nebenjob ? Astro-TV sucht doch immer *pruuuust*.

  2. Pingback: Glaubensbekenntnis – alltagseinsichten

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